Eigentlich ist Myspace ja tot, die klassische Myspace-Entdeckung gibt es …
John K. Samson – Provincial Road 222
John K. Samson, der liebliche Kanadier, mit der leicht säuselnden Stimme und im wahren Leben Vorsteher der Weakerthans, besingt die Straßen seiner kanadischen Heimat Winipeg. Nach City Route 85 folgt nur Provincial Road 22. Eine 3 Song starke 7“, limitiert auf lediglich 500 Stück.
Geografisch verläuft die Provincial Road 22 im Norden der Stadt Winipeg. Musikalisch durchläuft sie den Kopf und das Herz. Dabei verzichtet John auf große Trara, besinnt sich auf seine Gitarre und seinen tief gehenden Gesang und wird dabei von Harfen und Klavieren dezent im Hintergrund begleitet.
Der Beginn durch The Last And erzählt die Geschichte eines Lehrers, der nach einer Affäre nicht mehr von ihr beachtet wird – Der Schulleiterin. John K. Samson versetzt sich in die Rolle des Lehrers und sucht nach dem Warum? Petition spielt auf eine reale Petition um den Eishockey Spieler Reagie Leeach an, durch den die Bürger seines Heimatortes Riverton versuchen, ihm einen Platz in der Hockey Hall of Fame zu sichern. Dem Thema hat sich John K. angenommen und einen coolen Song daraus gebastelt! Ideen sollte man haben. Komplett auf Instrumente verzichtet er im letzten Song Stop Error. Lediglich durch einen Frauenchor begleitet singt er über einen Jungen, der an der Provinical Road 22 wohnt und seinem Leben komplett dem Computer widmet und so die Realität und die digitale Welt nicht mehr auseinanderhalten kann.
John K. Samson präsentiert uns wunderbar die kleine Welt seines Heimatortes und erzählt uns kleine, nette Stories. Man gespannt sein, wohin uns die Stadtrundfahrt beim nächsten Mal führt.










John K.
Murder By Death – Good Morning, Magpie
Die personifizierte Gänsehautstimme ist zurück. Murder by Death veröffentlichen Album Nummer 5, es hört auf den Titel Good Morning, Magpie. Adam Turla ist derjenige mit dieser Gänsehautstimme, der uns mit seinen Songs in den dunklen Wilden Westen bringt, zwischen Kneipenschlägerei und dem Duell bei Sonnenaufgang. Wie schon bei den Vorgänger bestimmen auch hier düstere Themen die Inhalte der Songtexte.
Ein wenig genervt zeigt sich Adam Turla schon, wenn man ihn auf die Verwandtschaft seiner Stimme mit der von Johnny Cash anspricht. Überall zieht dieser Vergleich auf, Johnny Cash auf Hustensaft wird zum Beispiel einmal getitelt. Nicht, dass er persönlich was gegen Cash hat, aber er selber sieht diese Vergleiche nicht. Er sei nicht mal so ein großer Fan und lässt sich eher von dunklen Westernmythen und Enrico Morricone beeinflussen, behauptet er Ende 2008 bei einem Interview mit uns. So ganz abschlagen kann man diesen Gedanken jedoch nicht, hört man die ersten beiden Songs des neuen Albums, die sich sehr dem Alkohol fröhnen. Neben den kurzen Gospelartigen Einstieg “Kentucky Bourbon” und der Hymne einer jeglichen Wildwesternkneipenschlägerei “As long as there is whiskey in the world”. Wesentlich weniger geschlagen, dafür wird bei “On the dark streets below” geswingt. Bläser finden ihren Einsatz und schon wieder fühlt man sich im Filmgenre der 30er Jahre versetzt.
Schon der Anfang des Albums wirkt und Murder by Death trällern einem die Saloonfähigkeit ihrer Songs glaubhaft rüber. Wesentlich ruhiger als der Anfang wird das in sich gekehrte “King of the Gutters, Prince of the Dogs”. Untergangsflair mit aufsteigender Sonne birgt der Titeltrack in sich. Düster und bitterer als alles vorherige und sorgt letztlich auch beim Allerletzten für die Gänsehaut. Fröhlich gepfiffen und sich langsam als Hit des Albums plaziert sich “You don´t miss twice(when you´re shavin with a knife)” im Gehörgang. Zum Ende plätschert das Album ein wenig vor sich hin, jedoch ohne im Niveau zu sinken. Nur wird die ansteigende Kurve hierbei ziemlich gerade gehalten und weitere Highlight bleiben bis zum Ende Mangelware. Das Ende hierbei bildet “The Day” der durch ein durch klingendes Piano ein letzter Aufrufzeichen setzt.
Schon mehrmals bewiesen haben Murder by Death die Soundtracklastigkeit. Auch bei dem Machwerk werden sie diesen Ruf nicht los, darum bittet aber auch keiner. Ein rundum gelungenes Album. Und bald auch wieder in Deutschland auf die Augen zu kriegen. Wir empfehlen euch herzlichst eins der folgenden Konzerte zu besuchen.










Murder by Death
Murder By Death auf Tour
22.Mai 2010 Chemnitz – Fuego a la Isla Festival
23.Mai, Beverungen, Orange Blossom Festival
24.Mai, Berlin, Festsaal
25.Mai, Köln, Gebäude 9
26.Mai, Hamburg, Molotow
27.Mai, Münster, Gleis 22
28.Mai, Heidelberg, Karlstorbahnhof
29.Mai, München, Ampere
The Sounds, Turock, Essen, 7. Mai 2010

Essen wurde eingenommen! Der Mittelpunkt der Ruhr2010 war diesmal Ausrichtungsort der langen Nacht von EinsLive. Das Procedere ist einfach. In vielen Locations der Stadt spielen Bands Konzerte, feiern Djs Parties oder lesen Autoren aus ihren Büchern. Und wie in jeder Stadt, wie zuvor Münster oder Duisburg, sind die Läden dank EinsLive proppe voll. Auch dieses Jahr war es so, dass sämtliche Konzerte innerhalb von Stunden ausverkauft waren. Als Zusatz gab es einen dicken Sahnehaufen oben drauf. The Sounds spielten im kleinen Turock am Viehofer Platz in Essen. Und wer hier zu spät kam sah wieder nur das Sold Out Schild.
An die 200 Konzerte geben The Sounds im Jahr. Workaholics mit Leidenschaft. Ob das große Festival oder die kleine Alternativedisco, sie kriegen alle zum kochen. Warm wurde es auch schnell im Turock. Ob es der reine Anblick von Maja Ivarsson war oder die schlechte Lüftung, wir denken Ersteres war schuld. Ein schöner Grund zum Schwitzen.
Erst am späten Mittag sind die 5 jungen Schweden aus Stockholm angekommen und promoten an diesem Abend das aktuelle Album “Crossing the Rubicon”. Es hagelte fiese und schlechte Kritiken, gerade der Veranstalter kann sich da nicht rausnehmen, doch live ist es eine andere Liga. Denn wo The Sounds drauf steht, steckt Party drin. Schon die ersten Töne von Tony the Beat, dem Opener, liess die Füße wippen, springen oder tanzen. Nur ruhig stehen war nicht möglich. Und das “Crossing the Rubicon” definitiv starke Momente hat, beweisen gerade Live so einige Songs und lassen hinterfragen, mit wie vielen Ohren genau hingehört wurde beim Rezensieren. Locker, stilvoll und selbstsicher stolziert Maja über die Bühne, schmiedet sich an die eigenen Bandmitglieder, umgarnt so manchen Security und verzaubert das Publikum. Eine Prinzessin ohne Allüren. Die Setlist ist reichlich geschmückt. “7 Days the Week” aus dem Debutalbum “Living in America”, “EGO” aus “Dying to say this to you” und das gerade live bombastische wirkende “Midnight Sun” finden berechtigten Eintritt in die Setlist. Das Maja auch gefühlvoll singen kann, zeigt, als sie nur vom Klavier beim Gang durch ihre Heimat in “Home is where you heart” ist und beim gefühlvollen “Night after Night” begleitet wird. Es fehlt heute an nichts und gerade die Hits der Band werden frenetisch gefeiert. “Painted by Numbers”, “Beatbox” und “Living in America” werden lauthals bejubelt. Noch einmal steigt die Stimmungskurve beim besten Song des letzten Albums an, “Dorchester Hotel” zieht in seinen Bann. Leider war nach knapp 80 Minuten und “Hope you´re happy now” schon Ende. Zugabenrufe wurden nicht mehr erhört. Der wohl einzige Makel an einem fast perfekten Abend.
Wer sich ärgert, nicht dabei gewesen sein zu können, dem sei ans Herz gelegt, dass The Sounds auf der VisionsSabotage Party im FZW in Dortmund spielen, am 04.06.2010.
Foto: Pressefreigabe, eine tolle Bildergalerie gibt es bei EinsLive
Bad Religion + AFI + Sum 41 (Telekom Extreme Playgrounds), Landschaftspark Nord, Duisburg, 25. April 2010

“More than just a Punkrock-Song”. Eine wohl treffende und würdige Beschreibung für Bad Religion. Seit nun mehr 30 Jahren stampfen sie über die Bühnen der Welt und werden kein bisschen leise und vor allem nicht langsam. Ihren einzigartigen Sound gab es bei den diesjährigen Extreme Playgrounds der Telekom, wo sie zusammen mit AFI und Sum 41 für die musikalische Untermalung des Skatefestivals gesorgt haben. Mehrfach ließen Festivalfreunde sich die Saison durch dieses Event einleiten, auch dieses Jahr fanden 4500 Zuschauer den Weg in den Landschaftspark Nord in Duisburg.
Zur Eröffnung fanden Sum 41 Platz auf der Bühne. Lang ist es her, als sie mit Teeniepunk für Highschool Filme für Zuhörerkundschaft sorgten. Wild, laut und dreckig. Alles was eine wilde Punkrock-Show zu bieten haben sollte, findet man bei Sum41. Inklusive Sänger mit tiefen Rändern unter den Augen. 45 Minuten lang gab es neben alten Hits wie “Into deep” und “Fat Lip” auch grandiose Punkrock-Songs der letzten Alben zu hören. Wenn sie sich irgendwann mal ganz von dem “Fat Lip” Image reißen können, werden sie noch zu den Großen des Punkrocks gehören.
Früher wilder Emocore, heutzutage düstere Popsongs mit Schreifaktor. AFI haben sich gewandelt. Auch Sänger Davey Havok. Die lange dunkle Strähne, die sein Gesicht zierte, ist nun weg. Das holt das Männliche hervor, was vom Bart unterstrichen wird. Die Mädels in den ersten Reihen freut es. “Crash Love”, das letzte Album der 4 Amerikaner, ging hier im Gegensatz zum Vorgänger “Decemberunderground” unter, trotzdem wurde es wild in den ersten Reihen.
Bad Religion. Die Institution im Punkrock-Business. 30 Jahre, kein bisschen leise. Diese Band geht ihren Weg, unbeirrt von allem, immerhin den Zeigefinger erhoben und das Schlechte in der Welt an mahnend. So manch einer sagt, es klingt alles gleich, aber es ist einfach der unverkennbare Sound der Band, die harmonierende Stimme vom Professor Graffin und das unüberschaubare Repertoire an großartigen Songs. Auch dieses Mal ist bei dem einzigen Deutschland Auftritt im Frühjahr alles dabei. Die Altpunks von früher freuen sich über “We´re only gonna die”, Fans der glorreichen Zeit freuen sich über den „Punkrocksong“ und die Jungen Schwingen bei “Sorrow” mit. Und immer der gehobene Finger von Greg Graffin, der die Menschheit mahnt. Auf die nächsten 30 Jahre!
Wer die Altmeister verpasst hat, darf sich freuen. Im Sommer 2010 sind die auf so einigen Festival- und Clubbühnen des Landes zu finden
4.6. Rock im Park
6.6 Rock am Ring
7.6. Bielefeld
8.6. Berlin
9.6. Hamburg
Bildmaterial: Telekom
Frank Turner + Crazy Arm, Zakk, Düsseldorf, 31. März 2010

Es ist ein wenig mehr als ein Jahr her, als Frank Turner das erste Mal in Deutschland spielte. Als Support von The Gaslight Anthem musste er sich schon damals nicht verstecken. Die Gitarre im Gepäck und grundlegend Sympathische im Auftreten. Ein Jahr später ist er nun zum dritten Mal in Deutschland auf Tour. Im scheint es zu gefallen.
Das Zakk in Düsseldorf ist eine Station seiner Deutschland Tour und der Zuspruch wächst von Mal zu Mal. Die Hallenkapazität steigt stetig mit den Zuschauerzahlen. Frank Turner ist aller Munde. Mehr als 600 Zuschauer haben heute den Weg hier her gefunden um zuerst den Support Crazy Arm zu begutachten. Leider haben wir die Band verpasst, dementsprechend spare ich mir mögliche Worte über die Band. Pünktlich als der Zeiger auf die 9 zu geht, steht Frank Turner samt Band auf der Bühne.
Kaum auf der Bühne angekommen, reißen schon die ersten Saiten auf der Gitarre. Eine Leistung das zu schaffen, ohne auch nur einen Ton gespielt zu haben. Ein kleines Lächeln, ein flotter Spruch – Frank Turner weiß, wie er mit dieser Kleinigkeit die Zuschauer auf seine Seite zieht. Es ist die gute Seite. “Reasons not to be an Idiot” steht an Position Eins des heutigen Abends und gibt ein flotten Startschuss zum allgemeinen Tanzvergnügen. Er spielt, redet und siegt auf voller Linie. Die Show ist weder eintönig, noch einschläfernd, vielmehr ein Sprudel an guter Laune und Hits. Vor kurzem hat er die DVD “Take to the Road” veröffentlicht, die genau das auf Film festhält. Ein guter Frank Turner auf der Bühne und eine enthusiastisches Publikum. Auch wenn das Ganze in seiner Heimat spielt, wo er am Starstatus kratzt, sorgt auch Deutschland für Herzförmige Augen beim guten Frank. Ein heimlicher Hit katapultiert sich hierbei besonders an die Spitze. “The Road” vom aktuellen Album “Poetry of the Deed” ist gemeint.
Aufs letzte Album beschränken könnte er sich zwar, aber dafür befinden sich auf den ersten beiden Alben zu viele gute Songs und so findet er die gute Mischung aus alten und neuen Hits. Besonders “Substitute” und “Long live the Queen” finden den direkten Weg ins Herz. Nach leider nur knapp 55 Minuten verabschiedet sich die 5 köpfige Band hinter den riesig blauen Vorhang. Doch zu einer echten Rockshow gehören halt auch Zugaben. “The Ballad of me and my friends” und “Photosynthesis” sind die letzten Songs des heutigen Abends, wo gerade bei letztem nochmal jeder das Letzte aus sich raus geholt hat. So wurden Franks Freunde von Crazy Arm auf die Bühne geholt um den mächtigen Finale noch einmal eine Note zu vergeben und das Publikum drehte noch mal auf und tanzte wild und sang laut. Wenn es auch nur knapp 70 Minuten waren, sie haben alle mal gereicht um zu überzeugen. Und im Sommer findet sich der gute Frank auch wieder auf so einigen Festivalbühnen des Landes wieder. Wir freuen uns.
Fotos: Frank Turner Myspace
The Sounds – Crossing The Rubicon
Nach “Living in America” und “Dying to say this to you” ist es nun soweit. “Crossing the Rubicon”, Album Nummer Drei aus dem Hause The Sounds ist nun auch endlich in Deutschland erhältlich. Bereits im November erschienen und in Deutschland lediglich bisher über Importfirmen zu haben, ist es nun auch im gut sortieren Schallplattenmarkt deiner Wahl zu finden. Mehr als 3 Jahre hat man sich Zeit gelassen für das Album, ohne jeglichen Druck ist man dran gegangen. Und schon der erste Hördurchgang zeigt ein verändertes Klangbild von The Sounds.
Wesentlich reifer und älter sind sie geworden. Man spürt die Erfahrung, die sich in den ganzen Jahren angesammelt hat. Nach der hohen Messlatte, die sie sich selbst mit dem Vorgänger “Dying to say this to you” gelegt haben, ist es schwer ein weiteres Album zu veröffentlichen und das konstante Level zu halten. Hierbei haben The Sounds den richtigen Weg genommen und haben sich gegen eine Kopie des Vorgängers entschieden. Eine Qualität, die sich bezahlt macht. Auch wenn die Songs nicht mehr direkt nach Disco schreien, ist der einmalige The Sounds Sound raus zu hören. Bedächtig und ruhig ist schon der Opener “No one sleeps when i´m awake” ohne jedoch am typischen Charme der Band vorbei zu schrammen. Natürlich wird es auch wieder tanzbar bei Songs wie “4 Songs & a fight” und dem ungewöhnlichen „Beatbox“, bei dem sich Maja am Sprechgesang übt. Als wundervoll vermag ich hier “Dorchester Hotel” zu bezeichnen, ein Song der gerade im Mittelteil durch seine ansteigende Melodie noch einmal unverhoffte Kräfte weckt. Ausgereifter als je zuvor ist auch der Gesang der schönen Maja, wie zum Beispiel bei “Midnight Sun” der neben dem Klasse Arrangement ihren wundervollen Gesang hervorhebt.
Leider waren The Sounds schon im November/Dezember auf “Crossing the Rubicon” Tour, aber für den Spätsommer haben sie sich schon für die ersten Festivalgigs angekündigt, zum Beispiel beim Area4 in Lüdinghausen. Sei es zu hoffen, dass sie sich noch einmal auf eine Clubtour einlassen, da die Herbst Tour für viele verschlossen blieb, da sämtliche Clubs das Ausverkauft Schild hoch hielten.
Ein kleiner Tipp am Rande. “Crossing the Rubicon” ruhig bis zum Ende anhören, mit “Goodnight Freddy” findet sich ein kleiner Bonustrack!










The Sounds
Chuck Ragan + Tim Vantol, Zakk, Düsseldorf, 11. März 2010

Ein ganz besonderes Verhältnis hat dieser Mann schon zu Deutschland. Anders kann man es nicht erklären, warum er alle paar Monate Deutschland besucht. Aber anstatt dass uns die Besuche langweilen, wie die der ungeliebten Tante, wird die Anhängerschaft von mal zu mal größer. Nach dem er im September mit einer Big Band da war und im November mit den Jungs von Hot Water Music, beschränkt sich Chuck Ragan diesmal wieder auf den Kontrabass gespielt von Digger Barns und an der Violine Jon Garnt. Für einige Termine sind die Drei nun in Europa unterwegs, einer davon am 11. März in Düsseldorf, im Zakk.
Zu aller erst lässt sich feststellen, dass nicht alle soziokulturellen Einrichtungen wie das Zakk sehr einladend und fördernd wirken. Ein Kloß im Halse bleibt mir schon bei dem Preis von 3,60 Euro für eine Cola stecken. So avanciert man nicht zum Lieblingsclub. Aber wir sind ja nicht wegen des Ambiente hier, das trotz hoher Preise dort recht nett ist. Chuck Ragan steht auf dem Programm. Zuerst betritt der Amsterdamer Junge Tim Vantol die Bühne. Es ist das einfache Prinzip. Er hat früher in einigen Punk- und Hardcorebands gesungen und siedelt jetzt auf Akustikpunkrock um. Weiterhin wütend und anprangert, den Zeigefinger hebend und die Seele aus dem Leib schreiend, aber dies mit einer einfachen Akustikgitarre. Ein Trend der seit Jahren durch die Szene schwappt und seinen Ursprung vielleicht schon bei Joe Strummer gefunden hat. Als Support für Chuck Ragan reicht es vollkommen aus, es ist nett und sein gebrochenes Englisch macht ihn schon sympathisch, aber das große Feuer kann er nicht entfachen.
Dank einer geringen Umbaupause geht es auch fix weiter im Programm und so stehen Chuck Ragan, Digger Barnes und Jon Garnt auf der Bühne. “Gold Country” heßt das aktuelle Album und liefert den Bekannten Mix aus Country, Folk und einer Stimme die weit mehr als nur unter die Haut geht. Schon als erster Song wird der Hit, den er einst seiner Frau widmete, “The Boat” gespielt. Das Publikum singt, streckt die Faust in die Luft, wie bei einem guten Hot Water Music Konzert. Die Sing-a-long Mentalität geht auch hier nicht verloren. Auch wenn sie nur zu dritt sind und kein Schlagzeug sie vorantreibt, treiben sie ihre Songs kräftig nach vorne. “Let it rain” aus besagtem neuen Album folgt. Das “Gold Country” dem Debut “Feast of Famine” in Nichts nachsteht zeigt das Hit-Pontenzial, das man bereit bei “Done + Done” heraushört. Während die einen lieber den Gesang in vollen Zügen genießen wollen und sich in die hinteren Reihen stellen, beginnen die Ersten vorne zu tanzen. Jeder zelebriert auf seine Art und Weise, jeder genießt. “Glory”, “Rotterdem”, “Between the Lines”, “Bloody Shells” sind nur kleine Auszüge aus der gut bespickten Setlist. Selbst Balladen, wie dem seiner Mutter gewidmeten “Geraldine” tut der Stimmung keinen Abbruch. Nach “Symmetry” ist das eigentliche Set beendet und Chuck Ragan spielt zum Abschluss allein zwei Hot Water Music Songs. “God Deciding” und “Old Rules” lassen jeden nochmal die Stimme erheben und lauthals mitsingen. Dann verabschiedet sich der gute Chuck, lässt sich aber natürlich nicht lumpen und kommt für drei Zugaben auf die Bühne. “For broken Ears”, “Do you Pray” und “California Burritos” bringen den Stimmungspegel ein weiteres Mal nach oben und beenden das Konzert nach 75 Minuten auf ihrem Höhepunkt.
Zum Glück, dauert es nicht mehr lange, dann ist Chuck mit den großartigen Hot Water Music wieder in Deutschland und wenn man ihm glauben darf, wird er im Herbst mit der Revival Road auch einen Abstecher nach Deutschland machen. Man darf gespannt sein, aber solche Abende zeigen, dass es sehr wünschenswert wäre.
Und noch eine kleine geheime Info. Ein Tag später in Münster gab Chuck Ragan bekannt, mit seinem Buddy Brian Fallon (The Gaslight Anthem) ein Album aufzunehmen und damit im Frühjahr 2011 nach Deutschland zu kommen. Na wenn das nicht Vorfreude in sich birgt.
Bilder: Chuck Ragan Myspace
T-Mobile Extreme Playgrounds – Dirt Session mit Bad Religion

Die Mischung macht es. Am 25.04. finden im Landschaftspark Nord in Duisburg die alljährlichen T-Mobile Extreme Playgrounds statt. Die besten Mountainbiker der Welt messen sich auf den Parcours und die größten Punkrockbands zeigen ihr Können auf der Bühne.
Da wären zum einen die Headliner. Bad Religion. Feiern die Urväter des amerikanischen Califpunks doch ihr 30 jähriges Jubiläum dieses Jahr und lassen sie sich nicht lumpen auch im Westen unseren Deutschen Heimat vorbeizuschauen. 30 Jahre Bühnenerfahrung – Greg Graffin und Co. Wissen wie es geht und werden sowohl jung als auch alt in ihren Bann ziehen. Von „We´re only gonna die“ bis Songs des 2008 erschienenem Album „New Maps of Hell“ wie zum Beispiel „New Dark Ages“, Songs die auf die typische Bad Religion Art und Weise funktionieren.

AFI ist inzwischen auch eine Instituion im Punkrock. Waren es in den frühen Bandjahren noch harte und schnelle Punkriffs, so kam zuletzt beim 2007 erschienenem „Decemberunderground“ der Wechsel ins Alternativelager. Dies erschloss die breite Masse, stand aber auch weiterhin für gewohnte AFI Qualität. Im September 2009 erschien nun das letzte Machwerk „Crash Love“, dass nahtlos am Erfolg von “December underground” anschloss.
Sum 41 sind vom Quartett auf ein Trio zusammengeschrumpft, nachdem Gitarrist Dave Baksh die Band im Jahr 2006 verließ. Der Qualität tat dies kein Abbruch. Wer mit Sum41 immer noch amerikanischen Teeniepunk a lá “Fat Lip” erwartet, der muss enttäuscht werden. Haben sie doch mit den letzten Alben gezeigt, dass sie reifer geworden sind und sich mit den Großen des Rocks messen können.
Der Vorverkauf ist schon auf vollen Touren, dennoch habt ihr die Möglichkeit an Karten zu kommen, über die bekannten Ticketportale oder über die Veranstaltungswebsite. Gerade der günstige Preis von 25 Euro für ein Einzelticket oder 100 Euro für ein 5-Freunde Ticket ist mehr als ansprechend.Also – Support your Punkrock!
Fotos: T-Mobile
Olli Schulz, FZW, Dortmund, 05. März 2010

Ein Gitarrist, verlassen auf einer Bühne, die sonst reichlich Platz bietet. Ganz alleine steht er dort bewaffnet mit Gitarre und einem Gitarrenkoffer voller Überraschungen. Olli Schulz im FZW.
Fluchs dem Studio entronnen, in dem Olli gerade zusammen mit dem Hund Marie (Max Schröder) Platte Nummer 5 aufnimmt, hat er sich für einen Gig im Rahmen des Visions Sabotage Party im formschönen FZW breitschlagen lassen. Im Vorfeld haben schon in zwei weiteren Hallen Guitarshop Asshole und The Hickey Underworld die Gäste in ihren Bann gezogen, nun steht Olli Schulz im großen Saal des, erst im September eröffneten, neuen Komplex. Und so wirklich wohl fühlt er sich nicht. Die Halle ist groß, nicht schlecht besucht, aber es verläuft sich. Aber Olli ist ein Mann fürs Volk. Und um sich einen Namen zu machen, hat er ordentlich Geschenke dabei, die sein bodenlos scheinender Gitarrenkoffer hergibt. Müsli- und Schockoriegel, aktuelle Visionshefte und CDs finden den Weg ins Publikum. Das Eis ist gebrochen, das Publikum ist nur per DU mit Olli und alle, die ihn noch nicht kannten, haben ihn spätestens jetzt schon als nett empfunden. Aber Olli kann mehr als nur verteilen, er kann auch Songs spielen.
Leicht betüdelt, die Haare sind etwas länger aber trotzdem mit vollem Herz und ganzem Stolz präsentiert Olli seine Hits. Ob alt oder nicht aufgenommen, sie zaubern ein Lächeln auf die Gesichter. Startend mit dem Countryangehauchten „Die Ankunft der Marsianer“ folgend von „Dann schlägt dein Herz“, „Weil die Zeit sich so beeilt“, „Was macht man bloß mit diesem Jung.“ Er spielt die Songs, die Olli Schulz ausmachen und verzichtet im akustischen Gewand auf den BiboSong der ihm seit 2008 eine gewisse Popularität eingebracht hat. Aber wer Olli vorher kannte, weiß, dass da mehr drin steckt als dieses zu intelligente Lied für den Ballermann.
Auch wenn das Eis nun gebrochen ist, so wirklich wohl fühlt er sich nicht, alleine, auf der riesigen Bühne. Die Zuschauer sollen sich allesamt auf die Bühne begeben und im Kreis sitzend um Olli Schulz lauschen. Lagerfeuer- Feeling, ganz ohne Lagerfeuer. Das Publikum stürmt von unten auf die Bühne und rund 100 Leute versammelen sich um Olli Schulz. Das Intime ist da und jetzt taut Olli komplett auf. Er verteilt sein Backstagebier, holt sich aus dem Publikum diverse Sänger auf die Bühne, covert sich durch die deutsche Popkultur, erfindet eine eigenwillige Version der Eagle Eye Cherry Songs „Safe tonight“ und singt über die Zwänge 12- Jähriger, in dieser Welt bestehen zu können ohne sich ein Leben rund ums 2.0 aufgebaut zu haben. Entertaiment pur. „Saunaaufguss in Lankwitz“ und der Song „Elefanten“ schließen rund 1 ½ Stunden Olli Schulz und beweisen, dass Olli doch kein Mann fürs Volk, sondern vom Volk ist.
Foto: Myspace Olli Schulz
Ähnliches: Olli Schulz live in Münster
Young Rebel Set, FZW, Dortmund, 05. Februar 2010

So langsam wurde es langweilig. Es wirkte so als wäre die Hochburg des Indiekosmos allmählich eingeschlafen. Großbritannien, die früher im Viertelstundentakt großartige Bands aufs Festland geschickt haben, hatten Lieferengpässe. Seit den Rifles hat sich da nicht mehr viel getan und es wurde ruhig (dies beruht natürlich rein auf der persönlichen Ansicht des Verfassers). Doch dann kam still und auf leisen Sohlen diese 7 köpfige Formation und spielte sich im Hand umdrehen in die Herzen vieler. Alleine das Vorbotenvideo “If I was” lieferte das lang vermisste AHA Erlebnis. Angesiedelt irgendwo zwischen Bruce Springsteen und The Clash mit einer gehörigen Prise Folk wurde uns “Young Rebel Set” auf den Präsentierteller gelegt. Und beim ersten Halt in Dortmund ist es klar geworden, die Insel lebt. Mehr denn je.
Auf persönliche Empfehlung ins eigene Boot geholt hat sich das ehrwürdige Grand Hotel van Cleef diese Band und schickt sie prompt auf Deutschland Tour. Ein Halt im Rahmen der Visions Sabotage Party war das FZW in Dortmund. Noch ohne eigenes Album im Gepäck und nur einer leider ausverkauften EP sorgten sie doch schon für eine gut gefüllte Halle. Vorschusslorbeeren zahlen sich halt aus. Doch diese mussten sie erstmal rechtfertigen und unter Beweis stellen, also rauf auf die Bühne.
Kein großes Palaver, kein großes Schnick-Schnack drum herum. Die Bühne güt gefüllt mit 7 Leuten, so sorgten sie dafür, dass auch der letzte im Saal ums lässige Mitwippen nicht drumrum kam. In den folgenden knapp 50 Minuten wurden die kleinsten Zweifel besiegt, es handelt sich um eine zu unrecht gehypte Band. Es wirkte einfach ehrlich, wenn man der Band auf der Bühne zusah. Mit dem Herz am rechten Fleck sorgen sie für unnachahmliche Gänsehaut-Momente. Der Sänger mit seiner doch recht rauen Stimme, ein tanzwütiger Bassist, reichlich Gitarren, einer Mandoline und der Mundharmonika schreiben sie sich den Blues von der Seele. Es funktioniert einfach. Ob etwas gedämmter und ruhiger oder schwungvoll und tanzwütig – die Mischung macht es und stimmt. Auch der zwischenzeitliche Sologang vom Sänger, die Band hat soeben die Bühne verlassen, wirkte wundervoll harmonisch. Als das eigentliche Set mit “If I Was” beendet worden ist wollte man sie nicht gehen lassen und so gaben sie sich noch zwei weitere Runden die Ehre und spielten Songs des angekündigten Debütalbum. Dass inzwischen Smoke Blow, eigentlicher Headliner des Abends, einen Saal weiter die Bühne betreten haben, kümmerte hier niemand. Auch ein wenig wehmütig war man, dass das doch recht kurze Set beendet war.
In voller Hoffnung blicke ich aber jetzt auf das hoffentlich bald erscheinende Debüt und freue mich, dass die Band noch in ihren Anfängen steckt und uns noch schnell und häufig über den Weg läuft. Zum Abschluss bleibt nur noch eins zu sagen: Danke Grand Hotel!














