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Gregor McEwan, Bam Boomerang, Dortmund, Teilchen & Beschleuniger, Münster, 16. & 18. November 2010

Zwei Abende zu Gast bei Gregor McEwan. So fühlte es sich zumindest für mich an. Gemütlichkeit gepaart mit Witz und Charme. Eine kleine Konversation mit Gitarre am Dienstag im „Partykeller vom Nachbarn“ – dem Bam Boomerang in Dortmund – und zwei Tage später im „heimischen Wohnzimmer“ – im Teilchen und Beschleuniger in Münster.

In Dortmund begrüßte uns Hagen Siems alias Gregor McEwan zu Beginn ganz allein mit seiner Gitarre auf der kleinen Bühne des Bam Boomerang. Ganz gespannt wartete ich nun bereits seit Wochen auf die offizielle Live-Performance der Songs von seinem Debütalbum „Houses and Homes“, das er letzte Woche veröffentlichte und das meiner Meinung nach diesen Herbst in keinem gut sortierten Plattenregal fehlen sollte.

Offiziell, weil Gregor oder Hagen ja schon bereits seit geraumer Zeit mit einigen dieser Titel unterwegs ist. Und so wurde in mir doch die eine oder andere Erinnerung an vergangene Auftritte wieder zum Leben erweckt.

Um kurz nach Acht stand er dann vor uns… mit Gitarre, gefülltem Rotweinglas und einem sympathischen Loch in seinem T-Shirt. Eben fast so, als hätten wir ihn daheim überrascht und er uns aber freundlicherweise trotzdem Einlass gewährt. Insgesamt machte Gregor McEwan auf mich einen sehr viel sichereren, selbstbewussteren Eindruck auf der Bühne als 2009. Vielleicht lag es auch daran, dass der Großteil der Gäste wegen ihm da war und nicht wegen einer anderen Band, wie es sonst bei meinen Gregor McEwan Konzerten der Fall war. Aber selbstverständlich macht es einen Musiker ja auch stolz sein Album der Öffentlichkeit zu präsentieren.

Die ersten beiden Songs, die Herr Siems dem Dortmunder Publikum an diesem Abend präsentierte, sind auf „Houses and Homes“ gar nicht vertreten, aber auf keinen Fall von minderer Qualität. Die Auswahl, welche Titel aufs Album kommen und welche nicht, dürfte ihm wohl nicht ganz einfach gefallen sein. Vielleicht war der zweite vorgetragene Song „I wish I was your knickers“ der Plattenfirma auch ein wenig zu schlüpfrig.

An dritter Stelle des Sets stand Jonas Künne samt seiner Mandoline Gregor McEwan bei „The Banks“ unterstützend zur Seite. Wer regelmäßig Radio hört sollte über diesen Song bereits gestolpert sein. Definitiv einer meiner Favoriten auf der CD und auch live an diesem Abend… was vielleicht auch daher kommen könnte, dass mich Songs mit Mandolinen-Soli à la „Bottom of the glass“ von Black Rust irgendwie magisch anziehen. Ich kann mir da einfach nicht helfen, aber ich will es auch nicht. Nach „The Banks“ füllte sich die kleine Bühne nach und nach mit immer mehr Musikern. Erst Cyprian Piskurek an den Keys, dann später Patrick Scheipers an der Cayon.

Im Bam Boomerang – beim Takt der Stadt – ist es üblich, dass es nicht wie sonst ein Konzert gibt und am Ende zwei oder drei Zugaben gespielt werden, sondern dass es passend zum Fußball zwei Halbzeiten gibt mit einer etwas länger dauernden Pause dazwischen. Den ersten Teil der Halbzeit schloss Gregor mit „Drinking Burgundy“. Um nach Aussage Gregors noch ein engeres Gemeinschaftsgefühl zu erzeugen und wahrscheinlich auch um einige leider ziemlich unhöflichen Menschen ruhigzustellen, die meinten, dass es doch schöner wäre sich die ganze Zeit lautstark unterhalten zu müssen, präsentierte er uns eine silberne Kiste und animierte uns dazu nochmal ein wenig an unsere musikalische Früherziehung anzuknüpfen. Triangel war leider aus, also musste ich mich einer rasselnden Orange annehmen, die auch ein paar Shows vorher in eine kleine lustige Geschichte verwickelt war, die uns Gregor natürlich nicht vorenthielt.

Nach der Halbzeit begleitete dann auch Markus Surmann an der E-Gitarre Gregor bei den darauffolgenden Songs. Von „Canola Fields“ über „A Part Of You“ führte uns McEwan zu „10 Seconds“ der mich gerade durch das leichte Mitspiel der E-Gitarre total mitriss. Favorit Nummer zwei an diesem Abend. Über Brunswick und München ging es weiter zum „Pigeon Breeders Club“, meinem dritten Highlight im Bam Boomerang. Das mit der Gerüchteküche und der Kleinstadt oder auch dem Dorf kenne ich doch irgendwie aus eigener Erfahrung und von daher liebe ich diesen Song seit ich ihn das erste Mal bei Balcony TV im Januar 2009 gehört habe.

Zum krönenden Abschluss erzählte uns Gregor noch eine Geschichte namens „Change is always happening when I’m almost gone“.

Eine Nachspielzeit gab‘s trotz lauter Forderungen des Publikums leider nicht mehr, aber das entscheidet beim Fußball ja auch nicht der Pöbel, sondern der Schiedsrichter.

Zu Recht freute ich mich schon auf Donnerstag, wo uns Gregor McEwan (diesmal allerdings solo, wenn man von der Cajon mal absieht) zwischen Sofas und Häkeldeckchen im Teilchen und Beschleuniger begrüßte. Das kleine Eventcafé platzte bereits fast eine Stunde vor dem offiziell angekündigten Beginn beinahe aus allen Nähten.

Als Support war mit Daniel Just Krekelberg und Martin Kuntze die Hälfte von Just us and Jonas geladen, die die Gäste ausnahmsweise und für viele sicherlich neu akustisch in die passende Stimmung versetzte. Die sonst ja eher lauten und ungestüm nach vorn preschenden Gitarren und Vocals wurden von den Beiden komplett neu interpretiert und was mir dort in die Ohren drang, klang wirklich erstaunlich gut. Seit dem letzten akustischen Auftritt von Just us and Jonas im März war für mich doch eine fühlbare Steigerung zu spüren. Die Neuinterpretation von Titeln wie Love or leave tonight oder etwa Lime Street passte einfach perfekt zur gemütlichen Wohnzimmer-Atmosphäre des Teilchen und Beschleuniger.

Während des Auftritts herrschte leider noch ausgelassene Plauderstimmung bei den Gästen, die allerdings kurz darauf mucksmäuschenstill wurden, als Gregor McEwan dann die nicht vorhandene Bühne bestieg. Bereits nach den ersten Klängen seiner Gitarre und seiner Stimme hatte er das Münsteraner Publikum tief in seinen Bann gezogen.

Er erzeugte direkt von Anfang an eine unglaublich dichte und intensive Stimmung, welche durch das warme, gelbe Licht und die vielen Menschen im Teilchen und Beschleuniger noch zusätzlich verstärkt wurde. Nach dem zweiten oder dritten Song entschieden sich viele der vorher noch stehenden Gäste dazu sich auf dem Boden niederzulassen.

War ich Dienstag ja schon total begeistert, steigerte sich dieses Gefühl am Donnerstag wohl noch um das mindestens zehnfache. Gregor schaffte es auch ganz ohne Unterstützung der anderen Musiker alle Gäste zu überzeugen. Wie zu erwarten, fehlte mir ein ganz klein wenig die Mandoline bei „The Banks“… allerdings gar nicht so sehr, wie ich es eigentlich erwartet hätte.

Irgendwie scheint es leider wohl auch gerade zur Gewohnheit zu werden, dass bei fast allen Konzerten, die ich besuche, der Strom ausfällt. Bei einem Akustikgig in einer so kleinen Location ist das natürlich nicht so tragisch. Ganz im Gegenteil. Im Dunkeln bei Kerzenschein und dem Leuchten des 24-Stunden-Rewes auf der anderen Straßenseite spielte Gregor einfach weiter und bat sogar darum, dass der Strom dann aber bitte auch die nächsten 3:20 Minuten weg bleiben sollte. So ganz haute das zwar nicht hin, aber es ging dann ja auch mit der elektrischen Unterstützung in Form von etwas Licht und dem wieder funktionierenden Amp und Mikro gut weiter.

Auch Münster kam in den Genuss der fortgeführten musikalischen Früherziehung, was diesmal (genau wie das imitierte Meeresrauschen, das ich für Dortmund noch gar nicht erwähnt habe) wesentlich besser klappte. An der Orange hatte ich ja bereits ein wenig Erfahrung sammeln können, weshalb ich das kleine Ding wieder einforderte. Aber auch meine Mitstreiter an den anderen Percussions schlugen sich ohne Übung wirklich sehr gut, was dazu führte, dass wir sie diesmal auch länger als einen Song behalten durften.

In Münster wurde Gregor auch nicht vom Veranstalter davon abgehalten Zugaben zu spielen und so kamen wir nach dem Set noch in den Genuss von ein paar weiteren Songs, die ich gar nicht mehr namentlich benennen kann, da ich den ganzen Abend wie in einem Trancezustand verbrachte.

Es war toll. Was soll ich noch mehr dazu sagen?

Außer vielleicht, dass ich einfach am liebsten bei der restlichen Tour mitreisen würde, um jeden Abend so begeistert ins Bett fallen zu können. Welche CD momentan bei mir in Dauerschleife läuft, dürfte nun wohl jedem klar sein.

Fotos: Chiara WhiteTapes
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Aerobatics, Happy Happy Ding Dong, Dortmund, 28. Oktober 2010

Foto: Chiara WhiteTapes

Als ich las, wo am Donnerstagabend letzter Woche die Aerobatics spielen würden, musste ich schon ein wenig schmunzeln. Was ist das auch für ein merkwürdiger Name? Happy Happy Ding Dong? Ich habe hier in Dortmund ja schon die eine oder andere Kneipe von innen gesehen und war deshalb äußerst gespannt, was mich erwarten würde. Als ich die Lokalität betrat, war ich wirklich positiv überrascht. Okay, ich liebe rot und die Wände im Happy Happy Ding Dong sind es und hinter der Bar stapelt sich bis unter die Decke das Hochprozentige. Wer würde sich dort nicht wohlfühlen?

Einlass war um 20 Uhr. Die Aerobatics kamen um kurz nach 21 Uhr auf die Bühne. Das Happy Happy Ding Dong war für einen Donnerstag doch recht voll, soweit ich das beurteilen kann. Nur irgendwie traute sich mal wieder niemand der Bühne zu nah zu kommen, wie das bei kleinen Konzerten meistens der Fall ist.

Neben den bereits bekannten Songs von ihrer Fidelity EP gab es natürlich auch einige neue Titel. Unter anderem ein Song namens „Promises and Presents“, der mir schon bei meinem letzten Konzert der Aerobatics im FZW sehr positiv aufgefallen war. Ich bin also gespannt auf eine neue EP oder ein Album – warten wir einfach mal ab, was uns die Fünf in Kürze präsentieren werden.

Als sich die Aerobatics dann nach ihrem Set von der Bühne verabschiedeten, schienen die Zuschauer es wohl für selbstverständlich zu halten, dass sie nochmal für eine Zugabe zurückkehren und deshalb stand der Großteil einfach nur rum, guckte auf die Bühne, sagte aber nichts. Na, so wird eine Band wohl nicht wieder kommen wollen. Vielleicht lag es daran, dass Donnerstag war. Da sind die Menschen vielleicht noch nicht ganz so ausgelassen. Aber da gab es ja noch Steve, der der Dortmunder Truppe wohlgesonnen war und einfach auf die Bühne sprang und die Leute dazu bewegte doch endlich mal „Zugabe“ zu rufen.

Foto: Chiara WhiteTapes

Was da beim Publikum los war, weiß ich auch nicht. Da wäre sicherlich mehr drin gewesen. Fair finde ich so ein Verhalten nicht, selbst wenn es nur mittelmäßig gewesen wäre, was es allerdings nicht war.

Dank Steve, traute sich die Band dann doch nochmal auf die Bühne und spielte noch ein paar Zugaben. Und wie gut, dass sie das taten.

Sänger und Gitarrist Jonas Künne dürfte ja dem ein oder anderen auch von Black Rust bekannt sein. Durch die Zugabe der Aerobatics bekam das Publikum im Happy Happy Ding Dong nämlich ganz unerwartet einen kleinen Einblick in das dritte Album von Black Rust, das im März 2011 erscheinen wird. Wie es dazu kam, darf ich allerdings nicht verraten.

Warten wir einfach bis das neue Black Rust Album da ist und dann wird Jonas das Geheimnis um den Song vielleicht enthüllen.

Insgesamt war es ein wirklich toller Abend. Meine Highlights waren definitiv „Closer“, „Promises and Presents“ und der Titel, der eigentlich Black Rust gehört. Der Sound war für einen so kleinen Laden wirklich gut. Da habe ich schon weitaus schlimmeres erlebt. Zusätzlich habe ich mit dem Happy Happy Ding Dong eine erstklassige Dortmunder Szene-Kneipe entdeckt, in der ich nun wohl häufiger anzutreffen sein werde.

Fotos: Chiara WhiteTapes

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Olli Schulz, FZW, Dortmund, 05. März 2010

Ein Gitarrist, verlassen auf einer Bühne, die sonst reichlich Platz bietet. Ganz alleine steht er dort bewaffnet mit Gitarre und einem Gitarrenkoffer voller Überraschungen. Olli Schulz im FZW.

Fluchs dem Studio entronnen, in dem Olli gerade zusammen mit dem Hund Marie (Max Schröder) Platte Nummer 5 aufnimmt, hat er sich für einen Gig im Rahmen des Visions Sabotage Party im formschönen FZW breitschlagen lassen. Im Vorfeld haben schon in zwei weiteren Hallen Guitarshop Asshole und The Hickey Underworld die Gäste in ihren Bann gezogen, nun steht Olli Schulz im großen Saal des, erst im September eröffneten, neuen Komplex. Und so wirklich wohl fühlt er sich nicht. Die Halle ist groß, nicht schlecht besucht, aber es verläuft sich. Aber Olli ist ein Mann fürs Volk. Und um sich einen Namen zu machen, hat er ordentlich Geschenke dabei, die sein bodenlos scheinender Gitarrenkoffer hergibt. Müsli- und Schockoriegel, aktuelle Visionshefte und CDs finden den Weg ins Publikum. Das Eis ist gebrochen, das Publikum ist nur per DU mit Olli und alle, die ihn noch nicht kannten, haben ihn spätestens jetzt schon als nett empfunden. Aber Olli kann mehr als nur verteilen, er kann auch Songs spielen.

Leicht betüdelt, die Haare sind etwas länger aber trotzdem mit vollem Herz und ganzem Stolz präsentiert Olli seine Hits. Ob alt oder nicht aufgenommen, sie zaubern ein Lächeln auf die Gesichter. Startend mit dem Countryangehauchten „Die Ankunft der Marsianer“ folgend von „Dann schlägt dein Herz“, „Weil die Zeit sich so beeilt“, „Was macht man bloß mit diesem Jung.“ Er spielt die Songs, die Olli Schulz ausmachen und verzichtet im akustischen Gewand auf den BiboSong der ihm seit 2008 eine gewisse Popularität eingebracht hat. Aber wer Olli vorher kannte, weiß, dass da mehr drin steckt als dieses zu intelligente Lied für den Ballermann.

Auch wenn das Eis nun gebrochen ist, so wirklich wohl fühlt er sich nicht, alleine, auf der riesigen Bühne. Die Zuschauer sollen sich allesamt auf die Bühne begeben und im Kreis sitzend um Olli Schulz lauschen. Lagerfeuer- Feeling, ganz ohne Lagerfeuer. Das Publikum stürmt von unten auf die Bühne und rund 100 Leute versammelen sich um Olli Schulz. Das Intime ist da und jetzt taut Olli komplett auf. Er verteilt sein Backstagebier, holt sich aus dem Publikum diverse Sänger auf die Bühne, covert sich durch die deutsche Popkultur, erfindet eine eigenwillige Version der Eagle Eye Cherry Songs „Safe tonight“ und singt über die Zwänge 12- Jähriger, in dieser Welt bestehen zu können ohne sich ein Leben rund ums 2.0 aufgebaut zu haben. Entertaiment pur. „Saunaaufguss in Lankwitz“ und der Song „Elefanten“ schließen rund 1 ½ Stunden Olli Schulz und beweisen, dass Olli doch kein Mann fürs Volk, sondern vom Volk ist.

Foto: Myspace Olli Schulz

Ähnliches: Olli Schulz live in Münster

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Young Rebel Set, FZW, Dortmund, 05. Februar 2010

So langsam wurde es langweilig. Es wirkte so als wäre die Hochburg des Indiekosmos allmählich eingeschlafen. Großbritannien, die früher im Viertelstundentakt großartige Bands aufs Festland geschickt haben, hatten Lieferengpässe. Seit den Rifles hat sich da nicht mehr viel getan und es wurde ruhig (dies beruht natürlich rein auf der persönlichen Ansicht des Verfassers). Doch dann kam still und auf leisen Sohlen diese 7 köpfige Formation und spielte sich im Hand umdrehen in die Herzen vieler. Alleine das Vorbotenvideo “If I was” lieferte das lang vermisste AHA Erlebnis. Angesiedelt irgendwo zwischen Bruce Springsteen und The Clash mit einer gehörigen Prise Folk wurde uns “Young Rebel Set” auf den Präsentierteller gelegt. Und beim ersten Halt in Dortmund ist es klar geworden, die Insel lebt. Mehr denn je.

Auf persönliche Empfehlung ins eigene Boot geholt hat sich das ehrwürdige Grand Hotel van Cleef diese Band und schickt sie prompt auf Deutschland Tour. Ein Halt im Rahmen der Visions Sabotage Party war das FZW in Dortmund. Noch ohne eigenes Album im Gepäck und nur einer leider ausverkauften EP sorgten sie doch schon für eine gut gefüllte Halle. Vorschusslorbeeren zahlen sich halt aus. Doch diese mussten sie erstmal rechtfertigen und unter Beweis stellen, also rauf auf die Bühne.

Kein großes Palaver, kein großes Schnick-Schnack drum herum. Die Bühne güt gefüllt mit 7 Leuten, so sorgten sie dafür, dass auch der letzte im Saal ums lässige Mitwippen nicht drumrum kam. In den folgenden knapp 50 Minuten wurden die kleinsten Zweifel besiegt, es handelt sich um eine zu unrecht gehypte Band. Es wirkte einfach ehrlich, wenn man der Band auf der Bühne zusah. Mit dem Herz am rechten Fleck sorgen sie für unnachahmliche Gänsehaut-Momente. Der Sänger mit seiner doch recht rauen Stimme, ein tanzwütiger Bassist, reichlich Gitarren, einer Mandoline und der Mundharmonika schreiben sie sich den Blues von der Seele. Es funktioniert einfach. Ob etwas gedämmter und ruhiger oder schwungvoll und tanzwütig – die Mischung macht es und stimmt. Auch der zwischenzeitliche Sologang vom Sänger, die Band hat soeben die Bühne verlassen, wirkte wundervoll harmonisch. Als das eigentliche Set mit “If I Was” beendet worden ist wollte man sie nicht gehen lassen und so gaben sie sich noch zwei weitere Runden die Ehre und spielten Songs des angekündigten Debütalbum. Dass inzwischen Smoke Blow, eigentlicher Headliner des Abends, einen Saal weiter die Bühne betreten haben, kümmerte hier niemand. Auch ein wenig wehmütig war man, dass das doch recht kurze Set beendet war.

In voller Hoffnung blicke ich aber jetzt auf das hoffentlich bald erscheinende Debüt und freue mich, dass die Band noch in ihren Anfängen steckt und uns noch schnell und häufig über den Weg läuft. Zum Abschluss bleibt nur noch eins zu sagen: Danke Grand Hotel!


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Get Well Soon + Mumford & Sons, Domicil, Dortmund, 01. November 2009

20 Jahre ist es nun schon her, U2 spielten in Berlin gerade ihr neues Album “Achtung Baby” ein, die erste Love-Parade findet statt, The Stone Roses veröffentlichen ihr selbstbetiteltes Album, The Cure “Disintegration”, die Pixies “Doolittle” und Nirvana ihr Debüt “Bleach”. Irgendwo fiel auch eine Mauer, das soll uns aber nun weniger interessieren. Vielmehr interessiert, dass 1989 augenscheinlich ein gutes Jahr für die Musik war. Heute wie damals gab es eine Menge musikbegeisterter Leute voller Idealismus. Darunter auch Menschen, die mit den vorhandenen Medien nichts, oder nur wenig anfangen konnten und sich ihren eigenen Weg suchten ihrer Leidenschaft für Musik auszudrücken. Dazu gründeten eine Hand voll Leute in Dortmund ein Magazin namens Visions, das im Laufe der nächsten 20 Jahre zu einem der wichtigsten deutschen Medien für alternative Musik werden sollte. Da muss natürlich nach 20 Jahren und 200 Ausgaben Visions ordentlich gefeiert werden. Dazu lud die Visions nach Dortmund zu einem wahren Konzertmarathon mit unter anderem Kettcar, den Editors, Selig, Dredg, Alice in Chains und eben Get Well Soon und Mumford & Sons. Die sollten parallel zu Dredg, die ein Stück die Straße runter ein Unplugged im Konzerthaus gaben, auch den vorläufigen Abschluss der Feierlichkeiten bestreiten, bevor am 23. November noch einmal Alice in Chains durch das FZW toben.

Am Konzertprogramm zu den Visions-Feierlichkeiten reizte uns natürlich gerade diese Kombination aus einem der Newcomer 2008 und einem der Newcomer 2009. Mumford & Sons haben gerade ihr Debüt “Sigh No More” veröffentlicht, Get Well Soon stehen bereits mit Album Nummer 2, “Vexations” in den Startlöchern. Beide Bands stecken also voller Energie. Gerade der Name Mumford & Sons schien an diesem Sonntag eine Menge Neugieriger zu locken, eigentlich kein Wunder, schließlich gehört ihr Album dank eingängiger Banjo-Rock-Nummern zu einem der meist gefeierten Debüt-Alben dieses Herbsts. Als sie dann auch um 20:45 Uhr mit knapp 15 Minuten Verspätung auf die Bühne kamen, gab es  direkt gehörigen Applaus, obwohl sie noch keine Note gespielt hatten. Als sie dann ihr Set begannen beobachteten alle Anwesenden im zu 3/4 gefüllten Dortmunder Domicil, ganz gespannt das Geschehen auf der Bühne. Das Quartett stellte sich in einer Linie vorne an der Bühne auf und legte mit dem stampfenden Rhythmus der Bass-Drum los, die Marcus Mumford mit seinem Fuß spielte. Im Zusammenspiel mit Marcus Mumford’s eindringlichem Gesang, dem schnellen Banjo und dem dumpf gezupftem Kontrabass präsentierten Mumford & Sons so in knapp 40 Minuten ihre ganz eigene Mischung aus Rock’n'Roll und Folk.

Banjo-Rock eben. Das ließ sich ganz hübsch ansehen und war absolut tanzbar, gerade bei “Little Lion Man” und “White Blank Page” war erkennbar, warum diese Band so gefeiert ist. Der letzte Funke wollte allerdings nie so wirklich überspringen. Das lag vielleicht auch an der Monotonie des bei jedem Song identischem Einsatzes der Bass-Drum. Dennoch machten die treibenden Songs natürlich für den Moment Spaß und so durften Mumford & Sons noch einmal für eine Zugabe auf die Bühne zurück kehren. Mit ihren Ansagen sorgte die Band auch zusätzlich für etwas Laune, wenn etwa Banjospieler Country Winston seine Deutsch-Kenntnisse erprobte, entbehrte das nicht einer gewissen Komik. Auch wenn dieser Trick natürlich bei den meisten Künstlern inzwischen dazu gehört. So überzeugte das Quartett nun zwar nicht auf ganzer Linie, lieferte aber dennoch meist kurzweiligen Folk mit leider etwas übertriebener dramatischer Geste.

Nach einer kurzen Umbaupause erklommen dann Get Well Soon die Bühne. Knapp ein Jahr, nachdem wir die Band das letzte Mal gesehen haben (hier zum Bericht aus Bochum) waren wir gespannt auf diesen Auftritt. Besonders natürlich auf das neue Material. Vier neue Stücke sollten Get Well Soon in den folgenden knapp 90 Minuten spielen. Eröffnet wurde allerdings mit dem herrlich post-rockigen “Dear Tempest-Tossed, Dear Weakened” von der letztjährigen EP “Songs Against The Glaciation”. Das war zwar ein deutlicher Gegensatz zu den locker-flockigen Folk-Stampfern von Mumford & Sons, aber erzeugte dafür auch eine herrlich dichte Stimmung, die sich über die nächsten 90 Minuten halten sollte. Es folgten eine ganze Reihe älterer Stücke vom Debüt “Rest Now Weary Head, You Will Get Well Soon” (wobei uns natürlich durchaus klar ist, dass viele Songs von “Songs Against The Glaciation” etwa genau so alt sind) und ein Abend voller großartiger Songs. Besonders in den rockigeren Momenten machte die Band richtig Laune.

Durch eine längere Spielpause seit den Festivals im Sommer schlich sich zwar auch der ein oder andere Texthänger bei Konstantin Gropper ein, das sollte aber nicht weiter stören, musikalisch war alles fast perfekt vorgetragen. Wie etwa das großartige und mitreißend vorgetragene “Lost In The Mountains (Of The Heart)”, das eine wohlige Gänsehaut erzeugen sollte. Mit charmanten Ansagen zog Gropper dann zusätzlich das Publikum auf seine Seite. Als etwa seine Schwester Verena Gropper, die für die Geige zuständig ist, für einen Song einen zerbrochenen Schellenkranz griff, erklärte er “Wir haben Selig auf einem Festival unseren Schellenkranz geliehen, das haben wir zurück bekommen”. Traurig war dagegen die Ansage, dass man im nächsten Jahr auf seinen Cousin Sebastian an Trompete und Gitarre verzichten müsse, da er sich stärker seinem Studium widmen müsse. Neben dem bewährten Material aus der Get Well Soon Vergangenheit gab es auch den bereits angedeuteten Blick in die Zukunft, auf “Vexations”.

Die vier neuen Songs “Aureate!”, “A Voice In The Louvre”, “Angry Young Man” und “That Love” sollten sich perfekt ins Set einfinden. Alle waren typische Get Well Soon Nummern, die sich dennoch nicht als bloße Fortführung des Debüts zeigten, sondern auch darauf hindeuteten, dass Get Well Soon mit abwechslungsreichen Melodieführeungen und -wendungen auch eine Weiterentwicklung gelungen ist. Am deutlichsten stach “Angry Young Man” heraus, das Gropper mit den Worten “wir spielen jetzt unsere neue Single. Darf ich das schon sagen? Klingt jedenfalls komisch. Also das zu sagen, nicht das Lied” ankündigte. Der Song gab sich ziemlich rockig und wieder absolut mitreißend, am ehesten zu vergleichen mit “Listen! Those Lost At Sea Sing A Song On Christmas Day”. In knapp 90 Minuten und nach 3 Zugaben zeigten Get Well Soon zum Geburtstag der Visions, dass man sich keine Sorgen um die Qualität von Album Nummer 2 machen muss, ob es bei Mumford & Sons zu einem solchen reicht werden wir dann noch sehen, denn bei aller Eingängigkeit verbrauchen sich die Songs auch recht schnell.

Fotos: Ariane WhiteTapes,
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mehr von Get Well Soon hier
Bei Haldern Pop TV gibt es übrigens einen Mitschnitt vom Mumford & Sons Auftritt im Spiegelzelt des diesjährigen Haldern Pop

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Polarkreis 18 – Konzerthaus Dortmund, Dortmund, 29. März 2008

Vor kurzem noch waren Polarkreis 18 im Vorprogramm der Smashing Pumpkins in Deutschland unterwegs und jetzt stehen sie zu einem ganz besonderen Projekt auf der Bühne des Dortmunder Konzerthauses. Verglichen mit diesem Unplugged waren die Konzerte mit den Kürbissen wahrscheinlich Routine, wenn man die Anspannung der Band zu Beginn richtig interpretiert. Wer die Musik von Polarkreis 18 kennt, weiß dass sie sehr elektronisch geprägt ist, mit vielen Synthies, druckvollem Schlagzeug und E-Gitarren, irgendwo zwischen Radiohead, Muse und The Cooper Temple Clause. Umso spannender also das Ganze Unplugged zu erleben. Passenderweise beschallt der Tonmann die Besucher vor dem Konzert mit “In Rainbows” von Radiohead, das erzeugt schon eine schöne Atmosphäre.

Punkt 21 Uhr betritt dann auch Felix Räuber allein die große Bühne, setzt sich an den Flügel und spielt erst einmal die ersten beiden Stücke allein. Der Saal scheint erst einmal hypnotisiert und niemand traut sich die gespannte Atmosphäre nach dem Ende von Felix’ Solo durch Applaus zu stören. So lässt der erste Applaus dann auch auf sich warten, bis das Licht über ihm ausgeht und klar ist, ok, wir dürfen jetzt klatschen. Leider ein etwas aufgesetzter überzogen langer Konzerthausbesucherapplaus, aber so ist das eben in diesen Locations, sind doch neben vielen Fans auch viele typische Konzerthausbesucher zu Gast, die ein wenig Popkultur erleben wollen. Nach dem Solo am Flügel kommt dann auch der Rest der Band und beweist, dass auch die stark elektronisch geprägten Stücke vom Polarkreis auch wunderbar Unplugged funktionieren. Am auffäligsten an diesem Abend, dass Stücke, die auf dem Album eher vor sich hinplätschern zu den ganz große High Lights werden. Zwischen den Stücken erklärt Felix immer mal wieder wie schwer es teilweise war für das Unplugged Stücke umzuschreiben und Kompromisse beim Instrumenteneinsatz zu machen. Großes Gelächter dann, als er erklärt, dass auf eine E-Gitarre bei ein paar Stücken einfach nicht verzichtet werden konnte, weshalb sie jetzt eine batteriebetriebene E-Gitarre dabei haben, die auch eher durch einen schrammeligen, als durch einen treibenden Sound überzeugt. High Light des Abends ist dann neben einem Klatsch- / Tanzduell von Sänger und Gitarrist und einer singenden Bohrmaschine (betrieben durch eine Autobatterie) sicherlich das stärkste Stück des Albums “Crystal Lake”, das einfach perfekt Unplugged umgesetzt wurde und durch die Übertragung nichts von seinem Druck hat einbüßen müssen.

Das Zugabenset beinhaltet dann noch den Übersong “Dreamdancer”, der merklicher weise unter der Übertragung ins Unplugged gelitten hat, das überspielen die Jungs aber geschickt und geben eine Buena Vista Social Club Version zum Besten. Zurück bleibt das Gefühl eine der besten deutschen Bands in ganz besonderer Atmosphäre und schwieriger Location gesehen zu haben, denn wenn eine Band es schafft Songs, die so stark von Elektrosounds geprägt sind wie diese in einer Location wie dem Konzerthaus, das keinen schiefen Ton verzeiht, so überzeugend vorzutragen, dann kann es sich nur um eine ganz große Band handeln. Einzigartig hierbei natürlich auch die Stimme von Felix Räuber, irgendwo zwischen Chorknabe, Falsettstimme und Modern Talking. Ganz Konzerthaus holen sich die Jungs dann auch nach dem Konzert ihre Standing Ovations ab und verbeugen sich brav. Natürlich auch noch einmal angemessener Applaus als die Sechs beim Verlassen des Backstagebereichs gesichtet werden.