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Portugal.The Man – Censored Colors

Portugal. The Man - Censored ColorBei Alaska denkt man unwillkürlich an Ödnis, kleine Dörfer und Fischkutter, Keimzellen für gute Indiemusik erwartet man wohl erst einmal nicht. Aber gerade die Abgeschiedenheit scheint kreative Höchstleistungen zu Tage zu fördern. Port O’Brien sind das jüngste Beispiel hierfür. Ein paar Jahre vor ihnen erschienen allerdings bereits Portugal. The Man auf der Bildfläche. Mit verschrobenem Rocksound auf zwei Alben, die vor Ideenreichtum und überraschenden Spielereien fast überschäumten und ihnen einen festen Platz in der Indieszene bescherten.

Für “Censored Colors” haben sich Portugal. The Man nun um ein weiteres Mitglied verstärkt und damit wohl auch um einen weiteren Ausbund an Kreativität. Statt in die etwas rockigeren Gefilde, wie auf dem Vorgänger “Church Mouth” haben Portugal. The Man bei ihrem dritten Durchlauf eine ordentliche Portion Gospel und Soul gefrühstückt und in ihre Musik gemixt. Da treffen Led Zeppelin und Pink Floyd auf Jugendgottesdienst und klassische Rockinstrumentierung auf Kirchenorgeln und massig Streicher. Beim Gesang ein ganz ähnliches Bild, die Stimme von John Baldwin Gourley begibt sich mal in höhere Gefilde, wird gestützt von Chören und weicht in einem Song sogar ganz einer weiblichen Gastsängerin. Leider wirkt das Album durch diesen Experimentierwillen stellenweise viel zu überambitioniert und unausgegoren. Da scheint es dann so, als sie der Band, gerade als eine Idee ausgearbeitet wurde auch schon die nächste gekommen zu sein, die dann unbedingt auch noch mit eingebaut werden musste. Insgesamt aber ein Musterbeispiel einer Band, die sich vom Sound einfach nicht festlegen will und der selbst eine Genrezuordnung, wie Experimental- oder Prog-Rock wohl viel zu eng wäre.

Video zu “AKA M80 The Wolf”, vom Album “Church Mouth”:

httpv://www.youtube.com/watch?v=_oiXciyAYJ4

Myspace der Band

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finn. – The Best Low-Priced Heartbreakers You Can Own

Es scheint so ein wenig das Jahr zu sein, in dem sich Alben sehr gut über ihre Entstehungsgeschichten vertreiben lassen. Da schlagen bis dato schon Justin Vernon, alias Bon Iver, der sich für sein Debüt For Emma, Forever Ago auf eine einsame Waldhütte in Wisconsin zurück zog, Conor Oberst, der für sein selbstbetiteltes Soloalbum seine Band in einen Bus setzte und in das mexikanische Mystic Valley karrte und nicht zuletzt die aufstrebenden Magdeburger von Chase The Dragon, die große Teile ihrer EP Replacing Space in einer österreichischen Berghütte aufgenommen haben, zu Buche. Um da heranreichen zu können, muss man nun natürlich was auffahren. Für Patrick Zimmer, alias finn. scheinbar kein Problem, er zog sich nämlich für die Aufnahmen an seinem Album “The Best Low-Priced Heartbreakers You Can Own” in ein Kirchengewölbe aus dem 14 Jahrhundert, weit unter den Straßen von St. Pauli, zurück. Das im Gegensatz zu den zuvor genannten auch ganz ohne elektronische Instrumente.

Ein Umstand, der auch trotz aller Konsumkritik, die das Album beherbergt, gut und gerne im Pressetext nachhaltig betont wird. Die Erwartungen an das neue finn.-Werk sind somit also recht ambivalent, zumal die Aufteilung in fünf Akte, in Anlehnung an eine griechische Tragödie, abschreckend konzipiert klingt. Auf einen Nenner gebracht, rechtfertigt das Endprodukt das ganze Buhei? Darauf kann es eigentlich nur ein klares Ja geben. “The Best Low-Priced Heartbreakers You Can Own” bietet wunderschöne Kompositionen, die vetrräumt und introvertiert tänzeln und den Zuhörer in eine dichte und mitreißende Klangwelt ziehen. Das eigens zusammengetrommelte Orchester begleitet Patrick mal hintergründig und man denkt, der Held der Sage würde unter seinem Weltschmerz zerbrechen, kurz darauf nehmen die Songs aber teilweise überraschende Wendungen und das Orchester braust auf, es schient als würde es wieder Hoffnung geben. Der Gesang verhält sich ähnlich, mal wehklagend und voller Fragilität, dann wieder gefestigt und stark. So entziehen einen die 16 Stücke für eine Stunde in eine ganz andere Welt, alles verliert an Bedeutung, da ist nur noch diese Stimme aus dem Untergrund und sein Orchester. Man könnte diesen ganzen Beitrag eigentlich auch einfach durch ein Wort ersetzen: Schön!

Video zu “Dew”:

httpv://www.youtube.com/watch?v=fko4uBiIff4

Myspace-Profil mit dem ganzen Album im Stream
Feature zum Album bei seinem Label
PIAS Germany

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Parenthetical Girls – Entanglements

Die Parenthetical Girls als Newcomer zu bezeichnen ist faktisch eigentlich falsch, dennoch veröffentlichen sie mit ihrem neuen Album “Entanglements” erstmals ein Album in Deutschland, nachdem sie kürzlich ganz neu von Tomlab unter Vertrag genommen wurden. Auch wenn zwei Alben vorangingen ist “Entanglements” auch eine Art Debüt für Frontmann Zac Pennington, denn es ist das erste Album der Parenthetical Girls als Quartett, nachdem ihm in der Vergangenheit verschiedenste Musiker zur Seite standen, scheint er nun eine feste Formation gefunden zu haben, mit der er seine Idee von Popmusik verwirklichen möchte.

Wer die Signings bei Tomlab kennt wird wissen, was Pop in diesem Zusammenhang bedeutet, wenn man zum Beispiel Patrick Wolf als Musterbeispiel des Tomlab’schen Popverständnisses nimmt. So überrascht es dann auch nicht, dass die Parenthetical Girls Pop abseits der ausgetretenen Pfade spielen. Ihr Pop siedelt irgendwo zwischen Kammermusik, Avantgarde, Zirkus und orchestralen Klängen. Eine schräge Mischung aus The Arcade Fire und Patrick Wolf mit fröhlichem Unterton. Schon der Opener “Four Words” mit seinem wilden Streicherarrangement und dem verspielten Xylophon gallopiert förmlich in die Gehörgänge. Ähnlich gestaltet sich der Großteil des Albums, stimmig durchkomponierte Kleinode treffen auf Zac Penningtons Hang zur Extravaganz und schrammen ganz eng am Kitsch vorbei. Man spürt förmlich, die Hingabe mit der sich Zac jedem Song bis ins kleinste Detail gewidmet haben muss. Man möchte ihm fast vorwerfen, dass die Songs stellenweise überambitioniert wirken, kann es aber nicht, da genau in diesem Moment wieder ein Detail im Song auftaucht, dass einen beim Hören einfach zu sehr verzückt und sei es auch nur durch die Lyrics, die immer zwischen juvenil verrückt, albern, entrückt und pervers tändeln. Ein herrlich schräges Album also, mit viel songwriterischem Geschick und einer Prise jugendlichem Größenwahn.

Video zu “A Song For Ellie Greenwich”:

httpv://www.youtube.com/watch?v=h19KnjDqS5M

Myspace der Band mit Hörproben
Homepage des Labels Tomlab

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Videoclub – We Could Set Fire

„Deutscher Indie“. Heute immer noch eher ein Begriff, dem vielerorts erst einmal mit Skepsis begegnet wird. Da gibt es dann ein paar bekanntere Künstler wie Get Well Soon, Slut oder Tocotronic und viele lokale Szenen, wie in Hamburg um ein gewisses Grand Hotel, in Berlin, in München, oder auch in Münster. In Münster? Ja, in Münster entwickelt sich heimlich still und leise eine beschauliche Indieszene, die zwar nur lokal bekannt ist, aber dennoch voller Potential steckt. Beleg dafür ist das sympathische Quartett von „Videoclub“, das uns nach dem Konzert im Vorprogramm der Pencil Toes zu einem Gespräch in die Katakomben des AMP einließ.

Videoclub, das sind Sänger Elias, Gitarrist Jurek, Drummer Ramon und Bassist Sebastian, die sich nach vielen eher halbherzig angegangenen Bandprojekten vorgenommen haben das Thema Band ernster anzugehen und sich Schritt für Schritt weiterzuentwickeln. Diese Herangehensweise wurde dann gleich in ein Bandmotto gefasst: „Je länger man schläft, desto müder wird man.“ Das nächste Ziel nun „ein Album aufnehmen, da sind wir auch ziemlich zuversichtlich. Wir haben da auch schon Kontakt, ist allerdings noch nichts spruchreif“, so Jurek. Spannend zu sehen, wie eine junge Band auch selbst den Hintern hoch kriegt, um sich um ein Label zu bemühen. Witzig die damit verbundenen Anekdoten, Sebastian erzählt: „Der Jurek hat uns allen Nummern von Labels rausgesucht, die wir jetzt kontaktieren sollen, ich hab da gestern in Berlin bei einem Label angerufen und hatte den Daniel Spindler, Bassist von Delbo am Apparat und dachte erstmal so, äh, wow, das ist jetzt hier einer der besten Bassisten in Deutschland und äh, na ja, da wusste ich nicht mehr so ganz, was ich jetzt sagen soll.“ Dass viele Labels so ihre eigene Einstellung haben bewies auch Thees Ulmann, als Jurek beim Grand Hotel van Cleef anrief „der hat uns geraten, wir sollten Deutsch singen und uns Elias nennen, dann hätten wir vielleicht eine Chance“, so Jurek.
Das es die Jungs neben einer (für knapp 1 Jahr Bandgeschichte) enormen Live-Präsenz auch schon ohne Label verstehen ihre Songs gekonnt auf Platte einzuspielen haben sie mit ihrer EP „We Could Set Fire“ bewiesen. Hierauf enthalten 5 Songs und 1 Remix, die tanzbaren Indie mit Math-Rock verbinden, besonders auffällig immer Elias’ Englisch- / Spanischsprachiger Gesang, was der EP eine überraschende, frische Note verleiht. Besonders hervorzuheben hierbei die Songs „Circo“ und „Elefantes“, die auch live zu den größten Krachern zählen. Live zeigt sich auch, dass der Sound von Videoclub einer steten Weiterentwicklung unterworfen ist. Klang die EP noch stark nach „Portugal.The Man“, die Elias auch zu seinen größten Einflüssen zählt, klingen die Songs – nach Meinung von Elias durch extremen Konsum des Foals Albums – inzwischen nicht mehr nur geradeaus, sondern Videoclub trauen sich nun auch mal nach links oder rechts. Will heißen, neben Indie- / und Mathrock gibt es nun auch noch vertrackte Synthie- und Bassspielereien, was den Stücken eine frischere, noch stärker tanzbare Note verleiht, etwas in diese Richtung gingen auch schon der auf der EP enthaltene Track „We don’t Need Our Shoes to Dance“ oder der Remix von „Circo“. „Für uns ist es am Größten, so live zu spielen“, erläutert Jurek, „deshalb spielen wir auch in Kürze einen Showcase in Berlin, bei dem wir uns geladenen Labels präsentieren. Wir arbeiten im Moment auch an einem Albumkonzept, das finden wir auch schon sehr homogen und freuen uns, dass einmal auf ner CD zu sehen“. Das die Jungs sich da auch nichts vormachen, sieht man auch daran, dass sie alle neben dem Studium Jobs verfolgen, um über die Runden zu kommen, „die Jungs von Muff Potter sind bei Universal und müssen alle nebenbei noch jobben, deshalb ist das auch wichtig“, erklärt Jurek.
Bleibt also fest zu halten, Deutscher / Münsteraner Indie ist gerade mit Bands wie Videoclub auf einem guten Weg.

Myspace der Band

Iain WhiteTapes