Etwas mehr als ein Jahr nach seinem selbstbetitelten Debüt und …
Polarkreis 18 + Frida, Bochum, Zeltfestival Ruhr, 29. August 2009

Wir scheinen in den letzten 18 Monaten, seit wir die Karriere der Dresdner Polarkreis 18 verfolgen, ein Talent dafür entwickelt zu haben, die Band in ungewöhnlichen Locations zu sehen. Vor fast genau 18 Monaten sahen wir das Sextett im Vorprogramm der Smashing Pumpkins, kurz darauf bei einem Unplugged im Dortmunder Konzerthaus, dann bei einem Open-Air in einem Schöppinger Freibad. Den Vogel schoss aber wohl das Konzert auf der Ahauser Stattalm am Rand einer Eislauffläche ab. Die einzige Clubshow, die wir bisher mit Polarkreis 18 gesehen haben, war die im Frühjahr in der Bochumer Zeche. Eine ganz deutliche Entwicklung in dieser Zeit war das Publikum, das sich mit zunehmendem Erfolg deutlich änderte. Waren beim Unplugged und beim Open Air in Schöppingen noch größtenteils Anhänger von Indie-Musik anwesend, mischten sich mit der Zeit auch immer mehr Familien und Charts-Jünger unter das Publikum. So fiel dann auch beim diesjährigen Zeltfestival zuerst die frühe Anfangszeit auf, was aber wohl auch der Veranstaltung an sich geschuldet war.
Das Zeltfestival Ruhr ist, wie es der Name schon vermuten lässt, im Grunde eine Zeltstadt. Die wurde am Kemnader See zwischen Bochum und Witten aufgebaut, wo über mehrere Tage gefeiert wird. Vom 21. August bis 6. September werden da unzählige Künstler durch drei große Veranstaltungszelte geschleust, darunter unter anderem Heather Nova, Selig, Henry Rollins, Silbermond und eben Polarkreis 18. Rund um die Veranstaltungszelte gab es jede Menge Fressbuden, Getränkestände und kleine Veranstaltungen für die ganze Familie. Die Seewiesen wurden allerdings mit Brettern verrammelt, so dass alle Besucher sich über Stege zwischen den Zelten und über die Veranstaltungsflächen bewegten, was den Charme der Veranstaltung doch etwas beeinträchtigt. Aber kommen wir zum Anlass unseres Besuchs, Polarkreis 18. Der Einlass zum Konzert erfolgte bereits um 18 Uhr, da es sich bei der Veranstaltung ja um eine Art Familienfest handelt, musste schließlich auch früh begonnen werden. Der Eindruck von Familienfest war dann auch ganz richtig, denn in der Schlange waren Bersucher in verschiedensten Alterklassen, von 8 bis 68 zu sehen. Keine Spur mehr vom homogenen Indie-Publikum von einst. Die Besucher von Polarkreis 18 Konzerten sind nun bunt gemischt, ein weiteres Novum ist dazu noch, dass die Band nun ein Grüppchen von eingefleischten Fans hat, das der Band von Ort zu Ort hinterher reist.
An der Größe des Zeltes zeigte sich dann leider eine gewisse Fehlplanung der Veranstalter. Polarkreis 18 hatten zwar einen Nummer 1 Hit und ein Top 10 Album, dennoch füllen sie deshalb noch lange kein Zelt in einer Größenordnung von 1.500 – 2.000 Menschen. Da muss man einfach nur zum Vergleich nehmen, dass die Band sonst in Bochum so gerade die Zeche gefüllt hat. So füllte sich das Zelt insgesamt vielleicht auf ein Drittel der Kapazität. Beim lokalen Support, der Deutsch-Pop Band Frida war davon vielleicht schon die Hälfte anwesend. Der Grund, warum sich diesen Support viele sparen wollten zeigte sich dann schnell, denn die Musik war alles andere als ein wirkliches Highlight, aber zumindest für einen Familienfest-Rahmen ganz passend. Ihr Sound zeigte Anleihen aus Deutsch-Pop, Schlager und ein bisschen Indie. Sängerin Alina schien offensichtlich ihre Lektionen in Sachen Deutsch-Pop mit weiblicher Stimme gelernt zu haben. Bei schnelleren Songs zog sie einen Schmollmund und sang mit dieser typischen, bereits zum Klischee gewordenen Rotzigkeit in der Stimme.
Wenn es dann langsamer wurde, kramte sie die gewollt gefühlvolle Schlagerintonation raus. Tänzerisch bewegte sie sich dann irgendwo zwischen Ententanz und Shakira. Kombiniert mit Ansagen, wie “Wow, ihr seid ja ein richtig freshes Publikum” war das schon eine Spur andersartig, als die Supportbands, die wir sonst erleben, aber nach knapp 30 Minuten war der Spuk dann auch schon vorbei. Es würde uns auch nicht überraschen, wenn wir die Band bald in einer Reihe mit Juli, Silbermond und anderen Deutsch-Pop Größen sehen, was wir ihnen natürlich keineswegs vergönnen möchten.
Um Punkt 20 Uhr war es dann soweit, Polarkreis 18 betraten zum Intro von “Allein Allein” die große Bühne. Wie bereits auf anderen Konzerten zur Tour kam zuerst nur die Band ohne Sänger Felix, alle trugen “Grubenlampen” auf dem Kopf, die sie in einer festen Choreographie auf und ab bewegten. Direkt fiel allerdings auf, dass Keyboarder Bernhard / Silvester Wenzel im Hintergrund fehlte. Eine Erklärung dazu sollte Felix später liefern. Silvester war nämlich früher am Tag mit dem Rad gestürzt und hatte sich eine Hand und ein Auge verletzt, weshalb Ludwig nun für Zwei arbeiten musste, was er natürlich mit Bravour meisterte. Das Intro von “Allein Allein” ging dann direkt über in “The Colour Of Snow”, zu dem Felix aus dem Hintergrund auf die Bühne stürmte. Das nun etwas besser, aber auf Gesamtgröße gesehen immer noch kläglich, gefüllte Zelt nahm diesen Energie geladenen Beginn noch etwas verhalten auf. Felix stürmte dennoch gewohnt von einer Ecke zur nächsten und erklomm sogar die Streben am Bühnenrand. Der zu diesem Zeitpunkt noch etwas matschige Sound hinderte den Funken vielleicht einfach noch am überspringen. Aber schon beim zweiten Stück erschallte der Sound in ganzer Pracht, die Techniker hatten ihn wohl an die Fülle des Zelts angepasst.

Ab dann entwickelte sich der Abend tempo- und abwechslungsreich, wie man es schon immer von einem Konzert mit der Band aus Dresden gewohnt ist. Der Schwerpunkt lag wenig überraschend auf dem zweiten Album “The Colour Of Snow”, dabei wurden insbesondere die schnelleren Stücke vom Publikum ausgelassen gefeiert. So etwa der Album-Opener “Tourist” und das druckvolle “Prisoner”. Die größten Highlights waren allerdings die Stücke des ersten Albums, wie “Crystal Lake”, das bereits sehr früh seinen Weg in die Setlist fand, oder auch das warme “Somedays Sundays”. Während “Comes Around” kletterte Sänger Felix ins Publikum und erklomm eine Säule, die relativ nah bei der Bühne die Decke des Zelts stützte. Wenn wir allerdings sagen, die Stücke stellten besondere Highlights dar, gilt das wohl nur für uns und vielleicht eine handvoll weitere Leute beschränkt, denn einem Großteil des Zelts schienen die Stücke leider vollkommen neu zu sein.
Das stellte natürlich keine Überraschung dar, denn Polarkreis 18 existieren ja schließlich erst seit ihrem Hit “Allein Allein”. Das sollte aber erst später folgen, auch wenn Teile des Publikums es in einigen Song-Pausen bereits früher forderten. Vorher fand sich beispielsweise auch noch die Bandhymne “Dreamdancer” in der Setlist wieder. Zu dem Song kam Felix in einem neuen, nennen wir es Dreamdancer-Kostüm auf die Bühne.
Das Kostüm wirkte ein wenig wie eine Mischung aus Matrosenanzug und FDJ-Uniform. Besondere Akzente dabei waren die schwarze Strumpfhose, die Felix zu den Shorts trug und die futuristische Sonnenbrille. Kombiniert mit High Heels hätte das sogar aus dem Kleiderschrank eines Patrick Wolf stammen können. Ohne Sonnenbrille war das dann auch besser anzusehen. Spätestens mit “Dreamdancer” bestätigte sich für uns auch der Eindruck Zeuge einer astreinen und hochunterhaltsamen Popshow zu sein. Getoppt wurde die natürlich durch “Allein Allein” als letztes Stück vor den Zugaben, das mitsamt Chor und Aufspring-La-Ola auf sechs Minuten gestreckt wurde. Felix feuerte den Chor immer wieder an und witzelte dabei ein wenig über darüber, wie spärlich das Zelt gefüllt war, so rief er “so, jetzt tut mal, als wärt ihr 617, und jetzt schreit wie 862″. Schön war hier auch zu beobachten, wie viel rockiger die Band das Stück mittlerweile umsetzt, die E-Gitarre donnerte schön und auch das Schlagzeug wirkte sehr druckvoll. Der anschließende Jubel war natürlich überschwänglich und ausgelassen. So kam die Band dann auch schnell auf die Bühne zurück, um die Zugabe “Look” anzustimmen. Die kündigte Felix dann mit den Worten “jetzt kommt ein Stück vom ersten Album. Ja, Polarkreis 18 haben eine Vergangenheit!” an. Hier steigerte sich die Band noch einmal in ausgelassene Spielfreude. In bester Post-Rock Manier wurden hier Soundwände aufgebaut und stimmige Instrumental-Passagen geformt, die abwechslungsreich mit Gesangspassagen durchbrochen wurden. Während einer längeren Instrumental-Passage kamen dann auch die Masken zum Einsatz, die schon eine Weile zum Inventar gehören. Auch im Publikum waren die nun vielfach zu sehen, was eine gewisse unheimliche Note hatte, aber den Effekt noch zu verstärken wusste. Nach einem langen “Look” verbeugte sich die Band noch einmal und verließ die Bühne. Es folgte langer und ausgelassener Applaus, zu dem Felix noch einmal allein auf die Bühne kam und das Stück “River Loves The Ocean” anstimmte. Das spielte er ganz allein am Klavier und verließ direkt im Anschluss unter tosendem Applaus die Bühne. Ein gelungener Abend also, bei dem die Band auch ein wenig den Eindruck hinterließ, sich mit etwas rockigerem Sound und längeren Instrumental-Passagen wieder mehr auf ihren Sound um den Release des ersten Albums konzentrieren zu wollen.
Nach diesem letzten regulären Konzert zum zweiten Album spielen Polarkreis 18 übrigens noch drei Konzerte, zwei davon mit Orchester und Kinderchor, um sich danach wieder ins Studio zu begeben. Wir freuen uns bereits jetzt, dann vielleicht auch wieder auf ein paar Clubshows.
Fotos: Ariane WhiteTapes
Zelt Festival Ruhr – viel los in Bochum
Nach dem Erfolg des Vorjahres am Kemnader See in Bochum haben sich die Macher des zweiten Zelt Festival Ruhr auch in diesem Jahr wieder voll ins Zeug gelegt, um im malerischen Naherholungsgebiet ein Programm zu bieten, dass einer Kulturhauptstadt 2010 gerecht werden kann. Vom 21. August bis zum 6. September werden wieder drei große Festzelte am Stausee aufgebaut, um Freunden der E- und U-Musik wieder tolle Unterhaltung zu bieten.
Dabei sind in diesem Jahr unter anderem die Deutschrocker von Selig, die Königin des deutschen Chanson Annett Louisan, Folk-Star Heather Nova, die Popsternchen von Silbermond, Schlagerbarde Dieter Thomas Kuhn, der großartige Münsteraner Jazzmusiker und Moderator Götz Alsmann, Amy MacDonalds und mit Polarkreis 18 eine der WhiteTapes Lieblingsbands.
Comedy und Lesungen gibt es auch wieder jede Menge, unter anderem mit Johnann König, Sarah Kuttner, Bochumer Lokalmatador und Romanautor Frank Goossen (“Liegen lernen”), ebenfalls Bochumer Hennes Bender und Star Search Gewinner Ingo Oschmann.
Daneben gibt es noch jede Menge Unterhaltung, Märkte und ein umfangreiches Kinderprogramm. Alle Infos zum Programm, Zeiten und Karten gibt es
Get Well Soon + Herman Düne + Port O’Brien, Bochum, Zeche, 08. Dezember 2008

“Last Christmas I Gave You My Heart, But The Very Next Day…”, so dudelt es derzeit in hunderten Einkaufsmeilen, auf allen Weihnachtsmärkten und auf Weihnachtsfeiern in der gesamten Bundesrepublik. Das Berliner Label City Slang hatte glücklicherweise ein Einsehen und unter dem Titel “Christmas In Adventure Parks” eine Weihnachtsfeier der ganz besonderen Art organisiert. Die Akteure, drei der heißesten Bands des Labels, namentlich Hauptdarsteller Konstantin Gropper mit seinem Projekt Get Well Soon, das französisch-schwedische Duo Herman Düne und die Indie-Folker von Port O’Brien aus Kalifornien / Alaska.

Die zweite Kerze auf dem Adventskranz war gerade entzündet, da fand sich diese illustre Runde in der Bochumer Zeche ein. Sonst eher eine Location, die wie Bochum etwas abgerockt und industriell, eben nach Ruhrgebiet, aussieht, war die Zeche extra für diesen Anlass weihnachtlich mit großen Ballons in Form von Christbaumkugeln geschmückt. Über der Bühne hingen zudem links und rechts zwei große Rahmen, die während des Sets von Get Well Soon für ein wenig visuelle Unterstützung sorgten.

Eröffnet wurde die Weihnachtsfeier bereits sehr früh um 19:20 Uhr, mit den Alaskaliforniern von Port O’Brien. Die sind zwar nicht für ihre besinnliche Musik bekannt, aber davon sollten Get Well Soon später noch genügend im Gepäck haben. Bei ihrem Popkomm-Auftritt hatten die fünf bereits bewiesen, wie ausgelassen sie, im Fall von Bassist Ryan Stively sogar mit gebrochenem Bein, feiern können. Wir waren also gespannt, wie viel mehr Energie in ihnen steckt, wenn alle fit sind. Beinahe doppelt soviel, denn Ryan stampfte so leidenschaftlich mit, als wolle er nun nachholen, was ihm vor ein paar Wochen noch vergönnt war. Mit ihren Liedern über das Leben auf See stießen Port O’Brien auf offene Ohren und zauberten ein entzücktes Lächeln auf die Gesichter der, zu diesem Zeitpunkt leider noch nicht so zahlreich erschienen, Anwesenden. Erstaunlich war auch, wie die Band es schaffte, trotz etwas einem Jahr auf Tour rund um die Welt, so viel Spielfreude auf die Bühne zu zaubern. Schon vom ersten Takt an tänzelte Gitarrist Zebede Zaits von einem Bein aufs andere und von links nach rechts auf der Bühne, wobei er seine Bandkollegen mit seinem Instrument immer nur um gefühlte Zentimeter verfehlte.

Spätestens mit dem zweiten Stück war das gesamte Publikum von Zebede’s Tanzwut angesteckt und die ersten Reihen schunkelten fröhlich mit, richtig zu tanzen schien sich noch niemand so recht zu trauen. Vor einem Stück, das nur mit Cambria am Banjo und Van an der Gitarre beginnt, bat Van alle im Takt mit zu stampfen und bei Einsetzen des Schlagzeugs nach vorn zur Bühne zu gehen. Das Stampfen klappte natürlich perfekt un Van grinste breit, als das Publikum sich mit dem Schlagzeugeinsatz erst nur zögernd, dann aber doch mutig nach vorne bewegte. Das Highlight des Sets sollte allerdings ganz am Ende mit dem Band-Hit “I Woke Up Today” folgen. Zunächst instruierte Van wieder das Publikum, bitte mit zu singen, da der Chor etwas kompliziert sei, nach einer kurzen Probe gesellten sich dann zu Port O’Brien auch noch der größte Teil von Get Well Soon und Herman Düne, um die Bühne erstmals an diesem Abend richtig zum Beben zu bringen.

Sichtlich erschöpft machten die Fünf im Anschluss unter langem Applaus Platz für eine kurze Umbaupause und Herman Düne, die an diesem Abend nicht als Duo, sondern gleich als achtköpfige Band erschienen waren. Der größte Teil des Sets fiel dann für uns allerdings anderen Verpflichtungen zum Opfer (in den nächsten Tagen hier). Die letzten zwanzig Minuten des Auftritts vermittelten dennoch den Eindruck einer fröhlich aufspielenden Band mit kurzweiligen, hippiesken Folksongs. Besonders Sänger David-Ivar Herman Düne zeigte sich trotz seines leicht eigenwilligen Auftretens als ulkiger, aber vor allem sympathischer Zeitgenosse. Die Stücke der Band wirkten durch die Hintergrundmusiker viel voller, als noch im Vorprogramm von The Arcade Fire im vergangenen Jahr, so waren auch die meisten der Anwesenden durchaus begeistert. Herman Düne waren damit zwar bestimmt nicht das Highlight des Abends, aber eben sehr kurzweilig.

Nach einer kurzen Umbaupause wurde es dann weihnachtlich, das Licht in der Zeche wurde gedämmt und nur noch die Christbaumkugeln spendeten Licht, während Get Well Soon zu “Against The Glaciation”, dem Opener der Weihnachts-EP “Songs Against The Glaciation” nacheinander die Bühne betraten. Danach ging die Reise ins Weihnachts-Wunderland von Konstantin Gropper und seinen Mitstreitern mit “Heading Home To The Pole”, einem der rockigeren Stücke der EP, schnellen Schrittes los. Mit “You’re Using All Your Senses Just For Being Sad” folgte das nächste Stück von der Weihnachts-EP und es wurde das erste Mal richtig besinnlich.

Die Christbaumkugeln vollzogen Farbwechsel im Takt des Glockenspiels und Verena Gropper (Gesang, Geige, Glockenspiel, uvm.) dürfte mit ihrem Gesang für die ein oder andere Gänsehaut gesorgt haben, während sich die Band in eine beinahe shoegazig / postrockige Trance spielte. Mit den Stücken “You/Aurora/You/Seaside” und “Christmas In Adventure Parks” folgten dann auch Stücke vom Album. Der Get Well Soon’sche Weihnachtsschlitten nahm weiter Fahrt auf und die Band spielte die Stücke trotz Monaten auf Tour, noch druckvoller und leidenschaftlicher, als beispielsweise im April, wo sie gerade ihre erste große Deutschland-Tour starteten.
Insbesondere die passend zu den Stücken auf die Leinwände projizierten Filmschnipsel und andere -spielereien verdichteten die Atmosphäre der Stücke in enormem Maße. So rauschte bei “Listen! Those Lost At Sea Sing A Song On Christmas Day” etwa das aus dem Video bekannte U-Boot über die Leinwand und die gesamte Zeche fuhr mit. Bei “Busy Hope”, dem besten Stück des Abends, wusste die Band neben einer astreinen Live-Umsetzung zusätzlich durch dramatische Bergsteiger-Szenen im Schneesturm zu glänzen. Mit “Green Island Never Turns White” und einem weihnachtlich dekorierten Fenster wurde der besinnlichste Punkt des Abends erreicht, wer da keine Weihnachtsstimung bekam, dem ist wohl auch nicht mehr zu helfen.
Erinnerten die Christbaum-Kugeln und einige der gezeigten Filmschnipsel noch an die Flaming Lips, gab es ebenfalls Arcade Fire Momente, wenn nämlich auf den Leinwänden die Musiker in Close-Ups in Aktion schwarz-weiß, hinter einem Rauschen vage zu sehen, gezeigt wurden. So hatte sich die Band zwar den Arcade Fire Vergleich an diesem Abend selbst zuzuschreiben, was aber zu verzeihen war, da diese Projektionen den Stücken eine zusätzliche noch druckvollere Note verliehen. Nach circa einer Stunde, vielen Gänsehaut erzeugenden und auch einfach nur musikalisch wunderschönen Momenten, verließ die Band, nachdem bei “Dear Tempest-Tossed! Dear Weakened!” Schnee von der Decke auf Konstantin fiel, das erste Mal die Bühne.
Danach wurde es zunächst noch einmal familiär und intim, als Konstantin ganz allein, nur von Keyboard und Gitarre getragen, “Ticktack! Goes My Automatic Heart” vortrug, um gegen Ende an den Bühnenrand zu treten und das Publikum zum Mitsingen zu animieren. Das klappte vor dem halbvollen Saal zwar nicht wirklich gut, war aber dennoch einer der schönsten Momente des Abends. Ihren Höhepunkt erreichte die Weihnachtsfeier anschließend beim Flaming Lips (da haben wir sie wieder) Cover “Race For The Price”, bei dem alle Herman Dünes und drei fünftel von Port O’Brien die Bühne und die Zeche zum Beben brachten. Der Abend schien danach eigentlich vorbei, nach längerem Applaus erschien dann aber doch noch einmal Konstantin Gropper auf der Bühne, um von Keyboarder Daniel Roos unterstützt das Tom Waits Cover “Take It With Me” vorzutragen und jedem Besucher noch eine letzte wohlige Gänsehaut mit auf den Nachhauseweg zu geben.
Fotos: Ariane WhiteTapes
Tomte, Bochum, Zeche, 07. November 2008

Du nennst es Pathos – ich nenne es Leben: Tomte in Bochum. Sie sind wieder da – voll verstärkt und Liedern für die verschiedenen Lagen des Lebens. Tomte feuern ihr Heureka-Feuerwerk aus. Diesmal ist die Zeche in Bochum Treffpunkt, mehr als 700 Leute sind heute hier, was soviel wie ausverkauft bedeutet. … Continue Reading
Peter & The Wolf – Goldkante, Bochum, 13. April 2008
Schon schöne Sache dieses Web 2.0. Abseits dieses übertriebenen Blogosphäre und UGC-Hypes gibt’s dann nämlich auch noch Sachen, die einem ein bisschen Wärme um das Indieherzchen zaubern. So geschehen bei Red Hunter alias Peter & The Wolf. Einer einfachen Myspace Bulletin mit dem Hinweis, er würde gern Deutschland betouren, habe aber keine Ahnung, wie genau er das gebacken kriegen soll folgt der Zusammenschluss einiger deutscher Musiknerds , die Red bei allen Vorbereitungen helfen. Also Indie as Indie can be. So ähnlich auch die ungewöhnliche Location, die eher eine Bar mit großem Schaufenster ist, aber lustig, hat sowas von Nightwash. So untypisch die Art des Bookings ist, so spannend wird dann auch die Ankunft des Künstlers erwartet, die eigentlich für 18 Uhr vorgesehen war.
Um 19:15 erreicht er dann auch endlich die Goldkante unversehrt, genehmigt sich erst einmal 1, 2 oder auch
6 Bierchen und beginnt nach einigen Schwätzchen und vielen Späßchen dann auch sein Set. Erkenntnisse aus den Schwätzchen, Red ist schon viel rumgekommen, freut sich tierisch auf Berlin und hofft einiges von der Stadt sehen zu können und ist der beste Freund von Jared von Voxtrot. Mit der Freundin von Jared hätte er am Vortag sogar noch in Paris gesungen. Eine weitere Erkenntnis, St. Vincent kommt entgegen ihrer eigenen Behauptungen nicht aus Austin. Wortlaut: “What?! She really told you she’s from Austin. What the…? Wow, she lied to you. She’s from Dallas. Well, if I was from Dallas I would like being from Austin too, cause it’s a really cool city!”. Wichtigste Erkenntnis, “Whiskey is a bad girlfriend. To be true, she’s a bitch. Tequilla is my new girl, she’s much nicer.”. Das folgende Konzert offenbart dann einen talentierten jungen Songwriter mit einem erstaunlichen Stimmumfang. Allein mit seiner Klampfe steht er da vor der fast vollen Goldkante, die mucksmäuschenstill seinen Songs lauscht. Eine gebannte Stille, die niemand durch Getuschel oder ähnliches stören möchte. (Ab und zu wird mal von unserer Fotografin eine Flasche umgeschmissen, aber das war’s dann auch.) Immer wieder macht Red kleine Späßchen zwischen den Songs,
fragt das Publikum was bestimmte Dinge auf deutsch heißen, um diese dann laut zu rufen und fordert bei einigen Songs zum Backgroundsingen und Mitschnippsen auf. Nach gut 40 Minuten ist er dann auch schon durch und lässt sich nur durch die Androhung von Bierentzug noch davon überzeugen einen weiteren Song zu spielen. Nach diesem ist er dann aber endgültig fertig und bedankt sich artig bei seinen Fans. Alles zu beschreiben, was an diesem Abend an Eindrücken von Red Hunter gewonnen werden konnte würde vermutlich den Rahmen sprengen, so viel muss aber sein: Red Hunter ist ein “ulkiges Kerlchen, das man irgendwie lieb haben muss” (Zitat unser Fotografin), das ein wenig Spaß haben will und mit seinen Songs versucht die Zuhörer für eine Stunde oder mehr ein bisschen träumen zu lassen.
mehr Fotos hier
Iain WhiteTapes

Weinende Mädchen, mit Bier um sich schmeißende Kerle, Blut und schlechte Liebesbekundungen auf Deutsch. Hört sich nach einem wundervollen Abend in der Matrix zu Bochum an, in der die Eagles of Death Metal spielen. Ist es auch gewesen. Letzten Dienstag begann die Bande um Jesse Hughes ihre Deutschland Tour in der fast ausverkauften Bochumer Matrix.












