Mit bis zu elf Köpfen handelt es sich bei Emanuel …
WhiteTapes Record Of The Year 2009 – das Ergebnis
Gestern war es soweit, unsere mehrwöchige Suche nach eurem Album des Jahres endete. Die Top 10 zeigten auch unter anderem, dass unsere Berichterstattung im letzten Jahr und damit auch unser persönlicher Geschmack, auch euch in eurer Entscheidung vielleicht ein wenig beeinflusst haben. Ist ja auch irgendwie logisch, durch die Künstler, über die man berichtet sucht man sich eben auch seine Zielgruppe. Das ist gut so und dass das der richtige Weg ist, zeigt eure Resonanz in den letzten Monaten.
Eure Top 10 liest sich dann auch teilweise wie unsere persönlichen Jahresbestenliste, aber dazu bald mehr. Nach knapp 1.000 Votes in der Endrunde findet sich dann auf der 1 keine Überraschung, sondern unsere Lieblinge von We Were Promised Jetpacks, die mit “These Four Walls” in diesem Jahr das erste WhiteTapes Record Of The Year “Rest Now Weary Head, You Will Get Well Soon” beerben.
The Pains Of Being Pure At Heart finden sich ebenfalls wenig überraschend, dafür aber absolut verdient auf der 2. Auf der 3 mit Cargo City’s “On.Off.On.Off” dann die erste kleine Überraschung. Allerdings dann doch wenig verwunderlich, schließlich hat Simon in seinem Myspace-Blog zum Voting aufgerufen. Die Top 4 haben danach beinahe stündlich die Plätze getauscht und mehr als einmal fand sich Cargo City mit respektablem Vorsprung auf der 1. Am Ende reichte es aber leider doch nicht ganz und We Were Promised Jetpacks gallopierten davon. Der Rest des Polls liest sich dann auch geradezu erfrischend, wenn man manch andere Bestenlisten liest. So fehlen die üblichen Verdächtigen, wie Muse, Peter Doherty, Kasabian und Placebo und mussten die Plätze in den Top 10 dank euch Künstlern, wie Scott Matthew, The Cinematics und The Twilight Sad überlassen, die natürlich auch diese Aufmerksamkeit verdienen. Abgesehen davon haben sie selbstverständlich auch hochkarätigere Alben veröffentlicht, aber schaut selbst:

Area4, Lüdinghausen, Alter Flugplatz Borkenberge, 21. – 23. August 2009

Drei Tage mit immer wiederkehrendem Sonnenschein und 20.000 Besuchern in Lüdinghausen im Kreis Coesfeld sorgten für eine ausgelassene Stimmung beim Area4 Festival. Von den Besucherzahlen so groß wie noch nie, etabliert sich das Festival im Westen des Landes. Letztes Wochenende spielten knapp 30 Bands auf lediglich einer Bühne. Geschrumpft ist das Festival jedoch in der Hinsicht der Bandanzahl. Das hübsche Musikzelt des Vorjahres, wo immerhin Bands wie die Futureheads, Bloodlights und die Blood Red Shoes ihr musikalisches Können darboten ist wie in Luft aufgelöst. Ein trauriger Minuspunkt, für dieses kleine, sympatische Festival im feinen Münsterland. Doch an Höhepunkten fehlte es dieses Jahr dem Festival trotz allem nicht.
Schon der Freitag begann denkwürdig. Mit dem peinlichsten Überbleibsel der Ramones. CJ Ramone. Leider steht der Name nicht für Qualität, sondern eher für den Versuch noch ein paar müde Euros basierend auf den Mythos aufzubauen. Gänzlich unansehlich und leider den Namen einer Legende in den Dreck ziehend! Unsere Lieblinge aus dem Norden sorgten im Anschluss jedoch wieder für ein Lächeln auf unseren Lippen. Turbostaat spielten seit über einem Jahr mal wieder im Westen und waren dementsprechend gut drauf und sorgten für ausgelassene Stimmung. Alte Songs der ersten drei Alben, sowie eine Appetitanreger für das hoffentlich bald erscheinende vierte Album sorgten für einen ordentlichen Mix und machten Spaß. “Are you gonna be my girl” war ihr Hit, auf dem sie sich seit Jahren aufbauen. Jet ist der Name der Band, der sich ähnlich wie Jahre zuvor eine Band Namens Liquido auf diesen Hit profiliert. Vielmehr ist seitdem nicht gekommen, obwohl inzwischen Album Nummer Drei geworfen wird. Die Menschen vor der Bühne nahmen es mit wohlwollen hin, feierten ein wenig mehr bei besagtem Hit und ließen einen unspektakulären Auftritt zu Ende gehen. Als Co-Headliner dienten am Freitag Abend die Altpunks von The Offspring. Seit Jahren zeugt die Band davon Stilbrüche zu begehen und sich der jeweiligen Zeit mit der Musik anzupassen. Was die 5 alten Herren auf der Bühne anrichteten grenzte an eine riesengroße Frechheit. Kein Elan, keine Spielfreude, Nichts. Unmotiviert eine Bühne betreten und eben ein Set in 60 Minuten runterspielen, das eigentlich für 75 Minuten angesetzt wurde. Die großen Songs werden euphorisch bejubelt, die Band scheint es nicht zu Interessieren. Auch unverständlich sich einfach während des Konzertes mal eben zurückzuziehen und schlimme Choreographen die Bühne betreten zu lassen, die ein Punkkonzert in eine alberne Show umwandelten. Schlimmer konnte es nicht werden. Und sie setzten trotzdem noch einen oben drauf. So manchen Fan oder Zuhörer an diesem Abend überkam der Verdacht, das so manche Stellen Playback liefen. Viele fraglose Gesichter werden wohl nie eine ehrliche Antwort bekommen. Eine Reunion also, die man sich hätte sparen können. Der Stimmungspfeil konnte nur noch nach oben tendieren als endlich die guten, ehrwürdigen, alten Toten Hosen die Bühne betreten. Seit mehr als nun 25 Jahren mit ganz oben dabei und das zu recht. Merkt man auf den letzten Alben einen leichten Qualitätsverlust zu früheren Platten, so kann man das live nicht behaupten. Sie wissen, wie sie das Publikum in Griff kriegen.
Und es geht auch einen kletternden Campino, der die Bühne erklimmt. 90 Minuten, inkl. Gänsehaut. Alles aus Liebe, Liebeslied, Opelgang. Alles nur ein kleiner Auszug aus der langen und gut gefüllten Setlist. So schwach der Start am Freitag so manch einem vorgekommen ist, so schlimm war es nicht. Ein guter Anfang mit Potenzial Richtung Oben.
Samstag, ein neuer Tag, das Wetter hält sich tapfer trocken, die Sonne blinzelt hin und wieder durch und der Festivalalltag nimmt seinen gewöhnlichen Lauf. Rival Schools um die Hardcore Legende Walter Schreifel (ehemals Gorilla Buiscuits) hatten es schwer bei dem im Großen und Ganzen recht jungem Publikum, legten jedoch ein ordentliches Set hin. Laut und staubig wurde es dann bei der ehemaligen OI – und inzwischen zum Gröhlpop tendierenden Broilers. Es wurde getanzt und gesungen und das Bier floss in der Zeit schneller in manche Kehlen als zu anderen Zeitpunkten. Heiß wurde es, als Jesse Hughes, Frontmann und Frauenschwarm der Eagles of Death Metal, die Bühne betrat. Den Charme dieses Mannes zieht jeden in seinen Bann. Die Frauen liegen ihm zu Füssen, während die Männer ihn um seinen Sexappeal beneiden. Ein Mann der durch sein einzigartiges Auftreten Menschen in Ekstase versetzt. Musik haben die 4 Jungs aus Kalifornien auch gemacht. Und das sehr gut. Die erste richtige wilde Rock and Roll Party an dem Wochenende. Das mit den Co-Headliner passt bei diesem Festival leider immer noch nicht so. AFI durften zweifelhaft den Platz als vorletzte Band am Samstag übernehmen. Auch hier eher ein schwaches Grinsen und ein fragenden Blick als gelöste Freude. Über den Auftritt wird an dieser Stelle lieber geschwiegen. Rise Against waren Headliner am Samstag. Energiegeladen und voller Schwung holten sie alles aus dem Publikum raus und luden mit ihrem mitreißendem Set zum Mitsingen ein. Leider war der Auftritt nach lediglich einer Stunde vorbei und so manch einer fühlte sich ein wenig veräppelt nach diesem viel zu kurzen Auftritt.

Sonntag, ein Tag der Resignation. Ein Großteil zollt dem Alkohol Tribut, einige wiederum packen ihre Sachen zusammen um in den Abendstunden den Heimweg anzutreten und alle genießen die letzten Töne an diesem Tag. Mit dabei zum Genießen sind Life of Agony. Um Frontmann Keith Caputo, der stark an die historischen 90er erinnert durch sein Erscheinungsbild. Eine Stimme hat dieser Mensch jedoch, die man mögen kann und muss. Life of Agony lassen sich schwer in eine Stilrichtung einpacken, zu vielseitig ist die Musik. Aber sie funktioniert, wenn auch nicht mehr so stark wie in den 90ern, aber sie funktioniert. Anti-Flag sind eine politisch engagierte Band. Sie stehen gegen Kapitalismus, Sexismus, Faschismus und und und. Ob es ein Großteil des recht jungen Publikums versteht, mag man bezweifel, aber eine Riesen Party sind die Konzerte allemal. Auch wenn der aufgewirbelte Staub so manch einem den Appetit verdorben hat, so tat es der Stimmung keinen Abbruch. Da drehte sich der Circle Pit, die Wall of Death wurde zelebriert und alles unter einem Motto: Fuck War – Let’s Party! Als Dichterlesung angekündigt und definitiv ruhiger und besinnlicher, aber mindestens genauso schön war der Auftritt von Kettcar um Markus Wiebusch. Man mag sich oft bei Bands beklagen, dass auf Festivals die alten Songs in der Setlist keinen Platz finden, so ist bei Kettcar der Augenvermerk gerade auf diese Songs gelegt. Vor allem Stücke vom ersten Album “Du und wieviel von deinen Freunden” fanden den Weg in die Setlist. Eine Stunde dauerte der Auftritt und wurde mit dem Song “Balu” beendet. So schön kann eine Dichterlesung sein. Für Viele der eigentliche Headliner war Farin Urlaub mit seinem Racing Team. Die Mischung aus Ska, Punk und guten deutschem Pop mit einer Prise Reggae und Dancehall fand einen unheimlichen Anklang und nicht nur beim Song Zehn wurde deshalb wild gesprungen und getanzt. Farin Urlaub weiß halt wie es geht. Nach endlich hat die Ansetzung mit dem Headliner funktioniert. Der wahre Headliner am Sonntag jedoch waren die großartigen Faith No More um Genie Mike Patton. 90 Minuten wurde zum Abschluss noch einmal ein Schwenk aus den besten Faith No More Jahren geboten und fand einen würdevollen Abschluss eines tollen Festivals.
Fotos: Pressefreigabe FKP Scorpio
Patrick Wolf + Steve Strange, Köln, Offenbachplatz (c/o pop), 13. August 2009

Mit Köln verbindet Patrick Apps, besser bekannt als Patrick Wolf, schon eine ganze Weile eine besondere Beziehung. Nachdem kein englisches Label ihn im zarten Alter von zwanzig Jahren unter Vertrag nehmen wollte, um 2003 sein Debüt “Lycantrophy” zu veröffentlichen, fand sich das kleine Kölner Indie-Label Tomlab. Dort veröffentlichte er dann auch 2005 das Folgealbum “Wind In The Wires”, währenddessen feilte Patrick auch immer weiter an seinem Ruf als extravagenter Performer. Den sollte er für sein drittes Album “The Magic Position”, das er 2007 auf Loog Records veröffentlichte, perfektioniert haben. So stand im Mai 2007 ein stark angetrunkener und leicht derangierter Patrick Wolf auf der Bühne des Kölner Gebäude 9 um eine schwache und angsterregende Performance zu bieten. Er schien offensichtlich ziemlich fertig zu sein und so wunderte es nicht, dass er in der Nacht nach seinem Konzert den ersten von vielen Rücktritten in seinem Blog bekannt gab. Bei den anschließenden Terminen feuerte er noch seinen Drummer live auf der Bühne und war angeblich in das ein oder andere Handgemenge verwickelt.
Das Karussell drehte sich weiter, Patrick unterschrieb bei Universal, ließ den Deal platzen und finanzierte sein neues Album “The Bachelor” über Bandstocks. Im Anschluss sah man immer wieder einen quasi neugeborenen Patrick Wolf. Der war gut gelaunt bei seinen Shows, gab freundliche Interviews und machte auch nur noch mit Handgemengen bei Madonna Konzerten von sich Reden. So freuten wir uns diesen Patrick Wolf bei einem Konzert in Köln sehen zu können, nun unter besseren persönlichen Umständen des Künstlers. Die Umstände des Konzerts hätten auch besser nicht sein können, für das Vorprogramm waren Micachu & The Shapes, das Projekt der britischen Musikerin Mica Levi angekündigt, die im März mit “Jewellery” ein tolles Debüt-Album vorlegte. Leider sagte die doch in letzter Minute ab und die Besucher mussten mit Visage Sänger Steve Strange vorlieb nehmen, der sich mit seinem Solo-Projekt angekündigt hatte. Parallel wurde dann kurzerhand noch der Beginn des Konzerts, der ein paar Tage zuvor auf 19 Uhr vorverlegt wurde wieder auf 20 Uhr verlegt.
Das Gute daran, die Frühkommer konnten Patrick noch beim Soundcheck zu hören, bevor sie um 19 Uhr dann auf den Offenbachplatz gelassen wurden. Der ist ein schöner Platz an der Kölner Oper, umgeben von den Operterassen und dem Operngebäude an dessen Ende eine kleine Festivalbühne aufgebaut war. Pünktlich zum neuen Start um 20 Uhr wankte dann auch Steve Strange in pinken Stöckelschuhen und blauem Kostüm auf die Bühne. Seinen Kopf zierte ein putziger Federhut und eine mit Glitzersteinchen besetzte Sonnenbrille. Wie sich Steve Strange dann so an sein Mikro stellte, wirkte er, als würde er jeden Augenblick nach vorne über kippen. Steve erklärte erst einmal warum er zurück sei, was er nun vorhabe und stellte dann seine beiden Co-Musiker vor. Da war zum Einen ein junger Mann an den Synthies, der sich hinter seiner Sonnenbrille versteckte und eine junge Dame im knappen Kleid mit noch opulenterem Federhut als Steve. Die Befürchtung, die viele schon aufgrund des Anblicks des mehr als derangiert wirkendem Steve Strange hatten, sollte sich bewahrheiten und das zum Besten gegebene Material war absolut unerträglich. Aus den Boxen kamen Beats und Synthies, die von der Backgroundsängerin und Steve Strange mit Gesang versehen wurden. Steve selbst schlug sich dabei eher schlecht als recht und schaffte es kaum mit dem Playback, dass parallel auch noch aus den Boxen kam, mitzuhalten und ließ auch häufiger mal die ein oder andere Zeile aus. Als er dann nach ein paar Songs die Bühne verließ, um dem Musiker an den Synthies für ein Solo die Bühne zu überlassen schien das Schlimmste überstanden. Denn nach dem Solosong kam Steve eine ganze Weile nicht zurück und der Synthiespieler wirkte ziemlich ratlos. Das Publikum quittierte den Abgang dann auch erst mit einem Lachen und die Erleichterung war greifbar. Nach knapp 10 Minuten kam Steve Strange allerdings doch zurück, nun im karierten grauen Anzug mit schwarzem Hut und ohne Sonnenbrille. Neben den beiden erwähnten Musikern kamen dann noch zwei Keyboarder mit auf die Bühne. Steve entschuldigte sich dann kurz für die lange Pause zwecks Kostümwechsel und gab dann noch ein paar Songs zum Besten. Seine Probleme mit dem Playback blieben die Gleichen. Auch seine Band schien den herum wankenden 50jährigen nicht allzu ernst zu nehmen und so grinsten sich die beiden neuen Keyboarder, von denen einer nicht einmal spielte, immer breit an. Zum Abschluss seines Sets spielte Steve Strange dann noch den Visage Klassiker “Fade To Grey”, bei dem Steve auch keine gute Figur machte. Es war alles in allem eine absolut traurige Vorstellung eines Musikers, der nach jeder Menge Drogenproblemen ganz offensichtlich am Ende ist. Steve Strange konnte einem bei aller Bedrohlichkeit, die er derangiert und im Kostüm ausstrahlte eigentlich nur leid tun, ein solch unwürdiges Schauspiel hätte er sich (wie auch immer die Umstände zum Zustandekommen waren) nicht antun dürfen.

Nach einer kurzen Umbaupause, bei der die Erinnerung an Steve Strange von vielen mit einem Extra-Bier ausgelöscht wurde, betrat Patrick Wolf zum Intro von “Vulture” dann die Bühne in einem schmuckem roten Kostüm, über dem er ein rotes Bolero ähnliches Etwas mit starken Schulterpolstern trug, . Seinen Kopf schmückte ein Pferdegeschirr mit allerlei Gebommel dran. Zu “Vulture” lief er damenhaft herum, posierte vor den Kameras und räkelte sich auf dem Boxenturm, wobei er auch den schwarzen Überwurf auszog. Besonders schön anzusehen war das breite Grinsen, das Patrick die meiste Zeit auf seinem Gesicht trug. Der Eindruck, Patrick Wolf sein nun ein anderer, schien sich zu bewahrheiten. Der Musiker war gut gelaunt und schien sich absolut wohl zu fühlen in seiner Haut und seinem Kostüm. In Richtung Publikum bedankte er sich immer wieder für die tolle Unterstützung und erläuterte auch kurz einmal seine besondere Beziehung zu Köln. Die eigentliche Setlist unterbrach er mit seiner Band dann immer wieder durch ältere Songs, wie zum Beispiel “Tristan”, das vom Publikum laut mitgeschrien wurde. Zwischendurch verließ er dann auch kurz die Bühne für einen Kostümwechsel, den nutzte die Band für ein Solo, das so dann in das nächste Stück überging, bei dem Patrick aus dem Backstage Bereich dann auch seinen Gesang einsetzte. Er war in Partylaune und das Publikum ganz offensichtlich auch und so feuerten sich Publikum und Musiker gegenseitig immer weiter an. Bei “Battle” stürmte Patrick Wolf dann ins Publikum, nachdem dieses seine Idee des Crowdsurfing wohl nicht so toll fand und lief durch die Menge. Dabei sang er mit den Anwesenden den Song, küsste ein paar junge Männer, die seinen Weg kreuzten auf die Wange und reichte das ein oder andere Mal das Mikro an ein paar junge Damen in der ersten Reihe. Nach dem tollen und live besonders rockigen “Hard Times” sagte einer der Techniker Patrick Bescheid er habe nur noch vier Minuten, dann sei Zapfenstreich.
Das quittierte er nur mit dem Spruch “They said, I’ve only got four minutes left, which for me means two songs”. Das würden zwar eigentlich acht Minuten sein, Patrick schien aber zuversichtlich und hetzte durch “Accident & Emergency”. An dessen Ende fragte Patrick “Can you still hear me?”. Dann tauchte wieder ein Mann von hinten auf und sagte, dass ihm nun der Strom abgestellt würde, wenn er weiter macht. Hier nahm der Abend dann auch eine unerwartete Wendung.
Zunächst provozierte Patrick ironisch die Stage Managerin mit Worten wie “Bitch” und “Motherfucker”, hier wirkte das aber noch alles mehr wie Spaß. Nach dieser Beleidigungsorgie setzte er sich an sein Keyboard und versuchte die ersten Takte von “Magic Position” zu spielen, was ihm aber verwehrt blieb, weil ihm ob drohendem Zapfenstreich der Saft abgedreht wurde. Das quittierte er dann mit einem Mikrowurf, dem ein weiteres Mikro, ein Hocker, zwei Mikroständer und Feuchtigkeiten aus seiner Mundhöhle folgten. Cooler wäre natürlich gewesen einfach Acapella weiter zu machen, aber da Patrick Wolf in Teilen doch noch der alte Hitzkopf ist folgte der übertriebenen Vorsicht der Stage Manager drei Minuten vor 22 Uhr den Saft abzudrehen eine absolut nicht gut zu heißende Überreaktion des Musikers, der in Kauf nahm auch unbeteiligte zu verletzten. Die Reaktion des Publikums war irgendwo zwischen Schock, Enttäuschung und Wut, so dass auch noch einige Becher und eine Menge Buh-Rufe Richtung Bühne flogen. Ein unwürdiger Abschluss also für ein tolles Konzert, der zum Beispiel dadurch hätte vermieden werden können, dass man wirklich so früh beginnt wie geplant. Die Auflage nur bis 22 Uhr zu dürfen war den Veranstaltern schließlich vorher bekannt, also kann man auch ein Konzert entsprechend planen, insbesondere wenn der Künstler dafür bekannt ist nicht immer nachvollziehbare Reaktionen zu zeigen.
Fotos: Ariane WhiteTapes
Setlist (laut Ausdruck, zusätzlich spielte er auch noch u.a. “Tristan”, “Bluebells”, “Accident & Emergency” u. “Blackdown”)
Vulture
Oblivion
Teignmouth
Count Of Casualty
Damaris
Who Will
The Bachelor
The Libertine
Battle
Hard Times
(Magic Position)
Final Fantasy (Owen Pallett) + Gravenhurst + Marissa Nadler, Utrecht, Tivoli de Helling, 12. August 2009

Etwas mehr als zwei Monate sind nun schon seit dem Final Fantasy Konzert in Würzburg vergangen, die ersten Entzugserscheinungen machten sich also wieder so langsam breit, da kam das Konzert am 12. August in Utrecht, im Vorfeld des Haldern Pop Festivals, bei dem Owen Pallett übrigens auch auftritt, natürlich gerade recht. Man weiß schließlich auch nicht, wann er wieder kommt, also war der Termin gleich ganz fett im Kalender markiert, auch wenn wir dafür das Beirut Konzert in Köln im Rahmen des C/O-Pop sausen lassen mussten. Ein Vorprogramm bestehend aus der amerikanischen Songschreiberin Marissa Nadler und dem britischen Shoegazer Nick Talbot, der Songs seines (inzwischen Solo-)Projekts Gravenhurst (übrigens auch am Samstag in Haldern zu sehen) zum Besten gab. Nachdem wir im April bereits beim Maxïmo Park Konzert das Tivoli de Oudegracht erkunden durften, stand nun also ein Besuch im kleineren Tivoli de Helling an, ein relativ quadratischer Club mit großer Bühne, der von Aufbau und Größe etwas an die kleine Halle des Bielefelder Ringlokschuppens erinnerte. Im Gegensatz zu diesem stank er allerdings extrem nach frischer Farbe, dafür waren die Wände aber auch hübsch schwarz und lila gestrichen.
Die Eröffnung des Abends erfolgte pünktlich um 20:15 mit der amerikanischen Songwriterin Marissa Nadler. Die schritt in einem langen, weißen Kleid auf die Bühne, griff zu ihrer Gitarre und begann sogleich mit ihrem Set. Das bestand aus einer halben Stunde ruhiger, karg instrumentierter Stücke. Zu den sanft gezupften Gitarrenakkorden sang sie in einer stark atifizierten, sehr anstrengenden Stimmlage. Zwischen den Stücken murmelte Marissa ab und zu ein paar kaum hörbare Worte in Richtung Publikum.
Die Stücke an sich wären bestimmt ganz in Ordnung gewesen, waren aber durch den gewollt artifizierten Gesang derart anstrengend, dass wir froh waren, als die 30 Minuten ihres Sets dann vorbei waren.
Nach einer kurzen Umbaupause, es mussten nur ein Mikro und ein paar Effektgeräte umgesteckt werden, betrat dann Nick Talbot / Gravenhurst die Bühne. Der trug ein schwarzes T-Shirt mit der Aufschrift “Shoegazer”, wohl, damit jeder weiß, was ihn nun erwartet, stellte sich dann im Gegensatz zu Marissa Nadler auch kurz vor und begann sodann mit seinem Set. Wer schon einmal das Vergnügen hatte, Nick Talbot bei der Arbeit zuzusehen, weiß, dass er in seinem Spiel auf der E-Gitarre voll aufgeht. Sanft zupfte er seine Akkorde und vertiefte sich voll in seinen beinahe gehauchten Gesang. Zwischen den Stücken stellte er die einzelnen Songs vor und erklärte auch von welchen Alben sie stammten. So erläuterte er vor dem letzten Stück “Black Holes In The Sun”, “if you were bored by my set, you will be getting even more bored now. But if you liked what I played you will love the next song. And if you want to buy it, you can only do it here, because the Album isn’t available anywhere else”. Eine notwendige Ansage, denn das bei Marissa Nadler noch begeisterte Publikum fiel beim Gravenhurst Set größtenteils durch Abwesenheit und Desinteresse auf, obwohl gerade auch das finale Stück mit seinem lauten Feedback und Störgeräuschen am Ende ein echtes Shoegaze-Schmankerl war.

Es folgte eine etwas längere Umbaupause, in der es ein paar Abstimmungsschwierigkeiten zwischen Soundtechniker und Owen Pallett gab, die Owen immer wieder mit leicht abfälligen Blicken Richtung Bühnenrand quittierte. Die Probleme waren auch irgendwann behoben und Punkt 22 Uhr war dann Final Fantasy Zeit. Das Set eröffnete Owen dann mit einem neuen Song. Früh fiel hier auch schon auf, dass insbesondere die Bässe laut eingestellt waren und bei jedem Zupfen an den Geigensaiten die Boxen vibrierten. Die Vermutung, dass es das lauteste Final Fantasy Konzert werden könnte auf dem wir bisher waren sollte sich dann auch bestätigten. Die Vibration der Boxen wurde zwar gestoppt, es wummerte aber dennoch weiter, als würden da auf der Bühne Holy Fuck! stehen. Das war aber auch einmal ein schöner Effekt für ein etwas anderes und keineswegs schlechtes Final Fantasy Erlebnis. Zum “anderen” Erlebnis trug auch bei, dass Overheadprojektor-Spielerin Stephanie Comilang zur Verstärkung von Owen diesmal nicht anwesend und so alle Aufmerksamkeit dem Mann mit der Geige galt. Im Gegensatz zum Konzert in Würzburg war Owen Pallett etwas angeschlagen und beklagte sich häufig über die Lichtshow, die dem in ihm aufkeimenden krankheitsbedingten Unwohlsein seiner Aussage nach nicht unbedingt zuträglich sei.
Das störte die Lichttechniker aber nicht und so legten die immer noch eine Schippe drauf, wenn Owen wieder eine Bemerkung machte. So wurde “This Lamb Sells Condos” dann sogar mit Stroboskop-Licht begleitet.
Auffällig auch die große Dichte an alten Stücken, die nur ab und zu durch den ein oder anderen neuen Songs, wie “Midnight Directives”, “Lewis Takes Action” und “Lewis Takes Off His Shirt” unterbrochen wurde. Besonderes Highlight war natürlich, wie in fast jedem seiner Sets “This Is The Dream Of Win And Regine” von seinem Debüt-Album “Has A Good Home”, ein Song, den Owen Pallett für Win und Regine von Arcade Fire geschrieben hat, mit denen er auch gut befreundet ist. Nach knapp 45 Minuten verabschiedete sich Owen dann bereits von der Bühne, kam aber kurze Zeit später für ein paar Zugaben zurück. Vor der letzten entschuldigte er sich dann noch einmal für seinen Gesundheitszustand, nachdem er vorher im Set bereits erklärte “never take drinks from mysterious Austrians”. Abgesehen von ein paar kleinen Verspielern, die er durch charmantes Lachen überspielte merkte man ihm aber nichts von seiner Krankheit an und so war der Applaus nach einer knappen Stunde Final Fantasy gewohnt groß. Owen schilderte seine Eindrücke auf seinem Twitter im Anschluss noch wie folgt: “That was some psychedelic show I played. I don’t remember anything. Mad applause, though, so maybe I should try and stay sick?”. Dem haben wir nichts hinzuzufügen, abgesehen davon, dass wir uns nun noch mehr auf das Final Fantasy Konzert beim Haldern Pop freuen, das ganz bestimmt eines der Highlights des Festivals werden wird.
Fotos: Ariane WhiteTapes
Haldern Pop 2009 – Paolo Nutini raus, Athlete rein

Die Nachricht sollte uns vermutlich traurig stimmen, aber da wir nie die größten Fans von Paolo Nutini waren, sind wir dann sogar etwas froh, dass der junge Schotte gesundheitsbedingt – dennoch gute Besserung von uns – seinen Auftritt beim Haldern Pop 2009 absagen muss. Froh vor allem deshalb, weil ein mehr als toller Ersatz gefunden wurde, seinen Headliner-Platz am Freitag den 14. August nehmen nun nämlich die Brit-Popper von Athlete ein. Weitere Änderung am Freitag, Gravenhurst tritt nun solo also nur als Nick Talbot auf und rückt ins Zelt, dafür spielen nun Noah & the Whale auf der Hauptbühne. Zeitplan Freitag:
Zelt:
15:00-15:45 TonFisch
17:15-18:00 The Temper Trap
18:25-19:10 Woodpigeon
20:40-21:25 Edward Sharpe & The Magnetic Zeros
22:25-23:10 Colin Munroe
00:00-00:45 Jonathan Jeremiah
01:30-02:15 Gravenhurst
02:40-03:25 Alexander Tucker & The Decomposed Orchestra
Mainstage:
15:30-16:10 Asaf Avidan & the Mojos
16:30-17:15 Port O’Brien
17:40-18:25 Final Fantasy
18:50-19:40 Noah & the Whale
20:05-21:00 Anna Ternheim
21:25-22:25 Loney Dear
22:55-00:10 Patrick Watson
00:45-01:55 Athlete
Athlete-Video zu “Superhuman Touch”
Haldern Pop 2009 – Running Order steht

Nachdem unsere letzte Haldern Pop Meldung nun schon beinahe einen Monat alt ist, wurde es auch einmal wieder Zeit für Infos. Die haben auch echten Nachrichtenwert, denn nachdem das Festival ausverkauft und das Line-Up auch komplett war, fehlte nur noch eins. Die Rede ist von der Running-Order, die gestaltet sich nun wie folgt:
Donnerstag (nur Spiegelzelt):
17:30-18:15 Baddies
18:35-19:20 Broken Records
19:45-20:30 Wildbirds & Peacedrums
20:55-21:40 Palm Springs
22:05-22:50 Soap&Skin
23:15-24:00 Wintersleep
00:30-01:15 The Irrepressibles
Freitag
Spiegelzelt
15:00-15:45 TonFisch
17:15-18:00 The Temper Trap
18:25-19:10 Woodpigeon
20:40-21:25 Edward Sharpe & The Magnetic Zeros
22:25-23:10 Colin Munroe
00:00-00:45 Jonathan Jeremiah
01:30-02:15 Noah and the Whale
02:40-03:25 Alexander Tucker & The Decomposed Orchestra
Hauptbühne
15:30-16:10 Asaf Avidan & the Mojos
16:30-17:15 Port O´Brien
17:40-18:25 Final Fantasy
18:50-19:40 Gravenhurst
20:05-21:00 Anna Ternheim
21:25-22:25 Patrick Watson
22:55-00:10 Paolo Nutini
00:45-01:55 Loney Dear
Samstag
Spiegelzelt
15:55-16:40 William Fitzsimmons
17:30-18:15 BLK JKS
18:50-19:35 Hjaltalín
20:15-21:00 Blitzen Trapper
21:55-22:40 Mumford & Sons
23:45-00:30 Little Boots
01:45-02:30 Health
Hauptbühne
12:25-12:55 The Vals
13:20-14:00 iLiKETRAiNS
14:25-15:05 Dear Reader
15:30-16:15 The Maccabees
16:40-17:30 Grizzly Bear
17:55-18:50 Andrew Bird
19:20-20:15 The Thermals
20:45-21:55 Bon Iver
22:30-23:45 The Soundtrack of Our Lives
00:30-01:45 Fettes Brot
in kompletter Schöhnheit auch auf der Festival-Homepage.
MELT! 2009 – von Absagen, Bändchentausch und Schaufelbaggern
In diesem Moment werden sich vermutlich die ersten Festivalisten unter der Schaufelbaggerkulisse des Ferropolis einfinden, ihre Zelte aufbauen und voller Vorfreude auf das morgen startende Melt!-Festival das erste Bierchen öffnen. Der ein oder andere holt sich bestimmt auch schon sein Bändchen in den Buden. Da dieser Faktor im letzten Jahr für ein nicht unwesentliches kleines Chaos gesorgt hat wurde die Zahl der Buden erweitert und die Vergabe bereits heute gestartet. Hinzu kommt noch, dass ihr auch heute abend die Möglichkeit habt, euch euer Bändchen zu sichern, ohne dass ihr extra nach Gräfenhainichen fahrt. Heute findet nämlich im Berliner Magnet Club die Melt! Klub Party statt, dort gibt es neben den Delphic DJs, The Twelves DJs, Fagget Fairys und DJ Eric und Wolfgang die Möglichkeit euer Bändchen zu ertauschen. Wir machen uns dann jetzt auch schon einmal auf und werden euch nächste Woche ausführlich unsere Eindrücke vom Melt! 2009 schildern.
Übrigens: Kurzfristig mussten leider noch Metronomy und Deize Tigrona ihre Auftritte absagen, dafür werden die Sets von James Yuil (*YAY* – Anmerkung der Redaktion) und Bodi Bill auf volle 60 Minuten verlängert.
Melt! 2009 – fast ausverkauft

“My Heart Is Going To Melt!”, nur noch 9 Tage bis zum Melt! 2009. Im iPod läuft vermehrt elektronische Musik a la Paul Kalkbrenner, Digitalism, La Roux gepaart mit Klassikern wie Oasis, Travis und Newcomern wie den Münsteranern vom Videoclub oder den Berliner Elektropunks von Bonaparte?
Was ist das denn für eine Mischung, mag sich der ein oder andere Musikliebhaber denken? “Noch 9 Tage bis zum MELT!” – wird ihm vermutlich der iPod-Besitzer antworten.
Denn vom 17.-19. Juli wird das beschauliche Gräfenhainichen von 20.000 Feierwütigen aus ganz Europa angesteuert. Grund hierfür ist neben einem unglaublich guten Line-Up sicherlich auch die oftmals bewunderte und gelobte Atmosphäre. Beleuchtete Kohlebagger und ein still gelegter Tagebau bilden einen perfekten Rahmen für eine Menge angesagter Bands und insbesondere für Musikacts, die demnächst garantiert für viel Furore sorgen. So spielen u.a. mit The Virgins und La Roux zwei der wohl am meist gehyptesten Acts im CocaCola Soundwave Zelt und werden sicher für ausgelassene Stimmung sorgen.
Aber auch Veteranen der elektronischen Musik wie Trentemoller, Paul Kalkbrenner und Boys Noize werden bis in die frühen Morgenstunden die Massen beglücken.
Selbstverständlich muss an dieser Stelle auch auf das Mitwirken zweier Münsteraner Bands hingewiesen werden. So statten im Rahmen der Coca-Cola Soundwave-Tour auch die jungen Herren von Videoclub dem Melt! einen Besuch ab und werden sicherlich versuchen, auch dieses Publikum zu begeistern. Auch die etablierten Lokalhelden von Muff Potter werden freudigst erwartet.
Die einzige Herausforderung wird es wohl werden, möglicht wenige Überschneidungen im Time-Table zuzulassen. Den kann man sich übrigens auf der Homepage des Festivals selbst zusammenstellen, indem man für einen selbst uninteressante Bands einfach ausblendet und sich so sein Time-Table zusammenschiebt. Den kann man sich dann ausdrucken und bequem in die Hosentasche packen.
Übrigens, es gibt nur noch ein paar letzt Drei-Tages-Tickets, die Zwei- und Ein-Tages-Karten sind schon vollständig vergriffen. Also jetzt noch schnell sein.
In diesem Sinne: My heart is going to MELT!
Hurricane Festival 2009

Am letzten Wochenende war es wieder soweit. Die Zwillinge Hurricane/Southside luden sowohl im Norden, als auch im Süden des Landes zu einem Bandspektakel aus über 60 Bands ein.
Zum Hurricane kamen knapp 60.000 Zuschauer und ließen trotz mehrerer Schauer die Sonne an diesem Wochenende über Scheeßel scheinen. Kein Wunder, bei einem Line Up mit Headliner wie Die Ärzte und reformierten Faith no More ja auch kein Problem. Und auch davon abgesehen bot das Festival einen bunten Strauß aus Schönheiten.
Einmal im Jahr herrscht Ausnahmezustand in der Gemeine Scheeßel. Am beheimaten Eichenring findet sich das Who is Who der alternativen Musikszene ein um ein schönes und vor allem friedliches Wochenende zu feiern. Das Veranstalterteam FKP Scorpio ist vor allem das Wohl der Besucher ein großes Anliegen. So gab es ein Dutzend Verbesserungen im Gegensatz zu den letzten Jahren. Ein eigener Getränkemarkt mit mehr als humanen Festivalpreisen war wohl die beste Neuerung. Eisgekühlte Getränke für wenig Geld waren für jeden Festivalbesucher zu erstehen, dies spart die große Schlepperei und jeder, der die Dosen zurück gibt, erhält sein Pfand zurück und trägt so zu einem sauberen Festival bei. Beide Daumen hoch von unserer Seite, ein voller Erfolg, wie wir uns selbst überzeugen konnten. Eine weitere schöne Neuerung ist der Untergrund. Rasen, wohin das Auge blickt. Die Staubwolken, die einen die letzten Jahre mit Schmutz bedeckten gehören der Vergangenheit an. Selbst bei den Toiletten fühlt man sich wohl, wenn man jedem Toilettengang das Personal erst einmal die Toiletten säubert. Alles dies sind die Punkte, die das schöne Hurricane zum wohl schönsten Festivalriesen werden lassen. Ein Festival, auf dem es sie alle gibt. Die mit den hässlichen Hüten, die die gröhlend über das Gelände laufen, die die pausenlos grillen und ihr Bier in der Hand haben,
die die sich einfach der schönen Musik erfreuen. Egal welchen Festivalweg man bestreitet, eins haben alle gemeinsam: Das Miteinander. Keine Aggressionen, keine Gewalt, vielmehr eine drei Tage lange Party. Wenn nicht vor der Bühne, dann auf dem Campinggelände oder im Partyzelt. Genug drum herum geschwafelt, kommen wir nun zum Hauptsächlichen, kommen wir zur Musik.
Eine Band, die zu unseren Lieblingsschotten zählt, Glasvegas nämlich, hatten die ehrenvolle Aufgabe dieses Festival Freitag Mittag zu eröffnen. Trotz aufkommendem Regens verzauberten die Jungs und das Mädel aus Glasgow die Massen mit ihren schönen Melodien. Bei John und Ossi, den zwei Freunden aus Schweden die sich einfach nur Johnossi nennen präsentierten sich dann doch bei vereinzelten Sonnenstrahlen, dem Hurricanepublikum. Hatten sie anfänglich mit dem Sound zu kämpfen, schafften sie es dennoch vollends zu überzeugen. Als Hingucker des Festivals darf sich ohne wenn und aber die schöne Maja Ivarson sehen. Die hübsche The Sounds Frontfrau punktete mit ihren tighten Hotpants und ihren unnachahmlichen Art auf der Bühne. Selbst wenn parallel Katty Perry und Duffy die andere Bühne entzückten, Maja verzauberte mit ihren Jungs das Publikum. Alte sowie neue Songs versammelten sich im Energie geladenen Set von den 5 Schweden. Melancholisch wurde es bei den Editors, der modernen Antwort auf Joy Division. Nicht nur stimmlich erinnert das Ganze an Ian Curtis. Auch textlich und musikalisch erinnert das an die Helden des New Wave. Nach dem die Schotten von Glasvegas das Festival eröffnet hatten spielten am Abend als Co-Head andere Schotten, die von Franz Ferdinand. Die 75 Minuten überzeugten nicht vollends, waren aber durchaus gut hörbar und tanzbar. Auch wenn sämtliche Hits von “Take Me Out” bis zu “No You Girls” den Weg in die Setlist fanden, so fehlte ein Quäntchen zu einem mehr als soliden Auftritt. Kings of Leon durften sich an diesem Tag Headliner nennen. Wieso und warum bleibt das Geheimnis des Veranstalters, denn man merkte es der Band an, das ihnen trotz der beiden Hitsingles “Sex On Fire” und “Use Somebody” sämtliches Livepotenzial ein wenig abging.

Der Samstag. Das Wetter war wechselhaft. Der Sonnenschein zog den Rennen an, der wiederum die Sonne hervorlockte. Das passende Outfit? Sowas gab es nicht. Und die Stimmung. Weiterhin blendend. Less than Jake spielten gegen den Regen an, oder für. Die Betrachtweise liegt im Angesicht des, na eben Betrachters. Circlepits wohin das Auge blickt, wild tanzende Menschen und eine nach vorne peitschende Band sorgten für ein Highlight dieses Festivals. Blood Red Shoes sorgten nicht für soviel Wirbel aber ließen keinen Zweifel daran, eine der besten britischen Bands zu sein. Auch wenn es bei neuvorgetragenen Liedern recht ruhig war, so wurde das Duo umso wilder bei bekannten Songs gefeiert. No Use for a Name sind ein Aushängeschild des amerikanischen Cali-Punkrocks oder auch Melodycore, wie er neumodisch geschimpft wird. Auch wenn die Band nun fast 20 Jahre dabei ist, fehlt es Ihnen nicht an Energie und Leidenschaft. Mag es für den einen Monoton klingen, so schätzt der Andere den NufaN Sound. Dann durfte zweimal getanzt werden. Zum einem zu dem Hit einer jeden Indiedisko “Let’s dance to Joy Division” von den Wombats, zum Anderen zu den wiedervereinigten SKA-P aus Spanien. Groß bejubelt wurde der Auftritt der Madrilenen, die mit einer Mischung aus sozialkritischen Texten gegen Kirche, Sex, Rassismus und die Ausbeutung der Arbeiterklasse und wunderbar tanzbaren Songs seit jeher die wohl beste spanische Band sind. Einen Namen wie SKA-P hat Frank Turner noch nicht, hat er jedoch Anfang des Jahres als Support Act von The Gaslight Anthem mehr als nur ein Ausrufezeichen hinterlassen. Auch hier beim Hurricane, diesmal mit Band im Background, beweist Frank seine Qualitäten und punktete bei allen vorhandenen Zuschauern. The Pixies sind die Vorreiter in Sachen Grunge. Ohne deren Sound (und ja klar, den von Sonic Youth) wäre Kurt Cobain heute vielleicht noch am Leben, hätte jedoch nie Songs wie “Smells like Teen Spirit” geschrieben. Seit 20 Jahren sind Frank Black und Mitstreiter unterwegs, ohne dabei alt zu wirken. Geht auch nicht bei Gänsehaut Songs wie “Where is my mind”, mit denen man sich unsterblich macht. Danach spaltete sich das Lager im Publikum. Vor allem das weibliche Publikum suchte die Nähe zu Clueso, dem deutschen Gesangkünstler, der mit einer Mischung aus Sprechgesang und tief gehenden Texten für die eine oder andere Gänsehaut sorgten, die Anderen die Nähe zu Mike Ness, Frontmann von Social Distortion, der seit 30 Jahren aus dem Leben singt, das in geprägt und durch zahlreiche Tätowierungen auf dem Leib gezeichnet hat.
Zum Abschluss des Samstag-Abends spielen auf der Green Stage die wiederformierten Faith No More um den wirschen, sowie genialen Mike Patton. Wer danach nicht genug hat, holt das Letzte bei Tomte raus und lauschte nicht nur im überfüllten Zelt Thees Uhlmann, der so schön wie kein Zweiter aus dem Leben singt.
Sonntag. Überall sieht man sie, die Belastung einens solchen Festivals. Während einigen der Alkohol zusetzt, machen andere nahtlos weiter, wo sie vor dem Schlafen gehen aufgehört haben. Trotzdem hat der Sonntag auf einem Festival immer was von Resignation. On Stage wird heute wieder mal die Creme de la Creme präsentiert. Eine WhiteTapes Lieblingsband fehlt auch heute nicht. The Gaslight Anthem aus New Brunswick, New Jersey dürfen nur 40 Minuten ran und spielen fast ausschließlich Songs vom aktuellen Longplayer “The 59Sound”. Gut ist es allemal und die Stimme von Sänger Brian Fallon sorgt live immer ein wenig mehr für Gänsehaut, als es schon auf Platte tut. Gogol Bordello sind Gypsi Punks. Sie vermischen Folklore der Gypsi mit wilden tanzbaren Punkrock. Wer hierzu ruhig stehen bleiben kann, dem hat man das Spaßgen entfernt. Anti Flag sind seit Jahren das Aushängeschild des amerikanischen Punkrocks. Eine Fist in the Air Attitüde vermischt mit Anprangerung sozialer Missstände. Sie werden auch nach den Jahren nicht müde und brüllen die Wut raus. Und das Publikum brüllt mit und wird solange nicht verstummen, bis das Elend dieser Welt verschwunden ist. Männer denken Bekanntlich oft und in vielen Situationen lediglich mit einem Geschlechtsorgan. Das dies wiederum aber auch zu wilden Tanzorgien und wunderbaren Boogierhytmen führt beweist Eagles of Death Metal Frontmann Jesse Hughes. Man sucht lange und vergebens nach einem wie ihm. Der Schnauzbart und die dunkle Sonnenbrille sind das Image des Herrn, der die Frauen über alles liebt und sie lieben ihn. Keane nehmen ein wenig Tempo raus und spielen ihren Auftritt eher solide runter, ohne wirklich zu überzeugen. Da hilft es auch nicht, Queen zu covern.

Fettes Brot, der Hip Hop Act, der gar nicht soviel Hip Hop ist. Besonders live gibt der Hamburger Dreier eine gute Figur ab. Mit Band im Rücken wandeln sich die Gerüste der Songs um 180 Grad und sorgen für eine wilde Party. Sympatisch wirken sie und beweisen, dass auch wenn nicht mehr viel vorhanden ist vom Hip Hop, sie bei Weiten das Beste an deutschem Sprechgesang sind. Die Beste Band der Welt waren, sind und bleiben aber nach wie vor Die Ärzte. Mehr als 25 Jahre Bandgeschichte in knapp 2 Stunden zu packen ist schwer, komischer gelingt es den drei Herren, die ursprünglich mal aus Berlin (aus Berlin!) kamen, immer wieder. Für keinen Scheiß sind sie sich zu schade und laden zur größten Hüpf LaOla ein, lassen Becher auf sich prasseln für Viva con Aqua und haben vor allem dieses anarchische in der Band, dass sie so einmalig macht. Egal wie und was sie machen, das Publikum wird sie immer lieben. Und auch in den zwei Stunden schaffen sie es würdig den Headliner Posten zu stemmen und wir dürfen hoffen, dass diese eine Liebe nie zu Ende gehen wird.
Drei Tage und ein kleines, kurzes aber aussagendes Fazit: Man freut sich auf 2010!
Für alle, die nicht da waren, aber sich dennoch einen Eindruck machen wollen,legen wir folgendes an Herz:
ZDF-Theaterkanal und ARTE haben in diesem Jahr erneut drei Tage lang die Highlights des Hurricane Festivals aufgezeichnet. Der ZDF-Theaterkanal zeigt insgesamt vier Konzert-Specials im August:
Sonntag, 2. August, 22.55 Uhr
Mittwoch, 5. August, 22.55 und 23.40 Uhr
Freitag, 7. August, 22.50 Uhr
(weitere Wiederholungen im Laufe des Augustprogramms)
Auf ARTE ist am 26. November 2009 ein 90-minütiger Zusammenschnitt zu sehen.
Für alle, die diesen Sommer immer noch ein paar größere Festivals besuchen wollen, den legen wir folgende Festivals an Herz:
Area4 und Highfield
Fotos: Pressefreigabe














