Etwas mehr als ein Jahr nach seinem selbstbetitelten Debüt und …
Edda Magnason – Goods
Die halb schwedische, halb isländische Songwriterin, Sängerin und Pianistin Edda Magnason ist in Deutschland noch relativ unbekannt. In ihrer Heimat hat sie Kritiker bereits begeistert. Ihre Bekanntheit hierzulande könnte sich nach “Goods”, dem zweiten Album des Mulititalents ändern. Es eröffnet sich uns eine musikalische Welt aus verträumten Pianoschwaden, ausgefeilter Orchestrierung, quietschfidelen Jazzeinlagen und vertrackten Arrangements. Auch das mysteriöse Artwork des Albums stammt aus der Hand von Magnason.
Der Opener “Camera” ist beim ersten Anhören … Continue Reading
Clap Your Hands Say Yeah – Hysterical
Als Clap Your Hands Say Yeah 2006 ihr selbstbetiteltes Debüt veröffentlichten, ging ein Hype durch die Musikszene. Die Band gewann durch charmante Kompositionen und einem Schuss Unbekümmertheit die Herzen für sich. Dabei war das charakteristische für sie die verquer arrangierten Songs, die trotzdem nichts von ihrer Hörbarkeit einbüßen mussten. Das zweite Album “Some Loud Thunder” trieb das Verquere etwas mehr auf die Spitze und schenkte trotzdem charmant tanzbare Musik.
Weniger experimentell kommt das dritte Album “Hysterical” der New Yorker daher. Das verknarzte, … Continue Reading
…And You Will Know us By The Trail Of Dead – Interview
Vor ihrem energiegeladenen Konzert in der Darmstädter Centralstation hatten wir das Vergnügen mit …And You Will Know Us By The Trail Of Dead‘s Alleskönner Conrad Keely ein Interview zu führen. Keely ist nicht nur Leadsänger und Gitarrist der Band aus Texas, sondern entwirft auch das gesamte Artwork, welches genauso detailliert, reich an kulturellen Referenzen und fantastievoll ist wie die Musik, die die Gruppe kreiert. Wir sprachen mit Keely über diese Symbiose von Musik, bildlicher Kunst, das „Reifer Werden“, die Arbeit am aktuellen Album „Tao Of The Dead“ und seine gerade aufblühende Karriere als Autor.
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…And You Will Know Us By The Trail Of Dead, Centralstation, Darmstadt, 17. August 2011
Die zur Zeit Vier-Mann Gruppe aus Texas ist eine besondere Band, die auf Literatur, Kunst, Musik, Mythen und antike Kulturen gleichermaßen sehr viel Wert legt. Das gesamte Artwork für die Gruppe erstellt Sänger und Gitarrist Conrad Keely. So wurden verschiedenste Drucke mitsamt Autogramm während des Konzertes verkauft. Manche waren Teil des Band-Artworks, andere nicht, wie eine Zeichnung mit einem rockenden Heino. Richtig, der deutsche Schlagermusiker Heino.
Bevor …And You Will Know Us By The Trail Of Dead die Bühne betraten standen zwei Vorbands auf dem Programm. Die erste waren die Darmstädter Bluesrocker Okta Logue. Danach betraten Ringo Deathstarr die Bühne, eine Shoegaze-Pop-Gruppe, die wie Trail Of Dead ebenfalls aus Austin kommen. … Continue Reading
CSS – La Liberación
Als CSS 2006 mit ihrem Debüt „Cansei de Ser Sexy“ in die Öffentlichkeit traten, begeisterten sie mit Frauenpower – doch feministisch wirkten die fünf Mädels (und der eine Junge) nicht, sondern frech, punkig und aufregend. Das Album begeisterte mit einprägsamen Melodien und Zeilen wie „Let’s Make Love And Listen To Death From Above“. Dabei schimmerte die Do-It-Yourself -Manier der Gruppe durch.
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Gang Gang Dance – Eye Contact
Das fünfte Album der New Yorker Gang Gang Dance besticht durch sein schönes Cover, von dem uns ein Insekt anschaut, das über und über mit Wassertropfen geschmückt ist -eine juwelenhafte Erscheinung. Ähnlich glitzernd geht es auch musikalisch zu.
Lautmalerei ist hier das Credo. Es geht um keine eindeutigen und einprägsamen Melodien, sondern um abstrakte Kunst aus Ambient und Electro, angehaucht von traditioneller außereuropäischer Musik (auch Weltmusik genannt). Schon der Opener … Continue Reading
World’s End Girlfriend – Seven Idiots
Dieses zehnte Album des japanischen Künstlers Katsuhiko Maeda unter dem Synonym World’s End Girlfriend klingt, als hätte man Platten verschiedenster Musikstile aus versehen in eine Waschmaschine gesteckt und die höchste Schleuderstufe gewählt. Schon der Opener „The Divine Comedy Reverse“ beginnt mit Poppunk, reist dann über klassische Musikläufe und Elektroattacken, in Elektronik-geschwängerten Indierock bis es wieder bei psychotischer Klassik ankommt. Jede kleinste Melodieführung wird zerstört.
„Teenage Ziggy“ ist schon vom Titel her ein Tribut an David Bowie, dessen Einfluss über das ganze Werk hinweg aufflammt.
Polka? Klassische Musik auf Acid? Super Mario?? – „Decalogue Minus 8“ ist nicht beschreibbar.
„Ulysses Gazer“ weist tatsächlich eine Art traditionelle Songstruktur auf – bis Minute 2:56. „Helter Skelter Cha-Cha-Cha“ ist ein Experiment – Frankensteins Monster in Songformat.
„Bohemian Purgatory 1“, „Bohemian Purgatory 2“ und „Bohemian Purgatory 3“ beinhalten die wohl meisten ruhigen melodiösen Momente, mit denen Maeda sich nicht zufrieden geben kann und so gewinnt die Anarchie wieder Überhand.
„Der Spiegel Im Spiegel Im Spiegel“ und „Offering Inferno“ besitzen GAR KEINE Songstruktur mehr.
Für große Überraschung sorgt „Unfinished Finale Shed“, der im Stile von Ólafur Arnalds, das ruhelose Album mit träumerischen Piano-Melodien in den Schlaf wiegt. Der einzige Track, der ohne Zuckungen gehört werden kann.
Leider ist „Seven Idiots“ unbewertbar. Der Künstler scheint überhaupt nicht die Absicht gehabt zu haben, ein Publikumsalbum (egal wie klein dieses sein mag) zu kreieren. Es klingt vielmehr wie ein Experiment nur zu seinem eigenen Vergnügen. Vielleicht macht sich der gewitzte Musiker sogar einen Spaß daraus zu sehen, wer sich das Album anhört – Wie es aussieht gibt es davon mehr als erwartet.
Bei all dem darf man nicht übersehen, dass Katsuhiko Maeda wirklich Talent besitzt. Dieses Album verrät, dass er imstande wäre jede Art von Musik hörenswert wiederzugeben.
Deerhunter – Halcyon Digest
Das dunkle Artwork des vierten Albums „Halcyon Digest“ von Deerhunter ist irreführend, denn die Musik klingt alles andere als dunkel und passt gut in den Frühling. Die lyrische Seite zeigt, was Vielen schwerfällt: Das Gute im Schlechten und das Schlechte im Guten sehen. Zeigt, dass diese Musiker nicht nur musikalisch vielschichtig denken.
Die Band scheint es darauf angelegt zu haben, falsche Erwartungen zu wecken – denn auch der Opener „Earthquake“ ist irreführend. Elektronische Spielereien, verzerrte Ambient-Klänge und diffus aufgenommener Gesang schweben wie ein Nebel in der Luft. Doch schon der zweite Song „Don’t Cry“ zeigt die eigentliche musikalische Richtung. Er erinnert an die Popmusik der 60er mit einer Portion Shoegaze. Was alle Songs miteinander verbindet und der 60er-Bezug bereits andeutet, ist die Produktion. Die neblige, knarzige Aufnahme erinnert an 50 Jahre alte Vinylplatten.
Die Vorab-Single „Revival“ lädt zum Tanzen auf grün-saftigen Frühlingswiesen ein – wunderschön fröhlich mit flinker Fingerfertigkeit an der Gitarre besingt Bradford Cox die Rettung vor der Einsamkeit, wobei „freedom“ als negativ beschrieben wird und zu besagter Einsamkeit beiträgt. „Sailing“ nimmt dem ganzen Optimismus den Wind aus den Segeln – zumindest musikalisch, wenn ruhigere Töne angeschlagen werden. Der Text handelt vom Positiven im Negativen. Thema ist das Leben auf einem Schiff – ohne Essen und Wasser. Doch dies wird als „good“ beschrieben.
Neben den Experimenten in „Earthquake“ finden sich viele weitere neuzeitliche Einflüsse. „Helicopter“ ist ein Beispiel dafür – ein wunderschön besonnener Track, der trotzdem vor positiver Energie strotzt und mit elektronischem „Klimpern“ endet. Doch auch das ist bemerkenswert. Denn es geht um das Ende und die damit verbundene Erlösung aus einer selbskreierten Höhle, welches wieder für Einsamkeit stehen könnte. Obwohl Cox „The light’s inside my cave“ singt, er will nicht mehr dort sein. Er möchte aufgeben und darin steckt die Freude.
Gelegentlich kommt die Mundharmonika zum Einsatz, wie auf dem countryesken „Memory Boy“ oder dem treibendem „Coronado“, dessen eingängiger Charakter durch die Produktion an weiteren Dimensionen gewinnt. Sowohl musikalisch als auch textlich zeigt sich die Vielschichtigkeit dieser Gruppe. Sie wissen außerdem, wie sie die Hörer in ein wundersames Labyrinth führen können. Scheinbare Ausgänge stellen sich als Sackgassen heraus und ausweglose Situationen verwandeln sich in euphorische Erlebnisse.










Rival Schools – Pedals
Ganze zehn Jahre hat es gedauert bis Rival Schools nun endlich den Nachfolger vom gelungenen Debüt “United By Fate” herausbringen. Zwischendurch hatte die Band eine fünfjährige Pause eingelegt, bis sie 2008 wieder zusammenkam. Sänger und Tausendsassa Walter Schreifels blieb natürlich nicht ruhig und machte durch etliche andere Bands und sein Soloprojekt von sich reden.
Was hat die lange Abstinenz der Musik gebracht?
Vielleicht hat es mit Schreifels Soloprojekt zu tun, welches seine Singer-/Songwriterqualitäten zum Vorschein brachte, dass auch “Pedals” ruhiger als der Vorgänger ist. Dies zeigen Songs wie “Racing To Red Lights” oder “Small Doses” – in dem sogar die Akustikgitarre zum Einsatz kommt. Rival Schools zeigen mehr Detailverliebtheit – komplexere Songstrukturen wechseln sich ab mit der bandtypischen, jugendlichen Energie, die die Gitarren aufjaulen und die Effektpedale glühen lässt. So schlagen die energiegeladenen Songs “Eyes Wide Open”, “Wring It Out” und die Single “Shot After Shot” eine deutliche Brücke zum Hardcore. Schreifels rauer, fordernder Gesang trägt beträchtlich zu diesem Vergleich bei.
Es wäre ein Fehler, die einzelnen Songs einem einzelnen Genre oder “Energiespektrum” zuzuordnen. Sie sind nicht schwarz und weiß, sondern besitzen alle einen abwechslungsreichen Aufbau, der ihnen mehr Dimensionen verleiht. Deswegen sind die ruhigeren Songs auch mal energetisch und die lauten haben ruhige Momente. Diese kleineren Stellen sind von großer Wichtigkeit für die Songs, wie beispielsweise das kurze, verzerrte Gitarrensolo in Minute 1:58 auf “Big Waves”. Bei dem ganzen Dimensionsreichtum schaffen es Rival Schools dann trotzdem, den Tracks Pop-Appeal zu verleihen, die sie radiotauglich machen. Dazu steuern die einprägsamen, hymnischen Refrains bei, die den Hörer mit Euphorie erfüllen und “Pedals” zu einem perfekten Frühlingsalbum machen.










Rival Schools
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The Decemberists – The King Is Dead
Mit „The King Is Dead“ besinnen sich The Decemberists auf traditionelle Klänge und sehen von ausschweifenden Spielereien ab. Mundharmonika, stampfende Schlagzeugarbeit und bodenständige Melodien versetzen den Hörer in eine romantische Country-Szenerie.
Beim ersten Hören wirkt die neue Richtung der Gruppe um Colin Meloy wie ein Schritt rückwärts. Die Band verzichtet auf die Experimente und das Überschwengliche, die ihr Vorgänger-Album „Hazards Of Love“ noch ausgemacht haben.
Das Quintett aus Portland legt die Essenz seiner Songs frei und liebäugelt mit dem simplen Leben auf dem Land – das Bodenständige, welches durch die Natur symbolisiert wird, spielt auch in ihren Texten eine große Rolle. Kein Wunder, schließlich wurde dieses Album in einer Scheune eingespielt.
Der Opener „Don’t Carry It All“ nutzt die neuen musikalischen Ansätze in ihrer vollen Breite aus und ist einer der drei Songs, an dem R.E.M.s Peter Buck mitwirkte – In diesem Fall an der Mandoline.
Das Tempo wird mit dem „Calamity Song“ angehoben. Hier gehen treibender Rhythmus und schnelle Fingerarbeit an der Gitarre Hand in Hand. Die Stimmung der Musik gibt den textlichen Inhalt nicht ganz kongruent wieder, in dem es um Endzeit und eine Zivilisation unter Tage geht.
Die Seefahrer-Hymne „Rox In The Box“ sorgt durch sein wechselndes Tempo und seine Brüche für Spannung.
Die erste Single „Down By The Water“ wird wieder mit Peter Buck an der zwölfsaitigen Gitarre und Gillian Welch als Zweitstimme bestritten. Der Song besticht durch seine einprägsame Melodie und ist eines der stärksten Stücke von „The King Is Dead“.
Sehr hervorstechend ist „This Is Why We Fight“ – der Album-untypischste Song. Ein Schlachtruf: „Come the war/Come the avarice/Come the reek of bones/Come attrition/Come hell…“ der besonders durch die Gitarren und die aufjaulende Mundharmonika an Dramatik gewinnt.
Im letzten Stück „Dear Avery“ besingt Colin Meloy einen vermissten Minenarbeiter. Die im Hintergrund gesungenen „Oooohs und Aaaaaaahs“ fügen ihm eine angenehm dämpfende Note hinzu und macht den Song zu einen ruhigen Abschluss.
„The King Is Dead“ beweist, dass es sich hier nicht um einen Schritt rückwärts handelt, sondern, dass die Band ihre Prioritäten anders gesetzt hat. Natürlich kann man der Band vorwerfen, dass sie uns nichts Neues gibt, aber muss Musik immer neu sein, damit sie gut ist? Vor allem beweisen The Decemberists, dass sie keine Angst vor Veränderungen haben, auch wenn sich diese auf Altbekanntes stützen.










The Decemberists
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