Etwas mehr als ein Jahr nach seinem selbstbetitelten Debüt und …
World’s End Girlfriend – Seven Idiots
Dieses zehnte Album des japanischen Künstlers Katsuhiko Maeda unter dem Synonym World’s End Girlfriend klingt, als hätte man Platten verschiedenster Musikstile aus versehen in eine Waschmaschine gesteckt und die höchste Schleuderstufe gewählt. Schon der Opener „The Divine Comedy Reverse“ beginnt mit Poppunk, reist dann über klassische Musikläufe und Elektroattacken, in Elektronik-geschwängerten Indierock bis es wieder bei psychotischer Klassik ankommt. Jede kleinste Melodieführung wird zerstört.
„Teenage Ziggy“ ist schon vom Titel her ein Tribut an David Bowie, dessen Einfluss über das ganze Werk hinweg aufflammt.
Polka? Klassische Musik auf Acid? Super Mario?? – „Decalogue Minus 8“ ist nicht beschreibbar.
„Ulysses Gazer“ weist tatsächlich eine Art traditionelle Songstruktur auf – bis Minute 2:56. „Helter Skelter Cha-Cha-Cha“ ist ein Experiment – Frankensteins Monster in Songformat.
„Bohemian Purgatory 1“, „Bohemian Purgatory 2“ und „Bohemian Purgatory 3“ beinhalten die wohl meisten ruhigen melodiösen Momente, mit denen Maeda sich nicht zufrieden geben kann und so gewinnt die Anarchie wieder Überhand.
„Der Spiegel Im Spiegel Im Spiegel“ und „Offering Inferno“ besitzen GAR KEINE Songstruktur mehr.
Für große Überraschung sorgt „Unfinished Finale Shed“, der im Stile von Ólafur Arnalds, das ruhelose Album mit träumerischen Piano-Melodien in den Schlaf wiegt. Der einzige Track, der ohne Zuckungen gehört werden kann.
Leider ist „Seven Idiots“ unbewertbar. Der Künstler scheint überhaupt nicht die Absicht gehabt zu haben, ein Publikumsalbum (egal wie klein dieses sein mag) zu kreieren. Es klingt vielmehr wie ein Experiment nur zu seinem eigenen Vergnügen. Vielleicht macht sich der gewitzte Musiker sogar einen Spaß daraus zu sehen, wer sich das Album anhört – Wie es aussieht gibt es davon mehr als erwartet.
Bei all dem darf man nicht übersehen, dass Katsuhiko Maeda wirklich Talent besitzt. Dieses Album verrät, dass er imstande wäre jede Art von Musik hörenswert wiederzugeben.
Erased Tapes – Label Compilation zum Gratis-Download

Das britische Label mit dem tollen Namen, das von einem jungen Deutschen gegründet wurde, feiert seinen inzwischen zweiten Geburtstag. Die Rede ist natürlich von Erased Tapes. Zur Feier von zwei Jahren Erased Tapes verschenkt das Label eine Compilation mit einer Auswahl an Label-Künstlern, darunter unter anderem Codes In The Clouds, Ólafur Arnalds, Rival Consoles, Nico Muhly und auch das neueste Erased Tapes Signing Nils Frahm. Downloaden könnt ihr die Compilation in niedriger Auflösung einfach unter diesem Link durch Angabe eure Email-Adresse und des Download-Code MY-FREE-ERATP020. In höherer Auflösung gibt es die “Erased Tapes Compilation II” ab 7. Dezember.
Ólafur Arnalds – Ljósið (Official Music Video)
Erased Tapes Records | MySpace Musikvideos
Peter Broderick – Music For Falling From Trees
Peter Broderick scheint nicht die Art Künstler zu sein, die lange ausspannen können, bzw. möchten. So veröffentlicht der junge Amerikaner in stetiger Folge neue Alben, EP’s und Mini-Alben. Nach seinem Debüt mit dem Neoklassik-Album “Float” und seinem zweiten Album “Home”, auf dem er auch seine Sangeskünste zum Besten gab, veröffentlichte er unter anderem mit “Ten Duets” vor Kurzem zudem auch noch eine auf wenige Exemplare limitierte EP auf Kassette. Ein Format, das auch wieder im Kommen zu sein scheint, denn auch Sky Larkin und Hatcham Social veröffentlichten unlängst auf diesem Format, kein Wunder, sind die doch auch damit aufgewachsen, wie ihre Eltern zuvor mit Schallplatten. Wie das nun also bei Peter Broderick so ist, erscheint nun mit “Music For Falling From Trees” sein nächstes Mini-Album. Dieses Mal nicht auf seinem Stammlabel Bella Union, sondern auf Erased Tapes, einem unserer Lieblings-Label.
Ein Schritt der durchaus Sinn macht, denn hier ist er mit unter anderem Ólafur Arnalds in bester Gesellschaft. Passenderweise wird das kleine Indie-Label auch häufig als cinematisches Label bezeichnet. Passend deshalb, weil es sich bei “Music For Falling From Trees” um einen Score zum Tanz- / Theater-Stück “Falling From Trees” von Adrienne Hart handelt. Das muss man aber nicht gesehen haben, um von den zauberhaften neoklassischen Kompositionen von Broderick gefesselt zu werden. Die Songs nahm Broderick in seiner amerikanischen Heimat auf der Farm seines Vaters mit seiner Geige, seiner Viola, einem kaputten Piano und alten Aufnahmegeräten auf. Die Songs sind dabei alle sehr atmosphärisch und natürlich dramatisch gehalten, schließlich handelt es sich um Songs für eine Tanzchoreographie. Die Geige wird stimmig genutzt, um die Verzweiflung darzustellen, das Piano schreitet in langsamen, behaglichen Schritten voran und lässt den Stücken viel Raum zum Atmen. Meist bleiben die Songs dabei verhalten und lassen die Dramatik, die ihnen inneliegt agieren, manchmal schwingen sie sich aber auch zu kleinen, bombastischen Arrangements auf, die ihre Dramatik auch offen zur Schau tragen möchten. Das macht “Music For Falling From Trees” insgesamt zu einem gelungenem Beispiel, warum Erased Tapes als cimenatisches Label bezeichnet wird und vor allem, warum Neoklassik eines der atmosphärischten Genres ist. Musik nicht nur um von Bäumen zu fallen, sondern zum träumen.










Peter Broderick
Peter Broderick “With the notes in my ears” | ENDPILOT_Doku’09 from Plastic.Cut on Vimeo.














