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Black Rust, Blue Shell, Köln, 19. November 2010

Direkt im Anschluss an die beiden Gregor McEwan-Konzerte folgte ich ihm weiter nach Köln, wo er am Freitag im Stadtgarten auftrat. Allerdings betrat ich nicht den gleichen Club wie er. In nicht all zu weiter Entfernung lud nämlich Black Rust zu einem der letzten Konzerte in diesem Jahr. Im Rahmen des Today’s Empires Festival spielten Sie zusammen mit Tobey Trueblood und Tim Vantol im Blue Shell.

Tobey Trueblood begrüßte uns als erstes auf der kleinen Bühne. Die Kölner Band sorgte beim größtenteils Kölner Publikum au f jeden Fall für eine ausgelassene Feierstimmung. Auf der MySpace-Seite der Band steht auf Platz 1 der Top-Freunde Chuck Ragan und dieser Einfluss war auch sehr deutlich raus zu hören, was aber keinesfalls negativ gemeint sein soll. Allerdings stehe ich persönlich nicht ganz so auf raue, durch (wahrscheinlich) Whiskey und Zigaretten stark beanspruchte Stimmen. Aber das ist natürlich Geschmackssache. Zwei Gitarren und eine Cajon.
Direkt im Anschluss folgte Tim Vantol aus den Niederlanden. Auch hier war der Einfluss von Chuck Ragan erkennbar und leider unterschieden sich die beiden Musiker nicht nur optisch sondern auch musikalisch kaum voneinander. Tim Vantol stand allerdings ganz allein auf der Bühne und schaffte es trotz rauchiger Stimme mich doch irgendwie mitzureißen.

Nach einer kleinen Pause erklangen dann die mir inzwischen so gut bekannten Töne des Black-Rust-Intros, das natürlich bei keinem ihrer Konzerte fehlen darf. Bei den letzten Klängen füllte sich dann die kleine Bühne im Blue Shell mit den fünfen. Wie wir später erfuhren konnte Norbert Künne, der ja normalerweise als Special Guest an den Percussions zugegen ist, aus gesundheitlichen Gründen nicht mit nach Köln reisen. Gute Besserung an dieser Stelle.

Black Rust waren dieses Jahr ja hauptsächlich mit den Aufnahmen ihres dritten Albums beschäftigt. Die Konzerte waren also rar gesät. Seit dem Eurocityfest in Münster habe ich die Jungs nicht mehr live gesehen und war umso mehr gespannt wie die neuen Songs klingen, die sie uns ja bestimmt präsentieren würden. Einige neue kannte ich bereits von ihren Auftritten im Amp im März und vom Eurocityfest, wie zum Beispiel „Rain and Roses“ und „Having panic about a new world war“, der ganz zum Schluss zum Besten gegeben wurde und auch mein persönliches Highlight des Abends in Köln war. Ein klasse Abschluss also.

Die Songs waren einfach perfekt durchmischt… alte, neue und alte, die es endlich auf die dritte Platte geschafft haben, wie zum Beispiel das live immer wieder grandiose „Still“, bei dem die Band es vorzieht die Bühne zu verlassen und sich samt Kontrabass und Gitarren in die Mitte des Publikums zu begeben. Da wurden selbst die vorher ziemlich lauten Gäste des Blue Shells ganz still und lauschten den leisen Klängen.

Ich meine auch den Black Rust-Song wiedererkannt zu haben, den Jonas kürzlich mit den Aerobatics in Dortmund performte… nur klang der an diesem Abend natürlich komplett anders. Neben „Having panic about a new world war“ begeisterte mich natürlich wie bei jedem Konzert „Bottom of the glass“. Die neue Mandoline der Band macht sich in den Händen von Julian einfach unglaublich gut.

Die Kölner schienen auch ziemlich begeistert zu sein. Die Stimmung hatten die beiden Supporte auf jeden Fall gut angeheizt und das zog sich auch weiter durch in den etwas ruhigeren Black-Rust-Teil des Abends. Jonas versuchte wie bei jedem Konzert einen Moshpit auf die Beine zu stellen, was allerdings auch diesmal nicht gelang. „Schreib ‘nen Metalsong, dann pogen und moshen wir auch“ rief eine Zuschauerin. Getanzt wurde aber trotzdem ausgelassen. In den ersten Reihen blieb auf jeden Fall kein Bein still am Boden verhaftet.

Das war ein wieder mal unglaublich toller Abend mit Black Rust.

Ich bin wirklich gespannt auf das neue Album, das am 4. März 2011 veröffentlicht werden wird. Und hoffentlich werden sie dann auch wieder häufiger auf den Bühnen Deutschlands und vielleicht auch mal Europas zu sehen sein. In Indien sind sie ja schon getourt. Danach sollte dann wohl auch der Rest der Welt folgen. Verdient hätten sie es auf jeden Fall. Wenn ihnen schon ihre Heimatstadt den Rücken kehrt und lieber ein kleines Popstars-Sternchen zu ihrer musikalischen Botschafterin erklärt, sollten die fünf bzw. sechs einfach genauso engagiert weiter machen und dem Bürgermeister der Stadt mal zeigen, was wirkliche Willenskraft und wirklicher Kampfgeist bedeutet. Beides haben sie nämlich in den letzten Jahren immer wieder unter Beweis gestellt.

Fotos: Chiara WhiteTapes mehr hier

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Miyagi Abschiedskonzert – AMP, Münster, 27. November 2010

Lange versuchte ich diesen Tag einfach zu verdrängen, aber letztendlich kommt man um gewisse Dinge leider nicht herum. Am Samstag war es dann soweit. Miyagi luden ein zum Abschiedskonzert im münsteraner Amp. Die Abendkasse brauchte man an diesem Tag nicht mehr. Das Konzert war kurz vor Beginn ausverkauft, was ja eigentlich auch nicht anders zu erwarten war.

Ohne Support stürmten die fünf um kurz nach 22 Uhr die Bühne. 250 Gäste. Das Amp platzte aus allen Nähten. Zu Recht. Das, was uns Miyagi in den letzten Jahren live geboten hatten, wollten alle Anwesenden selbstverständlich noch ein letztes Mal erleben… um sich das Konzert so fest ins Gedächtnis einbrennen zu lassen, dass man es zu seinen Lebzeiten nicht mehr vergisst. Wer an diesem Abend das erste Mal in den Genuss gekommen ist Miyagi on Stage zu erleben, wird sich wohl noch Jahre lang ärgern diese Band nicht schon früher gekannt zu haben.

Für Tränen war an diesem Abend aber definitiv nicht viel Platz. Miyagi hauten einen genialen Song nach dem anderen raus und letztendlich musste ich wirklich feststellen, dass sie am Samstag alle Titel gespielt haben, die seit ihrer Gründung veröffentlicht wurden… zusätzlich natürlich auch die neuen Songs, die sie gerade wöchentlich in ihrem Adventskalender verschenken. „Reborn“ und „Hand in mine“ fügten sich perfekt zum Set mit den älteren Titeln ein und wurden genauso mitgesungen, mitgegröhlt, mitgeschrien wie alle anderen Lieder.

Die beiden bis jetzt veröffentlichten neuen Songs lassen erkennen welches Potential noch in dieser Band gesteckt hat. Aber wie die fünf ja auch schon bei der Bekanntgabe der Trennung sagten, ist es definitiv besser Miyagi auf dem Höhepunkt aufzulösen als nicht mehr die notwenige Energie reinstecken zu können, die erforderlich wäre, um die Band auf dem Niveau weiterführen zu können.

Miyagi begleiteten mich nahezu täglich seit ich das erste Mal vor dem Eurocityfest 2008 in ihre Songs reingehört habe. Viele Konzerte folgten und das Abschiedskonzert war neben der Albumreleaseparty ihres Debütalbums „Hydraulic Son“ im November 2008 definitiv das Beste, was ich von den fünfen gesehen habe. Als dann für einen Song auch noch der ehemalige Gitarrist Jörn (I am the Architect) wieder zurück an die Gitarre geholt wurde, war mein Abend perfekt.

Wer behauptet, dass er als Daniel für das ruhige „Chimes“ an die Gitarre wechselte nicht die eine oder andere Träne zurückhalten musste, kann eigentlich nur lügen. Und wer es wagt diese Band nur auf „Whatever 2.0“ zu beschränken, hat einfach keinerlei musikalisches Verständnis, geschweige denn Geschmack. Besonders gefreut habe ich mich über „Holidays in Okinawa“, „Ice Cream“, „Misery/Battery“, „Sideways“ und natürlich über meinen absoluten Favoriten vom Album „Shoot Shoot“.

Das Konzert, der Abschied oder die eigentliche EP-Releaseparty, wie Sänger Stefan so schön sagte, war wirklich das Beste, was ich dieses Jahr auf den Bühnen dieser Welt erlebt habe. Das Ende war kurz und schmerzlos… obwohl die Jungs schon ziemlich traurig aus der Wäsche guckten, als sie von der Bühne verschwanden. Wie ich, haben sie wahrscheinlich auch erst danach realisiert, dass das Kapitel Miyagi nun für immer vorbei ist.

Was bleibt mehr zu sagen? Wer nicht dort war, hat definitiv was verpasst und wer dort war, weiß was im Amp abgegangen ist.

Ihr werdet fehlen. Absolut… aber immerhin hinterlasst ihr der Welt drei geniale EPs und euren hydraulischen Sohn. Vielen, vielen Dank für die schöne Zeit und die Erinnerungen, die ich mit eurer Musik verknüpfe.

Macht’s gut… Miyagi.

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Paul Smith, Gebäude 9, Köln, 10. November 2010

Es ist gerade erst einen Monat her, dass Maxïmo Park Frontmann Paul Smith die derzeitige Pause seiner Hauptband nutzte, um mit “Margins” sein erstes eigenes Album zu veröffentlichen. Ein Album, mit dem der junge Brite einige neue Facetten seines Songwritings offenbarte und dabei seine Stärken voll ausspielte. Da waren wir natürlich sehr gespannt, wie die Live-Umsetzung der Songs des Nord-Engländers gelingt. Große Zweifel an der Qualität hegten wir allerdings nicht, da er mit seiner Haupt-Band Maxïmo Park live eine Bank ist. Also folgten wir natürlich gern dem Ruf ins Kölner Gebäude 9, in dem Paul Smith knappe eineinhalb Jahre zuvor mit Band neue Songs des dritten Maxïmo Park Albums “Quicken The Heart” vorstellte. Dieses Mal standen seine eigenen Stücke auf dem Programm. Die Zahl derer, die sich im Gebäude 9 einfanden war auch dieses Mal wieder hoch und der Club gut gefüllt.

Die Band, die er dieses Mal dabei hatte, war natürlich eine andere und spielte in dieser Formation bisher vielleicht etwas mehr als 10 Mal zusammen. Von Unsicherheit aber nichts zu spüren, als Bassistin Claire Adams, Gitarristin Rachel Lancaster und Drummer Andy Hodson, der sich auch für die Produktion von “Margins” verantwortlich zeigte, die Bühne betraten und das erste Stück anstimmten. Ein wenig nervös wirkte hingegen der Mittelpunkt des Abends, Paul Smith. Mit dieser leichten Verlegenheit hatte man ihn seit den ersten Deutschland-Auftritten mit Maxïmo Park Anfang 2005 nicht mehr gesehen. Dennoch gelang ihm aber zunächst allein eine starke Eröffnung des Abends mit dem gefühlvoll vorgetragenen “While Your In The Bath”. Mit dem Stück “North Atlantic Drift”, das es vor Release des Albums zum Gratis-Download gab, gab es dann das erste Mal am Abend etwas rockigere Töne. Die bestimmen bei Maxïmo Park bekanntlich ein Konzert, sollten aber an diesem Abend rar gesät sein. Was in Anbetracht des Albums natürlich keine Überraschung darstellte.

Paul Smith mit umgeschnallter Gitarre gab dabei vielleicht zunächst ein ungewohntes Bild ab, aber den Sechssaiter meisterte er ohne größere Verspieler. So entwickelte sich auch mit den ruhigeren Stücken, die Paul Smith an diesem Abend präsentierte, eine fesselnde, intime Stimmung, in der man die ganze Zerbrechlichkeit der Songs noch mehr spüren konnte, als auf dem Album. Aber nicht nur mit den Album-Tracks schaffte er es, das Publikum in seinen Bann zu ziehen. Gerade bei der Cover-Version von Arthur Russell’s “A Little Lost” schien die Spannung so groß, dass man die sprichwörtliche Stecknadel hätte fallen hören können. Spätestens nach diesem Vortrag hätte der Abend beendet werden können und jeder Besucher hätte höchstwahrscheinlich zufrieden den Heimweg angetreten. Ende war aber noch lange nicht, denn mit dem tollen “I Drew You Sleeping” und der aktuellen Single “Our Lady Of Lourdes” warteten unter den restlichen Songs des Abends noch mindestens zwei große Highlights auf die Zuschauer, bevor sich Paul Smith und Band kurz von der Bühne verabschiedeten.

Es sollte aber nicht lange dauern, bis zunächst Paul und Andy für den Album-Abschluss “Pinball” auf die Bühne zurückkehrten, ein ruhiges Stück, bei dem Paul auf dem Album allein von Ukulele und Cello begleitet wird. In der Live-Fassung gab es leider nur die Ukulele, die Andy am Ende zurückstellte, um Paul für die letzten beiden Songs ganz allein auf der Bühne zurückzulassen. Und wer nun dachte, das Set würde nicht mehr allzu viel bereit halten, da bereits alle Songs von “Margins” durch waren, der hat sich auch dieses Mal geirrt. Denn mit “Tanned”, einem Stück von “Quicken The Heart” hielt Paul eine ganz besondere Überraschung bereit. Mit dem größten Highlight verabschiedete der Nord-Engländer dann das Kölner Publikum in die Nacht. Er wartete nämlich mit einer ganz speziellen Version von “By The Monument” auf, die in der Bridge nahtlos in “Apply Some Pressure” überging, um am Ende wieder mit dem Refrain von “By The Monument” zu schließen. Das Ganze derart reduziert auf Stimme und seine Fender, dass man sich an die Sin-é Sessions von Jeff Buckley erinnert fühlte – bemerkenswerterweise sogar stimmlich. Gänsehaut war vorprogrammiert und der Applaus am Ende des Sets verdient laut. Der wäre vielleicht sogar noch größer ausgefallen, wenn nicht recht schnell Licht und Musik angegangen wären. Am Ende gingen alle mit der Erkenntnis, dass nicht nur ein Maxïmo Park Konzert ein einzigartiges Erlebnis ist, sondern das Paul Smith alleine ebenfalls eine ganz besondere Atmosphäre zaubern kann.

Fotos: Ariane WhiteTapes, mehr vom Abend hier

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Villagers & Daniel Benjamin, Luxor, Köln, 9. November 2010

Auf dem diesjährigen Haldern Pop Festival gehört der Auftritt von Conor J. O’Brien und seinen Villagers am Sonnabend sicherlich zu den Highlights des Festivals. Beim knapp 1stündigen Auftritt der Iren entwickelte sich eine ganz eigene Magie, die auch die Band kürte und den Auftritt zu ihrem bisher liebsten erklärten. Natürlich war der Auftritt der Band in Köln da mehr als nur ein Pflichttermin.

Der für Köln ausgewählte Support schaffte sodann auch eine weitere Verbindung zum Haldern Pop. Daniel Benjamin ist nämlich eng verbandelt mit dem Festival und auch beim Haldern Pop Label unter Vertrag. Derzeit nimmt er sein neues Album auf, folgte aber gemeinsam mit einer Gastmusikerin dem Ruf von Villagers, um ein paar Support-Shows zu spielen. Als er sein Set einige Minuten nach 21 Uhr begann, war das Kölner Luxor bereits gut gefüllt und so kam Daniel Benjamin zu dem Vergnügen seine Songs einem größeren Publikum vorzustellen. Von denen und an denen gab es auch ein paar Neuerungen, ein Cembalo auf der rechten Bühnenseite war wohl die markanteste. Mit seinen Folk-Pop-Stücken sorgte er für eine dichte Atmosphäre und erntete mehr als nur ein wenig Anstandsapplaus. Gerade durch das Cembalo erhielten die Stücke einen angenehm altmodischen Folk-Touch, der gerade beim neuen “The Heart Of The Rainbow” an Fleet Foxes erinnerte. Knappe 30 Minuten dauerte sein Set, in denen er unter anderem noch scherzhaft erläuterte, dass er neben Gitarre und Drums bald noch Basspedal mit den Füßen und Geige mit seinem Ellbogen spielen wolle, damit er einen noch volleren Klang erzielt. Darauf warten wir dann einmal gespannt, denn nach diesem tollen Support-Auftritt freuen wir uns dann schon auf die Tour zum nächsten Album. Die Umbaupause nach Daniel Benjamin gestaltete sich dann beinahe etwas lang, war aber um 22:15 Uhr auch überstanden.

Die Spannung war zu diesem Zeitpunkt bereits greifbar und die Vorfreude auf den Auftritt von Conor J. O’Brien und seinen Jungs wohl nicht nur bei uns groß. Die eröffneten den Abend mit “The Meaning Of The Ritual” vom Villagers Debüt “Becoming A Jackal”. Von der ersten Sekunde an war das Publikum gefangen von den Songs. Jeder im gut gefüllten Luxor schien an den Lippen von Conor zu hängen, der in seinem Gesangsstil eher erzählt, als singt. Das passt natürlich gut zur Intention der Songs, in denen der junge Ire viel wert auf die Geschichten legt, die er dort erzählt. Die handeln vom Erwachsenwerden verpackt in das Bild einer Metamorphose vom Menschen zum Schakal. Recht früh im Set, nämlich bereits an vierter Stelle, feuerten Villagers mit “Pieces” eines ihrer größten Highlights heraus. Im Laufe des Songs steigerte sich die Band immer mehr, bis Conor am Ende mit den Schakalen jaulet. Im anschließenden “Set The Tigers Free”, das beinahe ein wenig daher plätscherte, fuhr die Band ihr Tempo wieder deutlich runter und setzte diesen Prozess in der Folge fort, da sie Conor für einige Songs allein auf der Bühne zurückließen.

Allein intonierte er dann rein akustisch unter anderem das tolle “27 Strangers”. Leider war nach dem atmosphärisch dichten “Pieces” die Tempo-Bremsung so stark, dass der Bruch mit den ruhigeren Songs etwas zu stark war und die Stimmung ein wenig abflachte. Dennoch lauschten alle gern dem neuen Stück “Cecilia and Her Selfhood”, das Conor zunächst A Capella und später mit Gitarre vortrug. Hier wurde die Stille auf die Spitze getrieben, was auch dank des starken narrativen Vortrags von Conor einen ganz eigenen Charme hatte. In der Folge zog das Tempo dann zunächst mit einem Begleitmusiker am Keyboard und dann mit der ganzen Band wieder an, um sich im abschließenden “Ship Of Promises” mit ganzer Macht zu entladen. Nach großem Applaus kamen Villagers noch einmal für zwei letzte Songs auf die Bühne des Luxor zurück und verabschiedeten sich am Ende mit dem tollen “On A Sunlit Stage”. Zufrieden verließen die Besucher im Anschluss an ein unterhaltsames Set das Luxor. Zwar konnten Villagers nicht ganz die Magie ihres Haldern Auftritts heraufbeschwören, aber das was sie ablieferten, war mehr dennoch ganz großes Kino.

Fotos: Ariane WhiteTapes,
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Aerobatics, Happy Happy Ding Dong, Dortmund, 28. Oktober 2010

Foto: Chiara WhiteTapes

Als ich las, wo am Donnerstagabend letzter Woche die Aerobatics spielen würden, musste ich schon ein wenig schmunzeln. Was ist das auch für ein merkwürdiger Name? Happy Happy Ding Dong? Ich habe hier in Dortmund ja schon die eine oder andere Kneipe von innen gesehen und war deshalb äußerst gespannt, was mich erwarten würde. Als ich die Lokalität betrat, war ich wirklich positiv überrascht. Okay, ich liebe rot und die Wände im Happy Happy Ding Dong sind es und hinter der Bar stapelt sich bis unter die Decke das Hochprozentige. Wer würde sich dort nicht wohlfühlen?

Einlass war um 20 Uhr. Die Aerobatics kamen um kurz nach 21 Uhr auf die Bühne. Das Happy Happy Ding Dong war für einen Donnerstag doch recht voll, soweit ich das beurteilen kann. Nur irgendwie traute sich mal wieder niemand der Bühne zu nah zu kommen, wie das bei kleinen Konzerten meistens der Fall ist.

Neben den bereits bekannten Songs von ihrer Fidelity EP gab es natürlich auch einige neue Titel. Unter anderem ein Song namens „Promises and Presents“, der mir schon bei meinem letzten Konzert der Aerobatics im FZW sehr positiv aufgefallen war. Ich bin also gespannt auf eine neue EP oder ein Album – warten wir einfach mal ab, was uns die Fünf in Kürze präsentieren werden.

Als sich die Aerobatics dann nach ihrem Set von der Bühne verabschiedeten, schienen die Zuschauer es wohl für selbstverständlich zu halten, dass sie nochmal für eine Zugabe zurückkehren und deshalb stand der Großteil einfach nur rum, guckte auf die Bühne, sagte aber nichts. Na, so wird eine Band wohl nicht wieder kommen wollen. Vielleicht lag es daran, dass Donnerstag war. Da sind die Menschen vielleicht noch nicht ganz so ausgelassen. Aber da gab es ja noch Steve, der der Dortmunder Truppe wohlgesonnen war und einfach auf die Bühne sprang und die Leute dazu bewegte doch endlich mal „Zugabe“ zu rufen.

Foto: Chiara WhiteTapes

Was da beim Publikum los war, weiß ich auch nicht. Da wäre sicherlich mehr drin gewesen. Fair finde ich so ein Verhalten nicht, selbst wenn es nur mittelmäßig gewesen wäre, was es allerdings nicht war.

Dank Steve, traute sich die Band dann doch nochmal auf die Bühne und spielte noch ein paar Zugaben. Und wie gut, dass sie das taten.

Sänger und Gitarrist Jonas Künne dürfte ja dem ein oder anderen auch von Black Rust bekannt sein. Durch die Zugabe der Aerobatics bekam das Publikum im Happy Happy Ding Dong nämlich ganz unerwartet einen kleinen Einblick in das dritte Album von Black Rust, das im März 2011 erscheinen wird. Wie es dazu kam, darf ich allerdings nicht verraten.

Warten wir einfach bis das neue Black Rust Album da ist und dann wird Jonas das Geheimnis um den Song vielleicht enthüllen.

Insgesamt war es ein wirklich toller Abend. Meine Highlights waren definitiv „Closer“, „Promises and Presents“ und der Titel, der eigentlich Black Rust gehört. Der Sound war für einen so kleinen Laden wirklich gut. Da habe ich schon weitaus schlimmeres erlebt. Zusätzlich habe ich mit dem Happy Happy Ding Dong eine erstklassige Dortmunder Szene-Kneipe entdeckt, in der ich nun wohl häufiger anzutreffen sein werde.

Fotos: Chiara WhiteTapes

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Klubgrün & Diego, Amp, Münster, 27. Oktober 2010

Ganz spontan und wie es der Zufall so will, fand ich mich am Mittwochabend am Alten Güterbahnhof wieder. Ich wollte an diesem Tag sowieso meine neue Kamera testen und im Amp bot sich einfach die perfekte Gelegenheit dazu.

Über den Sunday Chocolate Club, deren Sänger Kai ebenfalls bei Klubgrün am Mikro steht, fand ich auch zu eben dieser Band. Ich, kein besonders guter Freund elektronischer Musik, war beim ersten Hören der Songs im Internet noch etwas skeptisch, ob mir die Musik wohl gefallen könnte. Viel zu schnell habe ich wohl mal wieder eine Band in eine Schublade gesteckt, aber ich lasse mich ja gern vom Gegenteil überzeugen.

Schubladen-Denken ist ja eh eine kritisch zu betrachtende Sache und in der heutigen Musikszene eigentlich antiquiert – einfach nicht mehr angebracht, da sich alles vermischt. Elektronische Einflüsse findet man ja bereits seit geraumer Zeit an jeder Ecke genau wie Ska- oder Folk-Elemente. Also war ich einfach neugierig. Ich wollte nicht vorschnell ein vernichtendes Urteil fällen und so begab ich mich am Mittwoch in ein neues Territorium.

Mit 30 Gästen war das Amp nicht gerade überfüllt, aber immerhin hatte man dadurch etwas Luft zum Atmen und das Gefühl mal wieder einen Geheimtipp entdecken zu können.

Klubgrün starteten ihr Set. So elektronisch klangen sie plötzlich gar nicht mehr, zumindest ein bisschen weniger als auf Platte. Erstaunlich, aber wahr… es gefiel mir sehr, was ich da zu sehen und zu hören bekam. Spätestens bei Crystal Castle hatte ich sie in mein Herz geschlossen. Der Song blieb auch einfach mal tagelang in meinem Kopf. Welch ein unglaublich toller Ohrwurm. Ein Titel, der eigentlich auf keiner Party fehlen dürfte.

So richtig viel Bewegung kam allerdings nicht ins Publikum. Wippende Füße und nickende Köpfe waren schon auszumachen, wodurch ich davon ausging, dass es den meisten wohl zu gefallen schien. Vielleicht wollten sie sich auch schon mental und physisch auf den bevorstehenden Auftritt von Diego vorbereiten. Ein durch Tanzen zu schneller Puls wäre bei deren etwas düsterer und melancholischerer Atmosphäre eventuell hinderlich gewesen.

Klubgrün gaben trotzdem alles und zumindest haben sie mich überzeugen können an diesem Abend. Elektronische Musik ist ja doch gar nicht so schlimm wie ich immer dachte.

Kurze Umbauphase und schon ging es weiter mit Diego. Der Name erinnert eher an eine spanische oder südamerikanische Latinoband als an das, was mir dann begegnete. Diego sind nämlich fünf Herren aus Karlsruhe. Schön! Schon wieder war das mit den Schubladen keine gute Idee.

Bereits mit dem ersten Stück „Echoes“ zog mich die Stimme von Sänger Andreas in ihren Bann. Sie erinnerte mich, genau wie die musikalische Untermalung, an die Editors. Aber an die „guten“ Editors, die Editors von früher.
Ich stellte bei meinen Recherchen zu dieser Band fest, dass sehr häufig im Zusammenhang mit Diego die Namen Editors und Interpol fallen, aber den Vergleich brauchen die fünf auf keinen Fall zu scheuen.

Sie erschufen über den gesamten Abend hinweg eine unglaublich dichte Atmosphäre und führten uns, begleitet von einigen älteren Songs, durch ihr neues Album „Gold“ (erschienen am 24. September 2010). Besonders herausragend fand ich den Titel „Grizzly Bear“.

Irgendwas war an diesem Abend dann noch mit dem Gitarrengurt von Gitarrist Ralf passiert. Eine kurze, aber lustige Unterbrechung folgte, als sich die Band auf die Suche nach einem neuen Gurt begab. Irgendwo fand sich dann tatsächlich noch einer und es konnte weitergehen.

Als ich schließlich samt CDs von Diego und Klubgrün das Amp verließ, war ich einfach nur begeistert. So schnell kann es gehen, dass man tatsächlich zwei Geheimtipps für sich entdeckt. Ich hoffe, dass sie das nicht mehr allzu lange bleiben werden.

Ach ja… und Schubladen sind übrigens sowieso von gestern.

Fotos im Artikel: Chiara WhiteTapes mehr hier
Foto auf Startseite: Steffi Koch (neongold.org

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Sunday Chocolate Club – Tour-Tagebuch pt. 1

Tag eins der „You look much better undressed“-Tour. Es geht nach Warendorf, einem (fast) verschlafenen Örtchen bei Münster. Das Navi leitet uns vom Startpunkt Bielefeld sicher in Richtung Niemandsland, bis wir auf halber Strecke in eine Spielstaße einbiegen – nein, hier ist nicht das Dublin Road und auch nicht Warendorf. Ok, wir finden den netten Kellerclub, dann aber doch noch und kommen lediglich 45 Minuten zu spät.

Zum Soundcheck finden sich bereits die ersten Gäste ein und fragen sich, ob wir denn schon spielen würden. Damit warten wir dann aber doch noch bis zur Halbzeitpause des Länderspiels, dass im Hintergrund ohne Ton gezeigt wird.

Als wir schließlich um 22 Uhr loslegen ist der Laden – trotz Fußballspiel – halbwegs gefüllt mit musikbegeisterten jungen Menschen, die allerdings mehr nach Punk oder Metal-Freak aussehen anstatt nach Indienerd. Die musikalische Untermahlung von HIM und Iron Maiden wurde zuvor zu unseren Gunsten heruntergeregelt und wir spielen eine knappe Stunde ohne mit Eiern beworfen zu werden. Das war knapp. Unsere Musik kommt irgendwie sogar ganz gut an und spontan kaufen die „Harten-Typen“ sogar unsere CD und meinen „…nicht ganz unsere Musik, aber gut gemacht.“

Mit den lobenden Worten im Ohr treten wir unsere Heimreise an und freuen uns auf die kommenden Clubs und neue Abenteuer.

Sunday Chocolate Club auf Tour:

11. Oktober, Osnabrück, Glanz & Gloria
21. Oktober, Hamburg, Pooca
30. Oktober, Herzebrock-Clarholz, MUK
06. Dezember, Hamburg, Hafenklang (als Support von Eight Legs)
07. Dezember, Musikbunker, Aachen (als Support von Eight Legs)

<a href="http://sundaychocolateclub.bandcamp.com/album/you-look-much-better-undressed">You look much better undressed by Sunday Chocolate Club</a>

Myspace // Bandcamp

Foto: Ariane WhiteTapes, mehr vom Abend hier

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Young Rebel Set, Sputnik-Halle, Münster, 24. September 2010

Foto: Ariane WhiteTapes

Denkt man an die Highlights des diesjährigen Haldern Pop Festivals, werden viele für den Samstag sicherlich Young Rebel Set nennen. Es war schon erstaunlich, wie gut sich der Reitplatz während des Sets der Nord-Engländer füllte. Also zumindest untypisch für die Uhrzeit auf dem Haldern Pop. Der Grund dafür war natürlich klar, denn die Indie-Folk-Rocker spielten ein mitreißendes Set mit tollen Songs, die das Publikum früh anheizten.

Als Fans der Band freuten wir uns dabei umso mehr, dass Young Rebel Set also auch live eine Bank zu sein scheinen und freuten uns denn auch auf den Abstecher der Jungs nach Münster. Da waren wir nicht die einzigen und so warteten bereits vor Einlass nicht wenige Fans vor der Sputnik-Halle. Die erlebten einen verspäteten Einlass bei herbstlichen Temperaturen und im Anschluss langes Warten auf Young Rebel Set. Das wurde durch die Vorband nicht unbedingt verkürzt, war aber auch irgendwann vorüber. Young Rebel Set kamen gut gelaunt auf die Bühne und übertrugen das auch schnell auf das zahlreich erschienene Publikum.

Einzig die Ansagen der Band wollten nicht so recht zünden. Aber Frontmann Billy The Kid machte es den Anwesenden mit seinem genuschelten Northern Accent auch nicht wirklich leicht. Aber die Leute waren ja wegen der Musik gekommen und die war gut. Egal, ob es sich nun um Stücke vom selbstbetitelten Mini-Album handelte, oder um noch unbekanntes Material. Alle waren in Tanz- und Feierlaune. Trotz für die Sputnik-Halle eher untypischen Folk- und Country-Sounds. Auch untypisch die ruhigeren Töne, als Sänger Billy The Kid nach einer kurzen Pause ganz allein auf der Bühne stand. Dort sang er zunächst ganz allein mit seiner Gitarre und kurz darauf von einem Gitarristen begleitet einige ruhigere Nummern zum Besten.

Im Anschluss folgte der finale Part mit den Hits “Walk On” und natürlich auch “If I Was”. Hier kochte auch die Stimmung noch einmal ganz hoch. Young Rebel Set belegten an diesem Abend, dass es ihnen auch ohne die Sonne des Haldern Pop gelingt ein mitreißendes Set mit viel guter Laune zu spielen und sie immer für eine Party gut sind. Dazu passte auch die Einladung der Band, die verkündete nämlich, dass es Backstage so viel zu trinken gäbe, dass jeder der Lust hat, eingeladen sei mit der Band anzustoßen.

Fotos: Ariane WhiteTapes, mehr vom Abend hier

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Walter Schreifels, Das Bett, Frankfurt, 16. September 2010

Mit wenig Aufwand viel erreichen. Das war das Credo dieses Abends im Frankfurter Das Bett, in dem Walter Schreifels seine Deutschlandtournee startete. Die Walter Schreifels –Band war nicht anwesend. Die Bühne schmückten nur auf zwei auf Holzständern befestigte Vorhänge mit einem mexikanischen Revolverhelden. Dazwischen wirkte Schreifels mit seiner zierlichen Statur und der Akustikgitarre wie der kleine, unschuldige Junge von Nebenan. Doch der New Yorker verstand es, das Publikum auch mit wenigen Mitteln mitzureißen. Charmant und sehr humorvoll mischte er Musik mit Anekdoten. Das vermeintliche Konzert entpuppte sich zu einer musikalischen Stand-Up-Show. Vom Konzept her ist das nicht weit entfernt von seinem Kumpel Olli Schulz. Im Gepäck hatte der Musiker allerhand mitgebracht. Neben Songs seines ersten Solo-Albums „An Open Letter To The Scene“ bereicherten Hymnen aus seiner bemerkenswerten, musikalischen Vergangenheit das Repertoire. So mussten die etlichen, der Hardcore-Szene zugehörigen Besucher nicht enttäuscht sein, obwohl sie sich mit den soften Akustikversionen zufrieden geben mussten.

Das Vorprogramm gestaltete der aus Kaiserslautern stammende und in Mainz wohnhafte Singer-Songwriter Ghost Of A Chance aka Tobias Heiland. Als er die Titel seines Debütalbums „And Miles To Go Before I Sleep“ zum Besten gab, herrschte eine gemütliche Wohnzimmerstimmung im Bett. Etwas anderes konnte man von einem Konzertort solchen Namens auch nicht erwarten. Viele Besucher sitzten, einige lehnten an der Wand und nippten gelassen an ihren Getränken. Doch ihre Aufmerksamkeit war ungebrochen.

Tobias Heiland hat mit Walter Schreifels nicht nur die Hardcore-Vergangenheit gemeinsam. Auch er gab sich bescheiden und trug seine melancholische Alltagspoesie mit nur einer Akustikgitarre bewaffnet vor. Seine markante Stimme beweist, dass in so manch einem Schreihals ein sehr guter Sänger stecken kann.

Währenddessen huschte Schreifels durch das Publikum und flüsterte: „Das wird ein tolles Konzert. Ich spüre es.“ Ob er es ernst meinte oder nicht, weiß man nicht. Schließlich war der Laden nicht brechend voll.

Etwas zerstreut betrat der Ex-Berliner dann die Bühne – lächelnd, die Augen aufmerksam das Publikum inspizierend, schloss er die Gitarre ans Pedal und den Verstärker und legte mit „Arthur Lee’s Lullaby“ los. Zwischen den Songs schmückten Anekdoten aus seinem Alltag das Set. So erzählte er von seinen Erlebnissen in einem bekannten, deutschen Elektrofachmarkt und wie er am Flughafen Lee Ronaldo von Sonic Youth begegnete. Die Reihenfolge der Songs unterschied sich wenig von der Reihenfolge auf dem Album. Bei „Society Suckers“ fragte Schreifels in die Runde, welche Band dieses Stück ursprünglich zum Besten gab. Keine schwierige Frage für die Hardcore-Jünger im Saal: „Agnostic Front!!“ prustete es aus diversen Ecken. Walter Schreifels war guter Stimmung, keine Spur von Müdigkeit. Kaum zu glauben, dass er am gleichen Tag aus New York eingeflogen war und vor seinem Hotel im Auto schlafen musste, da das Hotel ihn erst nicht einchecken lassen wollte. Drei Albumsongs mussten zahlreichen Coverversionen und Songs von Schreifels vorigen Bands weichen. Bei dem Sick Of It All-Cover „Friends Like You“ animierte er das Publikum den Refrain mitzusingen. Als der Publikums-Chor „We don’t need friends like you! We don’t need friends like you!“ rief, war dem New Yorker die Zufriedenheit sichtlich anzumerken. Mit „Audrey“ spielte er dann ein Stück seiner Band Walking Concerts. „Streetfighting Woman“ war ein neuer Song Schreifels, der die Linie seiner poppigen Singer/Songwriter-Musik fortführt.

Zum Abschluss kam das Publikum noch mal in den Genuss seines Entertainer-Talents. Es durfte sich Songs für ein Medley aussuchen. Neben den Rival Schools-Tracks „Travel By Telephone“ und “Undercovers On” kamen Walking Concerts „Mustang Ford“, Gorrilla Bisquits „No Reason Why“ und zu Schreifels Befürchtung auch “Poker Face” von Lady Gaga in die Auswahl. Trotz einiger nicht sehr eleganter Übergänge, was bei so viel Spontaneität wohl kaum vermeidbar war, sahen die Besucher doch sehr zufrieden aus.

Es ist schwierig mit nur einer Gitarre eine abendfüllende Performance hinzulegen, aber Walter Schreifels bewies, dass auch das mit Charme und Witz funktioniert.

Fotos: Patricia Jankowski und Asiye WhiteTapes

Walter Schreifels auf Tour:

21. September, Würzburg, Cafe CAiro
22. September, Bonn, Harmonie
23. September, Göttingen, Musa
24. September, Flensburg, Volksbad
25. September, Berlin, L.U.X.

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Fotos – Porzellan

Vorbilder sind etwas tolles, sie helfen uns unseren Weg zu finden, unsere Identität zu festigen und beeinflussen uns natürlich auch in dem, was wir tun. Freiheit ist auch etwas tolles, niemand der einem reinredet, der einen drängt etwas zu tun, oder uns einen Stempel aufdrücken möchte. Ihre Freiheit haben Fotos nach dem Ende ihres Vertrags bei der EMI nun wieder gewonnen. Die wollte sie wohl auf Teufel komm raus als das nächste große Ding vermarkten und sie in eine Ecke drängen, in die Fotos nicht wollten. Das wiederholen sie nun auch so oder so ähnlich beinahe mantraartig in vielen Interviews. Mit neu gewonnener Freiheit haben sie nun auch die Möglichkeit sich ihren Vorbildern zu widmen, oder auch als ganz freie Entscheidung aktuelle Trends in ihrer Musik aufzugreifen.

Der Trend geht langsam weg vom schrammeligen Indie-Rock hin zu fuzzigen, Shoegaze-Sounds auf der einen und folkigen Twee-Sounds auf der anderen Seite. Fotos scheinen die Shoegaze-Variante der aktuellen Trendentwicklung vorzuziehen und präsentieren sich mit “Porzellan” von einer neuen Seite. Das zeigt schon der Opener “Alles Schreit”. Das Wörtchen Zeitgeist möchte man dem Titel noch hinzufügen. Der Gesang schön hallig und die Instrumente erschaffen eine undurchdringliche kalte Soundwand. Kollegen meinen Anleihen bei The Jesus & Mary Chain und My Bloody Valentine zu hören. Vielleicht haben wir die genannten Bands auch einfach missverstanden, aber die Songs klingen in der Folge eher nach einer Mischung aus Slut, Polarkreis 18 und Tocotronic. Die Dresdner hört man gerade beim eigentlich tollen “Nacht” heraus. Mit der Stimme von Felix wäre das ein klarer Polarkreis 18 Hit, die Lyrics sind zur Abwechslung recht unpeinlich, die erzeugte Stimmung gelungen dicht und die Dramatik ansprechend. Das gelingt auf “Porzellan” leider streckenweise eher schlecht. Häufig wirkt die Verquickung des Indie-Rocks von Fotos mit Shoegaze- und Fuzz-Elementen sehr gewollt. Ein roter Faden ist nur schwer auszumachen, nur wenige Elemente vereinen die Songs, so dass das Album stellenweise eher wirkt wie ein wirrer Mix der gewählten Stile, die bei der Band zu allem Überfluss leider auch noch viel zu selten in wirklich richtig gelungenes Material münden. Denkt man an das doch recht gelungene “Nach dem Goldrausch zurück” wünscht man sich fast, dass die sympathische Band weniger Freiheiten bekommen hätte. Dem Durchbruch wird das nicht schaden, der wird nämlich jetzt fällig sein denkt man an die bisher überschwänglichen Reaktionen auf “Porzellan”. Zu wünschen ist es Fotos natürlich auch.

★★★★☆☆☆☆☆☆
Fotos

Fotos – Mauer (Musikvideo) from Snowhite on Vimeo.

Fotos auf Tour präsentiert von: Westzeit, Yahoo.com, WhiteTapes.de, Säavy & tape.tv

21. September, Halle – Objekt 5
22. September, München – Kranhalle (unterstützt von On3Radio)
23. September, St. Pölten – Freiraum
24. September, Köln – Studio 672
25. September, Hamburg – Reeperbahnfestival
26. September, Berlin – Roter Salon (unterstützt von Radio Fritz)

Interview // Myspace // Label