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CSS – La Liberación

CSS

Als CSS 2006 mit ihrem Debüt „Cansei de Ser Sexy“ in die Öffentlichkeit traten, begeisterten sie mit Frauenpower – doch feministisch wirkten die fünf Mädels (und der eine Junge) nicht, sondern frech, punkig und aufregend. Das Album begeisterte mit einprägsamen Melodien und Zeilen wie „Let’s Make Love And Listen To Death From Above“. Dabei schimmerte die Do-It-Yourself -Manier der Gruppe durch.
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Gang Gang Dance – Eye Contact

ganggangdance

Das fünfte Album der New Yorker Gang Gang Dance besticht durch sein schönes Cover, von dem uns ein Insekt anschaut, das über und über mit Wassertropfen geschmückt ist -eine juwelenhafte Erscheinung. Ähnlich glitzernd geht es auch musikalisch zu.

Lautmalerei ist hier das Credo. Es geht um keine eindeutigen und einprägsamen Melodien, sondern um abstrakte Kunst aus Ambient und Electro, angehaucht von traditioneller außereuropäischer Musik (auch Weltmusik genannt). Schon der Opener … Continue Reading

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Blue Roses – Blue Roses (s/t)

Shipley, Yorkshire, das klingt nach einem abgelegenen, verschlafenen Nest, in dem jeder den anderen kennt, in dem die Welt zumindest äußerlich noch in Ordnung scheint und in der man als letztes eine zarte Pflanze der Folk-Musik vermutet. Laura Groves, Kopf hinter dem Projekt Blue Roses kommt aber genau aus dieser Kleinstadtidylle mit gerade einmal 28.000 Einwohnern. Und hier schient wirklich jeder den anderen zu kennen, denn während Laura ihr Debüt-Album aufnahm schien ihr die ganze Stadt helfend zur Seite stehen zu wollen. Die Familie wurde für Background-Chöre genutzt und ein in der Stadt ansässiger Millionär ließ sie ab seinem frisch erworbenen Steinway-Flügel aufnehmen, der neben vielen anderen alten, quer durch die Stadt geliehenen Instrumenten, nun seinen Weg auf das Debüt gefunden hat.

Ein Debüt, auf dem sie vor allem an die großen Damen der leicht verschrobenen Folk-Musik erinnert, wie Kate Bush, Joni Mitchell und Joanna Newsom. Eines, dass beim ersten Hören erst einmal eines vom Hörer verlang, Eingewöhnung. Denn die Stimme der 21jährigen ist erst einmal nicht ohne, sie schwingt sich lamentierend in die Höhe und lässt sich sanft summend wieder fallen, ein wenig wie zuletzt Anja Plaschg als Soap&Skin, nur von völlig anderer Klangfarbe. Wo Soap&Skin meist ihre Stimme in tiefere Abgründe zieht, schraubt sich Blue Roses immer weiter hoch. Das alles instrumentiert von meistens einem Klavier, dass mal durch eine Gitarre, Streicher oder auch Synthies unterstützt wird. Meist bleibt es allerdings bei Stimme und Klavier, die in manchmal düsteren, häufig aber doch warmen Stücken eine perfekte Symbiose eingehen. Das führt zu schönen Momenten, wie im herzzereißend vorgetragenen “I Wish I…” und im beinahe naiven “Does Anyone Love Me Now?”. Insgesamt versprüht “Blue Roses” eine ähnliche, leicht mystische Schönheit, wie Bon Iver’s “For Emma, Forever Ago”, oder Patrick Wolf’s “Wind In The Wires”, wenn auch klanglich natürlich eher in der Nähe von Kate Bush.

Das gesamte Album vorab hören


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Blue Roses
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The Sea – Get It Back

Geschwisterpärchen sind in der Rockmusik angeblich nicht immer eine einfache Sache. Streitereien und Prügel scheinen da quasi vorprogrammiert. Oasis sind da natürlich ein Musterbeispiel. Das es auch anders geht zeigen The Sons aus Derby, hier spielen die Gebrüder Herron harmonisch, auch bei den Sells bei Look See Proof gibt es da keine Probleme. Bei The Bishops zeigt sich sogar, dass es auch Zwillinge miteinander aushalten. Auch bei The White Stripes gibt es bisher keine bekannten Streitereien, okay, bei denen ist nicht einmal bekannt, ob sie nun wirklich Geschwister, oder doch ein Ex-Ehepaar sind, “nur” 7 Monate Altersunterschied mal dahingestellt. The Sea aus England sind wieder so ein Geschwisterpärchen. Die scheinen in ihren Jugendzimmern jeder ihr Instrument erlernt zu haben und irgendwann beschlossen eine Band zu gründen. Da Schlagzeug und Gitarre in einer Band auch vollkommen ausreichen können war die Besetzung schnell gefunden.

Mit einer Mischung aus Blues-Rock, Rock’n'Roll und britischen Punk sorgten sie schon auf dem letztjährigen Glastonbury für einen regen Hype in der englischen Presse und spielten im Herbst 2008 ihre erste ausverkaufte Amerika-Tour. Dass die Gebrüder Chisholm gerade im Mutterland des Rock’n'Roll gut ankommen verwundert wenig, gerade in Zeiten, in denen The White Stripes pausieren und Jack sich seiner mittlerweile dritten Band Dead Weather widmet. Stimmlich schlägt Sänger Peter Chisholm nämlich genau in die Jack White Kerbe. Mit Gitarre und Schlagzeug bewaffnet klingt das dann auch häufig nach den White Stripes, Led Zeppelin und manchmal auch ein wenig nach Queens Of The Stone Age. Gute Einflüsse, welche die Band auch technisch gut umzusetzen weiß. Da sitzen die “oh oh oh’s” und die Blues-Riffs genau da, wo sie hin gehören und die Drums stampfen munter drauf los. Dabei erfinden sie das Rad nicht einmal im Ansatz neu, hauen dennoch mit so viel Leidenschaft in Saiten und Felle, dass man nur zu gern darüber hinwegsieht.

Video zu “Don’t You Want Me”

httpv://www.youtube.com/watch?v=_jaNOjaLDSk

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Now, Now Every Children – Cars

“Und jetzt alle!” Wer nun an schreckliche Sitzungen im Musikantenstadl oder ein Konzert von Österreich’s schlimmster Plage DJ Ötzi denkt hat weit gefehlt, der getätigte Aufruf ist nämlich ein Satz, der wunderbar zusammenfasst, was die Musik von Now, Now Every Children transportiert. Jede Menge Aufbruchstimmung und Abenteuerlust in Songs verpackt, auf die sich sowohl Indie-Kids als auch -Nerds einigen können. Beinahe wäre das Duo mit dem niedlichen Band-Namen an uns vorbei gegangen, doch das geschmackssichere Booking im Münsteraner Gleis 22 hat uns doch wieder auf das Duo aus der Blaskapelle aufmerksam werden lassen. Gott sei Dank, denn sonst hätten wir ein wunderbares Debüt und ein tolles Konzert einfach übersehen.

Aber von Anfang an, Now, Now Every Children sind Cacie Dalager (Gesang, Gitarre) und Brad Hale (Schlagzeug), die sich aus einer Blaskapelle (im amerikanischen sagt man Marching Band) an ihrer High School in Minneapolis kennen und seit 2006 gemeinsam Musik machen. Nachdem sie einige Songs als Now, Now Every Children bei Myspace eingestellt hatten, wurden die ersten Booker auf sie aufmerksam und bald auch das Label Afternoon Records. Der Rest ist beinahe das klassisches Internet-Märchen, an der West-Küste wurde ein Hype entfacht, der auf die Indie-Kids der gesamten USA übergriff und nun auch nach Europa schwappte. Auf ihrem Debüt “Cars” bieten die Beiden nun entwaffnend schönen Indie-Rock, der mit Schlagzeug und Gitarre eigentlich einfach gestrickt, aber dennoch verdammt raffiniert umgesetzt ist. Das mutet ein wenig an wie bei Tegan & Sara, allerdings noch pointierter und mitreißender. Ein wenig wehleidig erzählt Sängerin Cacie von kleinen Brüdern, Autos und den Problemen, die das Erwachsenwerden mit sich bringt, dabei rumpeln sich die Beiden mit Schlagzeug und Gitarre durch ihre Songs, erzeugen Gänsehautmomente mit ruhigen Passagen und Frei-Dreh-Momente mit lärmenden Gitarrenwänden. Das ist musikalisch sicherlich keine Revolution, aber mit solcher Leidenschaft und Liebe ins Detail eingespielt und vorgetragen, dass man nicht anders kann, als sich in jeden Ton zu verlieben. Also, jetzt alle, raus da und Now, Now Every Children gut finden!  

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The Glam – Escapism

“Eskapismus wird als eine Fluchthaltung oder Ausbruchshaltung, als bewusste oder unbewusste Verweigerung gesellschaftlich allgemein anerkannter Zielsetzungen und Handlungsvorstellungen verstanden”, so Wikipedia zum Albumtitel des Hamburger Trios von The Glam. Eine absolut passende Definition auch für den Sound der Band, die verweigert sich nämlich beinahe vollständig den heutigen Trends im Indie-Rock und der Pop-Musik und nehmen sich ihr namens gebendes Genre vor, den Glam-Rock. Den spielen sie aber auch nicht einfach nach, sondern heben ihn ins 21te Jahrhundert. Ganz wichtig dabei auch das Aussehen, die Jungs sehen nämlich aus, wie Abziehbildchen von Indieboys aus der Bravo. Der Scheitel lässig zur Seite, ein Seidenschal locker um den Hals und ganz im Sinne des Emo-Trends bloß nicht lächeln. Da kann einem natürlich schon Angst und Bange werden, wenn man sich nun den Sound der Band ausmalt.

Glücklicherweise hat das Trio da ein Einsehen und liefert durchaus unterhaltsame Musik ab. Dabei bedienen sie sich bei den Größen des Glam-Rock, wie T-Rex, David Bowie, bei aktuellen Bands, wie Muse und Placebo und auch einer Band, die nicht unbedingt zum Glam-Rock gezählt werden sollte, wie U2. Dabei dürfen auch ruhig Klischees bedient werden, der Gesang von Frederic ist dabei immer leidend, die Riffs laut und die Produktion fett. Viele der Kompositionen sind dabei beinahe U2-hymnisch geraten, ohne allerdings wirklich an das Potential der Iren heran zu reichen. Dennoch haben ihre bitter-süßen Songs offensichtlich genügend Potential von einem großen deutschen Autobauer in der Werbung genutzt zu werden, nämlich “Join The Spectres”, den man in einer aktuellen BMW-Kampagne hören kann. Das ist durchaus zu verstehen, denn alle Songs haben die nötigen Zutaten zu ausgewachsenen Radiohits, aber geraten auf Albumlänge doch etwas zu homogen und klingen auch stellenweise viel zu sehr nach einem U2-Cover, um The Glam wirklich nachhaltig als Begründer eines Glam-Revivals zu positionieren. Für ein wenig Abwechslung in der eher durchwachsenen deutschen Radiolandschaft dürften sie dennoch gut genug sein und wer ein Glam-Revival möchte, der sollte sich einmal The Delays zu Gemüte führen, da passt alles besser zusammen.

The Glam – All the universe

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Grossstadtgeflüster – Bis Einer Heult!!!

Nein, auch wenn es so klingt, Grossstadtgeflüster ist keine neue Telenovela über ein Mädchen vom Dorf, dass in die Stadt geht, als Praktikantin in einer hippen Werbeagentur anfängt, sich in den Key Account Berater verliebt und allerlei andere Verstrickungen erlebt. Die zugehörige Abkürzung GSGF beschreibt auch kein neuartiges Casting-Format, sondern vielmehr eine Band aus der einzigen wirklichen deutschen Großstadt (mal abgesehen vom Ruhrgebiet) Berlin. Die haben im letzten Jahr bereits ihr zweites Album “Bis Einer Heult!!!” veröffentlicht und schicken nun die Single “Lebenslauf” hinterher.

Dabei scheint vor allem ein Motto zu gelten “Mach halt irgendwas” (auch ein Song auf dem Album) und das am Besten selbst. So enstand der größte Teil des Albums, inklusive Artwork und allem drumherum in Eigenregie. Das Ziel dabei scheint häufig “die Diskussion, ob man für Punk Gitarren braucht, ein für alle mal zu beenden” (Pressetext). Für uns eigentlich schon lange keine Diskussion mehr, denn das bewies bereits auch das (ebenfalls aus Berlin stammende) Freunde-Label “Hobbymusik”. So paaren die drei Berliner also fröhlich ein schrilles Outfit mit schrägen Beats und smarten Texten, die mal provozieren, mal augenzwinkernd, aber immer clever sind. Dabei öffnet sich die Band nun etwas mehr der Melodie und lässt dabei viele Tanzflächenstürmer und Ohrwürmer entstehen, darunter auch die neue Single “Lebenslauf”. Markant an den Songs vor allem Jen Bender’s quietschiger, häufig an Judith Holofernes erinnernder Gesang, durch den die Band klingt, wie Wir Sind Helden auf einem Elektrotripp, oder MIA in noch cool, oder Paula in poppiger. Das ist nicht immer abwechslungsreich, aber im Vergleich zu den bereits erwähnten Bands sehr erfrischend und sor würde es uns nicht wundern, wenn GSGF nun nach dem Dancefloor-Hit “”Ich muss gar nix” vom gleichnamigen Debüt auch der deutschlandweite Durchbruch gelingt.

Video zu “Lebenslauf”

httpv://www.youtube.com/watch?v=cWaPA9EJpZA

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Mirah – (a)spera

Es gibt Musiker, die gelten in ihrer Heimat auch trotz ausbleibender Breitenwirksamkeit als musikalische Genies und in Szenekreisen als einflussreiche Größen. Über diese Szenekreise hinaus gelingt es diesen Musikern meist jedoch nicht sich einen Namen zu machen, das liegt wohl auch daran, dass sie dermaßen in ihren ganzen Projekten involviert sind, dass für noch mehr Arbeit gar keine Zeit bleibt. In der Independent-Szene Amerikas ist Mirah Yom Tov Zeitlyn eine dieser Musikerinnen. Sie treibt sich nun schon seit der Jahrtausendwende in der amerikanischen Independent-Szene herum und hat sich mit mittlerweile vier Alben, mit denen sie ihre ganz eigene Version amerikanischer Folk-Musik, mit Anklängen aus Joanna Newsom und My Brightest Diamond, kreierte einen Namen erspielt, den sie nun mit ihrem fünften Album (a)spera auch über den Atlantik nach Europa tragen möchte.

Mit ihrem ausgereiften und erwachsenen Sound dürfte ihr das auch gelingen. Bei “Generosity” lässt sie sich durch marschierenden Geigensounds durch einen ruhigen Song geleiten, den sie vor allem durch ihren leicht mädchenhaften, vielfältigen und intelligenten Gesangsstil trägt. Ein Gesangsstil, mit dem sie ruhig und sanft in Sicherheit wägen kann, aber auch beinahe bedrohlich laut und stark herausschreien kann. So bewegt sie sich durch Klanggebilde, wie durch Zauberwälder und sieht sich mal Folkpop-Klängen mit Streicherarrangements entgegen, mal einem elfenhaften Frauenchor, der sie sanft zu ihrer akustischen Gitarre unterstützt. Das ist nicht immer leichte Kost, insbesondere, wenn asiatische und arabische Einflüsse ins Spiel kommen, aber immer erwachsen und detailliert gearbeitet. Wenn beispielsweise Mirah ganz allein und still, wie in “The Forest” beginnt und dann plötzlich eine E-Gitarre, ein Chor, Pauken und Trompeten einsetzen, dann ist das schon sehr beeindruckend. Manchmal gerät die Elaboriertheit, die dem Album innewohnt dann aber doch etwas anstrengend, wie bei “Country Of The Future” mit einem hibbeligen Bass, Bongos und einem croonenden Gesang. Der große Vorteil von (a)spera, diese Verschlossenheit und Vielschichtigkeit, die sich erst nach mehrmaligem Hören in voller Schönheit entfalten, ist zugleich auch eine kleine Schwäche, denn teilweise wollen sich die Stücke auch bei mehrmaligem Hören nicht erschließen und behalten ihre Schönheit für sich. Das ändert aber nichts am Gesamteindruck, dass (a)spera ein über weite Strecken schönes Album ist, mit dem Mirah ihrem Ruf mehr als gerecht wird.

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Starsailor – All The Plans

Knappe 10 Jahre und nun genau vier Alben gibt es Starsailor mittlerweile. Bei ihrem Debüt “Love Is Here” noch als legitime Coldplay Nachfolger gehandelt, schafften sie es dennoch nie aus deren Schatten herauszutreten. Glücklicherweise muss man da sagen, denn so konnten sich James Walsh und seine Mannen etwas außerhalb des Rampenlichts, aber dennoch sehr erfolgreich, auf das Wesentliche konzentrieren, nämlich ihre Musik. Während Coldplay, respektive Chris Martin, sich also mit Hollywood Stars trafen und Bono nacheiferten, durchlebten Starsailor ihre ganz eigenen Ups and Downs. Die herbste Enttäuschung dabei wohl das 2005er Album “On The Outside”, mit dem die Band ein wenig den Brit-Pop hinter sich zu lassen versuchte.

Ein Plan, der scheiterte, wie schon Coldplay’s “X&Y” und so konzentrieren sich Starsailor auf vier Jahre nach “On The Outside” auf ihrem vierten Album nun auf ihre Wurzeln, den Brit-Pop. Schon der erste Song “Tell Me It’s Not Over” zeigt dann auch, dass dieser Sound der Band wunderbar zu Gesicht steht. Eine wunderschöne Piano-Melodie entwickelt sich zusammen mit emotionalem Gesang und kraftvollem Schlagzeug zu einem mitreißeden und typisch Starsailor anmutenden Stück Stadion- / Pianorock. Die große Geste hat die Band also nicht verlernt, auch wenn “Tell Me It’s Not Over” das eingängigste Stück des Albums bleibt. Der Rest zeigt aber auch die übliche Melodieverliebtheit Starsailor’s, deren handwerkliches Geschick für hervorragende Spannungsbögen und Brit-Pop typisch, hymnische Refrains. Beispielsweise “All The Plans”, der Titel-Track ist eine dieser herzzereißenden Balladen, mit denen Starsailor schon 2001 verzaubern konnte. Teilweise ist man sich beim Hören des Albums zwar nicht ganz sicher, ob dieser Song nun nicht doch zu sehr nach The Verve klingt, jener zu sehr nach den Doves und dieser wiederum etwas zu sehr nach Coldplay, das liegt aber auch wohl an der sehr engen Nische, in der sich Starsailor klanglich festgesetzt haben. So ist “All The Plans” bestimmt nicht die Neuerfindung des Brit-Pop, aber eine mitreißende Standortbestimmung der Band, die eine klare Tendenz zeigt, weiter aus dem Schatten Coldplay’s nämlich.

Video zu “Tell Me It’s Not Over”

httpv://www.youtube.com/watch?v=nqH-RoDXKLU

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Lenz – Augen auf und durch

Nett steht oftmals als Synonym für so manchen Kraftausdruck. So hart will man nicht ins Gericht gehen mit “Augen auf und durch”, dem ersten Album von Lenz. Schwer machen sie es einem jedoch in dieser hügeligen Gesellschaft mit ihrem glattpolierten Sound. Zehn Songs der Marke Fahrstuhlpop, die einem leider nicht aus den Sitzen reisen werden, dafür punktet das Albumcover. Immerhin da hat sich das Trio was einfallen lassen. In bester Wackeloptik alter Fußballsammelbilder sieht man je nach Blickwinkel ein anderes Bandmitglied. Für diesen Ideenreichtum darf man höflich applaudieren. Dies ist aber nicht das einzige Bewertungskriterium. 10 Songs mit einer Gesamtspielzeit von fast 40 Minuten haben es auf den Rohling geschafft und schwingen nun so friedlich ins Ohr.

Zu friedlich mag man meinen, alles klingt sehr nach Tocotronic goes Pop. Es fehlen Ecken, es fehlen Kanten. “Augen auf und durch” ist hierbei wohl als Durchhalte-Parole zu sehen, denn die leichten Songs bilden in Einheit ein schwer verdauliches Gesamtpaket. Schon der erste Song “Gib mir Bescheid” plätschert irgendwie vor sich hin, ohne wirkliche Emotionen. Auch die Lyrics lassen zu wünschen übrig. Laut Bandbiografie sollen die Texte aus dem Leben gegriffen und auf den Punkt gebracht sein. Dafür trifft der Hörer oftmals auf verständnislose Zeilen, die nicht einmal einen Raum zum interpretieren lassen. “(Leih mir dein) fehlerfreies Leben” wuchert nur so davon. “Leinen los” wuchert dann auch noch einmal 6 Minuten lang im Gehörgang und klingt nach einen Versuch Coldplay Deutsch klingen zu lassen. Leider aber ein ziemlicher Reinfall. Nach dem letzten Song “Weite Reise” ist es dann vorbei, passend ist hierbei der Titel, denn ein ganzer Durchlauf wirkt sehr anstrengend, wie ein langer Trip, der an den Nerven und Kräften zehrt. Eine lange Reise, ähnlich der der Band. Im Jahr 2003 trafen sich die drei Freunde nach langer Zeit wieder und beschlossen nach vielen anderen Musikprojekten endlich mal gemeinsame Sache zu machen. Beim Emergenza Festival als Geheimtipp gehandelt, in einigen Radiostationen auf Rotation laufend winkte der erste Plattenvertrag. Produziert wurde das Album von Oja Tunes, einem Team, das bereits Xavier Naidoo produziert hat. Hm, vielleicht ist das die einfache Erklärung für den Sound. Denn auch bei mehrfachen Durchläufen plätschert es weiter, man vermisst so kleine Momente, in denen die Augen funkeln. Eine weitere Eigenschaft die schwer daher kommt, ist die Tatsache, dass sich so gut wie gar nichts reimt. Wieder auf Wieder zu reimen sehe ich hierbei als fatalen Fehler an, so geschehen bei “Steh mit mir auf”. Man ertappt sich schnell mit der Hand auf der Skip-Teste, da die ersten Sekunden schon den gesamten Songinhalt wiedergeben. Und nach fast 40 Minuten Geplätscher lässt sich immer noch das positive Fazit ziehen, dass das Album Cover in dieser Form wohl einmalig ist. Der Inhalt leider nicht, zu monoton und gradlinig, zu wenig Abwechslung. Schade drum.

Hier das ganze Album streamen und vielleicht gewinnen

Video zu “Gib mir Bescheid”

httpv://www.youtube.com/watch?v=spx7h-fJMkk

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