7

The Sounds, Turock, Essen, 7. Mai 2010

Essen wurde eingenommen! Der Mittelpunkt der Ruhr2010 war diesmal Ausrichtungsort der langen Nacht von EinsLive. Das Procedere ist einfach. In vielen Locations der Stadt spielen Bands Konzerte, feiern Djs Parties oder lesen Autoren aus ihren Büchern. Und wie in jeder Stadt, wie zuvor Münster oder Duisburg, sind die Läden dank EinsLive proppe voll. Auch dieses Jahr war es so, dass sämtliche Konzerte innerhalb von Stunden ausverkauft waren. Als Zusatz gab es einen dicken Sahnehaufen oben drauf. The Sounds spielten im kleinen Turock am Viehofer Platz in Essen. Und wer hier zu spät kam sah wieder nur das Sold Out Schild.

An die 200 Konzerte geben The Sounds im Jahr. Workaholics mit Leidenschaft. Ob das große Festival oder die kleine Alternativedisco, sie kriegen alle zum kochen. Warm wurde es auch schnell im Turock. Ob es der reine Anblick von Maja Ivarsson war oder die schlechte Lüftung, wir denken Ersteres war schuld. Ein schöner Grund zum Schwitzen.

Erst am späten Mittag sind die 5 jungen Schweden aus Stockholm angekommen und promoten an diesem Abend das aktuelle Album “Crossing the Rubicon”. Es hagelte fiese und schlechte Kritiken, gerade der Veranstalter kann sich da nicht rausnehmen, doch live ist es eine andere Liga. Denn wo The Sounds drauf steht, steckt Party drin. Schon die ersten Töne von Tony the Beat, dem Opener, liess die Füße wippen, springen oder tanzen. Nur ruhig stehen war nicht möglich. Und das “Crossing the Rubicon” definitiv starke Momente hat, beweisen gerade Live so einige Songs und lassen hinterfragen, mit wie vielen Ohren genau hingehört wurde beim Rezensieren. Locker, stilvoll und selbstsicher stolziert Maja über die Bühne, schmiedet sich an die eigenen Bandmitglieder, umgarnt so manchen Security und verzaubert das Publikum. Eine Prinzessin ohne Allüren. Die Setlist ist reichlich geschmückt. “7 Days the Week” aus dem Debutalbum “Living in America”, “EGO” aus “Dying to say this to you” und das gerade live bombastische wirkende “Midnight Sun” finden berechtigten Eintritt in die Setlist. Das Maja auch gefühlvoll singen kann, zeigt, als sie nur vom Klavier beim Gang durch ihre Heimat in “Home is where you heart” ist und beim gefühlvollen “Night after Night” begleitet wird. Es fehlt heute an nichts und gerade die Hits der Band werden frenetisch gefeiert. “Painted by Numbers”, “Beatbox” und “Living in America” werden lauthals bejubelt. Noch einmal steigt die Stimmungskurve beim besten Song des letzten Albums an, “Dorchester Hotel” zieht in seinen Bann. Leider war nach knapp 80 Minuten und “Hope you´re happy now” schon Ende. Zugabenrufe wurden nicht mehr erhört. Der wohl einzige Makel an einem fast perfekten Abend.

Wer sich ärgert, nicht dabei gewesen sein zu können, dem sei ans Herz gelegt, dass The Sounds auf der VisionsSabotage Party im FZW in Dortmund spielen, am 04.06.2010.

Foto: Pressefreigabe, eine tolle Bildergalerie gibt es bei EinsLive

2

Fest Van Cleef, Essen, Delta Park, 12. Juli 2009

Wenn ein Label aus Festivaltournee geht, hört sich das nach jeder Menge Alkohol, vielen Frauen und wilder Party an. Stellt man sich vor, dass das Fest van Cleef auf Tour geht, passen diese Bilder nicht so richtig in den Kopf. Der erste Blick mag täuschen, ein Feuerwerk, wenn auch ein etwas Anderes wurde trotz alledem abgefeuert. Essen war der letzte Halt nach drei Tagen und der Delta Park wurde endlich mal zu einem guten Indieclub umfunktioniert.

Das Wetter ist bekanntlich immer für einen guten Scherz zu haben. Auch an diesem Tag spielt es gerne Streiche. Bei den Killians trägt so manch einer die Sonnencreme auf, bei Why? Wird man leider nicht von der Musik weggespült. Wer Unterschlupf sucht, der findet ihn auch im Weiten des Delta Parks. Aber übers Wetter reden ist so ziemlich das Langweiligste, wird Thees an diesem Abend noch sagen, über das Wetter schreiben übrigens auch. Nun also zu den einzelnen Auftritten.

Gyspert zu Knypshausen betrat als erster Künstler die Bühne. Eine verspätete Anfahrt machte es uns unmöglich, den Auftritt zu verfolgen. War bestimmt gut.

Dann, nach herrlichem Gedicht, dass Thees Uhlmann vorgetragen hat, betraten Muff Potter die Bühne. Wohl das härteste und ruppigste was je ein “Fest van Cleef” Publikum vorgetragen bekommen hat. In den seltensten Fällen liegt es an der Band, aber oftmals bestimmt es ihren Auftritt: Der Sound. An einigen Stellen ein wenig schwächelnd, aber man wusste ja, was sie wollen. Kurz gebunden waren sie leider, 40 Minuten Spielzeit ließen wenig Platz für Fantasie, brachten dennoch einen guten Mix aus allen Alben. “Wir sitzen so vorm Molotov”, “Alles nur geklaut” und “Die Guten” sind nur ein kleiner Auszug aus den Nettigkeiten. Lediglich zwei Songs vom aktuellen Longplayer “Gute Aussicht” wurden gespielt. Neben dem Titelsong fand auch die neue virtuelle Single “Niemand will den Hund begraben” den Weg ins Set.

www.pertramer.at

Die Killians hatten Quasi-Heimspiel. Und waren wohl am Meisten auf das Medium Festival eingestellt. Sie forderten Leute zum Tanzen, Springen und Klatschen auf. Schade, dass die Meisten nicht so wirklich mit machen wollten. Der Sound erinnert stark an The Strokes, auch Sänger Simon den Haartog tut sei übriges mit seiner Stimme hinzu. Ein wenig schmeckt es hier noch nach Schülerband, aber dass die Kilians ihren Weg machen werden, da lege ich mich hier fest.

Why? Waren die einzige Band aus dem Ausland. Ein starker Regensturm während des Auftrittes machte das Konzert für viele zum reinen Hörvergnügen, da sie lieber Unterschlupf suchten, als vor der Bühne zu stehen. Aber irgendwie passte das Wetter zur Band. So wirklich verstehen muss man Why? nicht. Entweder man fühlt es und genießt es oder man erhält keinen Zugang zu dieser Musik. Man nehme Mars Volta und lege eine Schippe Hip Hop und “Durchgeknalltheit” drauf und bitteschön: Why?

www.pertramer.at

Tomte sind mit Kettcar zusammen die Dinos des Van Cleef Labels. Und schon zum dritten Mal spielen sie auf der hauseigenen Tour. Wahrscheinlich auch nicht zum letzten Mal. Eine Stunde Thees Uhlmann, es heisst soviel wie eine Stunde Lachen, Trauern, Weinen, sich wohl fühlen und Dinge aus einem Winkel betrachten, der so alltäglich ist und dennoch so verborgen. Thees Uhlmann nimmt alle mit. Selten schafft es ein Sänger mit soviel Charme die Leute zu begeistern. “Die Schönheit der Chance” mit vorher angestimmten “Human”-Cover (The Killers), “New York”, “Korn und Sprite” und “Ich sang die ganze Zeit von dir” waren Teil des schönen Auftrittes, der, wenn es noch geregnet hätte, spätestens dann die Sonne wieder hervorgelockt hätte.

Element of Crime zum Abschluss des Tages. Sven Regener, der Herr mit der wunderschön herrlichen rauen und ehrlichen Stimme versetzte alle noch einmal am Ende des Tages in eine wundervolle Atmosphäre. Es war weder wild, noch laut, noch gab es Unmengen an Rock and Roll, aber es war einfach die Dinge, die einem Gerne im Kopf bleibt und an die man noch in Jahren gerne zurück denkt.

Wenn das im nächsten Jahr die deutsche Version der “Warped Tour” wieder seine Kreise zieht, so werden wir sicherlich wieder dabei sein.

2

Rockpalast Festival – Travis + Ben Folds + Donovan Frankenreiter + Fleet Foxes + Glasvegas + The Rascals, Essen, Grugahalle, 22. November 2008

Die Essener Grugahalle feierte dieser Tage ihren 50ten Geburtstag und da man im Leben auch nur einmal 50 wird, lud der WDR mit dem Rockpalast Festival zu einer ausgelassenen Geburtagsfeier. Dem Aufruf folgten leider nicht so viele wie erwartet und so wurde kurzerhand der größte Teil der Ränge mit riesigen blauen Vorhängen abgeshangen, um die Halle etwas intimer wirken zu lassen. Diejenigen, die es doch durch den Schnee in den Essener Westen geschafft hatten bekamen knapp 7 Stunden erlesener musikalischer Unterhaltung geboten. Den Startschuss gaben die Jungspunde des Abends, The Rascals, ab 17:30 Uhr vor ein paar hundert Menschen. Sänger Miles Kane, der kurz vor Einlass noch draußen vorbei schaute, um den frierenden Fans vor der Halle kurz einmal Hallo zu sagen, begrüßte freundlich die Anwesenden und startete in ein sehr kurzweiliges knapp 30-minütiges Set.
Dabei zeigte sich besonders Miles sehr sympathisch und plauderte in den Pausen immer wieder kurz mit dem Publikum. Die Songs ihres Debüt-Albums “Rascalise” gewannen live einiges an Dichte hinzu, dennoch erweckten The Rascals mit ihrem Sound an diesem frühen Abend den Eindruck sich um den Titel als beste Oasis-Coverband bewerben zu wollen. Darauf hätten sie gute Chancen gehabt, wenn nicht schon lange Oasis selbst ihre beste Coverband wären.

Die Band war gut gelaunt und zeigte eine angenehme Spielfreude. So hätte es weiter gehen dürfen. Tat es aber nicht. Denn nach The Rascals betraten die Schotten von Glasvegas die Bühne. Die waren zwar eben so gut gelaunt und sehr sympathisch dank ihres schottischen Akzents, ihre Musik jedoch wirkte wie ein unappetitlicher Stadionrock-Brei mit viel Bombast und einer leicht unbeholfenen Dame am Schlagzeug. Nach einer halben Stunde vor einer nicht ganz halb vollen Halle verabschiedeten sich die vier Schotten dann auch schon und machten Platz für das erste Highlight des Abends.

Die Fleet Foxes standen nun nämlich auf dem Programm und sollten sich nun auch live, wie schon auf ihrem Debütalbum, als hoch talentierte, junge Musiker entpuppten. Gleich von Beginn an setzten sie ihre wunderschönen, klassischen Folk-Songs perfekt in Szene. Der Gesang war glasklar und auch mit dem Sound hatte die Band, im Gegensatz zu ihrem Auftritt auf dem Haldern-Pop 2008, keine Probleme.

Besonders stark dabei die Stücke “White Winter Hymnal”, “Sun It Rises” und der Abschluss-Track “Blue Ridge Mountains”, mit sehr schönen Chören und sanfter Folk-Instrumentierung. Von Beginn an machte die Fleet Foxes immer wieder Witze über das Wort “Rockpalast”, unter dem der Abend stand. “Subjects of Rock… Are you ready for some rock? Soft folky Rock?”. Einem Besucher, der wohl dachte, er sei auf einem Volks-Fest und nicht bei einer Folk-Band, schienen die Fleet Foxes offensichtlich nicht zu gefallen und schrie “Lern erstmal deutsch, du Arschloch!”. Davon ließen sich die Fleet Foxes jedoch nicht stören und wurden am Ende ihres knapp 1-stündigen Sets mit einem langen Applaus belohnt, dem längsten Applaus des Abends.


Nach den Fleet Foxes hieß es dann erst einmal Geduld beweisen, denn es folgte Donovan Frankenreiter. Buddy von Jack Johnson und noch langweiliger als eben jener. Die eine Stunde, in der er sich auf der Bühne mit seinen Mitstreitern feierte, war aber auch irgendwann überstanden. Die Müdigkeit, die sich während seines Sets breitmachte, wurde durch den nachfolgenden Ben Folds glücklicherweise nicht noch verstärkt. Der nette Amerikaner spielte eine Stunde lang vor der inzwischen recht gut gefüllten Halle seinen überraschend unterhaltsamen Piano-Pop. Sehr lustig war auch zu beobachten, wie der Percussionist eingesetzt wurde. Da Ben Folds sich wegen des großen Tasteninstruments, das er spielte nicht wirklich viel auf der Bühne bewegen konnte, lief der Percussionist immer mal wieder mit einem Schellenkranz über die Bühne, machte ein paar Posen und ging wieder zurück auf seinen Platz.


Der Höhepunkt des Abends folgte dann um 23:20 Uhr mit den vier Schotten von Travis. Fran Healy und seine Mannen waren von Beginn an super aufgelegt und eröffneten mit dem “Ode To J. Smith” Album-Opener “Chinese Blues”. Besonders Sänger Fran Healy grinste nicht nur während des Openers spitzbübisch. Vielleicht war das auch die Erleichterung, dass die Halle noch gut gefüllt war, denn nach der Show gestand er uns noch, dass er einige Bedenken wegen der Auftrittszeit gehabt hatte. “
We thought everyone would be going home but they stayed and we had fun.”


Das Publikum sang überschwänglich die Hits der Band, wie “Writing To Reach You”, “Sing”, oder auch “Closer” mit und Travis bewiesen trotz einiger kleinerer Pannen, dass ihnen Wörter, wie Bühnenpräsenz und Spielfreude nicht fremd sind. Gerade die kleinen Fehler, wie Texthänger von Fran Healy und kleine Verspieler von Gitarrist Andy Dunlop, machten diese Band noch einmal umso sympathischer. Ein Highlight dann sicherlich, als Fran während “Falling Down” von der Bühne in den Zuschauerraum kletterte und dort den Song weiter sang.


Der absolute Höhepunkt dann aber, als die Band zur Zugabe auf die Bühne zurück kam, Sänger Fran das Kabel aus der Gitarre zog, den Mikroständer weg stellte und sich mit der Band an den Bühnenrand begab, um “Flowers In The Window” zu spielen. Hier zeigten sich die wahren Punks in Travis und Fran erklärte: “You’ve got to be dead quiet, if that’s ok, otherwise you won’t be able to hear us. I don’t think the cameras can record this, so this is just for you”. Das kleine Geschenk nahm die Menge natürlich gern an, wollte aber schon beim Refrain nicht mehr still sein und sang begeistert mit.


Als finale Zugabe spielten Travis dann noch, wie das inzwischen Tradition auf ihren Konzerten ist, ihren Klassiker “Why Does It Always Rain On Me”. Das Publikum und sogar eine der Kamerafrauen sangen von Anfang an mit. Vor der letzten Strophe instruierte Fran dann noch einmal das Publikum “so now, this has become a tradition, when we sing our last chorus, I ask you to do the oldest dance in the world, the Pogo. I want all of you to jump then. Don’t say, nah I’m too cool for this, it’s too late for being cool now, being cool stops at eleven o’clock”. Natürlich sprangen alle mit und brachten die Grugahalle zum Abschluss der Geburtstagsfeier noch einmal zum Beben, bevor der Abend um halb 1 vor leider lange nicht vollen Rängen, sein Ende fand.

An dieser Stelle noch ein TV-Tipp für euch:

06. auf 07.12.2008
00.25 – 03.25 Uhr im WDR
(Sonntag auf Montag)
ROCKPALAST FESTIVAL
mit TRAVIS
DONAVON FRANKENREITER
GLASVEGAS
THE RASCALS
07. auf 08.12.2008
00.45 – 02.45 Uhr im WDR
(Sonntag auf Montag)
ROCKPALAST FESTIVAL
mit BEN FOLDS
FLEET FOXES

Fotos: Ariane WhiteTapes, mehr von Travis hier, vom Rest hier

0

Tomte, Bochum, Zeche, 07. November 2008

Du nennst es Pathos – ich nenne es Leben: Tomte in Bochum. Sie sind wieder da – voll verstärkt und Liedern für die verschiedenen Lagen des Lebens. Tomte feuern ihr Heureka-Feuerwerk aus. Diesmal ist die Zeche in Bochum Treffpunkt, mehr als 700 Leute sind heute hier, was soviel wie ausverkauft bedeutet. … Continue Reading

0

Rockpalast Festival – 50 Jahre Grugahalle, 1 toller Abend

50 Jahre gibt es jetzt schon die altehrwürdige Grugahalle in Essen, ein guter Anlass 25 Jahre Rockpalast damit zusammen zu legen und eine kleine Party zu veranstalten. Diese steigt nun am 22. November, mit einem traumhaften Line-Up.

16:30 Uhr, Einlass
17:30 Uhr, The Rascals
18:15 Uhr, Glasvegas
19:10 Uhr, Fleet Foxes
20:30 Uhr, Donovan Frankenreiter
21:50 Uhr, Ben Folds
23:10 Uhr, Travis

Ariane WhiteTapes