Kai Müller vom Stylespion meinte vor einigen Tagen über Annie Clark, “St Vincent könnte einer der Top Newcomer dieses Jahres werden” (Link). Was Kai wohl nicht bewusst war, Annie Clark tourte bereits Ende 2006 im Vorprogramm des großartigen Sufjan Stevens, veröffentlichte zunächst die umjubelte EP “Paris Is Burning” und wurde für ihr Ende 2007 erschienenes Debüt-Album “Marry Me” von der gesamten Blogosphäre und allen Instanzen musikalischer Berichterstattung gefeiert. Vorwissen, das im Grunde unwichtig erscheint, aber den Einstieg in St. Vincent Album Nummer 2, “Actor” ungemein erleichtert. Das gibt sich nämlich deutlich sperriger und verschrobener als das Debüt “Marry Me”. Kai hat dennoch recht mit seiner Prognose, denn nach dem Indie-Sektor scheint Annie nun auch in den Fokus der breiteren Masse zu gelangen, Beleg hierfür eine Rezension zu “Actor” in der ComputerBild (!), die das Album als “Meisterwerk” und den musikalischen Stil von Frau Clark als “Disney-Electro-Folk” bezeichnet.
Mal abgesehen von der etwas seltsamen Stil-Beschreibung stimmen wir der Springer-Presse zu und attestieren Annie Clark einen ganz großen Wurf. Der Opener “The Strangers” gibt da schon einen ganz guten Start. Eine kitschige Melodie, ein pumpender Beat und über allem schwebt Annie’s zarte Stimme. Eine Stimme, die Annie gekonnt einsetzt, um die auf dem gesamten Album vorherrschenden häufig sehr vertrackten, beinahe avantgardistischen Melodieführungen zu Gesamtkonstrukten zusammen zu fügen. Konstrukte, also Songs irgendwo zwischen Breitwand-Pop, Folk und Film Noir Soundtrack. Bereits ihr Debüt beschrieb das Label 4AD als Soundtrack zum Paris der 20er Jahre. Zu Album Nummer 2 wäre das wieder zutreffend. Ein leicht düsterer Film mit kunstvoller Bildsprache, einem gehörigen Schuss Romantik und jeder Menge schwarzem Humor. In der Hauptrolle die Schauspielerin eines Kammertheaters, die kürzlich entlassen wurde und sich nun irgendwie in der französischen Hauptstadt durchschlägt. Einfach gesagt, auf “Actor” versammelt Annie Clark neben tollen Melodien und packenden Songs, wie etwa “Actor Out Of Work”, “Black Rainbow” und vielen mehr, auch jede Menge Stoff für allergrößtes Kopfkino. Wir würden uns derweil für Annie freuen, wenn Kai und ComputerBild mit ihrer Einschätzung recht haben und freuen uns darauf in der Gala bei unserem Friseur vielleicht bald Annie Clark zu sehen.
Video zu “Actor Out Of Work”
Interview // Homepage // Myspace // Label
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