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Walter Schreifels, Das Bett, Frankfurt, 16. September 2010

Mit wenig Aufwand viel erreichen. Das war das Credo dieses Abends im Frankfurter Das Bett, in dem Walter Schreifels seine Deutschlandtournee startete. Die Walter Schreifels –Band war nicht anwesend. Die Bühne schmückten nur auf zwei auf Holzständern befestigte Vorhänge mit einem mexikanischen Revolverhelden. Dazwischen wirkte Schreifels mit seiner zierlichen Statur und der Akustikgitarre wie der kleine, unschuldige Junge von Nebenan. Doch der New Yorker verstand es, das Publikum auch mit wenigen Mitteln mitzureißen. Charmant und sehr humorvoll mischte er Musik mit Anekdoten. Das vermeintliche Konzert entpuppte sich zu einer musikalischen Stand-Up-Show. Vom Konzept her ist das nicht weit entfernt von seinem Kumpel Olli Schulz. Im Gepäck hatte der Musiker allerhand mitgebracht. Neben Songs seines ersten Solo-Albums „An Open Letter To The Scene“ bereicherten Hymnen aus seiner bemerkenswerten, musikalischen Vergangenheit das Repertoire. So mussten die etlichen, der Hardcore-Szene zugehörigen Besucher nicht enttäuscht sein, obwohl sie sich mit den soften Akustikversionen zufrieden geben mussten.

Das Vorprogramm gestaltete der aus Kaiserslautern stammende und in Mainz wohnhafte Singer-Songwriter Ghost Of A Chance aka Tobias Heiland. Als er die Titel seines Debütalbums „And Miles To Go Before I Sleep“ zum Besten gab, herrschte eine gemütliche Wohnzimmerstimmung im Bett. Etwas anderes konnte man von einem Konzertort solchen Namens auch nicht erwarten. Viele Besucher sitzten, einige lehnten an der Wand und nippten gelassen an ihren Getränken. Doch ihre Aufmerksamkeit war ungebrochen.

Tobias Heiland hat mit Walter Schreifels nicht nur die Hardcore-Vergangenheit gemeinsam. Auch er gab sich bescheiden und trug seine melancholische Alltagspoesie mit nur einer Akustikgitarre bewaffnet vor. Seine markante Stimme beweist, dass in so manch einem Schreihals ein sehr guter Sänger stecken kann.

Währenddessen huschte Schreifels durch das Publikum und flüsterte: „Das wird ein tolles Konzert. Ich spüre es.“ Ob er es ernst meinte oder nicht, weiß man nicht. Schließlich war der Laden nicht brechend voll.

Etwas zerstreut betrat der Ex-Berliner dann die Bühne – lächelnd, die Augen aufmerksam das Publikum inspizierend, schloss er die Gitarre ans Pedal und den Verstärker und legte mit „Arthur Lee’s Lullaby“ los. Zwischen den Songs schmückten Anekdoten aus seinem Alltag das Set. So erzählte er von seinen Erlebnissen in einem bekannten, deutschen Elektrofachmarkt und wie er am Flughafen Lee Ronaldo von Sonic Youth begegnete. Die Reihenfolge der Songs unterschied sich wenig von der Reihenfolge auf dem Album. Bei „Society Suckers“ fragte Schreifels in die Runde, welche Band dieses Stück ursprünglich zum Besten gab. Keine schwierige Frage für die Hardcore-Jünger im Saal: „Agnostic Front!!“ prustete es aus diversen Ecken. Walter Schreifels war guter Stimmung, keine Spur von Müdigkeit. Kaum zu glauben, dass er am gleichen Tag aus New York eingeflogen war und vor seinem Hotel im Auto schlafen musste, da das Hotel ihn erst nicht einchecken lassen wollte. Drei Albumsongs mussten zahlreichen Coverversionen und Songs von Schreifels vorigen Bands weichen. Bei dem Sick Of It All-Cover „Friends Like You“ animierte er das Publikum den Refrain mitzusingen. Als der Publikums-Chor „We don’t need friends like you! We don’t need friends like you!“ rief, war dem New Yorker die Zufriedenheit sichtlich anzumerken. Mit „Audrey“ spielte er dann ein Stück seiner Band Walking Concerts. „Streetfighting Woman“ war ein neuer Song Schreifels, der die Linie seiner poppigen Singer/Songwriter-Musik fortführt.

Zum Abschluss kam das Publikum noch mal in den Genuss seines Entertainer-Talents. Es durfte sich Songs für ein Medley aussuchen. Neben den Rival Schools-Tracks „Travel By Telephone“ und “Undercovers On” kamen Walking Concerts „Mustang Ford“, Gorrilla Bisquits „No Reason Why“ und zu Schreifels Befürchtung auch “Poker Face” von Lady Gaga in die Auswahl. Trotz einiger nicht sehr eleganter Übergänge, was bei so viel Spontaneität wohl kaum vermeidbar war, sahen die Besucher doch sehr zufrieden aus.

Es ist schwierig mit nur einer Gitarre eine abendfüllende Performance hinzulegen, aber Walter Schreifels bewies, dass auch das mit Charme und Witz funktioniert.

Fotos: Patricia Jankowski und Asiye WhiteTapes

Walter Schreifels auf Tour:

21. September, Würzburg, Cafe CAiro
22. September, Bonn, Harmonie
23. September, Göttingen, Musa
24. September, Flensburg, Volksbad
25. September, Berlin, L.U.X.

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Polarkreis 18 – T-Mobile Streetgig im Stream

Morgen spielen Polarkreis 18 ihr vorerst letztes Konzert für dieses Jahr in der Hamburger Markthalle, bevor sie dann für Aufnahmen an ihrem neuen Album wieder ins Studio verschwinden. Bereits vor ungefähr einem Monat spielten sie in der Frankfurter Eissporthalle beim großen Finale der T-Mobile Streetgigs zusammen mit dem VW Orchester. Ein Ereignis, bei dem wir auch gern dabei gewesen wären, aber die Fahrt nach Frankfurt war unter der Woche dann doch etwas weit. Ab sofort müssen wir deshalb auch nicht mehr ganz so traurig sein, denn auf der Homepage der T-Mobile Streetgigs gibt es das gesamte Konzert im Stream. Das ist toll und deshalb solltet ihr euch auch Polarkreis 18 in der Eissporthalle Frankfurt ansehen.


Polarkreis 18- Allein Allein

Polarkreis 18 | MySpace Musikvideos

Interview // Homepage // Myspace

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Maxïmo Park + Blood Red Shoes, Jahrhunderthalle, Frankfurt, 28. Oktober 2009

Es ist wohl kein wirkliches Geheimnis mehr, dass wir große Fans von Maxïmo Park sind, so war es natürlich auch selbstverständlich, dass wir mindestens ein Konzert der aktuellen Tour besuchen, um darüber zu berichten. Nachdem sie beim Konzert in Brüssel so sehr überzeugten und auch die Konzerte in in Düsseldorf und Bremen trotz nur halbvoller Hallen mit gewaltiger Energie von der Band zum Besten gegeben wurden, entschlossen wir uns spontan der Band auch noch bei ihrem Tour-Abschluss in Frankfurt einen Besuch abzustatten. Also auf in Richtung fünftgrößter Stadt Deutschlands. Vor der Jahrhunderthalle – die wie wir auf einer Tafel am Eingang lernten, 1963 zur Feier des 100 jährigen Jubiläums der Höchster Farbwerke erbaut wurde – warteten kurz vor Einlass vielleicht 100 Fans, um ins Foyer gelassen zu werden. Ein Bild, das wir so bereits von den anderen Konzerten dieser Tour kannten und wieder bestätigte, dass Maxïmo Park zwar die beste Band der 2005er Welle britischer Bands sind, deshalb aber noch lange nicht in übergroße Hallen gehören müssen. Gedanken, ob daran auch noch zusätzlich das von vielen Fans nur mit mäßiger Begeisterung aufgenommene dritte Album schuld ist, wollen wir nicht weiter nachhängen, führen wohl auch zu nichts.

Pünktlich wie auf der gesamten Tour standen dann auch um 20 Uhr die Blood Red Shoes auf der Bühne. Laura-Mary, die bereits beim Konzert in Bremen kränkelte war noch eine Spur blasser und kaum präsent, spielte aber dennoch ein souveränes Set vor einer in der Zwischenzeit vielleicht zur Hälfte gefüllten Halle. Wer nicht da war, hatte eben Pech und den besten Auftritt des Duos auf der Tour mit Maxïmo Park verpasst. Denn was den beiden, die sichtlich kränkelten, an Gesundheit fehlte, kompensierten sie nämlich durch ein druckvolles Set. Unter den vielen neuen Songs, welche die Blood Red Shoes wieder ganz selbstbewusst zum Besten gaben kristalisierte sich dann sogar ein richtiger Hit heraus. Ein Stück mit hübscher, ruhiger Gitarrenmelodie, bei dem Laura-Mary den Gesangspart fast komplett allein übernahm. Mit diesen Songs müssen sich die Blood Red Shoes auf jeden Fall keine Sorgen um den Erfolg ihres zweiten Albums machen.

Es folgte zum Abchluss noch das obligatorische “I Wish I Was Someone Better” und eine Umbaupause mit Ladytron vom Band. Während dieser füllte sich die Halle auf vielleicht die Hälfte ihres Fassungsvermögens füllte. Punkt 21 Uhr stürmten Maxïmo Park dann die Bühne der Jahrhunderthalle um ihren Tour-Abschluss gebührend zu begehen. Das taten sie wie auf der gesamten Tour mit “A19″ als Opener. Der Hörgenuss wurde zunächst aber etwas getrübt, denn die Bass-Drum und auch der Bass von Archis Tiku sorgten für ein lautes Dröhnen aus den Boxen, das für viele der Besucher wohl auch mehr als nur eine unangenehme Nebenerscheinung war. Die obligatorischen Oropax, die wir als gesundheitsbewusste Konzertgänger trugen schwächten das Dröhnen so weit ab, dass wir es eigentlich gar nicht so schlimm empfanden. Die Techniker versuchten in der Folge auf Hinweise von Sänger Paul Smith, dem das Dröhnen offensichtlich durch seine In-Ear-Monitore wohl das Trommelfell durchzublasen drohte, fleißig das Problem zu beheben. Zunächst mit wenig Erfolg, aber irgendwann fanden sie einen guten Mittelweg. Der Klang war dadurch nicht brillant, aber augenscheinlich für alle zu ertragen.

Im Vergleich zu den Abenden in Düsseldorf und Bremen hatten Maxïmo Park nun auch ihre Setlist etwas variiert. So fanden sich nun auch das tolle “By The Monument” von “Our Earthly Pleasures” und “The Night I Lost My Head” vom Debüt “A Certain Trigger” im Set wieder. Die Energie der Band war jedoch die gleiche, wie zuvor. Es gab kaum eine Sekunde, in der man Paul Smith mal still stehend gesehen hätte. Auch der Rest der Band, insbesondere Keyboarder Lukas Wooller, ackerte wieder auffällig viel. Lukas nutzte beinahe jede Spielpause, um in einem kleineren Radius auf der Bühne zu tanzen, Luftgitarre zu spielen, oder auch das ein oder andere Mal anfeuernd auf sein Keyboard zu klettern. In den ersten Reihen wurde dieser Einsatz auch mit ausgelassenem Tanzen dankbar aufgenommen. Schon nachmittags hatte Paul Smith Bedenken bezüglich des Konzertverlaufs geäußert, da seine Stimme etwas angeschlagen sei. Mit fortschreitender Dauer des Sets machte sich das dann auch bemerkbar. Er sei heute morgen heiser aufgewacht, erklärte er dann auch den Ausfall seines “Arbeitsgeräts”, bevor er mit seiner Band die beiden Zugaben “Calm” und “Our Velocity” anstimmte. Aus diesem Grund fehlte dann leider auch “Acrobat” unter den Zugaben, hätte sich mit Paul’s  krächziger Stimme aber bestimmt auch seltsam angehört. Das Ende nach nur zwei Zugaben quittierten zwar ein paar Fans mit Buh-Rufen, die aber sehr schnell durch überschwänglichen Jubel der restlichen Anwesenden übertönt wurden. So hinterließen Maxïmo Park auch bei ihrem Tour-Abschluss wieder einen durchweg guten Eindruck, der durch Sound- und Stimm-Probleme zwar nicht ganz perfekt, aber dennoch absolut fesselnd war. So freuen wir uns jetzt schon auf die nächste Tour des Quintetts aus Newcastle, dann auch bestimmt wieder in angemessenen Hallen.

Setlist

A19
The Penultimate Clinch
Wraithlike
By The Monument
Signal And Sign
A Cloud Of Mystery
Karaoke Plays
The Kids Are Sick Again
The Night I Lost My Head
Questing, Not Coasting
Tanned
That Beating Heart
Going Missing (akustisch)
Let’s Get Clinical
The Coast Is Always Changing
Books From Boxes
Apply Some Pressure
Girls Who Play Guitars

Calm
Our Velocity

Fotos (vom Konzert in Düsseldorf) von Frank (Pretty Paracetamol)