Etwas mehr als ein Jahr nach seinem selbstbetitelten Debüt und …
Kid Cosmic – Are You Satisfied?
Kid Cosmic, das ist keine Comicserie mit einem jugendlichen Weltraumhelden, sondern eine Indierockband aus Englands Norden. Zwei Drittel studieren ein Leeds, das verbleibende Drittel in Sheffield. Ursprünglich kommen die Drei aus St. Albarns in der Nähe von London, was auch den fehlenden Northern Accent der Drei erklären dürfte. In ihrer Heimat haben sich sich Jim, Mike und Dan schon eine ordentliche Fanbase erspielt und ihren größten Auftritt beim XFM Festival 2005 gehabt. Ein Fan beschriebt ihre Musik bei iTunes folgendermaßen: “If you have ever heard a band like Kid Cosmic, then you aren’t from Earth”. Soviel zur Theorie.
Wie Luke Leighfield, mit dem Drummer Dan und Bassist Mike derzeit durch Deutschland und den Rest Europas touren, uns in einem Interview erzählte, klingen sie wie eine “Mischung aus “Reel Big Fish” und “Slipknot”". Hier liegt die Kunst natürlich in der Übertreibung, denn Fans von “Slipknot” wird die Musik von Kid Cosmic viel zu soft sein und Fans von “Reel Big Fish” werden die Ska-Elemente mit der Lupe suchen müssen. Wenn man allerdings die Synthese dieses Vergleichs nimmt, nämlich tanzbare Rockmusik hat Luke (der die Band übrigens auch über sein Label “Got Got Need Records” vertreibt) den Nagel auf den Kopf getroffen. Denn Kid Cosmic machen genau das, amerikanisch angehauchten Indierock mit extremer Melodieverliebtheit, aber ohne zu nerven, wie etwas Simple Plan. Open Your Ears Radio hat “Are You Satisfied?” schon ziemlich treffend beschrieben, nämlich als “fusing ska, rock, pop, salsa, jazz, and every other toe tapping beat these boys could find”, oder simpel gesagt, diese Band gehört in die Charts und nicht an die Uni. Wer übrigens das Glück hatte, im Frühjahr auf dem Stadtfest in Soest zu sein, konnte Kid Cosmic bei ihrem ersten Deutschland-Konzert sehen.
Doritos Werbespot mit dem Song “Glorymind” von Kid Cosmic:
Luke Leighfield – auf Deutschland-Tour
Nach umjubelten Touren in England hat sich der sympathische Brite Luke Leighfield bereits einen Kultstatus in seiner Heimat erarbeitet. Nun macht er sich mitsamt Band auf den Weg auch dem Rest Europas seine Vorstellung von Popmusik näher zu bringen. Folgende Termine sollte man sich am Besten fett im Kalender markieren:

Video zu “The Rain Will Come Again”:
Myspace mit weiteren Hörproben
Iain WhiteTapes
The Week That Was – The Week That Was (s/t)
Im Mai 2007 kündigten Field Music ihre Bandpause an, die keineswegs eine Bandtrennung sein soll. Erste Trauer über die Pause wurde dann Anfang dieses Jahres durch David Brewis’ Soloalbum “Sea From Shore”, dass er unter dem Projektnamen School Of Language veröffentlichte. Nach David ist nun der ältere Bruder Peter an der Reihe und beglückt die Field Music Fans nun mit seinem neuen Projekt “The Week That Was”. Für sein Soloprojekt verbannte Peter seinen Fernseher aus seiner Wohnung, kapselte sich eine Woche von den Medien ab und analysierte, wie er begann über Sachen zu denken und sich informierte. Seine Gedanken hielt er in einem stark von Paul Auster inspirierten Krimi fest, aus dem er Bruchstücke entnahm und zu Songs für das Album verarbeitet. Eine Art Konzeptalbum also, aber trotz aller Medienkritik zum Glück ohne erhobenen Zeigefinger.
Der Sound des selbst betitelten Debüts ist ganz klar im Kosmos von Field Music angesiedelt, es gibt die typischen vertrackten Melodien und viele kleine Spielereien. Kein Wunder eigentlich, Bruder David und Drummer Andy Moore haben, wie Peter auch bei School Of Language, an “The Week That Was” mit gearbeitet, mit dem Unterschied aber, dass Peter die Marschrichtung vorgab. Wie aber auch schon bei School Of Language, wo David mit seiner Gitarre die Melodien prägte, merkt man auch The Week That Was an, welche Bestandteile des Sounds Peter bei Field Music geprägt hat. So tritt auf “Learn to Learn” das Schlagzeug stark in den Vordergrund, was bei David nicht denkbar wäre, da er sich selbst für einen schrecklichen Schlagzeuger hält. Gitarren sucht man auf dem Album auch fast vergebens, die Melodien werden vielfach getragen durch Streicher, Drums, Xylophon, Piano und viele andere Percussion-Instrumente. Zusammen ergibt das einen etwas dunkleren Klang als auf den Field Music Alben, aber einen genau so schönen, trotz Themen, wie Entführung und Mord, die Peter im Popgewand viel weniger bedrohlich, aber nicht weniger harmlos wirken lässt. “The Week That Was” ist wie “Sea From Shore” von School Of Language ein Musterstück des Brewis’schen Verständnisses von Popmusik und zeigt auf wunderbare Art, dass eine Bandpause nichts schlechtes sein muss.
Field Music Video zu In Context:
httpv://www.youtube.com/watch?v=DBqx9Tpmj-U
Myspace The Week That Was
Homepage des deutschen Labels Cooperative Music
Late Of The Pier – Fantasy Black Channel
New Rave, ein Genre, dass laut der Futureheads gar nicht existiert steht derzeit bei Kritikern ganz hoch im Kurs. The Faint, so etwas wie die Genrevorreiter machen schon lange mit einer Mischung aus Indie und Rave von sich reden, aber für den ersten kleineren Hype sorgten erst im letzten Jahr die Klaxons und Dúnè. Dieses Jahr erschienen dann schon MGMT mit ihrer Mischung aus Weltmusik, Prince und Rave auf der Bildfläche. Aus der Heimat der Futureheads, haben sich nun auch die vier Jungs von Late Of The Pier aufgemacht der Welt ihre Interpretation einer Musikrichtung, die gar nicht existiert, vorzutragen.
Interpretation trifft es dann auch sehr gut. LOTP nehmen sich für ihren Sound nämlich Größen der elektronischen Musik, wie Gary Numan und Brian Eno vor und vermischen alles mit stark tanzbaren Indierhythmen und verspielten Synthiesounds. Damit reihen sich LOTP nun gekonnt in eine Reihe zu den neuen Rave Helden Klaxons und Dúnè ein, schaffen sich aber dennoch ihre eigene Nische, ohne zu stark eletronisch zu werden, wie Dúnè und vor allem ohne die schreckliche arrogante Art der Klaxons. Auf einen einfachen Nenner gebracht sind LOTP The Faint in fröhlich. Ohne Naivität, dafür ungemein sympathisch und verspielt, manchmal etwas vertrackt und immer tanzbar. “Fantasy Black Channel” wäre wohl das New Rave Album des Jahres, wenn nicht das neue The Faint Album auch in Kürze erscheinen würde. Die Titel hässlichstes Albumcover des Jahres und beste New Rave Newcomer bekommen sie von uns auf jeden Fall ganz inoffiziell hiermit schon einmal verliehen.
Video zu “Space and Woods”
Pete & The Pirates – Little Death
Ohren auf, die Piraten sind bereit zum Entern! Ähnlich albern wie diese Ansage leider auch der Bandname “Pete & The Pirates”. Klingt erst einmal nach einer dämlichen Anspielung auf die 90er Jahre Fox-Serie “Peter Pan & The Pirates” und nach einer Selbstlimitierung der Band auf Frontmann + Backing-Band. An diesem Punkt fangen P&TP dann aber auch an, Verwirrung zu streuen, denn es gibt zwei Petes in der Band und der Leadsänger ist dann ausgerechnet nicht einmal einer davon. Diese Tatsache macht den Namen dann fast sogar charmant und mit ihrem Debüt-Album “Little Death” heimst sich dieses Quintetts aus Reading in Südengland nicht wenige Sympathiepunkte ein.
Entgegen des Trends so verschroben wie möglich zu klingen und in jeder Ecke eines Albums winzige Spielereien oder Selbstverliebtheiten des Künstlers zu verstecken – “ein gutes Album muss wachsen” – trauen sich P&TP einfach geradeheraus Ohrwurm nach Ohrwurm auf “Little Death” aneinander zu reihen. Richtige Piraten nehmen schließlich keine Gefangenen, da wird geentert, geplündert und gefeiert. Aber keine Sorge, diese Piraten sind ganz freundliche Gesellen, das zeigen sie gleich beim Opener “Ill Love”, hier heißt es nämlich “I’m not scared of you Darling / I’m in love with you Darling”. “Little Death” ist eine erfrischende Mischung aus LoFi-Indie Melodien und Pop ohne aufgesetzte Attitüde, die ihre besondere Stärke entwickelt, wenn sich Sänger Thomas Sanders und Bassist Pete Hefferan zu druckvollen Rhythmen fast duellierend im Gesang abwechseln. Die Reichweite des Sounds ist bei den 14 Songs, die P&TP in 39 Minuten herunter spielen glücklicherweise auch ausreichend, so gibt es die erwarteten Discostampfer wie “Come on Feet”, “Knots” und “Mr Understanding”, und auch ruhigere Stücke, wie “Song For Today”. Das macht das Album abwechslungsreich und trotz dämlichem Bandnamen zu einer der sympathischten Indie-Platten des Jahres. Im September gibt es übrigens auch die Chancen sich in deutschen Clubs den Piraten anzuschließen.
Video zu “Mr. Understanding”
Glen Hansard & Markéta Irglová – The Swell Season
Was ist da los? Ich komme aus dem Kino und habe mich wieder in Songs eines irischen Songwriters verliebt. Der Film hieß “Once”, der Musiker Glen Hansard, Frontmann der Frames. Die Geschichte erinnert an Damien Rice, der vor seiner Solokarriere auch bereits mit einer Band (Juniper) großen Erfolg hatte und durch den Film Closer, der wohl erst durch seine Songs so überwältigend wurde, zu einem Weltstar wurde. Jetzt also Glen Hansard, nachdem es mir lange gelungen ist, seiner Band The Frames aus dem Wege zu gehen.
Kurz vor dem Kinostart von “Once”, in dem Glen Hansard auch die männliche Hauptrolle spielt wurde Anfang 2007 dieses Soloalbum zusammen mit seiner Schauspiel- / Sängerkollegin Markéta Irglová veröffentlicht. Die Songs sind für den Film entstanden, wurden aber nicht alle im Film genutzt, es handelt sich auch nicht um einen Soundtrack, sondern um den ernst zu nehmenden Versuch, die Songs, die aus einem Filmprojekt geboren wurden als normal “gewachsenes” Album zu veröffentlichen. Das funktioniert, das Album ist völlig eigenständig und sorgen auch ohne Filmvorlage für schönstes “Kopfkino”. Der Opener “This Low” (im Original von Glen’s Hauptband The Frames) erinnert dann auch in dieser Interpretation gleich an das Vorbild Damien Rice, im Duett mit Markéta Irglová entwickelt sich eine wunderschöne Ballade mit spärlicher Instrumentierung, die so auch nicht besser von Damien Rice und seiner ehemaligen Duettpartnerin Lisa Hannigan vorgetragen werden könnte. Dieser Stil zieht sich durch das gesamte Album, einfach schöner Songwriter-Pop, mal singt Glen ganz allein, auf einem Song auch Markéta solo, größtenteils sind es aber Duette. So ebenfalls der vielleicht größte Song des Albums “Falling Slowly”, der kürzlich verdientermaßen mit einem Oscar für den besten Filmsong ausgezeichnet wurde. Das Einzige, was man dem Album vielleicht vorwerfen kann – wenn man unbedingt etwas negatives sucht – ist, dass es sich stellenweise nicht deutlich genug von Damien Rice abgrenzt, dessen Musik hörbaren Einfluss auf das Songwriting hatte. Ein Ähnliches Problem haben im Übrigen auch The Frames, die sich seit ihrem Karrierebeginn mit U2-Vergleichen rumplagen. Insgesamt aber ein sehr schönes Album zu einem sehr schönen Film (seit Anfang des Jahres auch in hiesigen Kinos) und ideal für Damien Rice Fans, um die Wartezeit auf ein eventuelles drittes Album zu überbrücken.
Youtube-Video mit Szenen aus “Once” unterlegt mit dem Oscar-Prämierten Song “Falling Slowly”:
Eight Legs – Searching For The Simple Life
Vier Jungs aus England, London um genau zu sein, zwischen 19 und 20 Jahre alt. Der Akzent spricht für sich. Eine weitere Teen-Indie Band?! Definitiv. Jedoch unterscheidet sich diese Band in einer Sache von ihren Kollegen den Kooks oder den Arctic Monkeys. Und das ist der offensichtliche Hang zur Melancholie. Sie hätten es sich mit ihrer ersten Platte einfach machen können. Ein wenig leichter Indie für die kleinen Mädchen und vielleicht würde sich sogar der ein oder andere angetrunkene Junge verführen lassen. Haben sie aber nicht.
Stattdessen wird Wert auf gute Wortwahl sowie auf anspruchsvolle Texte gelegt. Nicht im Sinne von Maximo Park oder vergleichbaren Bands. Aber anspruchsvoller, als so manches, was sich auf dem Musikmarkt so rumschlägt. Searching For The Simple Life heißt das Erstlingswerk. Und ausnahmsweise scheint der Hype, den u.a. der NME im UK aus dem Boden gestampft hat, berechtigt. Nicht umsonst haben sich auch schon diverse deutsche Musikzeitschriften auf die jungen Briten gestürzt und nicht umsonst steht kurz nach der Album Veröffentlichung vom 1. Februar diesen Jahres auch schon eine Tour hier zu Lande an. Es geht nicht ums Saufen, es geht darum, das Leben zu meistern. Einen Ausweg zu finden, um sich dann wieder wie Teil dieser Gesellschaft zu fühlen und nicht mehr verloren. Mit diesem Konzept, ohne irgendwem da was unterstellen zu wollen, könnten Eight Legs tatsächlich den Kooks und vielleicht sogar den Arctic Monkeys den Rang ablaufen. Vor allem jetzt, da beide Bands im Studio sein dürften. Deutschland liebt britische Bands. Das ging schon bei den Beatles los und wird auch mit Eight Legs nicht abflachen. Guter Indie, zu dem man sicherlich so einige Bierchen trinken kann, aber auf keinen Fall hirnlos.
Video zu “Blood Sweat Tears”
Blood Red Shoes – Box Of Secrets
Nach dem Eigties-Revival der letzten Jahre wird schon seit einiger Zeit das Grunge-Revival kolportiert. Bisher jedoch noch ohne irgendeine Band, die als Beleg für diese Tendenz herhalten könnte. Im letzten Jahr sind nun die Blood Red Shoes auf den Plan getreten, die sich ob ihrer Bandkonstellation, Junge + Mädchen / Schlagzeug + Gitarre seitdem auch mit White Stripes Vergleichen rumschlagen müssen.
Beim Hören des langerwarteten und aus nebulösen Gründen immer wieder verschobenen Debütalbums “Box of Secrets” wird aber ganz schnell klar, dieser Vergleich hinkt nicht nur, sondern ist gänzlich falsch. Schon die Vorabsingle “You Bringe Me Down” und Vorabtour zeigten eine junge wilde Band, die in ihrer ungestümen Art und den Grungetypischen wenig abwechslungsreichen Gitarrenakkorden tatsächlich von Grunge inspiriert zu sein scheinen. Aber das was die Blood Red Shoes bieten ist viel mehr als Grunge und völlig anders. Irgendwo zwischen der Energie, die auch Maxïmo Park treibt und Queens of the Stone Age könnte man diese Songs ansiedeln. Die Songs werden immer getragen durch das kraftvolle Schlagzeugspiel von Steven Ansell und den abwechselnden Gesang mit Laura-Mary Carter. Das Zurückgreifen auf nur zwei Instrumente birgt häufig auch die Gefahr, dass die Songs schnell langweilig geraten. Hier zum Glück nicht. Das Album verbindet gekonnt bereits bekannte Hits, wie die Übersongs “You Bring me Down” und “I wish I was Someone Better” mit neuen Songs. Den letzten Song “Hope You Are Holding Up” hätte man sich vielleicht ob des etwas übertriebenen Bombast sparen können, aber was ist ein Song von 11. Um diese Band kommt man in diesem Frühjahr auf keinen Fall vorbei, danach wird sich zeigen, ob sie auch das Potential für weitere Großtaten haben. (Glücklicherweise) nicht das Grunge-Revival, aber ein kurzweiliges Debüt wurde hiermit auf alle Fälle schon einmal vorgelegt.
Video zu “I Wish I Was Someone Better”
The Last Shadow Puppets – The Age Of Understatement
Mitte 2007 war es, als die Arctic Monkeys zusammen mit der Band The Little Flames mit Gitarrist Miles Kane auf Tour waren. Die Little Flames sind auf Eis gelegt, dafür wird Miles Kane’s neue Band The Rascals in England bereits ohne Ende gehypt und als neue Arctic Monkeys gehandelt. Alex Turner, Kopf der Arctic Monkeys freundete sich auf dieser Tour mit Miles an und beide entdeckten ihre Liebe zu Scott Walker und zum frühen David Bowie. So fanden sich beide im August 2007 in Südfrankreich zusammen, um gemeinsam an einem gemeinsamen Projekt zu arbeiten.
Das Produkt hört nun auf den Projektnamen “The Last Shadow Puppets”, das Album trägt den vielsagenden Titel “The Age of Understatement”. Für das Abmischen und das Orchesterarrangement haben sich die Beiden dann auch noch einen Herzenswunsch erfüllt und sich Owen Pallett dafür ins Studio geholt. Klingt nach Zutaten zu einem Hitalbum. Mit ordentlich Vorschusslorbeeren wurde das Projekt auch schon sowohl in England als auch Deutschland bedacht. Der Sound der Last Shadow Puppets ist auf alle Fälle anders als der der Arctic Monkeys oder der Rascals. Beide Musiker wollten offensichtlich einen erwachseneren Sound erschaffen, den sie wegen der Erwartungen an den Sound ihrer Hauptbands so nicht hätten erschaffen können. Das Ergebnis klingt auch tatsächlich völlig anders als die Arctic Monkey oder die Rascals. Das Orchester ist immer sehr präsent, der gemeinsame Gesang fast immer im Vordergrund, so entwickelt sich ein beinahe altmodischer Klang, in den bombastischen Momenten fast militärisch, in den ruhigeren Momenten fast wie in Chansons. Insgesamt ist das Ganze recht unterhaltsam und die Kompositionen sitzen recht perfekt und kommen scheinbar dann zum Punkt, wann sie sollen. Im Prinzip also alles gut, nur der viel beschworene finale Funke will einfach nicht zünden. Alex und Miles haben nichts offensichtlich falsch gemacht und scheinen ihr Handwerk zu verstehen. Liegt vielleicht einfach an den Bildern im Kopf, irgendwie klingt “The Age of Understatement” nach einem Western in der UDSSR, nach Kaltem Krieg und Lagerfeuer, oder Cowboys auf Panzern, interessante Mischung eigentlich aber so recht will das eben dann doch nicht zusammenpassen.
Video zu “The Age Of Understatement”
Coldplay – Viva la Vida (or Death and all of his Friends)
Oha, Chris Martin & Co. sind zurück. Mit neuem Album und alten Stärken? Die Wahl des Produzenten verspricht schon einmal Großes. Brian Eno saß an den Reglern und der ist spätestens seit U2′s zeitlosem und besten Album “The Joshua Tree” eine feste Größe auch als Produzent. Nach einem halb guten, halb enttäuschenden dritten Album “X&Y” waren die Erwartungen an Coldplay natürlich mal wieder groß. Da war eben dieser Hit über diese Farbe auf dem ersten Album, seitdem haben Chris Martin und Konsorten das “Problem” weltbekannt zu sein und Millionen Fans zu haben.
Groß also auch die Aufgabe, der sich Eno hier angenommen hat. Ihm zu verdanken sei es angeblich auch, dass Coldplay sich während der Aufnahmen noch einmal zusammengerottet haben, statt für immer getrennte Wege zu gehen. So so, also musikalisch und menschlich ein Genie, wie wird dann erst das Album?! Der Titel des neuesten Machwerks ließ dann erst einmal erschaudern. “Viva la Vida”, oh wie lebensbejahend. Etwas erträglicher, wenn nun auch künstlich philosophish final nun mit dem Zusatz “or Death and all of his Friends”. Der Titel laut Chris Martin eine Schachtel Pralinen für die Fans, jeder soll sich wählen, was er mag. Wer ein trauriges Album möchte nennt es “Death and all of his Friends”, die Optimisten nennen es “Viva la Vida”. Ähnlich auch die Verteilung der Song. Die Meisten sind nämlich zwei Songs, die erste Hälfte Powerpop, die zweite Balladen, zum Beispiel “Lovers in JapanReign of Love” und egal bei welcher Hälfte natürlich immer mit großen Gesten. Das Problem mit diesem Album? “Parachutes”, DAS Coldplay Album wurde vor nunmehr zehn Jahren veröffentlicht und war als Album nahezu perfekt. Das können Coldplay nicht mehr toppen, eben so wenig, wie zum Beispiel U2 es niemals schaffen können “The Joshua Tree” zu toppen und die gibt es 20 Jahre später immer noch, immer noch auch mit guten Alben, aber im Vergleich zu “The Joshua Tree” verblassen diese recht schnell. Das ist aber nicht schlimm. Auf dem neuen Machwerk sind mit “Cemetries of London”, “Viva la Vida”, “Violet Hill” und “Death and all of his Friends” große Coldplay Hits, nach denen sich viele aktuelle Bands die Finger lecken würden. Das typische Coldplay-Problem ist hierbei, dass diese Songs so Überlebensgroß sind, dass andere Songs auf dem Album dagegen erblassen und auch recht schnell geskippt werden. Bei Feeder wäre beispielsweise ein Song wie “Yes” vermutlich ein Riesenhit, bei Coldplay fällt er wegen Weltmusikelementen und teils untypischem Coldplay-Soundkleid bei Kritikern schnell durch. Das Soundkleid, das Coldplay hier verpasst kriegen gefällt insgesamt, teilweise aber verklärt Brian Eno dann die Songs doch zu sehr mit klebrigen Schichten von poppigem Soundbrei, wie bei “Strawberry Swing”. “Viva la Vida…” ist das, was Coldplay seit “A Rush of Blood to the Head” immer wieder abliefern. Ein Album mit vielen Coldplay-Stadion/Radio-Hits, zu 60% gut, zu 20% ok und zu 20% na ja. Also für die Zukunft vielleicht EPs und diese Zukunft haben Coldplay garantiert, irgendwer muss ja die Lücke füllen, die U2 in 20 Jahren hinterlassen werden.
Video zu “Violet Hill”














