Etwas mehr als ein Jahr nach seinem selbstbetitelten Debüt und …
Computerclub – Before The Walls Came Down
Die Editors machen wahrscheinlich derzeit Freudensprünge in dem Studio, in dem sie ihr drittes Album einspielen. Nicht weil sich Interpol aufgelöst hätten und die Editors nun allein mit ihrem Sound wären, besser, mit Computerclub tritt nun eine Band auf den Plan, die sich in die Soundwelt von Interpol und Editors begibt. Vorteil für die Editors, sie werden ab sofort als Referenz genannt und nicht mehr nur als reine Kopisten. Die Frage die sich nun sicherlich ergibt, braucht es noch eine dritte Band, die beinahe die gleiche Musik, wie die Editors und Interpol spielt? Eigentlich nicht, wäre die passende Antwort, wenn Computerclub diese Musik nicht mit so einer verdammten Coolness vortragen würden.
Sänger Paul Hampton bewegt sich stimmlich in ähnlichen Sphären, wie Tom Smith, allerdings ohne Schmalz und Paul Banks, allerdings weniger monoton, eben düster und voller Pathos. Die Instrumentierung besticht durch eine düstere Grundstimmung aus treibenden Bässen und glasklarem Gitarrenspiel, die sich zu atmosphärischen Klangwänden entwickeln. Auch wenn Computerclub damit klingen, wie die beiden Referenzgrößen schaffen sie es dennoch mehr als ein langweiliger Abklatsch zu sein. Deshalb nicht langweilig, weil mit “Some Kind Of Love”, “Reykjavik” und dem Titelsong “Before The Walls Came Down” allein drei Hits auf ihr Album gepackt haben, die sich Interpol für ihr letztes, eher langweiliges Album “Our Love To Admire” bestimmt auch gewünscht hätten. Dazu ist der Rest des Albums so gut von seiner Dramatik her durchstrukturiert, dass es kaum Längen gibt. Dazu kommt bei Computerclub der zusätzliche Newcomer-Faktor, bei dem sie noch damit durchkommen, “nur” wie ein dritter Joy Division Klon zu klingen, beweisen müssen sie sich erst bei Album Nummer 2. Für jetzt Hut ab vor der Coolness dieser Engländer.
Video zu “Before The Walls Came Down”:
httpv://www.youtube.com/watch?v=F96Eo6fSA9E
Jesse Malin – Mercury Retrogade (Live in New York City)
Wenn es keine Belege gäbe würde einem wohl heute kaum jemand glauben, dass Jesse Malin in seiner Vergangenheit bei D Generation Punk-Musik gemacht hat. Inzwischen gilt er, nicht zuletzt dank zweier von Ryan Adams produzierter Alben, als ein sehr begnadeter Singer-Songwriter und ist so etwas wie der Freund der Stars in New York. Früher einmal Weggefährte von Joey Ramone, inzwischen lange Zeit Buddy von Ryan Adams, Duett-Partner von Bruce Springsteen, Jesse scheint sie alle zu kennen und alle scheinen ihn zu lieben. Da ist es kein Wunder, dass zwei Abende, an denen Malin letztes Jahr um Weihnachten zu Konzerten in der New Yorker Mercury Lounge bat ausverkauft waren. Das Besondere an diesen Abenden, die Verstärker blieben aus und alle Songs wurden sozusagen unplugged vorgetragen.
Nach dem Cover-Album “On Your Sleeve” also das nächste Experiment. Einen dieser besonderen Abende hat Malin nun als “Mercury Retrograde” zu seinem ersten Live-Album gemacht. Und seine rockigen, Power-poppigen Stücke funktionieren auch runter gebrochen auf Akustik-Gitarre und Klavier. Seine Balladen werden durch den Verzicht auf die elektrische Gitarre noch mitreißender, wie etwa im Stück “Since You’re In Love”, dass in der Akustik-Version perfekt in den weihnachtlichen Rahmen passt, in dem es aufgenommen wurde. Wer schon einmal auf einem Konzert von Jesse Malin war, der weiß auch, dass er es nicht beim einfachen Spielen seiner Stücke belässt. Nach beinahe jedem Stück hält er kurz inne und erzählt dem Publikum Anekdoten über das Leben auf Tour, darüber, was er von George W. Bush hält und über die Bedeutung einiger Stücke. Das ist auf Konzerten auch immer sehr unterhaltsam, nur erschließt sich der Sinn diese Anekdoten auf das Live-Album zu packen nicht so ganz, abgesehen davon natürlich, dass sie fester Bestandteil einer Jesse Malin Show sind. Als Bonus sind auf “Mercury Retrograde” zusätzlich noch fünf sehr schöne, bei den Aufnahmen zu “Glitter In The Gutter” im Studio eingespielte Weihnachtslieder enthalten. Darunter auch ein Cover von “Fairytale In New York”, einer Liebes-Erklärung an New York.
Video zu “Broken Radio” (feat. Bruce Springsteen):
httpv://www.youtube.com/watch?v=S5KVwj6si3g
Jeremy Warmsley – How We Became
Treffender hätte Jeremy Warmsley sein zweites Album “How We Became” wohl nicht benennen können, schäumt seine Musik doch quasi über vor Referenzen darauf, wie die heutige Popmusik das geworden ist, was sie heute ist. In jedem Stück hört man, wie auch schon auf seinem 2006er Debüt “The Art Of Fiction” seine Wegbereiter, wie David Bowie und Brian Eno, um nur zwei zu nennen. Diese Einflüsse verband er schon 2006 mit einer solchen Fülle unbändiger Ideen und Spielereien, dass er schon als die englische Antwort auf Rufus Wainwright gehandelt wurde und Künstler, wie Daniel Johnston, Iron & Wine, Beirut und The Shins ihn unbedingt für Kollaborationen haben wollten.
Für “How We Became” hat er nun auch erstmals mit einem Co-Produzenten gearbeitet, statt alles selbst zu machen. Diese Rolle übernahm Markus Dravs, der auch schon mit The Arcade Fire, Björk, Brian Eno und Coldplay zusammen gearbeitet hat. Eine Zusammenarbeit, die Warmsley sehr gut tat, die überschäumenden Ideen, die “The Art Of Fiction” teilweise schwer zugänglich machten, oder in einigen Songs ins Nichts führten, sind nun gebündelt und gut durch strukturiert. “I wanted it to be an album that you’d get on first listen” erklärt Warmsley zur Arbeit an “How We Became”. Das ist ihm gelungen, schon der Opener “Lose My Cool” ist ein fröhliches Liebeslied mit überraschenden Tempowechseln und einem mehr als eingängigen Refrain. In “Sins (I Try)” schickt er David Bowie auf die Musical-Bühne, begleitet von einem sanften Piano und einem rhythmisch marschierenden Background-Chor. Am markantesten bei allen Songs ist Warmsleys leicht quäkender und sehr akzentuierter Gesang, der ihm auch die meisten Vergleiche mit Wainwright beschert hat. Mit dem Unterschied, dass Warmsley sich nicht so stark dem Pathos hingibt und Wainwright eine Ballade wie “I Keep The City Burning” nicht so dramatisch und zugleich mitreißend intonieren könnte. Neben Eugene McGuinness dürfte Warmsley mit seinem 14 Songs umspannenden “How We Became” eines der stärksten britischen Singer-Songwriter Alben des Jahres abgeliefert haben. Ganz besonderer Hörtipp auch noch der Bonus-Track “Temptation”, ein mehr als gelungenes und mitreißendes New Order Cover.
Video zu “Lose My Cool”:
httpv://www.youtube.com/watch?v=ojfbAvu8CuM
Jeremy Warmsley bei Myspace
Homepage des Labels Rough Trade
Gelungene Album-Review bei The Lipster UK
Sterling International – Celebrations
Es dürften derzeit gute Zeiten für alle Brit-Pop Fans sein, die Wiedervereinigung von Blur scheint nahezu perfekt, The Verve haben ein grandioses Comeback mit “Forth” gefeiert und Oasis haben nach langer Zeit endlich mal wieder ein gutes Album veröffentlicht. Wenn sich jetzt noch Pulp irgendwann wieder zusammenfinden sollten, dürfte die Welt für Sterling International perfekt sein. Sterling International, das sind drei junge Dänen, die unter dem Namen Sterling in Dänemark mit zwei erfolgreichen Alben bereits so etwas wie Stars sind und nun mit dem Zusatz “International” auch außerhalb Dänemarks um Fans buhlen. Dafür haben sie nicht nur ihren Namen erweitert, sondern auch die Texte ihres Albums “Yndigt Land” aus dem Dänischen ins Englische übersetzt, damit ihre Texte auch international verstanden werden.
Klingt erst einmal nach einem peinlichen Versuch die Erfolgsgeschichte von vier Magdeburger Jungs kopieren zu wollen, die mit wenig innovativem Sound und simpler Übersetzung ihrer Texte plötzlich Weltstars wurden. Innovativ ist der Sound von Sterling International dann wahrlich auch nicht, aber dafür immerhin unterhaltsamer als jener dieser vier Magedburger. Sterling Internationals erstes englischsprachiges Album “Celebrations” schäumt über vor Referenzen auf die großen Helden des Brit-Pop. Da gibt es Tracks, wie “Yndigt Land” und “Borderline Insanity” mit deutlichen Anleihen bei Blur, “You Only Dance Lonely” verneigt sich vor Pulp und “Captain Scarlet” könnte auch eine The Verve B-Seite sein. Dabei haben alle Stücke gemeinsam, dass sie sehr sauber produziert sind, Gitarre, Bass und Schlagzeug sitzen da wo sie sollen und Schellenkranz, Klavier und Synthies für zusätzliche Kurzweil sorgen. Zusätzlich haben sie dann aber auch noch gemein, dass ihnen eine gewisse Eigenständigkeit völlig abgeht, sie klingen immer mehr nach den großen Vorbildern, als nach Songs einer Band mit eigenem Sound. So ist “Celebrations” zwar kurzweilig und unterhaltsam, aber nicht wirklich einprägsam genug, damit die Band gegen die Vielzahl junger Brit-Pop-Bands, geschweige denn die großen Vorbilder bestehen kann.
Video zu “Lyssværd” (“Love Uranium”):
httpv://www.youtube.com/watch?v=4gAzCVtsXkw&e
Megapuss – Surfing
Wo man im Moment auch hinsieht, überall erscheinen Nebenprojekte der Strokes. Gitarrist Albert Hammond Jr. hat es mittlerweile auf zwei Soloalben gebracht, Bassist Nikolai Fraiture veröffentlicht im Januar sein erstes Soloalbum als Nickel Eye und im Moment besonders präsent Fabrizio Moretti. Mit seinem Nebenprojekt Little Joy veröffentlichte er vor ein paar Wochen ein Album und unterstützt nun auch noch Devendra Banhart und Greg Rogove bei ihrem Projekt Megapuss. Und seinen Job an den Drums gestaltet er natürlich ähnlich gelungen, wie bei den Strokes. Aber die rücken jetzt in den Hintergrund und machen Platz für die beiden Hauptakteure Banhart und Rogove.
Den ersten kennt man in Frauenkleidern und als Ex-Freund von Natalie Portman, den letzteren als Mitglied der Priestbierds und von Banhart’s Live-Band. Wozu ein Nebenprojekt, wenn Banhart also doch alte Bekannte um sich schart? Ganz einfach, er wollte Spaß haben. Musikalisch geht das erst einmal in die typische Banhart Richtung, 60s Psychedelia, schrammeliger Folk und scheppernder Garagenrock. Allerdings alles noch eine Spur extrovertierter, experimenteller und textlich vor allem abgefahrener als bei seinen Soloalben. Experimenteller und extrovertierter: mit “Adam & Steve” eine Spaßhymne auf die Homosexualität gesungen und dazu das Saxofon aus George Michael’s “Careless Whisper” eingearbeitet. Textlich wird es ansatzweise politisch, aber vor allem derber, “Fuck the president in his asshole, fuck the government in the asshole”. Dass der Spaß allerdings bei den Aufnahmen im Vordergrund stand sieht man am Song “Duck People Duck Man”, der zusammen mit Komiker und MTV-Moderator Aziz Ansari eingespielt wurde und eine Kritik an der Behandlung indischer Einwanderer in Amerika darstellt, aber dabei textlich dermaßen albern geraten ist, dass die Band selbst vermutlich die Kritik nicht mehr versteht. “Surfing” als Titel für das Album passt zudem perfekt, klingt es doch wirklich wie ein Banhart Soloalbum im Surf-Urlaub. Aber muss man das unbedingt nackt tun?
Video zu “Adam & Steve”:
httpv://www.youtube.com/watch?v=EWWLcAZpr_I&e
Little Joy – Little Joy (s/t)
Wo man im Moment auch hinsieht, überall erscheinen Nebenprojekte der Strokes. Gitarrist Albert Hammond Jr. hat es mittlerweile auf zwei Soloalben gebracht, Bassist Nikolai Fraiture veröffentlicht im Januar sein erstes Soloalbum als Nickel Eye und im Moment besonders präsent Fabrizio Moretti. Bei Megapuss unterstützte er seine Freunde Devendra Banhart und Greg Rogove an den Drums und mit Little Joy startete er nun ein eigenes Nebenprojekt zusammen mit Binki Shapiro und Rodrigo Amarante (Los Hermanos). Mit Little Joy liefern Moretti und Co so etwas wie den zurückgelehnten LoFi-Gegenentwurf zu den Strokes.
Gemeinsamkeiten zu den Strokes gibt es dennoch, das Songwriting nämlich. Das sitzt wie immer perfekt, lässt immer dort ein wenig Luft wo die Strukturen zu eng werden und zieht die Zügel an, sobald ein Stück in die Belanglosigkeit abzudriften droht. Für den Sound des Albums haben die drei sich ganz offensichtlich von Los Angeles, dem Entstehungsort des Albums beflügeln lassen. Warmer Folk, mit ein paar Latino-Rhythmen, etwas Surfmusik im typischen Strokes’chen Retrogewand und getragen von einer extremen Lässigkeit. Kein Wunder, spielt doch Moretti in der derzeit coolsten Band der Welt. Man merkt auch deutlich, die Musiker hatten Spaß an dem was sie da in nächtlichen Sessions entstehen ließen. Gut gelaunt plätschern die Stücke dahin und klingen so noch kalifornischer. Alles scheint völlig zwanglos gewesen zu sein und so wechseln sich auch alle einmal am Gesang ab, am einprägsamsten gibt sich dabei Binki Shapiro mit ihrer sehr warmen und zart säuselnden, beinahe an Cat Power erinnernden Stimme. Kleiner Wermutstropfen, nach knapp 30 Minuten ist die Freude auch schon vorbei, aber dafür gibt es ja die Repeat-Taste.
Video zu “Next Time Around”:
httpv://www.youtube.com/watch?v=TxEpngNm_Us&e
Her Space Holiday – XOXO Panda and the New Kid Revival
Marc Bianchi, Kopf hinter Her Space Holiday ist nicht der Typ Musiker, der sich auf einen Stil festlegen will und so präsentiert er nun nach allerlei Elektro-Spielereien und vor allem -Frickeleien der letzten Jahre mit “XOXO Panda and the New Kid Revival” ein lupenreines Stück Indie-Folk, so als hätte Conor Oberst eine Kooperation mit Graham Coxon gewagt. Schon im Opener “The New Kid Revival” gibt Bianchi die klare Marschrichtung vor: “Let’s start the New Kid Revival / Make it up as we go along / And if you tell us we’re doing it wrong / We’ll just turn up the sound of our songs.”
Diese so offen zur Schau getragene, herrlich erfrischende Naivität erzählt Marc Bianchi dann allerdings aus der Perspektive des fiktiven Charakters XOXO Panda, vermutlich um Rückschlüsse auf seine Person auszuschließen. Da lassen sich dann auch ganz ungeniert Hand-Claps, Synthie-Spielereien, Banjos und ein Glockenspiel in die Stücke einbauen, oder Lieder auf die leider verflossene erste Liebe aus Kindertagen singen, wie in “The Heartbreak Moment”. “XOXO Panda and the New Kid Revival” ist ein Album zum Tanzen und breit Grinsen, ein Album für die Schneeballschlacht im nahenden Winter. Für Bianchi, der zu Beginn seiner Karriere Hardcore-Punk spielte vielleicht auch so etwas wie die Entdeckung des Optimismus nach Jahren als Emo. Die rauere Produktionsweise des Albums passt dazu perfekt ins Bild und zeigt, dass Bianchi auch ein Genre, wie den Indie-Folk sehr gelungen in Szene zu setzen weiß. In ein paar der 14 Tracks zwar teilweise mit ein paar Längen, aber das Statement dazu liefert Bianchi ja bereits im Opener.
Video zu “The New Kid Revival”:
httpv://www.youtube.com/watch?v=5AOM4pkw9BY
sehr gelungene Homepage von Her Space Holiday
Her Space Holiday bei Cooperative Music
Greg Weeks – The Hive
Ein Mellotron ist so etwas wie der Urtyp der Sampler, über Tasten, wie auf einem Keyboard werden verschiedene Tonspuren abgespielt, auf denen unterschiedlichste Instrumente, wie etwa Flöten, Trompeten, oder Geigen hinterlegt sind. Charakteristisch für das Instrument ist ein leicht leiernder Klang. Was diese Definition nun mit dem neuen Soloalbum von Greg Weeks zu tun hat? Zwei Dinge, zum Einen war ein Mellotron, dass Greg Weeks entdeckt hat der ausschlaggebende Einfluss für den Sound von “The Hive”, zum anderen ist Greg Weeks selbst genau so verschroben, wie das ulkige Keyboard.
So leiert, jault und wimmert Greg Weeks mit dem Mellotron im Einklang, dabei macht er sich besonders häufig das Wimmern das Geräts zu nutze, um der düsteren Stimmung seiner Stücke noch etwas geisterhaftes hinzuzufügen. Dazu kombiniert Greg Weeks dann noch ein zartes Gitarrenspiel, mal akustisch, mal elektronisch verzerrt und ein wenig Schlagzeuggeklapper. Gespensterstimmung über 11 Tracks also, nett als Soundtrack zum aufziehenden Nebel, auf Album-Länge jedoch recht bald sehr anstrengend. Man spürt quasi die Dunkelheit der Songs aus dem CD-Player in den Raum kriechen, die ähnlich einem Dementor aus Harry Potter das ganze Glück aus der Umgebung aufsaugt und in ein tiefes Schwarz taucht. Weeks selbst bezeichnet “The Hive” als “a response to the atmosphere of apocalypse that permeates the lives of those who are open and receptive to their environment”. Kein Album für glückliche Menschen also, aber auf keinen Fall eines für traurige Gestalten, eher eines für düstere Menschen, wie Greg Weeks, welche die dunkle Ironie, die er in den Tracks versteckt haben will, greifen können.
Washington – Rouge/Noir
Washington sind eine der Bands, die es schon schaffen über ihren Namen extreme Verwirrung zu stiften, erwartet man doch beim Klang des Namens schrecklichste amerikanische Rockmusik im Stile von Kansas oder Chicago. Mit denen haben die drei Norweger von Washington aber so gar nichts zu tun, was sie nun mit ihrem dritten Album “Rouge/Noir” abermals beweisen. Bezieht man den Namen Washington dann auch auf den Staat und nicht die Stadt, bemerkt man, dass 6,3 % der Einwohner Washington’s norwegischer Abstammung sind. Washington also für so etwas, wie ein Symbol für den sehnsüchtigen Traum steht, eine neue Heimat zu finden, versteht man auch schnell die Namenswahl.
Denn Sehnsucht ist eines der Grundthemen von Washingtion. Sie findet sich in all ihren Nuancen wieder, von leidenschaftlich herbeigeschrien bis desillusioniert betrauert. “Rouge/Noir” startet mit dem gleichnamigen Track und einer vibrierenden Gitarre, wir streifen durch die immergrünen Wälder Washingtons, halten kurz inne um dem Gesang von Rune Simonsen zu lauschen und wärmen uns ein letztes Mal an der Gitarre. Die Nacht zieht heran, die einzige Lichtquelle ist die rote Glut des Feuers in schwarzer Nacht und Washington machen noch einen gut gelaunten kurzen Brit-Pop Ausflug mit “Something Of A Voyage (Into The Underworld)”, bevor die Sehnsucht vollends einschlägt. Nun beginnt nämlich der sinnierende Teil des Albums, die rote Glut ist erloschen, die dunkle Melancholie entflammt und Washington geben sich ruhigen Klängen der Akustik-Gitarre und vor allem dem mitreißenden, warmen Gesang von Rune Simonsen hin. Der größte Teil des Albums besteht dann auch aus diesen ruhigeren, beinahe sphärischen Stücken, bei denen sich je nach Stück mal eine Trompete, mal das Schlagzeug, oder ein Piano gesellt, oder sich alles zusammen zu einem Gänsehaut erzeugendem Klanggebilde auftürmt, um dann wieder ruhig abzuklingen, wie im Song “Andante”. So zeigt “Rouge/Noir” wieder einmal das Bild einer Band, die es wie gekonnt versteht, Sehnsucht so wundervoll melancholisch einzufangen.
Video zu “Landslide” (von “A New Order Rising”):
httpv://www.youtube.com/watch?v=DeILk3Iijf4
The Shaky Hands – Lunglight
Auf dem Beipackzettel zu The Shaky Hands’ zweitem Album – ihrem ersten auf Memphis Industries – sind die Shaky Hands als die Rock-Band beschrieben, auf die sich in ihrer Heimat Portland, Oregon, jeder einigen kann. Klingt nach ganz schrecklichem Konsens und nicht nach energiegeladenem Rock’n'Roll. Nun müssten sie dort nur noch als liebenswert beschrieben werden und sie würden erscheinen, wie ein schrecklicher Klon der Schleim-Iren von The Script. Glücklicherweise steht das da nirgends und was sie auf “Lunglight” präsentieren klingt auch nicht nach Konsens, dafür nach sehr unterhaltsamen Rock.
Verstärkt um ein fünftes Band-Mitglied schicken sich die Shaky Hands an, den fröhlichen Hippie-Sound des Vorgängers in rootsigen Folk zu verwandeln. Die Grundstimmung ist also erst einmal dunkel, aufbauend auf einfachen, leicht verzerrten Gitarrenriffs, gepaart mit dem knarzigen Gesang von Nick Delffs, der stellenweise beinahe an Eddie Vedder erinnert. Trotz dunkler Grundstimmung lassen es sich die Shaky Hands dennoch nicht nehmen, ihre gute Laune in ihr Spiel zu packen und das Album mit einem Mitsing-Surf-Rocker namens “A New Parade” zu eröffnen. Danach folgen Ausflüge in Acid-Rock, die Pearl-Jam Interpretation von Grunge und vor allem viel angenehm sperrigen Folk-Rock, aber das war zu erwarten, denn um Folk in Portland zu entgehen, muss man auch schon nach Dänemark ziehen. So ist “Lunglight” eine logische Weiterentwicklung seines Vorgängers, ein in weiten Teilen unterhaltsames 60s Rock-Album, das alles andere als Konsens sein will, aber besonders bei den besser gelaunten Stücken seine Längen zeigt.
Video zu “We Are Young”:
httpv://www.youtube.com/watch?v=A8CnWR4akIo














