Etwas mehr als ein Jahr nach seinem selbstbetitelten Debüt und …
Jonas David, Fyal, Münster 02. September 2011
Menschen in kurzen Hosen und Flip Flops, kein einziger Regentropfen und leckere Kaltgetränke zum Start in das Wochenende– der Abend des 02. Septembers verhielt sich so, wie es sich im Sommer gehört. Was passte da besser als Livemusik, die man sogar draußen und ohne Eintritt genießen konnte?
Verantwortlich hierfür war das Fyal in Münster, das nicht nur abends perfekte elektronische, minimalistische Klänge liefert, sondern seit geraumer Zeit auch großartigen Livekünstlern eine Bühne bietet. … Continue Reading
MELT! Festival, Ferropolis, Gräfenhainichen, 15. – 17. Juli 2011
Ferropolis. Überdimensionale Discokugeln, atemberaubende Visuals und riesige Kohlebagger, die der faszinierenden Kulisse als heimliche Hauptdarsteller dienen. Mit dem MELT in Ferropolis ging am vergangenen Wochenende bereits zum 14. Mal eines der besten Festivals Europas über die Bühne.
You MELT my heart – dieses Motto hatten sich die Festivalorganisatoren, die sich aus dem intro-Dunstkreis zusammensetzen, für dieses Jahr überlegt. Übertrieben hatten sie damit ganz sicher nicht. Denn das Line-Up bot sowohl für die Freunde der Minimal-, Techno- und Elektro-Fraktion als auch für die Liebhaber von Popmusik und Indierock allerhand zu entdecken. Auch das Wetter spielte dieses Jahr zum größten Teil mit (zumindest Freitags und Samstag gab es keinen einzigen Regentopfen, dafür aber Sonnenschein und Sommerfeeling bei 26 Grad). Als Headliner hatten sich Robyn, The Streets, Editors und als exklusive Wiedervereinigung Pulp angekündigt. Auch Bodi Bill, Jose Gonzalez solo und in Begleitung seines Bandprojektes Junip sowie Crystal Castles sorgten für ein ausverkauftes Festival und viel Vorfreude. Paul Kalkbrenner, der anscheinend nun auch vom gewöhnlichen „Die Superhits der 80er, 90er und das Beste von heute“-Radiohörer gemocht wird, war ebenfalls zugegen.
MELT! Festival 2011 – offiziell ausverkauft

Riesige Kohlebagger, die entgegen ihrer früheren Bestimmung nun eine neue Aufgabe übernommen haben und als perfekte Kulisse für eines, von der Location her, besten Festivals Europa dienen – das MELT Festival steht wieder vor der Tür. Vom 15 – 17.Juli 2011 treten 20.000 Menschen den Weg in das ansonsten beschaulichen Städtchen Gräfenhainichen in Sachsen-Anhalt an. Dort im ehemaligen Kohletagebau hat sich inzwischen mit Ferropolis ein Veranstaltungsort gebildet, der deutschlandweit seines Gleichen sucht. Die riesigen Bagger, die während des MELT nachts untermalt von Lichtinstallationen und Visualisierungen einen atemberaubenden Rahmen für ein angenehm ausgewogenes Musikprogramm zwischen weltbekannten Acts und Geheimtipps bilden, die noch nicht durch sämtliche Style-Gazetten der Musikwelt gewandert sind, stehen für eine Gleichung: Industrieromantik trifft Musikkultur.
Die schlechte Nachricht für alle Kurzentschlossende: Das Festival ist restlos ausverkauft. Diejenigen, die Tickets ergattern konnten dürfen sich unter anderem auf ein spektakuläres Comeback freuen: Pulp mit Frontman Jarvis Cocker feiert dieses Jahr ihre Reunion. Ein exklusiver Auftritt in Deutschland – man darf gespannt sein.
Auch Mike Skinner gibt sich die Ehre und schaut auf seiner Abschiedstour mit The Streets vorbei und wird einen seiner berühmten Live-Auftritte zum Besten geben.
Wenn von berühmten Live-Auftritten die Rede ist, darf ein Name nicht fehlen: Patrick Wolf. Wer jemals eines seiner Konzerte und seine extravaganten wie extrovertierten Performances gesehen hat, wird sie wohl so schnell nicht wieder vergessen.
Doch auch die Knöpfchendreher- und Sample-Fraktion kommt auf ihre Kosten, steht das MELT doch seit Jahren für die besten Acts im elektronischen Musikgenre. Digitalism mit einem Live-Set, Modeselektor, Bodi Bill, Robyn, Nicholas Jaar, Boys Noize, Richie Hawtin oder Paul und Fritz Kalkbrenner sind hier zu nennen.
Einige hoffnungsvolle Neuentdeckungen geben sich jedoch auch ein Stelldichein. Vor allem Gold Panda mit seinen experimentellen Elektrofrickeleien lässt die Vorfreude steigen.
Auch die Indiepop / Indietronic-Fangemeinde darf sich freuen: Mit Noah and the Whale, The Naked and the Famous, Edward Shape & the Magnetics, FM Belfast, Foster the People und den großartigen Cold War Kids ist nur eine kleine Auswahl der auftretenden Bands genannt.
Es gilt also den Grill zu säubern, das Trockeneis zu sichern, den Wettergott bei Facebook zu adden und sich somit auf drei Tage perfekte Unterhaltung in atemberaubender Kulisse zu freuen.
Das gesamte Line-Up:
A.T.O.L. | Addison Groove | Âme (live) | Anstam | Apparat Band | Atari Teenage Riot | Azari & III (live) | Beady Eye | Bodi Bill | Gui Boratto | Boys Noize Bpitch @ Sleepless Floor: Ellen Allien, Kiki, Chaim, Skinnerbox | Brandt Brauer Frick | Busy P | Carte Blanche | Clock Opera | Console | Carl Craig & Radio Slave B2B | Chase And Status | Cold War Kids | Crocodiles | Crystal Castles | Crystal Fighters | Cut Copy | DAF | Dadub (live) | Benjamin Damage & Doc Daneeka | Dananananaykroyd | Dial Records pres. Lawrence, John Roberts u. a. | Digitalism (live) | DJ T. | The Drums | Duchess Says | Edit Select | Errors | Everything Everything | Fake Blood (live) | FM Belfast | Foster The People | Gold Panda | José González | Guy Gerber | Calvin Harris | Richie Hawtin | Housemeister | The Hundred In The Hands | Iron and Wine | Isolée | Nicolas Jaar (live) | Junior Boys (live) | Junip | Fritz Kalkbrenner | Paul Kalkbrenner | Katy B | The Knocks | Markus Kavka | The Koletzkis | Jacob Korn (live) | DJ Koze | Les Savy Fav | Little Dragon | Live At Robert Johnson @ Sleepless Floor: Roman Flügel, Arto Mwambe, Oliver Hafenbauer, Gerd Janson, Manuel Raven | Loco Dice | Lucy | M.A.N.D.Y. | MEN | Metronomy | Miss Fitz | Miss Kittin | Gadie Mizrahi | Modeselektor present Melt! Selektor | Monarchy | The Moroders | Mutter | The Naked And Famous | Maayan Nidam | Noah & The Whale | No Regular Play | Nôze (live) | Ostgut Ton Special: Marcel Dettmann, Ben Klock, Marcel Fengler, Barker & Baumecker (live) | Phon.o | Planningtorock | Plan B | Proxy | Pulp | Christopher Rau | Robyn | Rusko | SBTRKT (live) | Edward Sharpe & The Magnetic Zeros | Siriusmo | Sizarr (live) | Sizarr Soundsystem | Smallpeople aka Dionne & Julius Steinhoff | The Sound Of Arrows | The Streets | Swans | Tensnake | These New Puritans | Total Confusion B2B2B – Tobias Thomas, Michael Mayer & Superpitcher | Totally Enormous Extinct Dinosaurs | Albrecht Wassersleben | We Have Band | When Saints Go Machine | White Lies | Patrick Wolf | Jamie Woon |
William Fitzsimmons – Gold In The Shadow
Bitte nicht stören – Therapiesitzung. Dies könnte ohne Zweifel an der Türe des Proberaums von William Fitzsimmons gestanden haben, als er sein neues Album „Gold In The Shadow“ aufnahm.
Nun, dies ist sicherlich nichts außergewöhnliches, wenn man sich mit dem Menschen William Fitzsimmons und seinen bisherigen Platten beschäftigt. Den Höhepunkt seiner musikalischen Verarbeitung persönlicher Erlebnisse war definitiv sein 2008er Album „The Sparrow and the Crow“. Frisch geschieden nahm er den Hörer mit auf eine Beziehungs-Zeitreise, die nicht selten schmerzhaft und voller trauriger Erinnerungen steckte. Was das Thema angeht, ist sein Nachfolger nun deutlicher optimistischer – zumindest in Fitzsimmons’schen Maßstäben.
Also platziert der bärtige Herr seine Zuhörer wieder mitten im Zentrum seiner musikalischen Therapiesitzung. Erste Erkenntnis: Das Licht am Ende des Tunnels ist deutlich erkennbar.
„The Winter From Her Leaving“ blickt sogar nahezu positiv auf seine vergangen Beziehung zurück und optimistisch nach vorne. In „What Hold“ teilt er seinen neugewonnenen Optimismus sogar direkt mit: „ You will see sunlight again.“
Nicht, dass wir uns falsch verstehen. Die Musik von Fitzsimmons ist nach wie vor unglaublich intensiv und es tut ihm gut, dass es wieder bergauf zu gehen scheint. Ein weiteres zerbrechliches Album hätte ihm vermutlich nicht gut getan. Seinen Hörern wohlmöglich auch nicht. Und dennoch: Manchmal will man ihm einfach zurufen: „Junge, jetzt ist aber auch mal gut. Augen zu und durch. Genug gejammert.“
Aber es ist diese stete Zerrissenheit, die seine Musik dann letzten Endes ausmacht und die ihn so unverwechselbar klingen lässt. Mit etwas mehr Optimismus wird uns Fitzsimmons dann beweisen, dass seine Musik auch ohne Liebeskummer ganz hervorragend funktionieren kann.










William Fitzsimmons
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Röyksopp – Senior
Wenn man jung ist, hat man noch Träume. Oder man macht zumindest Dinge, an die man ein paar Jahre später lieber nicht erinnern werden möchte. Und gerade wegen dieser Erfahrungen, beginnt man sich zu entwickeln. Manche nennen es dann „reifen“. Ob die Norweger von Röyksopp es tatsächlich noch nötig haben zu reifen, darf zumindest angezweifelt werden. Zu erfolgreich waren ihre letzten elektronischen Kompositionen – bei Kritikern wie Hörern gleichermaßen. Dabei beherrschen Sie gleich mehrere Spielarten der elektronischen Musik, die sowohl daheim im Wohnzimmer als auch im Club, aber vor allem live bei ihren großartigen Konzerten zum Tragen kommen.
In bester Erinnerung ist jedenfalls noch das fantastische „What else is there“ oder ihr Auftritt beim MELT 2009, als Sie auf der Main Stage tausende Menschen in Begeisterung und Erstaunen versetzt haben. Selten gelingt es Musikern die Hörer mit der gleichen Musik zum Feiern und gleichzeitig zum Träumen anzuregen. Röyksopp schaffen es dank großartiger Melodien, den passenden Gastsängern und somit einer skandinavischen Mischung, die weltweit Anerkennung findet.
Eine weitere Entwicklungsstufe haben Sie nun mit ihrem Album Senior erklommen. Nachdem der jüngere Bruder „Junior“ noch wild und feierwütig daherkam, ist sein älterer Konterpart deutlich gesetzter. Zum einen wird komplett auf Vocals verzichtet, was die Musik somit schon an sich deutlich minimalistischer daherkommen lässt. Während „Tricky Two“ durchaus Club-kompatibel erscheint wird es mit Ausnahme des Minimal-Krachers „The Drug“ deutlich entspannter. Perfekt, um während einer Zugfahrt in eine andere Welt einzutauchen und die Landschaften an einem vorbeiziehen zu lassen. Manch einer mag das Album langweilig finden. Das kommt hin, wenn man die „Junior“ als Maßstab nimmt. Lässt man sich jedoch auf die Ambient- und Chill-Out Musik ein, findet man schnell Gefallen und entdeckt einen Begleiter für gemütliche Sonntagnachmittage oder Abende mit einer guten Flasche Rotwein. Anscheinend sehen sich die Norweger angekommen – das lässt zumindest das harmonische „Coming Home“ vermuten. Doch Röyksopp wären nicht Röyksopp und sehen ihre Entwicklung längst noch nicht abgeschlossen. „A long long way“ lautet der letzte Titel des Albums.










Röyksopp
Antony & The Johnsons – Swanlights
Es gibt sie – die Musik, die schwer verdaulich ist. Jedoch nicht aufgrund von Einfallslosigkeit oder Plastikpopsymptomen, wie sie Landauf, Landab in den Charts zu finden ist. Nein, vielmehr schwer verdaulich, weil der Zugang zu ihr sehr viel Einfühlungsvermögen und Kompromissbereitschaft beim Hörer voraussetzt. Kritiker überschlagen sich dann zumeist vor Lob – gilt diese Art von Musik doch meist als intellektuell und verweist auf einen bestimmten Anspruch, der vermittelt werden möchte. Doch was passiert, wenn man keinen Zugang zur Musik findet? Ist man dann nicht intellektuell genug?
Dies war die Frage, die ich mir stelle, nachdem ich Antony & The Jonsons mehrmals hintereinander anhörte. Ich hörte „Swanlight“ mehrmals hintereinander, doch so recht kamen wir nie auf einen Nenner. Keine Frage, es ist großartig arrangiert. Das wunderschöne Pianospiel und der Einsatz von Streicher – es passt. Jedoch erzeugt Sänger Antony Hegarty eine solche verzweifelte, ja zerbrechliche Stimmung, dass es einem irgendwann zuviel wird. Das Leben ist ja durchaus schön und nicht nur traurig, schlimm und grausam. Vielleicht sollte jemand es ihm nur einfach mal mitteilen. Selbstverständlich gibt es jede Menge Leute, die seine Musik – wahrscheinlich auch zu Recht – in Begeisterungsstürme versetzte. Für meinen Geschmack ist es eine Spur zu depressiv, was jedoch auch an der sehr gewöhnungsbedürftigen Stimme von Hegarty liegen könnte.
Merke: Das Empfinden von Musik ist sehr subjektiv – und das ist auch gut so.










Antony & The Johnsons
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Eels – Tomorrow Morning
Mark Oliver Everett hat sich dazu entschlossen seine Band Eels als akustische Therapiesitzung. Nach dem ziemlich düsteren und hoffnungslosen Vorgänger „End Times“, scheint mit „Tomorrow Morning“ nun Hoffnung eingekehrt zu sein im Eels-Land.
Bereits „I’m a Hummingbird“ versucht jeglichen Zweifel hinfort zu wischen. Die Zeit der Jammerei ist vorbei, jetzt wird es positiv. Fast schon trotzig wird herausgeschrien: „Baby loves me“. Allerlei leichten elektronischen Frickeleien und Keyboard-Einschüben zum Trotz: So ganz überzeugen kann das Album nicht. Keine Frage, das Songwriting ist außergewöhnlich – im positiven Sinne. Aber die Platte will nicht so recht ins Ohr. Unerwartete Wendungen, die nicht harmonisch klingen. Es ist teilweise sogar anstrengend dem Album zu folgen. Dies ist sicherlich nicht per se schlecht, aber man muss sich schon sehr viel Zeit nehmen, um sich auf das Album einzulassen. Und selbst dann, wenn man das geschafft hat und ihm eine echte Chance gibt, ein fader Beigeschmack bleibt dennoch bestehen. Die vertonte Therapiesitzung wirkt an manchen Stellen dann doch schon so, als wenn die Antidepressiva etwas zu drastisch eingenommen worden sind.










Eels
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JUNIP – Fields
Der Regen prasselt draußen gegen die Fensterscheibe und auch der Himmel über Münsters Hafenviertel hat mal wieder seine typische graue Farbe angenommen. Ein perfekter Tag also, um es sich in seinem Zimmer gemütlich zu machen – begleitet von einer Tasse Kaffee und den Herren González, Winterkorn und Araya. Diese haben es nämlich geschafft, ihre erste offizielle Platte unter dem Namen Junip herauszubringen. Nachdem die drei Freunde schon ziemlich lange zusammen musizierten und als Folge dieser Jam-Sessions vor fünf Jahren auch eine EP herausbrachten, haben sie sich nun dazu entschlossen, die Welt an einem ganzen Album teilhaben zu lassen. Fields heißt das Werk und überzeugt auf der ganzen Linie.
Nachdem Jose González solo mit seinen Singer/Songwriter-Qualitäten wahrscheinlich jedem noch so gefühlskalten Wesen Empfindlichkeiten entlocken kann, entpuppt sich seine Band Junip als weitaus facettenreicher. Viele elektronische Einflüsse, teilweise sehr experimentell und sehr viel mehr als bloßer Akustik-Pop.
Von der Komposition her erinnern sie sogar schon an Whitest Boy Alive, wie z.B. beim großartigen „Sweet & Bitter“, was auch das Motto des gesamten Albums sein könnten. Sanfte, aber nie zu kitschige Songwriterstücke, wie „To the Grain“ oder „It’s alright“ bis hin zu klassischen Folknummern wie „Howl“ spiegeln die Bandbreite des musikalischen Gemischtwarenladens namens Junip wider. Das so zusammengesetzte Gemisch schmeckt jedoch immer noch hervorragend.
Die Herren schaffen es mit ihrer Musik den Hörer zumindest vorübergehend mit auf eine entspannte Reise zu nehmen. Ganz gleich ob man sich in einer verregneten grauen Stadt in Westfalen oder am Strand in Portugal befindet. Merke: González funktioniert auch zu dritt.










JUNIP
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Friska Viljor + Lena Malmborg, Gleis 22, Münster, 17. Februar 2010

Die Konzerte der schwedischen Indie-Band Friska Viljor sind legendär, da stets einzigartig und zumeist schweißtreibend. Diesen Beweis versuchte die Band um Daniel Johansson und Joakim Sveningsson auch bei ihrem Besuch im Gleis 22 in Münster am 17. Februar zu erbringen.
Nach der Ankunft an der Hafenstraße 34 musste ich kurzzeitig ein wenig schmunzeln. Safety first – so lautete wohl das Motto der Veranstalter. Denn unmittelbar vor der Bühne des Gleis hatten sie doch tatsächlich einen Wellenbrecher aufgestellt. Nun ja, vielleicht hatte da allerdings auch das umtriebige Münsteraner Ordnungsamt seine Finger im Spiel. Man weiß es nicht…
Den Abend eröffneten Lena Malmborg samt drei weiteren schwedischen Musikantinnen. So wurde das Konzert mit angenehmen Blues- und Soulstücken eröffnet. Durchaus empfehlenswert und mal wieder ein Beweis für die scheinbar nie zu Ende gehende Quelle an hervorragenden schwedischen Bands. Aber dies schrieb ich bereits in anderen Artikeln schon mal.
Nach dem Auftritt wartete das restlos ausverkaufte Gleis sehnsüchtig auf den Auftritt von Friska Viljor. Und wartete… und wartete, trank ein Kaltgetränk seiner Wahl und wartete weiter. Wie der geneigte Leser spitzfindig herauslesen kann, hätte eine kürzere Wartezeit nicht unbedingt geschadet.
Fairerweise sei an dieser Stelle erwähnt, dass Sänger Joakim Sveningsson kränkelte und sich daher sichtlich mitgenommen auf die Bühne schleppte. Medizin in Form von diversen alkoholischen Getränken hatte ihn zumindest soweit aufgepäppelt, dass er den Weg zur Bühne fand – wenn auch mit reichlich Verspätung.
Das Konzert entschädigte das Publikum dann jedoch auch für die lange Wartezeit. Die zumeist recht jungen Konzertbesucher zeigten, dass sie durchaus in der Lage sind zu tanzen und – dem Wellenbrecher sei Dank- gingen dabei durchaus entschlossen zu Werke.
Friska Viljor überzeugte mit großer Spielfreude und mit Songs aus ihrem neuen Album “For New Beginnings”, indem u.a. die Hamburger Wohlwill Straße euphorisch besungen wird.
Höhepunkt des Abends war ein waghalsiges Klettermanöver von Joakim Sveningsson, dem die Medikamente wohl ein wenig zu Kopf gestiegen waren. So testete er jedenfalls munter die Tragfähigkeit der Heizungsrohre im Gleis. Ein gelungener Abend mit einer Band, die den Beweis erbrachte, auch mit angeschlagenen Frontmännern einen Saal zum Kochen zu bringen.
Fotos: Johannes Wallat
Kristofer Aström + Lowood (Therese Johansson), Gleis 22, Münster, 10. Dezember 2009

Münster verfügt bekanntlich über zwei Wohnzimmer, die musikalisch zumeist besonders verwöhnt werden. Das eine ist das Amp, in dem am 19.12. Johannes Mayer aka The Late Call sich die Ehre gibt. Das andere ist das alt-ehrwürdige Gleis 22, welches zur Zeit mit besonders guter Musikauswahl glänzt. So holten die Damen und Herren um Frank Dietrich nach William Fitzsimmons mit Kristofer Aström zum zweiten Mal binnen einer Woche einen absoluten Hochkaräter in die Domstadt.
Das Wohnzimmer an der Hafenstraße war also bestens vorbereitet. Der Teppich auf der Bühne war ausgelegt, die Gäste trockneten sich bei Kaltgetränken, die durch den Münsteraner Dauerregen verursachten nassen Füße und freuten sich auf ein abermaliges Gastspiel des schwedischen Bruce Springsteen, wie unlängst in einer Rezension zu lesen war.
Den Auftakt bildete jedoch Therese Johansson, ihres Zeichens Sängerin der schwedischen Band Lowood und sowohl optisch als auch akustisch eine sehr angenehme Erscheinung. Auf ihrem Debütalbum “Close To Ciolence” lässt sie die Herzen mit ihrem melancholischen, verträumten Pop höher schlagen und sorgt einmal mehr für den Beweis, dass es in Schweden ein scheinbar niemals erschöpftes Reservoir an talentierten Musikern gibt. Während ihres Auftritts wurde sie bei dem Stück “It’s A Mess” auch von Kristofer Aström stimmlich begleitet. Ein mehr als gelungener Auftakt der Dame aus Stockholm, die uns hoffentlich bald wieder beehren wird.
Nach einer kurzen Pause betraten mit “The Rainaways” auch die Band von Kristofer Aström, die ihn auch auf seinem aktuellen Album “Sinkadus” unterstützt, die Bühne und sorgten für ein absolut begeisterndes Konzert. An dieser Stelle sei erwähnt, dass der Bassist eine frappierende Ähnlichkeit mit Captain Barbossa aus “Fluch der Karibik” besitzt. Ähm ja, aber seriös weiter im Text. In extremer Spielfreude zeigten sich die schwedischen Herren und bewiesen, dass Aström neben seiner melancholischen Ader auch eine Vorliebe für ehrlichen Folk und Blues-Rock besitzt. Diese Vorliebe kommt auch bei seinem aktuellen Album wieder mehr zum Vorschein.
Nichtsdestotrotz wurden natürlich auch die Klassiker, wie das großartige “All Lovers Hell” oder die grandiose Ballade “Fallen” gespielt. Insbesondere bei diesen Liedern tritt Aströms Gabe zu Tage, die traurigsten und melancholischsten Gefühle in musikalische Form zu übersetzen ohne dabei in die große Kitsch-Falle zu tappen. Der Einsatz von Mundharmonika durfte an dieser Stelle natürlich auch nicht fehlen. Besonders positiv muss erwähnt werden, dass der Band ihre große Freude am Auftritt anzumerken war. So überzeugte insbesondere Aströms Gitarrist, der sich und die Zuschauer mit mehreren Gitarrensoli erfreute.
Ein, nicht nur in der Adventszeit, sehr stimmungsvoller Abend, der Herrn Aström hoffentlich bald wieder in eines der gemütlichen musikalischen Wohnzimmer Münsters führen wird.
Fotos: Myspace Kristofer Aström














