// you’re reading...

Album Reviews

Eels – End Times

Während der Vorgänger “Hombre Lobo” noch Lust und Verlangen anging, handelt “End Times” anscheinend vom Gegenteil, bzw. vom Danach.

“End Times” stammt aus Everetts purem Leben und verzeichnet eine Rekordprodukionszeit von sechs Monaten (6!!!). Und während zwischen den beiden letzten Alben “Blinking Lights And Other Revelations” (2005) und “Hombre Lobo” (2009) vier lange Jahre lagen, sah er sich in der Schuld der Fangemeinde eine Art Reparation zu liefern. Dem war aber nicht nur mit der kurzen Wartefrist gedient, sondern auch mit dem autobiographischen Charakter der Songs, deren Thematik so persönlich ist, dass Everett laut Presseinfo in keinem Interview zu den Inhalten Stellung nehmen wird.

Denn wer sich mit der Materie um Eels auskennt weiß es sicherlich schon längst: Sie ist weg! Weg! Und er ist wieder allein, allein. Oder um es nicht in so vierfach fantastischen Worten auszudrücken: Eels-Frontmann, -Gründer und allgemein alles in Eels: Mark Oliver Everett alias “E” hat seine große Liebe verloren. Unter eben diesem Stern steht auch das achte Werk “End Times”. Doch zum Glück ist das Glas für Everett nicht berstend am Boden zerschellt, sondern noch in den Normen von “halb voll” und “halb leer”, in denen sich alle 14 Lieder in reger Abwechslung bewegen. Mal aus Nostalgie schöpfend (”Apple Trees”, “End Times”), mal als unkonventioneller Slacker (”Gone Man”, “Unhinged”). Würde man nun nicht seit einem halben Jahrhundert den bescheidenen Folk mit mittelschwerem Herzen als Paradedisziplin der Singer- / Songwriter-Liga deklarieren, hätte “E” dementsprechend wahre Pionierarbeit geleistet! Doch ist es nur verständlich, dass man nach seinem 7. Album die Muse nicht weg tritt, welche einem mit Inspiration des Liebeskummers versieht und gleichzeitig an die 90er Jahre der Band erinnert.

“E” allein nahm die gesamte CD in seinem Keller in Los Angeles auf und genauso dürfte man sich dann wohl auch die Tour durch die verrauchten Kellerkneipen vorstellen. Mit einem Sänger, der keinmal seinen Blick nach oben wenden wird. Die Anekdoten, die dem Hörer erzählt werden, die sparsame Akustikdarbietung wie für die Fußgängerzone gemacht und der Schwung ins countryhafte und bluesige sind ganz nett, jedoch zusammenfassend ein Jota zu repetitiv, wobei man aber nicht den Eels-Bonus vergessen sollte, der einiges verschmerzen lässt. “End Times” greift zwar nicht zu hoch, aber wie kann man dem Herren mit dem inspirativen Bart nicht voller Wonne beim unprätentiösen Leiden zuhören wollen. Zwar handelt es sich hierbei nicht um ein Innovationsmonster, doch wird jeder Herzensschwere da draußen der kleine Weg von “The Beginning” der Beziehung, über dessen “End Times” bis man wieder “On [His] Feet” steht, gewiesen. Ganz besonderes Schmuckstück für mich persönlich ist “A Line In The Dirt”. So ein harter US-Akzent und derartig dreckige Zeilen im Zusammenspiel mit tristem Klavierspiel und Streichern leiten die titelgebenden “End Times” ein, sodass einem die Wahrheit der Darbietung echt ergreift: “She locked herself in the bathroom again. So I am pissing in the yard. I have to laugh when I think how far it’s gone. But things aren’t funny, anymore. ” (”A Dirt In The Line”).

Es mag seltsam klingen, aber der Tonträger hat mich ein wenig an verbittert klingende Friska Viljor erinnert, die sich einst sogar aus zergehenden Liebschaften ergründeten. “End Times” heißt also das Album für alle Trennungsschmerzenden und solche, die es noch werden wollen. Für Fans von Neil Young oder für Feinde des Genremix ist das ein richtig feines Stück Musik, was einerseits bedeutet, dass es von manchen das liebste, oder auch das unbeliebteste Eels-Album sein dürfte. “Aber darauf bin ich vorbereitet”, wie Everett selbst im Beipackzettel verlauten lässt.

★★★★★★★☆☆☆
Eels

Youtube direkt

Homepage // Myspace // Label

End Times – bei Amazon.de kaufen

Discussion

One comment for “Eels – End Times”

  1. ja ja, der Gute E. Werde wohl niemals mit ihm warm, das Album-Cover ist allerdings recht cool

    :)

    Posted by Iain WhiteTapes | February 9, 2010, 7:49 am

Post a comment

Archives

WhiteTapes TV - powered bei tape.tv