1

Air Traffic – Fractured Life

Ok, junge britische Bands mit einer großen Portion Liebe zum Brit-Pop gibt es einige. Eine ähnliche Covergestaltung wie beim Debütalbum “Fractured Life” von Air Traffic hat man auch schon bei Athletes “Tourist” zu sehen bekommen. Dennoch sollte man sich von diesen Aspekten nicht abschrecken lassen und Air Traffic ein wenig Gehör schenken. Nach dem digitalen Release mitte 2007 bringen sie nämlich “Fractured Life” in Deutschland endlich auch physisch heraus.

Air Traffic lieben Brit-Pop, das hört man, davon trieft es in jedem Song, das klingt jetzt aber negativer als es ist. Genaugenommen erfordert es eigentlich viel Mut, in der heutigen Indie Szene, wo die Helden der Bands Joy Division, The Smiths und The Velvet Underground heißen, so ein Album zu veröffentlichen, dessen Einflüsse klar U2, Travis, Blur und Oasis sind. Zur Musik, die ist eindeutig Pop, mit großer Geste und eingängigen Melodien, mal cool abgerockt beim Song “Charlotte”, mal emotional “Shooting Star”, mal mit Stadionambitionen “Come On” und immer schön. Das erinnert mal an Snow Patrol ohne Kommerz, mal an Coldplay ohne übertriebenen Pathos und mal an Athlete ohne elektronische Spielereien. Air Traffic schaffen es trotzdem immer, einen eigenen Sound zu kreieren, ohne dass es nur nach einem Abklatsch der erwähnten klingt. Ein schönes Popalbum, um sich auf den Sommer einzustimmen und vielleicht der nächste verdiente Hype, wenn das neue Coldplay Album floppt, oder einfach nur eine Band gesucht wird, um die Lücke bis zum Release des nächsten Snow Patrol Albums füllen soll. Welche Gründe auch bestehen, diese Band zu entdecken, die Jungs von Air Traffic haben’s verdient.

Video zu “No More Running Away”

httpv://www.youtube.com/watch?v=vWu80KFbq1A

7

Coldplay – Viva la Vida (or Death and all of his Friends)

Oha, Chris Martin & Co. sind zurück. Mit neuem Album und alten Stärken? Die Wahl des Produzenten verspricht schon einmal Großes. Brian Eno saß an den Reglern und der ist spätestens seit U2′s zeitlosem und besten Album “The Joshua Tree” eine feste Größe auch als Produzent. Nach einem halb guten, halb enttäuschenden dritten Album “X&Y” waren die Erwartungen an Coldplay natürlich mal wieder groß. Da war eben dieser Hit über diese Farbe auf dem ersten Album, seitdem haben Chris Martin und Konsorten das “Problem” weltbekannt zu sein und Millionen Fans zu haben.

Groß also auch die Aufgabe, der sich Eno hier angenommen hat. Ihm zu verdanken sei es angeblich auch, dass Coldplay sich während der Aufnahmen noch einmal zusammengerottet haben, statt für immer getrennte Wege zu gehen. So so, also musikalisch und menschlich ein Genie, wie wird dann erst das Album?! Der Titel des neuesten Machwerks ließ dann erst einmal erschaudern. “Viva la Vida”, oh wie lebensbejahend. Etwas erträglicher, wenn nun auch künstlich philosophish final nun mit dem Zusatz “or Death and all of his Friends”. Der Titel laut Chris Martin eine Schachtel Pralinen für die Fans, jeder soll sich wählen, was er mag. Wer ein trauriges Album möchte nennt es “Death and all of his Friends”, die Optimisten nennen es “Viva la Vida”. Ähnlich auch die Verteilung der Song. Die Meisten sind nämlich zwei Songs, die erste Hälfte Powerpop, die zweite Balladen, zum Beispiel “Lovers in JapanReign of Love” und egal bei welcher Hälfte natürlich immer mit großen Gesten. Das Problem mit diesem Album? “Parachutes”, DAS Coldplay Album wurde vor nunmehr zehn Jahren veröffentlicht und war als Album nahezu perfekt. Das können Coldplay nicht mehr toppen, eben so wenig, wie zum Beispiel U2 es niemals schaffen können “The Joshua Tree” zu toppen und die gibt es 20 Jahre später immer noch, immer noch auch mit guten Alben, aber im Vergleich zu “The Joshua Tree” verblassen diese recht schnell. Das ist aber nicht schlimm. Auf dem neuen Machwerk sind mit “Cemetries of London”, “Viva la Vida”, “Violet Hill” und “Death and all of his Friends” große Coldplay Hits, nach denen sich viele aktuelle Bands die Finger lecken würden. Das typische Coldplay-Problem ist hierbei, dass diese Songs so Überlebensgroß sind, dass andere Songs auf dem Album dagegen erblassen und auch recht schnell geskippt werden. Bei Feeder wäre beispielsweise ein Song wie “Yes” vermutlich ein Riesenhit, bei Coldplay fällt er wegen Weltmusikelementen und teils untypischem Coldplay-Soundkleid bei Kritikern schnell durch. Das Soundkleid, das Coldplay hier verpasst kriegen gefällt insgesamt, teilweise aber verklärt Brian Eno dann die Songs doch zu sehr mit klebrigen Schichten von poppigem Soundbrei, wie bei “Strawberry Swing”. “Viva la Vida…” ist das, was Coldplay seit “A Rush of Blood to the Head” immer wieder abliefern. Ein Album mit vielen Coldplay-Stadion/Radio-Hits, zu 60% gut, zu 20% ok und zu 20% na ja. Also für die Zukunft vielleicht EPs und diese Zukunft haben Coldplay garantiert, irgendwer muss ja die Lücke füllen, die U2 in 20 Jahren hinterlassen werden.

Video zu “Violet Hill”

httpv://www.youtube.com/watch?v=IakDItZ7f7Q

Myspace der Band