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Wir präsentieren: Fotos – auf Deutschland-Tour

In relativ genau drei Wochen veröffentlichen Fotos aus Hamburg und Köln ihr mittlerweile drittes Album “Porzellan”. Die erste Single “Mauer”, zu dem es weiter unten im Artikel auch das brandneue Video gibt, verspricht schon ein sehr gutes Album. Genau wie die Jungs vor kurzem im Interview mit uns. Zum Album gehört natürlich auch eine Tour und als Freunde des Fotos Pop freuen wir euch, die Daten der Band präsentieren zu dürfen. Also gleich Kalender gezückt und Termine vorgemerkt.

14.09.2010 Hamburg – Record Release Party @ Grüner Jäger, DE
18.09.2010 Hamburg – Akustik Konzert @ Saturn Markt, DE

präsentiert von: Westzeit, Yahoo.com, WhiteTapes.de, Säavy & tape.tv

21. September, Halle – Objekt 5
22. September, München – Kranhalle (unterstützt von On3Radio)
23. September, St. Pölten – Freiraum
24. September, Köln – Studio 672
25. September, Hamburg – Reeperbahnfestival
26. September, Berlin – Roter Salon (unterstützt von Radio Fritz)

Myspace // Label

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Haldern Pop 2010 – Geheimtipps statt Konsens

Es gehört eigentlich zur Tradition des Haldern Pop Festivals, das nach Bekanntgabe des Line-Ups das große Meckern der User im Haldern Pop Forum beginnt, wen sie lieber noch dabei hätten und wer da gar nichts verloren habe. Das blieb dieses Jahr bis auf kleinere Negativ-Bemerkungen komplett aus. Ein wenig verwunderlich möchte man meinen, denn das Festival verzichtete bis auf The National, Beirut und vielleicht noch Mumford & Sons fast komplett auf bekanntere Künstler. So kritisierte ein User:

“Was ist nur aus Haldern geworden?
Ein No Name Festival…schade.”

Bedenkt man aber die Tradition des Haldern Pop, macht genau das den Charme des Kult-Festivals aus, die Entdeckernase, der Verzicht auf Konsens und die Förderung von Geheimtipps. Und davon gab es nach der Indie-Star-Parade der letzten beiden Jahre wieder eine ganze Menge im Line-Up. Das ließ die Vorfreude wachsen und die Karten waren wie gewohnt bereits einige Wochen vor dem Festival-Termin restlos vergriffen.

Da wunderte es nicht, dass bereits am ersten Tag der Andrang auf dem Festival-Gelände groß war. Viele waren gekommen und wollten im kleinen Spiegelzelt Geheimtipps, wie I Blame Coco, Hypes, wie Stornoway und bereits bekanntere Namen, wie Beach House sehen. Alle, die gekommen waren, konnten gleich eine Neuerung sehen. Es gab nur noch eine Einlasskontrolle für das Festival-Gelände. Vor dem Biergarten war nun eine Schleuse aufgebaut, in der man sich noch einer kurzen Kontrolle unterziehen lassen musste. War man dann aber auf das Gelände gelangt, konnte man deutlich einfacher zwischen Hauptbühne und Spiegelzelt wechseln. Ein Vorteil, der sich aber erst am zweiten Tag wirklich ergeben sollte. Am Haldern-Donnerstag ist bekanntlich ja nur das Spiegelzelt geöffnet. Aber die Sache hatte einen weiteren Vorteil, der Biergarten wirkte nun deutlich gemütlicher und passte sich besser ins Gelände ein. Auch die Leinwand, auf der man das Geschehen im Spiegelzelt verfolgen konnte war nun optimal platziert. Auch ein Trost, für alle die in den langen Schlangen standen. Es schien, als seien an einem Donnerstag noch nie so viele Besucher beim Haldern gewesen, das kann aber auch an der geänderten Besucherführung liegen. Aber die Leinwand spendete Trost und Einblick ins Spiegelzelt, für alle, die es nicht reinschafften.

Das Festival konnte also beginnen. Und es bieten sich den Besuchern eine ganze Menge toller Sets. Gefühlvollen Folk vom einsamen Barden David Ford, wilder Stilmix von den Isländern Seabear und Beach House und amerikanischen Indie-Rock von Cymbals Eat Guitars. Highlights des Abends sind jedoch die Briten von Chapel Club mit ihrer tollen Mischung aus Brit-Pop und Indie, dank der man sicher noch von ihnen hören wird und Stornoway, die ein Herz für diejenigen zeigten, die draußen bleiben mussten und vor ihrem Set noch ein kurzes Akustik-Stelldichein im Biergarten gaben. Die Songs ihres Debüts “Beachcomber’s Windowsill” boten sie mit viel Herz dar und dürften mit ihrem knapp 45minütigen Set für die ein oder andere Gänsehaut gesorgt haben. Das machte nach 7 Künstlern am Eröffnungstag eine der schönsten Haldern Pop Eröffnungen der letzten Jahre. So durfte es weitergehen.

Ging es auch. Leider auch, was die Schlangen betraf. So hieß es dann am Freitag auch erst einmal lange anstehen, selbst, um in den Biergarten zu gelangen. Auf der Hauptbühne eröffneten Triggerfinger und Detroit Social Club den Tag. Besonders letztere wussten mit einem tollen Breitband-Rocksound zu überzeugen und einem Sänger, der beinahe an Bono erinnerte. Für das erste Highlight des Tages sorgte jedoch Guillemots Frontmann Fyfe Dangerfield im Spiegelzelt. Mit gefühlvoll vorgetragenen Liebesliedern von seinem Solo-Album “Fly Yellow Moon” ließ er die Herzen der Mädchen schmelzen. Unterstützt wurde er noch durch zwei junge Damen an Streichinstrumenten, durch die die ohnehin schon schönen Stücke noch herzergreifender wurden.

Parallel hieß es auf der Hauptbühne das ? aus dem Zeitplan aufzulären. Das entpuppte sich als Philipp Poisel. Der wurde vom Haldern-Publikum begeistert aufgenommen. Seine Mischung aus Songwriter-Sounds und Deutschpop gibt es zwar in dieser Form schon ein paar Mal und das auch besser, aber am frühen Nachmittag mit Sonne machte es doch Laune. Mehr jedenfalls, als Laura Marling, deren Folk-Interpretation die Kritiker spätestens mit ihrem zweiten Album zu überzeugen wusste. Als Sängerin bei Noah & The Whale begeisterte sie uns jedoch mehr, als mit ihren doch etwas langwierigen Solo-Nummern. Etwas aufgelockert wurde ihr Set durch ein paar Mitglieder von Mumford & Sons, die sie ein wenig begleiteten. Viel spannender war das Parallel-Programm auf der Hauptbühne mit der britischen Soul-Sängerin Rox aber auch nicht. Das Puplikum fand jedoch gefallen an der sympathischen jungen Britin und tanzte ausgelassen mit. Aber Soul ist einfach nicht unseres.

Die anschließenden Briten dafür umso mehr. Auf dem Programm standen nämlich Delphic. Deren Album ist in den letzten Monaten immer mehr gewachsen, nachdem wir uns ja zunächst enttäuscht zeigten. Live bestätigten sie dann auch die Stärke ihrer Songs mit wirklich viel Energie uns starker Perfomance. Der gesamte Reitplatz war auch wie gebannt von der Darbietung des Trios aus Manchester und dankte Delphic mit euphorischem Applaus und ausgelassenem Tanz. Delphic erwiederten das mit guter Laune und auffällig vielen “Thank You”. Im Anschluss an das wirklich packende Set der Drei gaben Mumford & Sons ihr Debüt auf der Hauptbühne, nachdem sie im letzten Jahr im Spiegelzelt euphorisch gefeiert wurden. Das war dann auch irgendwann vorbei und das größte Highlight des Freitags stand auf dem Plan. Beirut waren angetreten, um dem Reitplatz Gipsy-Folk erster Güte zu bieten. Die kam wie erwartet gut an. Zach Condon war blendend aufgelegt und konnte das auch über seine Performance transportieren. Lässig schulterte er seine Trompete und trug seine Songs so mitreißend und dicht mit seiner Band vor, dass es sich anfühlte, als würde er vor 200 und nicht vor 6.000 Fans spielen.

Anschließend hieß es den Abend im Spiegelzelt bei ruhigen Klängen zu beenden. Thus:Owls berührten mit fast geisterhaften Sounds und Junip durch das unverkennbare Gitarrenspiel von José Gonzaléz. Ein schöner zweiter Tag, der Lust auf mehr machte, was natürlich am Samstag mit einer ganzen Reihe von Highlights folgen sollte.

Das erste davon stellten ohne Frage die Newcomer von Young Rebel Set dar. Nachdem die Anzahl von Zuschauern auf dem Reitplatz zunächst doch recht übersichtlich war, füllte es sich im Laufe des Sets der Band aus Englands Norden doch zusehends. Mit dem Sound von Johnny Cash und Bruce Springsteen und der Einstellung der Ramones wussten sie zu gefallen und waren wohl eine der ersten Neuentdeckungen des Festivals mit dem Etikett “von denne werden wir noch hören”. Ganz sicher, auch wenn die Band es eilig hatte, denn am gleichen Tag sollten sie noch auf dem Olgas Rock Festival in Oberhausen spielen. Das was sie da zum Besten gaben war jedenfalls ganz groß uns so sah man nach dem Set der Band auffällig viele Fans auch mit Young Rebel Set T-Shirt.

Auf Folk folgte ROCK. Der wird bei Portugal, The Man nämlich groß geschrieben und um jede Menge psychedelische Elemente erweitert. In ihrem knapp 45 minütigen Set legten sie dann auch kaum eine Pause ein und ließen einen Song direkt in den nächsten fließen. Die Jungs tobten sich dabei wild an Gitarre, Keyboards und Bass aus und zeigten, was unsere Eltern damals an Grateful Dead so gut fanden. Der Applaus fiel demnach nicht gerade klein aus. Der Stilmix ging auch direkt weiter und auf Rock folgte Indie-Folk-Pop. Die Indie-Lieblinge von Fanfarlo wollten das Publikum mit ihren lieblichen Klängen verzaubern. So ganz wollte das aber nicht ankommen. Auch wenn die Stimmung natürlich gut war und sich während einem der Stücke zu einem schönen Chor formte, der lautmalerisch die zuvor im Song geschlagenen Glocken nachahmte. Der jungen Band gelang es aber einfach nicht vollends die packenden Songs ihres Debüts auch live ähnlich fesselnd zu transportieren und so wirkten ihre Songs etwas beliebig. Vielleicht waren aber auch die an sie gerichteten Erwartungen etwas zu hoch gegriffen.

Die Enttäuschung wich aber schnell wieder Euphorie, als mit Frightened Rabbit die Band auf die Hauptbühne trat, auf die wir uns am meisten freuten. Und da schien wir nicht die einzigen zu sein. Das war auch schon am Eröffnungsapplaus beim ersten Stück “The Modern Leper” und zog sich durch das Set der Band, bei dem insbesondere natürlich die Stücke vom zweiten Album “The Midnight Organ Fight” bejubelt wurden. Aber auch die neueren Stücke, wie “Swim Until You Can’t See Land” und “Nothing Like You” wurden lauthals mitgesungen. Das schien Sänger Scott Hutchison so zu beeindrucken, dass er irgendwann meinte “wow, thank you, we aren’t used to this in Scotland”. Er kannte aber auch offensichtlich das aufgeschlossene und einzigartige Publikum des Haldern Pop noch nicht.

Das durfte sich nach Schotten auf eine weitere Band von der britischen Insel freuen. Blood Red Shoes sorgten nicht nur für ein lautes Tanzvergnügen, sondern auch für einen Publikumstausch. Das wurde in der Umbaupause im Durchschnitt zehn Jahre jünger, ist aber durch die unterschiedlichen Zielgruppen von Blood Red Shoes und Frightened Rabbit sehr schnell erklärt. Der Reitplatz bekam bei herrlichem Sonnenschein jedenfalls eine laute und eindrucksvolle Rockshow geboten. So stark hatten wir die Band selten erlebt und so hörte man anschließend auch viele Stimmen, die sagten “wow, die machten ja ordentlich Krach und Stimmung für zwei Leute”. So viel Stimmung, dass das Publikum auch nach Ende des Sets noch lange weiter den Takt von “Colours Fade” klatschte. Davon euphorisiert sprang Schlagzeuger Steven durch sein Schlagzeug auf die Absperrung und schlug wie wild auf seine Snare-Drum, die er zuvor von seinem Schlagzeug abmontiert hatte.

Nach einem starken Set des Duos hieß es dann schnell rüber zum Spiegelzelt. Dort spielte der zurecht gefeierte Conor J. O’Brien zusammen mit seiner Band als Villagers ein euphorisierendes Set mit Songs seines Debüts “Becoming A Jackal”. Das Publikum hing dem jungen Iren förmlich an den Lippen und sog jede Note mit den Ohren auf, die aus Richtung Bühne durch das Zelt schallte. Die ohnehin schon mitreißenden Songs gerieten noch dichter und nahmen das gesamte Publikum gefangen. Jeder schaute gebannt auf die Bühne, so als wolle er nichts verpassen und selbst in der Nähe der Getränkestände im Zelt war es so still wie selten. Hier hieß es bloß nichts zu verpassen. Den Gesichtern der Zuschauer stand deutlich ins Gesicht geschrieben gerade das vielleicht beste Set des diesjährigen Haldern Pop zu sehen und auch Villagers schienen zu merken, das da so etwas wie Magie in der Luft liegt. Darauf lässt auch ein Tweet von Villagers schließen: “In a rare occurence, we’re all in agreement that last night was one of our favourite shows ever. So thankyou for that Haldern people x”.

Das Haldern Pop hätte nun seine Tore schließen können und wir wären zufrieden gewesen. Mit Efterklang gab es aber auf der Hauptbühne direkt ein starkes Programm, zu dem sich gut weiter schwelgen ließ. Bombastische Drumsounds ließen den Reitplatz erschüttern und die Festivalbesucher in anderen Sphären schweben. Bei Sophie Hunger hieß es dann erst einmal runter kommen, bevor es bei The Tallest Man On Earth wieder richtig mitreißend wurde. Der junge Schwede hatte nur seine Gitarre dabei und machte etwa da weiter, wo Young Rebel Set am Mittag aufhörten. Country mit einer Stimme, die an die Großtaten von Bob Dylan erinnert, erzeugte eine tolle Stimmung, die durch den Sonnenuntergang noch eine Prise Romantik gewann.

Über Yeasayer hüllen wir dann einmal den Mantel des Schweigens und knüpfen direkt beim Headliner an. The National feierten ihren zweiten Besuch beim Haldern Pop und die Songs ihres neuen Albums “High Violet” im Gepäck. Die Erwartungen waren hoch und wurden größtenteils durch die packende Darbietung von Matt Berninger erfüllt. Einzig einige Soundprobleme trübten das Vergnügen etwas, konnten aber nicht den Gesamtgenuss trüben und The National bestätigten, warum sie zu den ganz Großen gehören. Wer im Anschluss noch nicht erfüllt genug war von einem Tag, an dem ein Highlight das nächste jagte, der konnte anschließend noch im Spiegelzelt noch mit The Whale Watching Tour in andere Soundsphären tauchen.

Bei seiner 27ten Auflage wusste das Haldern Pop mit ein paar gewöhnungsbedürftigen Neuerungen, aber wie immer mit einem tollen Line-Up und guter Stimmung zu überzeugen. Das sorgte, wie immer für das wohl friedlichste und schönste größte kleine Festival und ein Vorhaben, das von vielen schnell formuliert war. Im nächsten Jahr wieder dabei zu sein. Für das passende Line-Up werden die Macher schon sorgen.

Fotos: Ariane WhiteTapes
Mehr Fotos:
Young Rebel Set hier
Frightened Rabbit hier
Blood Red Shoes hier
Fanfarlo hier
Portugal, The Man hier

Beim WDR Rockpalast gibt es auch bereits erste empfehlenswerte Mitschnitte zu sehen.

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Kevin Devine, AMP, Münster, 31. Juli 2010

Foto: Ariane WhiteTapes

Ob Kevin Devine eigentlich noch die Zahl seiner Konzerte zählt? Jedenfalls scheint der New Yorker pausenlos auf Tour zu sein und nur ab und zu kurz zu pausieren, um mal wieder ein neues Album einzuspielen. Neben seiner Heimat hat er sich auch in Deutschland so einen Ruf als unterhaltsamer Songwriter mit guter Laune und einer starken Bühnenpräsenz erarbeitet. Auch im AMP dankt man ihm das und man durfte am Samstag seinen mittlerweile vierten Besuch in der ehemaligen Bananenreiferei zählen. Da der 30jährige Brooklyn Boy somit kein Unbekannter im AMP war, wurde auch gleich der Einlass und der Konzertbeginn um eine Stunde vorverlegt. Denn wenn Kevin Devine einmal in Fahrt ist, dauert ein Konzert von ihm auch mal gern etwas länger. Ein kluger Entschluss, wie sich später zeigen sollte. Doch eins nach dem anderen. Denn zunächst sah es danach aus, als würde Kevin Devine seinen Bestimmungsort gar nicht erst erreichen. Einige Stunden vor seinem Konzert meinte er nämlich auf seinem Twitter: “Didn’t know there was ‘Munster’ and ‘Münster.’ Neither did the Deutschlanders looking at my itinerary. 3hrs/200km added to the trip? Sure!”. Nach einem kleinen Ausflug nach Niedersachsen kam Kevin Devine dann aber doch pünktlich im Münsterland an, um zu seinem Set anzutreten.

Mit im Gepäck hatte er nur seine Gitarre und sein aktuelles Album “Brother’s Blood”. Seine Band ist zu Hause geblieben. Aber auch ohne die schafft er es sein Publikum ab der ersten Minute zu fesseln. Auch an diesem Abend im AMP, an dem ca. 100 Fans der Singer-Songwriter Kunst den Weg zu Kevin Devine gefunden haben. Der war erwartet gut aufgelegt und gab seine Songs immer mit einem leicht verschmitzten Lächeln auf den Lippen zum Besten. Mit viel Gefühl in der Stimme und einem gelungenen Timing ließ er die Stimmung wachsen. Aufgelockert wurde der Abend durch kleine Geschichten, die Kevin Devine erzählte. Darunter auch die Anekdote seines kleinen Ausflugs nach Münster, zu der sich ein Mädchen im Publikum outete, dem genau das auch schon einmal passiert war. Auf seine Nachfrage, ob jemand irgend etwas habe, über das er reden möchte, wurde er nach der BP Ölkrise gefragt und gab auch hierauf ausführlich Auskunft, wenn auch das Thema vielleicht nicht so ins Set passte. Das verging wie im Fluge und bewegte sich stets auf hohem Niveau. Ein Elliott Smith Cover mit zugehöriger Drogenerfahrungsgeschichte stach dennoch heraus. Nach nicht ganz zwei Stunden und vielen neuen und alten Songs verabschiedete sich der Brooklyn Boy dann das erste Mal von der Bühne, um aber direkt zurück zu kehren und noch einmal eine Hand voll Zugaben zu spielen, um die zwei Stunden voll zu machen. Kevin Devine ist nicht zu unrecht ein willkommer Gast im AMP und wird nach diesem gelungenen Abend sicherlich wieder einmal einen Abstecher nach Münster wagen. Die an diesem Abend Anwesenden werden sicher auch wieder zugegen sein.

Fotos: Ariane WhiteTapes, mehr hier

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God is an Astronaut + Junius + Butterfly Explosion, Alter Schlachthof, Wiesbaden, 18. Mai 2010

Drei Männer zeigen, dass man auch als kleine Band eine große Show abliefern kann. Diesmal ohne Projektionen, dafür mit bunter Lightshow. Im Interview sagten God Is An Astronaut, sie wollten es denen beweisen, die nicht an eine gute Performance ohne die Visuals glaubten. Dieses Ziel ist geglückt.

Doch erst gehörte die Bühne den Vorbands Butterfly Explosion, die auf God Is An Astronauts Label Revive Records unter Vertrag stehen und Junius. Live wirkten die jungen Iren von Butterfly Explosion fast schüchtern als sie ihren teils instrumentellen, teils gesanglich unterstützten Postrock-Shoegaze-Sound aus ihrem Debütalbum „Lost Trails“ darboten. Der Funke schien durch die müde Performance nicht überzuspringen, obwohl musikalisch Potenzial zu erkennen war.

Zuvor betraten bereits die Amerikaner von Junius die Bühne. Allesamt schwarz angezogen und eingehüllt in rotes und dunkelblaues Licht, spiegelten sie perfekt die mystische Stimmung auf ihrem Album „The Martyrdom Of A Catastrophist“ wider. Nicht nur optisch, auch musikalisch eine eingespielte Truppe; mit einem Schlagzeuger, der wie ein Tier und barfuß auf sein Instrument einschlug und der charakteristischen Stimme von Sänger Joseph E. Martinez. Leider ging sein Gesang unter der doomigen Soundschwade viel zu unter.

God Is An Astronaut stehen auf dramatische Einleitungen. So erklommen sie den Schauplatz erst einige Minuten nach dem Einsatz von Licht und Sound. Der Klimax zog sich dann über das ganze Konzert hindurch. Mit technischer Perfektion und menschlicher Hingabe gaben die Iren alles, was aus drei Personen herauszubekommen möglich ist. Zugegeben, für Epileptiker wären die unzähligen, blinkenden, Farbe wechselnden Lichter nichts gewesen, verliehen der Show jedoch eine gewisse Würze – fast eine Partystimmung. Gepaart mit dem Nebel, der die Musiker nur schemenhaft erkennen ließ, kam eine mysteriöse Stimmung zustande.

Eine kleine Band zu sein ist auf der Bühne nicht sehr einfach, so mussten die Kinsella-Brüder oft von ihren Gitarren zu Keyboards und wieder zurück wechseln. Ja, vieles von der Musik kam aus Laptops, aber auch das muss gut eingesetzt werden wie die drei Iren es tun. Der maschinelle Sound passt sowieso gut zu der Musik. Von der Energie nahm das jedoch nichts.

Fotos: Asiye WhiteTapes

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The Tunics, AMP, Münster, 24. April 2010

Seit ein paar Monaten gibt es in Münsters schönem Club unter dem Fruchtmarkt, der vor vielen Jahren einmal “Bananenreiferei” hieß und nun einfach AMP heißt, eine schöne neue Form von Konzerten. Im Rahmen der Indie-Party am Mittwoch, Freitag, oder Samstag gibt es zu vorgerückter Stunde noch ein kurzes Set einer Band, mit einem tanzbaren Sound. Das wurde bisher immer gut angenommen, am vergangenen Samstag gab es aber nun eine Premiere, denn erstmals gab es Indie-Rock als Party-Act. Vorgetragen von The Tunics aus England, die dieser Tage als Support von Nada Surf in deutschen Landen unterwegs sind und ihre freien Tage sinnvoll nutzen wollten. Und etwas sinnvolleres als einen Auftritt im AMP gibt es nun einmal nicht, also machten sie logischerweise genau das.

Als zum Einlass aber gerade einmal 10 Leute auftauchten schien es noch so, als würde Indie-Rock als Party-Act eher so begehrt sein, wie Deutschland Sucht den Superstar Gewinner Merzad Marashi im Line-Up von Rock am Ring. Aber da der Einlass bereits um 22:30 Uhr war und der Beginn für 0:00 Uhr angesetzt wurde, war noch viel Zeit für Münsters Party-Volk den Weg in Münsters gute Party-Stube zu finden. Das taten sie dann auch zahlreich und zum Beginn des Sets um dann erst 0:30 Uhr war das AMP proppevoll. Nicht wegen The Tunics, sondern wegen der Party, dass eine Band auf der Bühne stand wurde dennoch wohlwollend aufgenommen und The Tunics höflich begrüßt. Verhaltene Höflichkeit, die sich aber bereits im Laufe des ersten Songs in fröhliche Tanzlaune wandelte. Aber mit ihrem zackigen, typisch britischen Indie-Rocksound lieferten sie schließlich auch dankbare Sounds mit hübschen Hooks und eingängigen Refrains, die genau richtig für eine Meute jugendlicher in Partylaune sind. Einziger Wermutstropfen im hübschen 30 minütigen Set eigentlich nur der Drummer von The Tunics, der auf seine Felle eindrosch, als würde er für Metallica spielen. So waren die Drums etwas überpräsent, was dem Sound von The Tunics stellenweise nicht wirklich gut tat, aber vielleicht wollte der Drummer auch nur die Beats für die jungen Menschen in Tanzlaune bieten. Egal, mit The Tunics feierte Indie-Rock als Party-Act im AMP eine gelungene Premiere. Und The Tunics haben zudem alles andere als schlechte Werbung für sich gemacht.

Fotos: Ariane WhiteTapes

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Frightened Rabbit + Academies, Luxor, Köln, 10. April 2010

Seit Frightened Rabbit Ende 2008 ihre Deutschland-Tour absagen mussten, um sich um ihre Visas für die Amerika-Tour zu kümmern, warten wir darauf, dass die eingeschüchterten Kaninchen endlich einmal wieder einen Abstecher nach Deutschland machen. Dementsprechend war die Vorfreude natürlich groß, als sie nun vor relativ genau zwei Monaten die Termine ihrer Deutschland-Tour bekannt gegeben haben. Die sollte zwar nur drei Termine umfassen, einer davon aber in Köln, alles gut also. Dass das in der Zwischenzeit veröffentlichte “The Winter Of Mixed Drinks” alle Erwartungen erfüllte, ließ die Vorfreude noch weiter wachsen. So traten wir freudig erregt und in Erwartung einer tollen Show den Weg ins Kölner Luxor an.

Weil in der Domstadt am Rhein das Partyleben am Samstag bereits sehr früh beginnt, wurde auch das Konzert auf eine entsprechend frühe Zeit geschoben. Bereits um 18:30 Uhr öffneten die Tore des Ehrenfelder Clubs und nur eine Stunde später stand der lokale Support Academies auf der Bühne. Mit im Gepäck hatten sie eine halbe Stunde unaufgeregten Indie-Rock. Viel blieb zwar nicht hängen, aber für ein wenig Unterhaltung am frühen Samstag-Abend passte das schon.

Die Spannung sollte während der anschließenden Umbau-Pause dann wieder wachsen. Den Umbau übernahmen Frightened Rabbit dann inklusive Instrumenten stimmen, Setlisten auslegen und Getränke bereit stellen komplett selbst. Das ist bei Bands dieser Größe nicht selbstverständlich, selbst bei Newcomern wie den Eight Legs übernimmt das der Tour-Manager. So sah man die gesamte Frightened Rabbit Mannschaft konzentriert bei der Arbeit, bevor sie zum offiziellen Teil kommen sollten. Der wurde nach kurzem Umbau dann mit “Skip The Youth” vom neuen Album “The Winter Of Mixed Drinks” eröffnet. Einen besseren Opener kann es eigentlich nicht geben. Langsam bauten die schottischen Kaninchen die Gitarrenwand auf, Grant stimmte mit seinen Drums mit ein und nach knapp zwei Minuten setzte Scott dann mit dem Gesang ein. Schon zu diesem Zeitpunkt dürften alle Anwesenden im gut gefüllten Luxor von der dichten Atmosphäre, die Frightened Rabbit hier erzeugten, gefangen gewesen sein.

Die aufgebaute Spannung sollte auch während des gesamte Sets der Schotten nicht abreißen, die Band zeigte sich von ihrer spielfreudigen Seite und sorgte so für ein dichtes und unterhaltsames Set. Gerade bei Stücken vom zweiten Album “The Midnight Organ Fight”, wie “The Modern Leper” und “My Backwards Walk” zeigte Scott am Gesang, dass die Band auch live die Stücke ähnlich aufwühlend und mitreißend umsetzen kann. Dabei werden die folkigen Momente durch einen etwas rockigeren Vortrag ersetzt, macht aber natürlich bei teilweise drei Gitarren im Einsatz durchaus Sinn. Und ändert auch nichts daran, dass Scott durch seinen markerschütternden und teils verzweifelten Gesang für mehr als eine Gänsehaut sorgt. Der Fokus lag an diesem Abend natürlich vor allem auf Album Nummer 3, aber gerade das schien auch genau die richtige Entscheidung, denn live entfalteten die neuen Stücke noch einmal einiges an Potential und konnten sich als neue Lieblinge beweisen. Besonders Songs, wie “The Wrestle” und “The Loneliness and The Scream” wuchsen so noch einmal ein ganzes Stück.

Nach knapp 75 Minuten waren Frightened Rabbit dann mit dem famosen “Good Arms vs. Bad Arms” dann leider schon durch und verabschiedeten sich unter tosendem Applaus von der Bühne. Durch Nico’s Bericht aus Berlin waren wir aber bereits darauf vorbereitet, dass die Band noch einmal für vier Zugaben zurück kehren könnte und das taten sie natürlich aus. Wie bereits in Berlin zunächst Sänger Soctt mit seiner Akustik-Gitarre. “Poke” trug er dann ganz allein vor und sorgte als er die Gitarre vom Verstärker zog und an den Rand der Bühne trat, um den Song von dort weiter zu singen, für den wohl größten und schönsten Gänsehautmoment, nicht nur des Konzerts, sondern seit langer Zeit. Eigentlich hätten sie hier Schluss machen können und es wäre ein perfekter Abend gewesen. Drei Songs sollten aber noch folgen. Mit “Living In Colour” war der erste davon famos gewählt, der schnelle, laute Song stand im extremen Kontrast zu “Poke”, aber genau das ist ja auch die Musik von Frightened Rabbit, ein Wechselbad der Gefühle, bei der der Protagonist zwar häufig Boden ist, aber eben immer, um sich dann wieder zu erheben. Mit “Square 9″ folgte dann noch der einzige Song vom ersten Album “Sing The Greys”, der am Ende direkt in das noch einmal wunderschöne und für die letzte, gewaltige Gänsehaut sorgende “Keep Yourself Warm” überging. Ein Tipp, der natürlich nicht nötig war, denn wem diese fünf Schotten an diesem Abend zu diesem Zeitpunkt noch nicht das Herz erwärmt hatten, dem war auch nicht mehr zu helfen. Leider mussten Frightened Rabbit im Anschluss direkt Platz für die anschließende Erstsemester-Party machen und hinterließen nach 90 Minuten dichtem Vortrag ein freudestrahlendes, glückliches Publikum. Zum Glück lassen Frightened Rabbit mit ihrem nächsten Abstecher jetzt nicht so lange auf sich warten, denn bereits im August spielen sie auf dem Haldern Pop wohl eines der schönsten Sets des Festivals.

Setlist (nach Gedächtnis und ohne verlässliche Bestätigung)

Skip the Youth
The Modern Leper
The Loneliness and the Scream
The Wrestle
Old Old Fashioned
The Twist
Swim Until You Can’t See Land
Foot Shooter
My Backwards Walk
Nothing Like You
Head Rolls Off
Good Arms vs. Bad Arms

Poke
Living in Colour
Square 9
Keep Yourself Warm

Fotos: Ariane WhiteTapes

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Björn Kleinhenz, AMP, Münster, 9. April 2010

Ein Besuch von Björn Kleinhenz im Münsteraner AMP. Kennen wir, gab es schon das ein oder andere Mal. Deshalb ist es aber für den Hauptdarsteller noch lange nicht zur Routine geworden. Der freut sich nach wie vor drauf und betritt mit einem großen Lächeln auf dem Gesicht die Bühne des AMP, um in diesem Durchgang ganz allein, ohne Band und Freundin, seine Songs zum Besten zu geben. Mit im Gepäck seine neue EP “Dackes Drabanter”. Die ist sein mittlerweile drölfter Release im Laufe der letzten drei Jahre und bietet natürlich wieder Songwriter-Pop der schmeichelnden Sorte. Auf Björn Kleinhenz ist eben Verlass. Auch live und so bietet der junge Mann mit dem charmanten schwedischen Akzent ab der ersten Minute Songs mit Gänsehautfaktor.

Verlässlich wird zwar gern benutzt um gewohnte Kost als ganz nett, aber auch nicht wirklich vielsagend abzutun, aber im Zusammenhang mit Björn’s Vortrag absolut positiv zu verstehen. Verlässlich spielte er mit viel Gefühl auf, sorgte mit kleinen Späßchen in herrlichem Schwedisch-Deutsch für eine lockere Stimmung und mit leidenschaftlich vorgetragenen Stücken für Gänsehaut. Dafür brauchte er auch nicht mehr als seine Gitarre und seine unverkennbare Stimme. Viel mehr muss man zu diesem Abend eigentlich auch nicht sagen. Ein Abend an dem einfach alles stimmte, seien es die kleinen Geschichten zu den Songs, die Björn in seinem knapp einstündigen Set erzählte, seine häufige Verwendung des Wortes “geil”, oder das großartige Cover von Bruce Springsteen’s “Thunder Road”, das er als letzte Zugabe und “zu 120% für mich” zum Besten gab. Manchmal gehört vielleicht auch nicht mehr zu einem Konzertbericht als der Tipp an alle, den Künstler auf seiner Tour auf keinen Fall zu verpassen.

11.04.10 Cologne (DE), Motoki
13.04.10 Trier (DE), Café Lübke
14.04.10 Luxembourg (LU), D:qliq
16.04.10 Schaffhausen (CH), TapTab
17.04.10 Aarau (CH), Kiff
18.04.10 Winterthur (CH), Dimensione Bar
19.04.10 Rorschach (CH), Livingroom concert
20.04.10 Fuerth (DE), Kino Babylon
22.04.10 Ulm (DE), Club Eden
23.04.10 Leipzig (DE), Livingrom concert

12.05.10 Kiel (DE), Weltruf
13.05.10 Aachen (DE), Raststätte
14.05.10 Halle (DE), Klub Druschba (mit The Late Call)
16.05.10 Homberg/Efze (DE), Musikschutzgebiet-Festival
17.05.10 Hamburg (DE), Astra Stube (mit The Late Call)

Foto: Ariane WhiteTapes

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Los Campesinos! + Copy Haho, Gebäude 9, Köln, 13. März 2010

Das letzte Mal, als wir Los Campesinos! live sehen durften, spielten sie im November 2008 im Kölner Luxor. Damals unterstützt von Lovvers und den famosen Sky Larkin. Gerade Sky Larkin, dieses charmante Trio aus Leeds schaffte es da, eine Performance abzuliefern, die noch einen Funken mitreißender und erfrischender war, als die ohne Zweifel auch höchst unterhaltsame Show der Waliser. Mit ihrem dritten Album “Romance Is Boring” im Gepäck machten sich Los Campesinos! nun endlich nach dem November 2008 wieder auf Tour durch Deutschland. Dabei zeichnete sich nun bereits im Vorfeld ab, dass es dieses Mal wieder ähnlich verlaufen könnte, wie beim letzten Abstecher der Band nach Deutschland. Denn mit den Schotten von Copy Haho hatte die Band aus Wales wieder einen großartigen Support ins Boot geholt.

Die Klasse des schottischen Quartetts schien sich wohl leider noch nicht in der Indie-Jugend der Domstadt rum gesprochen zu haben und so warteten höchstens eine Hand voll Menschlein auf Einlass von Barbereich in die Halle, als um Punkt 19 Uhr die Türen des Gebäude 9 öffneten. Das spärliche Erscheinen der Fans kann aber auch gut an der sehr frühen Einlasszeit gelegen haben, aber in Köln spielt nun einmal das Disco-Nachtleben eine große Rolle und so musste der Konzertteil auch bis spätestens 22:30 Uhr abgeschlossen sein, um alles für die um 23 Uhr startende Indie-Disco-Nacht herzurichten. Selbst die Bands schienen nicht auf einen so frühen Beginn eingestellt, weshalb pünktlich zum Einlass Los Campesinos! noch beim Soundcheck in der Halle zu hören waren. Es folgte im Anschluss noch der Soundcheck der Schotten von Copy Haho und dann 10 vor 8 auch der Einlass in die alte Industriehalle.

Um 20:15 Uhr und damit pünktlich zur Prime-Time, in der auch parallel Dieter Bohlen seinen nächsten Super Karaoke-Sänger suchte, traten dann vier unscheinbare junge Herren auf die Bühne. Mittlerweile hatte sich auch das Gebäude 9 auf beinahe 300 Besucher gefüllt und die Party konnte beginnen. Danach schien Copy Haho auch zu sein und ab dem ersten Takt spielten sie mit großer Freude auf. Der Soundmann schien zwar offensichtlich nur auf die anschließend aufspielenden Los Campesinos! eingestellt und mischte dem Quartett einen hübschen Brei, aus dem der Gesang kaum zu hören war, dennoch waren aber die Hitverdächtigen kleinen Indie-Melodien von ihrer EP “Bred For Skills & Magic” heraus zu hören. Ihre erfrischend vorgetragene Mischung aus 90er Jahre Indie-Rock in bester Pavement Tradition und einer Prise Surf-Rock, schien auch beim Publikum gut anzukommen und bescherte Copy Haho in den Songpausen immer ordentlich Applaus. Die Chemie zwischen Band und Publikum hätte besser nicht sein können und so wagte es Joe Harty auch nach ein paar Songs sich ein wenig mit den Anwesenden zu unterhalten, um sich nach Ausgeh-Möglichkeiten in Köln zu erkundigen. Das Schokoladen-Museum wurde ihm empfohlen, ob das nun der beste Ort für Samstag-Abend-Gestaltung ist, sei dahin gestellt, einen Besuch ist es auf jeden Fall wert.

Aber zurück zu Copy Haho, deren Freude übertrug sich wie gesagt auf das Publikum, was den jungen Schotten anscheinend so sehr gefiel, dass sie den Abend mit einem Foto des Publikums festhalten wollten. Dazu sollte jeder der Anwesenden mit seinen Armen einen Schwan machen. Mit einer extra von Gareth Campesinos herbei gebrachten Kamera gelang dieses Foto und einen Song später verabschiedeten sich Copy Haho dann leider auch schon nach knapp dreißig Minuten.

Als sich Copy Haho von der Bühne verabschiedeten war eigentlich auch bereits klar, dass es Los Campesinos! schwer haben würden dieses Set noch zu toppen. Das was sie dann boten war natürlich dennoch alles andere als langweilig, sondern die inzwischen live dank Sparky Deathcap auf acht Mitglieder angewachsene Band zeigte wieder, dass sie alle einen ordentlichen Knall haben. Aber natürlich in ganz gesundem Ausmaß. Eröffnet wurde erst einmal mit zwei Stücken von “Romance Is Boring”, nämlich “Heart Swells/100-1″ und “I just sighed. I just sighed, just so you know”. Von Beginn an hüpfte und verrenkte sich Gareth Campesinos an seinem Mikrofon, als würde ihm jede Sekunde, die er still stehend verbringt, vom Publikum übel genommen. Das sah dann aus, wie eine Mischung aus Breakdance, Aerobic und Rumpelstilzchen. Beim Publikum brachen die Tanzdämme dann mit “Death To Los Campesinos”, dem Opener des ersten Albums. Ein Mosh-Pit entwickelte sich zwar nicht, die ersten Reihen waren aber in offensichtliche Wallung geraten, ein Zustand, der dann genau so auch eine ganze Stunde anhalten sollte. Dafür spielten sich Los Campesinos! mit einem so rasanten Tempo und einer hohen Dosis Spaß durch ihr Set. Ein besonderes Highlight dabei waren unter anderem kleine Choreographien, die Kim Campesinos und Gareth bei einigen Songs mit einem breiten Grinsen vorführten.

Zum kochen geriet die Stimmung allerdings durch einen Abstecher von Gareth ins Publikum. Irgendwann hielt es ihn nicht mehr in seinem Bewegungsraum vor den Menschen und er begab sich, ermutigt durch einige inzwischen geleerte Flaschen Bier mitsamt Mikrofon in die tanzende Meute. Kurz nachdem er die Bühne wieder betreten hatte, wagte auch Gitarrist Neil Campesinos einen Abstecher in die Menschenmassen. Nachdem sich die acht Los Campesinos! nach “Sweet dreams, sweet cheeks” kurz von der Bühne verabschiedet hatten, kehrten sie noch ein letztes Mal zurück, um “Broken heartbeats sound like breakbeats” zum Besten zu geben. Dafür begaben sich dann Gareth, Kim, Neil und Sparky Deathcap ins Publikum. Die Stimmung kochte noch ein letztes Mal so richtig und sichtlich zufrieden verabschiedeten sich alle achte Los Campesinos! danach in die Nacht. Bei Twitter schrieben sie im Anschluss noch AWESOME show in Cologne, best of tour so far. Das können wir zwar nicht nach prüfen, mitreißend und unterhaltsam war sie aber alle Mal.

Fotos: Ariane WhiteTapes

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The Rumble Strips + Cama Maya, AMP, Münster, 26. Februar 2010

Auf ihrem letzten Abstecher nach Deutschland spielten The Rumble Strips auf den ganz großen Bühnen im Vorprogramm der schwedischen Pop-Rocker von Mando Diao. Eine große Chance, sich einem neuen Publikum vorzustellen, die vielen Reaktionen auf den bekannten Plattformen nach zu urteilen auch genutzt wurde. Mit ihrem zweiten Album “Welcome To The Walk Alone”, einem Major-Release auf Universal Music, entwickelte sich dann auch ein regelrechter Hype um die Band um Frontmann Charlie Waller. Durch geschickte Arrangements von Owen Pallett, eine überzeugende Produktion von Mark Ronson und natürlich starke Songs bewiesen sie zudem noch, dass hinter dem Hype auch noch jede Menge Potential steckt, das sie nun nach den großen deutschen auch auf den ganz kleinen Bühnen Deutschlands unter Beweis stellen wollten.

Der Name The Rumble Strips hatte sich dann auch anscheinend bereits sehr weit rumgesprochen, denn als wir circa eine viertel Stunde nach Einlass die Treppe zum AMP hinunter gingen war der Club bereits gut gefüllt, alle Sofas besetzt und sogar vor der Bühne bereits ein kleiner Pulk von Menschen. Normalerweise sieht das erst zu Beginn des Hauptacts so aus, The Rumble Strips ließen die Veranstalter also glücklich auf das bevorstehende Konzert schauen. Vor die Jungs um Charlie Waller waren dann allerdings noch die Dinslakener Cama Maya gebucht. Vor etwa genau einem Jahr durften wir diese bereits im Vorprogramm von Kingsize sehen. Damals bereits mit durchaus guten Songs, allerdings mangelte es etwas an Charisma und sagen wir einmal Tiefe im Sound. In einem Jahr kann allerdings viel passieren, das zeigten dann auch Cama Maya. Mit unterhaltsamen, zackigen Sounds zwischen Indie-Rock und Brit-Pop, lässiger Darbietung und kurzweiligen Melodien nahmen sie den Pulk vor der Bühne voll für sich ein. Man hätte beinahe den Eindruck gewinnen können, hier eine völlig andere Band zu sehen, als noch vor einem Jahr. Die Jungs waren eindeutig gereift und boten ein geschlossenes, spannendes 30 minütiges Set dar, das offensichtlich auch AMP Chef-Booker Eavo vollends überzeugte, denn bei Twitter schrieb er kurz nach deren Set: “Verlage und Labels hiermit lege ich Euch dringend die @CamaMayaBand ans Herz! – glaube, die sind noch zu haben….”. Dem schließen wir uns gern an, also auf sie!

Nach einer kurzen Umbaupause betrat dann das von vielen heiß erwartete Quinett aus Tavistock die kleine Bühne. Die gaben dann am zweiten Tag ihrer Deutschland-Tour von Beginn an alles und legten das auch von den Alben gewohnte hohe Tempo hin. Der Vortrag von Charlie Waller am Gesang war dabei ähnlich beeindruckend, wie auf den Aufnahmen. Ohne Brüche sprang er zwischen den Tonlagen hin und her und schrie, dass es eine wahre Freude war ihm zu zu hören. Durch Saxophon und Trompete, die stellvertrend für Streich- und Blasorchester von den Aufnahmen anwesend waren, wurde der Darbietung ein ordentlicher Druck verliehen und die versammelte Anhängerschar gab seinem Bewegungsdrang nach. Dabei zeichnete sich schnell ab, dass gerade The Rumble Strips Album Nummer 2, “Welcome To The Walk Alone” in der Publikumsgunst besonders hoch stand. Egal, ob es sich nun um den Titel-Track, das zackige “Not The Only Person”, oder auch den Party-Track “Dem Girls”, die Stimmung kochte am Meisten beim zweiten Album. Als eindeutiger Publikumsliebling entpuppte sich das infektiöse “Daniel”, das auch nachdem es gespielt wurde in den Songpausen von Teilen des Publikums laut gegröhlt wurde. Dieses lang gezogene “Dahnijöhl” setzt sich aber auch im Ohr fest. Nach einer guten Stunde und ein paar Zugaben verabschiedeten sich The Rumble Strips unter großem Applaus von der Bühne und hatten sogar einige im Vorfeld eher kritische Stimmen in unserem Umfeld, die meinten, sie könnten sich nicht vorstellen, dass The Rumble Strips live besonders mitreißend würden, von sich überzeugen können. Ein Sieg auf ganzer Linie also und ein Grundstein für zukünftige Auftritte auf den großen Bühnen Deutschlands, wobei es natürlich auf den kuscheligen Bühnen eigentlich immer noch am schönsten ist.

Fotos: Ariane WhiteTapes, mehr hier

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The Cinematics + Johann van der Smut, Glanz & Gloria, Osnabrück, 24. Februar 2010

“Moving To Berlin” heißt ein Stück auf dem zweiten The Cinematics Album “Love And Terror”. Nicht nur ein einfacher Songtitel, sondern auch ein konkreter Plan, wie Sänger Scott Rinning im Interview mit uns andeutete. Tatsächlich haben sie diesen Plan nun im Januar umgesetzt und nennen die deutsche Hauptstadt nun seit einem Monat ihre Heimat. Da man auch besonders natürlich immer die Heimat mit ausgedehnten Tourneen bedienen muss, machte sich das Quartett nach einer Tour im September und der nächsten Tour im November nun Ende Februar wieder auf, Clubs in ganz Deutschland zu besuchen. Ein Abstecher ins Kölner Gebäude 9 war im November zwar eigentlich bereits gut erreichbar, wir verzichteten dennoch drauf, als wir sahen, dass The Cinematics bereits im Februar im Osnabrücker Glanz & Gloria vorbei schauen würden.

Die Wetterlage unterschied sich im Vergleich zum November auch nicht groß und zeigte sich diesigem Regenwetter wieder von seiner schottischten Seite. Das wollten die lokalen Veranstalter in Osnabrück dann auch anscheinend gleich feiern und ließen die bereits zahlreich erschienenen Besucher noch eine halbe Stunde länger als geplant vor der Studentenkneipe warten. Bei Regen ist das eben besonders schön. Pünktlich zum geplanten Beginn um 21:30 Uhr durfte dann doch eingetreten werden. Als dann die Vorgruppe Johann van der Smut, die extra aus dem schönen Sauerland angereist waren, die Bühne betraten war die kleine Kellerkneipe auch bereits gut gefüllt. Etwas mehr als 100 Besucher hatten den Weg durch den Regen am Mittwochabend gefunden. Der Name The Cinematics hat in den letzten Monaten offensichtlich an Zugkraft gewonnen, das freute natürlich für die Jungs. Anwesend waren dann auch alle Altersklassen von den gerade in die Oberstufe gekommenen Indie-Kids bis hin zu den Altersgruppen, die Anfang der 80er noch vor Clubs auf The Smiths, oder vorher noch auf Joy Division gewartet hatten.

Die 80er sind dann auch ein gutes Stichwort, die sind nämlich nicht nur im Sound von The Cinematics allgegenwärtig, sondern prägten auch den des Openers Johann van der Smut mit. Ein noch größerer Einfluss schienen allerdings die Foals zu sein. Mit dieser Mischung aus Math-Rock, 80ies Pop und einer Prise Neue Deutsche Welle der Marke DAF sorgte das Trio für eine durchaus kurzweilige halbe Stunde. Die deutschen Texte der Band waren zwar kaum zu verstehen, das machte aber nichts, denn mit gelungenen Brüchen, tollen Tempowechseln und unterhaltsamer Dynamik boten die Sauerländer ein unterhaltsames Set. Der anschließende Applaus war dementsprechend groß und die Fans ordentlich angeheizt für die Berliner Schotten.

Die brauchten nur etwa 15 Minuten für den gemeinsamen Umbau mit Johann van der Smut und betraten dann ohne viele Worte die kleine Bühne, um mit “All These Things” zu öffnen. Das taten sie auch bereits im September in Münster und entfalteten in ihrem Set auch wieder eine ähnliche Dynamik, wie bereits vor knapp einem halben Jahr. Die Gitarren waren wieder hübsch hoch, Scott’s Gesang dringlich und immer ein wenig gehetzt. Die auf der Bühne dargebotene Dynamik übertrug sich auch direkt auf das Publikum und sorgte für ausgelassene Tanz-Stimmung in den ersten Reihen. Die Setlist von The Cinematics war wieder stimmungsvoll aus beiden Alben der Band zusammen gestellt und sorgte für knapp eine Stunde unterhaltsamen New Wave. In der Publikums-Akzeptanz waren dabei auch keines der Alben als Favorit zu erkennen, denn zu den Hits von beiden Alben wurde ähnlich mit gefeiert. Egal, ob es sich um “New Mexico” von “Love & Terror” handelte, oder um “A Strange Education”, dem Titel-Track des Debüts, zu dem selbst Max, Sänger von Johann van der Smut in den vorderen Reihen lauthals mit sang. 60 Minuten mit drei Zugaben und zwei neuen Stücken ließen das Glanz & Gloria glücklich zurück und so müssen sich The Cinematics wohl auch keine Sorgen um den Erfolg ihrer anstehenden Termine im März machen.

Fotos: Ariane WhiteTapes