Eigentlich ist Myspace ja tot, die klassische Myspace-Entdeckung gibt es …
Retribution Gospel Choir – 2
Der Gospel Chor der Vergeltung, was nach einem recht dämlichen Namen einer Deutsch-Punk Band klingt ist das durchaus ernstgemeinte Nebenprojekt von Low Frontmann Alan Sparhawk und Low Bassist Steve Garrington, die unter diesem Namen inzwischen das zweite Mal nach 2007 ein Album vorlegen. Statt des getragenen Sounds ihrer Hauptgruppe lassen sie sich mit ihrem Retribution Gospel Choir kräftig an den Gitarren aus. Hier lässt Sparhawk seinem inneren Guitar Hero freien Lauf und schickt sich an Ozzy Osbourne in die ewigen Jagdgründe zu singen.
Dafür bedient sich das Trio im weiten Spannungsfeld von Hard- bis Prog-Rock und tobt sich damit gut gelaunt aus. Der Opener “Hide It Away” schafft dann auch den perfekten Einstieg, mit stimmigem Power-Pop und hymnischem Refrain. Mit “Your Bird” werden die Gitarren dann noch etwas wuchtiger und der Gesang noch eine Prise hymnischer, ein dunkles Stück Hard-Rock, ideal zum Kopf frei rocken. Hier spielen sich Retribution Gospel Choir beinahe in die 80er Jahre Hard-Rock Riege, ohne aber in peinliche Gestik abzudriften. Vom Hard-Rock geht es dann sogleich in Richtung Bruce Springsteen, “Workin’ Hard” hätte nämlich in ähnlicher Form so auch von ihm stammen können. Mit “Poor Man’s Daughter” kommt dann noch die Prise Prog-Rock mit in den Retribution Gospel Choir. Die Riffs werden mit großer Spielfreude ausgespielt und variiert, aber nie übertrieben lang gezogen. Mit dieser Rezeptur aus hymnischem Gesang, abwechslungsreichen Riffs und wirklich hervorragender und stimmiger Rhythmus-Arbeit haben Retribution Gospel Choir ein Hard-Rock Album vorgelegt, mit dem sich sogar Freune nicht ganz so harter Rock-Musik anfreunden könnten.










Retribution Gospel Choir
Gratis-Download: “Hide It Away” bei SubPop
Retribution Gospel Choir auf Tour:
20. März, Köln, MTC
22. März, Berlin, Magnet
Darker My Love – 2
Darker My Love, das klingt nach einer Band voll langhaariger hagerer Typen, die bevorzugt Goth-, oder auch Emo-Rock spielen und nicht gerade die positivste Einstellung zum Leben haben. Aber weit gefehlt, Darker My Love aus Los Angeles haben ihren Namen einfach nur einem Song der Punk Band TSOL (True Sounds of Liberty) entliehen, ihr Sound zeichnet sich zwar auch durch viele dunkle Töne aus, ist aber alles andere als Emo-typisch depressiv oder gar jammernd. Kein Wunder, als käme aus Kalifornien depressive Musik. Dass es genügend Gegenbeispiele an Emo-Bands aus dem Sonnenstaat gibt ist durchaus klar, soll uns in unserer Argumentation aber auch nicht weiter stören.
Das kalifornische Quartett mit dem düsteren Namen veröffentlichte jedenfalls 2004 bereits eine selbstbetitelte EP und zwei Jahre später ein Album, das sie kurzerhand genau wie die EP nannten, nämlich “Darker My Love”. Um für etwas Abwechslung zu sorgen haben sie sich für Album Nummer zwei, das sie nun vorlegen etwas ganz originelles überlegt und es “2″ getauft. Bei ihrer Musik zeigen Darker My Love dann aber etwas mehr Fantasie und präsentieren einen Sound, der wirkt, als hätten sich Oasis und Black Rebel Motorcycle Club zu einer Jam-Session im Keller getroffen, um sich mit Psych-Rock auszutoben. Da präsentiert sich dann der Opener “Northern Soul” dann auch gleich als beinahe Oasis-typischer Rockstampfer, mit hoch gepeitschten Gitarrenwänden, stampfenden Drums und einer Gesangsmelodie, auf die Liam Gallagher stolz wäre. Die Referenz zu BRMC lassen Darker My Love dann direkt in Song 2 “Blue Day” durchblitzen, Blues-Rock mit schwirrenden Gitarren und rauem, leicht hallendem Gesang. Alle Arrangements schwurbeln in der Folge zwischen psychedelischen Arrangements und rauem Rock, dabei lassen Darker My Love auch mal süße Melodien durchblitzen (“Two Days Out”) und geben sich auch gesetzten sphärischen Tönen hin (“White Composition”, “All The Hurry & Wait”). Der Schwerpunkt liegt allerdings im Rock, so kommen Songs, wie “Even In Your Lightest Day” und vor allem “Waves” dann auch beherzt rockig daher. So bleibt am Ende die Erkenntnis, “2″ ist zwar nicht innovativ, manchmal fehlt auch etwas die Abwechslung, aber dennoch ist es das beste Oasis-Album des Jahres.










Darker My Love
E-Card mit allen Songs im Stream
Darker My Love sind übrigens bald auf Tour im Vorprogramm von White Lies
01. November, Köln, Live Music Hall
02. November, Hamburg, Übel & Gefährlich
07. November, Berlin, Astra-Kulturhaus
09. November, München, Backstage
10. November, AUT-Wien, Arena
14. November, CH-Zürich, Kaufleuten
Miss Kittin & The Hacker – Two
Acht Jahre, das ist für manche Künstler eine ganze Karriere-Spanne, für Miss Kittin Caroline Hervé ist das gerade einmal die Zeit zwischen zwei Alben. Das bedeutet natürlich noch lange nicht, dass die gebürtige Französin in der restlichen Zeit untätig war, als hauptberufliche DJane und Produzentin war sie der Musik in dieser Zeit nie all zu fern. Der Drang neues eigenes Material aufzunehmen war aber nach acht Jahren seit dem ersten Album, das sie gemeinsam mit The Hacker Michel Amato aufnahm und ganz pragmatisch “1st Album” taufte, wohl so groß, dass nach gemeinsamer Amerika-Tour im letzten Jahr das Projekt Miss Kittin & The Hacker wieder in Angriff genommen wurde, um nun Album Nr. 2 “Two” folgen zu lassen.
Wie auch bereits auf dem “First Album” begibt sich das Duo wieder auf eine Reise durch die Nacht, angereichert mit Elektroclash, Rave und einer Prise Pop. Es trommeln vom Duo gewohnt düstere Beats auf den Hörer ein und erzeugen zusammen mit dem entrückt kühlen Gesang von Miss Kittin eine beinahe unheimliche Stimmung. Ganz deutlich sind dabei Referenzen zu Kraftwerk und Front 242 zu hören. Dabei ist die erste Hälfte von “Two” eindeutig discolastiger geworden und bildet so etwas wie den Soundtrack zu einer nächtlichen Auto-Fahrt durch dunkle Metropolen, die zweite Hälfte zeigt den in Trance getanzten Dance-Floor nach 5 Uhr morgens, nach dem Motto “wir sind zwar ein wenig müde, aber da geht noch was”. Besonders heraus stechen dabei die Songs “1.000 Dreams” und “Indulgence”, ohne aber das Album aus einem gut zu einem hervorragend zu reißen. Dennoch dürfte “Two” wieder viele Electroclash-Jünger auf den Dance-Floor ziehen, sofern nicht das seltsame bis langweilige Elvis-Cover “Suspicious Minds” läuft.
Video zu “Suspicious Minds”
EPK zu “Two”














