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Broken Records – zu Gast bei Off The Beaten Tracks

Mit “Let Me Come Home” veröffentlichten Broken Records aus Edinburgh ein Album, mit dem sie ihr bereits tolles Debüt “Until The Earth Begins To Part” toppten. Ein Album mit viel Herz und vielen tollen Momenten. Natürlich haben sie sich nicht erst damit viele Fans in ihrer Heimat gemacht und so besuchten sie kürzlich die schottischen Experten für tolle Sessions, nämlich Off The Beaten Tracks. Dort spielten sie “A Darkness Rises Up” vom neuen und “If Eilert Lovborg Wrote A Song, It Would Sound Like This” vom ersten Album. Sehr sehenswert.

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Piroth – Safe Haven

Piroth ist ein weibliches Duo bestehend aus den Schwestern Nina und Johanna Piroth. Mit “Safe Haven” veröffentlichen sie bereits ihr zweiten Album auf dem eigenen Label Oma Gusti Records. Die Schwedinnen präsentieren hier harmonischen, melodischen Gesang vor variierenden Folk-Pop Klängen. Diese, weit ab von mittlerweile gewohnter schwedischer Popmusik, scheinen vielmehr an die Tradition einer magischeren, urigeren Kulisse Skandinaviens anzuknüpfen. Das klingt dann oftmals melancholisch, sanft und teilweise fast schon gespenstisch. Einen Eindruck solcher Aspekte liefert bereits das als Single auserkorene “Fog Dancers”.

Ein wenig unheimlich schaffen es die beiden durch abwechselnde oder harmonische, dann auch von den männlichen Stimmen der Bandmitglieder gestützt, eine atmosphärische Szenerie zu kreieren. Beeindruckend ist auch wie sich immer wieder von diesem Thema weg gewagt wird. Am auffälligsten wird dies, wenn mit “Only for tonight” plötzlich ganz unbekümmert ein Lied daherkommt, das ohne Probleme als geradliniger Elektro-Pop gelten könnte. Andere Stücke wie “Doctor” oder “Trans-Siberian Express” schaffen es in besonderer Weise eine zunächst nicht aufkommende Eingängigkeit hervorzubringen. So schreitet das Album also moderner und immer variiert voran, verliert aber niemals seinen besonderen am Beginn dessen eingeleiteten Klang. Am Ende steht dann so auch wieder die Melancholie in höchsten Maßen. “Irgendwo” stellt die endlose Suche nach dem Besseren heraus und wird wohl in dem Zusammenhang in der leicht fremden, oder für uns gewohnten, Sprache deutsch gesungen. Obwohl vieles zunächst befremdlich klingt und bei manchen Liedern der Funke nicht so ganz überspringen mag, haben Piroth letztendlich ein wirklich besonderes und, in mehrfacher Hinsicht, zauberhaftes Album geschaffen.

★★★★★★★½☆☆
Piroth

Piroth – Fog Dancers from Oma Gusti on Vimeo.

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Rumen Welco – I Never Learned To Raise My Fist

Nach vielen Jahren Bandentwicklung und Konzertauftritten teilen die Dresdner Rumen Welco nun ihre Musik auch im CD-Format mit der Öffentlichkeit. Das Debütalbum heißt “I Never Learned To Raise My Fist” und stellt eine der originelleren Bands des Landes vor. Zwischen Liedern die gemütlich daherplätschern und anderen, die im Ohr schrabbeln, schafft es das Quintett vor allem als Band authentisch zu klingen. Das ist dann zum einen folkig, aber auch rockig und ruhig, und doch ein wenig anders als man denkt. Nach einem Start der einen noch nicht ganz um den Finger zu wickeln vermag, wird das Album dann zur Mitte hin wirklich interessant. Der Wechselgesang zwischen Mathias Weilandt und Diana Kirsch in “Eels”, der hier herausgestreckt wird, liefert einen ersten Moment des andächtigen Zuhörens.

Das klingt dann fast ein wenig episch und lässt sich vielleicht gut mit dem Gefühl einiger The Decemberists Songs vergleichen. “Denver” ist dann wohl mein persönliches Highlight. Es mischt einen, der Band anscheinend anhaftenden, sehr retro wirkenden Klang und wirkt gleichzeitig modern. Bestimmt einer der Momente an denen Stimme und Musik am besten miteinander spielen. Diese Energie kippt dann wieder in die Ruhe und Absurdität von “The Devil Plays Harmonium”. Dieser ist einer der eher leiseren Songs. Von denen es zu viele gibt, als dass sie zum ausruhen oder innehalten dienen könnten. So nutzen sie sich leider ein wenig ab und lassen den Hörer nicht so viel vom Album behalten, wie man gerne hätte und es möglich wäre. Auch gerade wenn man merkt, dass einzelne dieser Stücke, wie zum Beispiel “Felt Top On Dresden” oder “Marylou”, viel zu geben haben. Dann sind da allerdings auch so immer wieder mal Lieder, die heraus stechen. “Barbarossa” mit dem naiven Charme eines Kinderliedes oder “The Girl in The Painting” bei dem schon fast seemannsartige Klänge verwendet werden, wären hier zu nennen. In diesen Besonderheiten läuft auch immer eine leicht surreale Linie mit durchs Album. Dieses endet im titelgebenden Finale “Never Learned To Raise My Fist”, welches wiederum sehr gelungen ist und mit seiner etwas experimentellen Art einen überraschend bedrückenden Schluss liefert. So kommt am Ende des Debüts keine runde Sache, aber eine doch lohnenswerte Vorstellung heraus.

★★★★★★½☆☆☆
Rumen Welco

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A Place To Bury Strangers – Exploding Head

Am 6. November veröffentlichen A Place To Bury Strangers ihr zweites Album voller tanzbarer, 80er inspirierter Shoegaze-Melodien. Das Trio versucht hierbei den Titel “Exploding Head” Programm zu machen und dennoch lohnt es sich einen Blick hinter den viel beschworenen Lärm zu werfen. Beim Lesen der Pressemitteilung und der Aussagen, die zu A Place To Bury Strangers getroffen worden sind, hat man das Gefühl das Lärm und Lautstärke selten so positiv assoziiert worden sind. Wenn von einem “schmerzhaften Hörvergnügen” die Rede ist, so wirkt das doch zunächst suspekt.

Aber so plump und einseitig, dass immer nur auf diesen einen Sachverhalt hingewiesen werden müsste ist das Album eigentlich gar nicht. Während es auf der einen Seite natürlich in elektronischem Gewand Kracht und Scheppert, durchzieht das Ganze allerdings auch durch weite Teile eine melodiöse Atmosphäre. Vielleicht ist es sogar ein gewisser psychedelischer Moment, der es oftmals möglich macht den Hörer in den Klang einzufangen. Mit, unter anderem, “Keep Slipping Away” oder “Exploding Head” sind dann auf dem Album jene Punkte erreicht, die man am ehesten als eingängig oder poppig bezeichnen könnte. Und das ist hier im positivsten Sinne gemeint, denn an vielen Stellen wirkt die Platte doch eher schwer zugänglich und etwas selbstgefällig. Trotzdem sind die 43 Minuten des Albums auf keinen Fall vergeudete und richtig laut werden kann es dann auch wieder bei einem der Konzerte auf der Deutschlandtour von A Place To Bury Strangers.

★★★★★★★☆☆☆
A Place To Bury Strangers
Gratis-Downloads:
3 Songs unter diesem Link

A Place To Bury Strangers auf Tour:

24. November, Hamburg – Ü&G
25. November, Köln – Werkstatt
28. November, Erfurt – Museumskeller
29. November, Dresden – Beatpol
01. Dezember, Berlin – Magnet
04. Dezember, München – 59 to 1


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Kevin Devine – Brother’s Blood

Einer aus der Menge an New Yorker Songwritern, der immer mal wieder auf sich aufmerksam macht ist Kevin Devine. Auf seinem nun bereits fünften Album macht alles den Eindruck, dass er all die Jahre auf es hin gearbeitet wurde. Am 6. November wird „Brother’s Blood“ auch endlich in Deutschland veröffentlicht und mit diesem sollte das Ziel zu erreichen sein, endgültig aus dem Musikergewühl herauszustechen. Kevin Devine zeigt sich hier sehr ambitioniert und unverkennbar politisch. Insgesamt wirkt auf diesem Album alles etwas selbstbewusster. Der Klang ist voller und einnehmender geworden, die Stimme schreit auch mal und die Texte sind mutig im Umgang mit politischen oder religiösen Themen.

Gerade die letzte Aussage könnte einen den Kopf schütteln lassen, an den Gedanken an einen weiteren Musiker , der einem sagen will wie die Welt funktioniert. Allerdings nimmt Kevin Devine keine Prediger oder Revolutionärsgebärde ein, sondern beweist sein lyrischen Talent in kleinen Narrationen und mit viel Poesie. Die erste Hälfte des Albums ist wahrscheinlich die Stärkere. Gerade die ersten fünf Lieder tragen die Platte, und eigentlich müsste hier jeder dieser einzeln genannt werden um sie individuell zu würdigen, wobei der Titelsong “Brother’s Blood” in seiner Eindringlichkeit auf jeden Fall einer der Höhepunkte ist. Leider scheint anschließend die Kraft zunächst ein wenig verloren. Etwas ruhigere Lieder, wie “Fever Moon” oder “It’s Only Your Life” sind hübsch, aber im ganzen leider auch schnell zu vergessen. Doch gibt es auch in dieser Albumhälfte immer wieder Momente in denen man einfach hinhören muss. Sei es um Textzeilen wie: “your husband, he drinks like a writer, but he writes like a banker”, nicht zu verpassen, oder den Bonustrack “She Stayed As Steam” zu erleben. Dank dieses Albums sollte Kevin Devine es also spätestens geschafft haben, genug Profil zu gewinnen, um in den Köpfen zu bleiben.

★★★★★★★☆☆☆
Kevin Devine
Gratis-Downloads:
“I Could Be With Anyone” hier
Daytrotter Session

Tour-Daten:

11. Dezember, Köln, Stereo Wonderland
12. Dezember, Leipzig, Paris Syndrome (Black Box)
13. Dezember, Berlin, Privatclub
14. Dezember, Wien (A), B72
15. Dezember, Hamburg, Astra Stube
16. Dezember, Giessen, MuK


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The Wave Pictures – If You Leave It Alone

Nachdem das Erstlingswerk von The Wave Pictures letztes Jahr viel Lob einfahren konnte, ist 2009 nun das zweite Album “If You Leave It Alone” bereit es ihm nachzutun. Über den 12 Songs, die alle in nur einer einzigen großen Session in Berlin aufgenommen worden sind, liegt der Hauch des Genusses und der Gelassenheit dieses Ereignisses. Mit der Einsicht, dass er generell mehr Erfolg hat, wenn Dinge nicht in harte Arbeit ausarten, hat Frontmann Dave Tattersall den Grundstein für die einladende Art des Albums gelegt. Die Musik dieses klingt vielleicht nicht sonderlich modern, aber dafür warm und ungewohnt anschmiegsam, wobei aber die Lust zum Mitwippen nicht verloren geht.

Einen besonderen Teil des Charmes der von diesem Album ausgeht, liegt allerdings in den oftmals skurrilen Texten. In diesen werden seltsamste Bilder aufgefahren, die fast “Alice’s Adventures in Wonderland” tauglich sind. Eine der Begegnungen, die in “Bumble Bee” erzählt werden, beginnt dementsprechend: “the next one is was a stickleback fish; said I would grand you three wishes but I’m not in the buisness of giving out wishes”. So schwingt immer eine Prise Humor mit, selbst wenn die Beobachtungen, wie in dem besonders gelungenen “Canary Wharf” etwas melancholischer werden. Extra reizend wirkt zudem die spaßige Fixierung mit dem ‘B’, die sich durch das Album zieht. Songtitel, wie der bereits erwähnte, “Bumble Bee” oder “Bye Bye Bubble Belly” blubbern einem in diesem Sinne auch von den Lippen und ins Ohr. Obwohl dieses zunächst albern oder kindisch klingen könnte, schaffen es die Briten doch die richtige Mischung zu erreichen und werden einigen bestimmt noch die kommenden Herbsttage versüßen.

★★★★★★★★☆☆
The Wave Pictures
Eine Menge Gratis-Downloads auf der Homepage der Band


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The Asteroids Galaxy Tour – Fruit

Als Lars Iversen sich für den Bandnamen “The Asteroids Galaxy Tour” entschied, sollte dieser nicht als bloße Benennung dienen, sondern vielmehr das Prinzip des Kollektivs herausstellen. Diesem entsprechend mischen die Dänen soulige und folkige Einflüsse mit psychedelischen und Ambient Klängen, genauso wie mit den warmen Beiträgen ihrer Bläserfraktion mit elektronischem Geleit. Oben auf liegt die Stimme Mette Lindbergs, die nach einer Mixtur aus trotzigem Teenager und einem extraterrestrischen Wesen klingt.

Aufmerksam wurden die meisten auf die junge Band wahrscheinlich durch ihren Song “Around The Bend” der vor einiger Zeit in der I-Pod touch Werbung zu hören war und immer noch regelmäßig in Clubs zum tanzen einlädt. Ähnlich eingängig und zudem noch interessanter kommt noch das als erste Single des Albums genutzte Lied “The Sun Ain’t Shining No More” daher. Obwohl die Lieder an sich viele Einflüsse verkörpern, wird leider innerhalb des Albums nur selten eine Abwechslung merkbar. Dieses geschieht wenn “Crazy” ungewohnt melancholisch daherplätschert, oder wenn zu Beginn von “Fruit” in “Lady Jesus” auf die jenerzeit bedrohlichen Ereignissen in Kopenhagen Bezug genommen werden. An solchen Stellen kommt eine Tiefe hinzu, die einen genauer hinhören lässt und eben doch in jene Tour mit hineinzieht. So mag letztendlich nicht jeder Funke, den diese durchaus sympathische Band aussendet, überspringen. Einen kurzen Trip mit ihnen zu wagen lohnt sich aber auf jeden Fall. Oder vielleicht auch zu ihnen, denn im Dezember sind The Asteroids Galaxy noch einmal für ein paar Konzerte in Deutschland.

★★★★★★½☆☆☆
The Asteroids Galaxy Tour
Tour-Daten:

13. Dezember, Köln, Gebäude 9
14. Dezember, München, Atomic Café
15. Dezember, Berlin, Lido
16. Dezember, Hamburg, Knust


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Eamon McGrath – 13 Songs of Whiskey and Light

Eamon McGrath ist ein noch junger Musiker aus Edmonton, Kanada. Seit 2006 weist seine Diskographie beachtlicherweise über 20 Punkte auf, die zwar größtenteils als Veröffentlichungen auf seinem DIY-Label “Cassette Records” ausgewiesen sind, aber dennoch eine große Auswahlmöglichkeit an Songs für das Album boten. So bilden die “13 Songs of Whiskey and Light”, die Anfang des Monats dann auf dem Label White Whale Records veröffentlicht wurden, nur die Spitze des Eisbergs. Als eine Art Punk-Rock Songwriter beschrieben, der aber genauso vom folkigen Klang lebt, liegen auch die Vergleiche mit Tom Waits oder Neil Young nah.

Im deutschen Raum ist vielleicht die Zeit heranzuziehen, als Element of Crime noch englisch sangen, um die, einen zu erwartende, Musik einzuordnen. Letztendlich klingt Eamon McGrath dann auch nicht weniger vielversprechend als die damals noch junge Band. Ein ähnlich starker Wiedererkunnungswert, wie die zuerst genannten Einflüsse, wird Eamon McGarth auf jeden Fall zu Teil. Schon allein seine Stimme, die viel zu gereift und mit eben jenem Whiskey besetzt für seine 20 Jahre zu sein scheint, gibt den Lieder einen wohligen Klang. Darüber hinaus ist es gerade deren Eindringlichkeit zu verdanken, aber auch der Unmittelbarkeit der Musik, die wirklich mal den Vorteil der schnellen, nicht überproduzierten Aufnahme nutzt, dass das Album so authentisch wirkt. Bereits im ersten Lied heißt es “Welcome To The Heard” und von dort wird man in den folgenden 12 Songs auch nicht mehr verabschiedet. Ob er über Freundschaft, Heimat oder Liebe singt, schrebbelt es in einer immer nahen und warmen Art und Weise daher. Jeder der Lust bekommen hat und seine Spontaneität unter Beweis stellen möchte, hat morgen, am 21.10.2009 um 20.00 Uhr, noch einmal die Möglichkeit Eamon McGrath live in der Kunsthochschule Underground in Kassel zu erleben.

★★★★★★★★½☆
Eamon

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Manic Street Preachers – Journal For Plague Lovers

“Journal For Plague Lovers” heißt das neue Manic Street Preachers Album mit dem die Band ihrem vermissten Freund, Gitarristen und Lyrik-Schreiber, Richey Edwards, Tribut zollen will. So war von Anfang an der Gedanke nahe liegend, dass es an das letzte gemeinsame Album der Band “The Holy Bible” anschließen sollte. Und die Anknüpfungspunkte werden zunächst offensichtlich gelegt, zum einen durch wiederum ein Jenny Saville Bild auf dem Cover, welches einige britische Supermärkte jetzt für nicht zeigbar erklärten und die CD nur verpackt ausstellen. Sowie zum anderen durch den wesentlich raueren Klang der Songs, welcher gut in eine Übergangsphase zwischen “The Holy Bible” und “Everything Must Go” gepasst hätte. Textlich wird das Album zudem durch überarbeitete Versionen von Schriften gebildet, die Richey Edwards der Band kurz vor seinem Verschwinden 1995 in Form eines Heftes mit Texten und Zeichnungen hinterließ. Doch gleichzeitig scheint die Platte nicht einfach eine Wiederholung von “The Holy Bible” zu sein, denn während in jenem Album von einem erschütterndem Thema (Kinderprostitution, Magersucht, Holocaust) zum nächsten gejagt wurde, wirkt Journal mitunter eher friedlich und hin und wieder schon fast zynisch-humorvoll.

Den Beginn der 13 Lieder plus Hidden Track macht “Peeled Apples” nach einem Einspieler aus dem Film The Machinist (später im Album werden noch andere Filme, zum Beispiel “The Virgin Suicides” angespielt). Klanglich ist dieses eines der Lieder, zusammen mit “Bag Lady”, “She Bathed Herself In A Bath Of Bleach” und dem Titeltrack, die am meisten an die frühen 90er erinnern. Zudem strotzt “Peeled Apples” mit Bildern und Referenzen (Noam Chomskys Buch “Rethinking Camelot” über amerikanische Außenpolitik oder Falcons und Pigeons als politische Anspielungen), die sich in den Kopf bohren, obwohl ihre Entschlüsselung eine aufreibende Arbeit ist. Darüber hinaus klingt es als Lied aber, vom letzten Album abgewandt, wieder wesentlich rauer und rockiger. Anschließend zeigen “Jackie Collins Existential Question Time” und “Me and Stephen Hawking” eher eine humoristisch Seite. Musikalisch fast fröhlich wirkend und textlich durch viele popkulturelle Anleihen, bilden diese beiden Stücke wohl eher den seichten Teil des Albums. Darauf folgend ist “This Joke Sport Servered” eines der besten Lieder auf Journal. Wunderschön sind die Streicher des Mittelteils, welche dem Stück dazu verhelfen sich anzuschmiegen. Zudem umfasst es mit “Facing Page: Top Left” und “Doors Closing Slowly”‘ den sanften Part der Platte. In ihrer Ruhe schaffen es diese Stücke eine fast friedliche Stimmung aufzurufen, die jedoch mit einer schauderhaften Hoffnungslosigkeit gepaart ist. So zum Beispiel in der Zeile “This Beauty Here Dipping Neophobia” aus “Facing Page”, die im Zusammenhang einen Themenkomplex der Kritik an Ärzten und Therapien aufmacht, welcher das Lied an andere wie “Journal For Plague Lovers” oder “Virginia State Epileptic Colony” bindet. Vielleicht ist hierdurch auch der im voraus hin und wieder aufgemachte Vergleich mit Elliott Smith zu erklären, aus dessen Liedern man oft eine ähnliche Kritik herauslesen kann. Zu anderen vorher bemühten Vergleichen gehört die Verbindung über Produzent Steve Albini zu Nirvana. Ohne sich zu sehr zu strecken, kann man diesen Anknüpfungspunkt wohl aber nur bei “She Bathed Herself In A Bath Of Bleach” heranziehen. Dessen Dramatik und Wut dann auch Sänger James Dean Bradfield mal wieder zum Schreien bringt. Dagegen wirkt “Marlon J.D.” musikalisch wesentlich moderner, obwohl gerade hier der Text auf den mit Marlon Brando und Elizabeth Taylor besetzten Film “Spiegelbild im goldenen Auge” von 1967 bezogen ist. Interessanterweise hat man, auf der anderen Seite wiederum, bei verschiedenen Liedern wie “All Is Vanity” und “Pretension/Repulsion” das Gefühl eine wahnsinnig aktuelle Medienkritik mit rauszuhören und spürt gleichzeitig auch wieder die Abscheu, die damals auch schon “The Holy Bible” durchzog. Der Abschluss des Albums erinnert dann doch am meisten an den Tributbegriff, der die Platte überschattet. “Williams’s Last Words” verweist nicht nur vom Titel her an einen Abschiedsbrief, sondern auch die Zeilen erschweren diesen Eindruck. Ausnahmsweise von Richey Edwards besten Freund und Manics Bassist Nicky Wire gesungen, macht dieses Lied dann auch den persönlichsten und melancholischsten Eindruck. Aufgehoben wird dieses allein durch das Wissen, dass die Lyriks aus einem zweiseitigem dialogartigem Prosatext herausgelöst worden sind und der im Hidden Track folgende “Bag Lady” Einsatz “I Am Not Dead”, durch den wiederum ein Augenzwinkern eingeschoben wird. Insgesamt ist auf dem Album durch solche Spielereien mit viel Fingerspitzengefühl gearbeitet worden, um nicht den einfachen Weg zu gehen und es in einen melodramatischen Tribut zu verwandeln, sondern eher das Gefühl zu vermitteln nach all den Jahren wieder eine Platte zu viert, mit Richey, zu machen. Man hört 1995, man hört aber auch das Neue und am Ende hat man auch noch wirklich interessante, gut Lieder und das losgelöst von jeglichen Rockmythen um verschwundene Gitarristen.

★★★★★★★★½☆
Manic Street Preachers

Hörprobe

Manic Street Preachers
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The Decemberists – The Hazards Of Love

Hoch ambitioniert bringen The Decemberists mit “The Hazards of Love” ihr fünftes Album heraus und trauen sich hier von den ihnen gewohnten Mustern weg, um einen Ausflug in die Welt der Rockopern zu wagen. Eine Liebesgeschichte mit mythologischem Hauch begleitet von einer große Variation an nicht nur folkigen Decemberists Klängen ist der Inhalt der fast einstündigen Platte. Den Ursprung hat die Platte in der Idee Colin Meloys ein Musical zu kreieren. Die konzipierte Geschichte wurde dann allerdings als nicht für die Bühne geeignet angesehen und so wurde ein Rock-Album daraus. Meloy selber zeigt sich wenig begeistert von dem Term Rockoper, doch kann er die Tatsache, dass es wohl dennoch eine ist damit nun nicht mehr beeinflussen. Zu stark sind dafür auch typische Opera-Qualitäten, wie Prelude, Interludes und wiederkehrende Themen benutzt worden. Es wurden Becky Stark von Lavender Diamond und Shara Worden engagiert, um die weiblichen Rollen zu besetzen. Die Lieder sind zudem alle ineinander verworren und ohne Pausen durch Übergänge verknüpft. In ihnen wird die Geschichte von Margaret erzählt, die nach einer Liaison mit einem Shapeshifter entdeckt, dass sie schwanger ist und nun in die Taiga geht.

Dort könnte die Beziehung zum Geliebten geführt werden, doch die Königin des Waldes, welche ihn aufzog, ist eifersüchtig. Zudem spielt noch die Figur “Rake” mit, der seine Kinder tötete und schließlich Margaret entführt. Die Geschichte ist verwirrend, oftmals ambivalent und anhand der Lyrics wohl auch nicht eindeutig auszumachen. Das sie nun in ihrer Präsenz keinen allzu großen Anspruch stellt ist umso erstaunlicher, wenn man bedenkt, dass die Handlung ja die Grundlage der Entstehung des Albums war. Von dem musicalartigem ist generell wenig geblieben. Die verteilten Rollen und, von den Stücken, vielleicht das Duett “Isn’t It A Lovely Night” und die Kinderstimmen in “The Hazards Of Love 3 (Revenge!)” lassen die Hintergründe vielleicht noch erahnen. Der Rest wurde, Gott sei Dank, von diesem Genre abgewandt. So bietet die Platte durchaus gute Lieder. Highlights sind wohl “The Wanting Comes in Waves/Repaid” und “The Rake’s Song”. Das erstgenannte ist wohl das zentrale Stück und auch das, welches durch die Wiederholungen seiner Motive am eingängigsten bleibt. Obwohl es im Geschehen eine wichtige Rolle spielt, kann es musikalisch dennoch alleine stehen und klingt einfach wie ein wirklich gutes, rockiges Decemberists Lied. Allerdings eines bei dem der Text ohne Zusammenhang noch weniger Bedeutung erlangt. “The Rake’s Song” dagegen kann durch seine düster humoristische Art durchaus alleine stehen, vielleicht auch, da der Charakter vorher noch nicht eingeführt war und seine eigene Geschichte erzählt. Leider schaffen es die übrigen Lieder nicht sich so auch einzeln einzuprägen. Als Album klingt auch schön zusammen und doch fehlt etwas die Freude an dem was geboten wird. Bis auf kleinere Ausnahmen wirkt alles sehr ernst und bemüht und wird so, vor allem auf die Dauer einer Stunde, etwas anstrengend. Vielleicht hätten etwas mehr Humor und Ironie, die hin und wieder ja durchaus positiv rausstechen, geholfen das Ganze nicht nur musikalisch etwas lebhafter zu erhalten.

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