Etwas mehr als ein Jahr nach seinem selbstbetitelten Debüt und …
Paul Smith, Gebäude 9, Köln, 10. November 2010

Es ist gerade erst einen Monat her, dass Maxïmo Park Frontmann Paul Smith die derzeitige Pause seiner Hauptband nutzte, um mit “Margins” sein erstes eigenes Album zu veröffentlichen. Ein Album, mit dem der junge Brite einige neue Facetten seines Songwritings offenbarte und dabei seine Stärken voll ausspielte. Da waren wir natürlich sehr gespannt, wie die Live-Umsetzung der Songs des Nord-Engländers gelingt. Große Zweifel an der Qualität hegten wir allerdings nicht, da er mit seiner Haupt-Band Maxïmo Park live eine Bank ist. Also folgten wir natürlich gern dem Ruf ins Kölner Gebäude 9, in dem Paul Smith knappe eineinhalb Jahre zuvor mit Band neue Songs des dritten Maxïmo Park Albums “Quicken The Heart” vorstellte. Dieses Mal standen seine eigenen Stücke auf dem Programm. Die Zahl derer, die sich im Gebäude 9 einfanden war auch dieses Mal wieder hoch und der Club gut gefüllt.
Die Band, die er dieses Mal dabei hatte, war natürlich eine andere und spielte in dieser Formation bisher vielleicht etwas mehr als 10 Mal zusammen. Von Unsicherheit aber nichts zu spüren, als Bassistin Claire Adams, Gitarristin Rachel Lancaster und Drummer Andy Hodson, der sich auch für die Produktion von “Margins” verantwortlich zeigte, die Bühne betraten und das erste Stück anstimmten. Ein wenig nervös wirkte hingegen der Mittelpunkt des Abends, Paul Smith.
Mit dieser leichten Verlegenheit hatte man ihn seit den ersten Deutschland-Auftritten mit Maxïmo Park Anfang 2005 nicht mehr gesehen. Dennoch gelang ihm aber zunächst allein eine starke Eröffnung des Abends mit dem gefühlvoll vorgetragenen “While Your In The Bath”. Mit dem Stück “North Atlantic Drift”, das es vor Release des Albums zum Gratis-Download gab, gab es dann das erste Mal am Abend etwas rockigere Töne. Die bestimmen bei Maxïmo Park bekanntlich ein Konzert, sollten aber an diesem Abend rar gesät sein. Was in Anbetracht des Albums natürlich keine Überraschung darstellte.
Paul Smith mit umgeschnallter Gitarre gab dabei vielleicht zunächst ein ungewohntes Bild ab, aber den Sechssaiter meisterte er ohne größere Verspieler. So entwickelte sich auch mit den ruhigeren Stücken, die Paul Smith an diesem Abend präsentierte, eine fesselnde, intime Stimmung, in der man die ganze Zerbrechlichkeit der Songs noch mehr spüren konnte, als auf dem Album. Aber nicht nur mit den Album-Tracks schaffte er es, das Publikum in seinen Bann zu ziehen. Gerade bei der Cover-Version von Arthur Russell’s “A Little Lost” schien die Spannung so groß, dass man die sprichwörtliche Stecknadel hätte fallen hören können. Spätestens nach diesem Vortrag hätte der Abend beendet werden können und jeder Besucher hätte höchstwahrscheinlich zufrieden den Heimweg angetreten. Ende war aber noch lange nicht, denn mit dem tollen “I Drew You Sleeping” und der aktuellen Single “Our Lady Of Lourdes” warteten unter den restlichen Songs des Abends noch mindestens zwei große Highlights auf die Zuschauer, bevor sich Paul Smith und Band kurz von der Bühne verabschiedeten.

Es sollte aber nicht lange dauern, bis zunächst Paul und Andy für den Album-Abschluss “Pinball” auf die Bühne zurückkehrten, ein ruhiges Stück, bei dem Paul auf dem Album allein von Ukulele und Cello begleitet wird. In der Live-Fassung gab es leider nur die Ukulele, die Andy am Ende zurückstellte, um Paul für die letzten beiden Songs ganz allein auf der Bühne zurückzulassen. Und wer nun dachte, das Set würde nicht mehr allzu viel bereit halten, da bereits alle Songs von “Margins” durch waren, der hat sich auch dieses Mal geirrt. Denn mit “Tanned”, einem Stück von “Quicken The Heart” hielt Paul eine ganz besondere Überraschung bereit. Mit dem größten Highlight verabschiedete der Nord-Engländer dann das Kölner Publikum in die Nacht. Er wartete nämlich mit einer ganz speziellen Version von “By The Monument” auf, die in der Bridge nahtlos in “Apply Some Pressure” überging, um am Ende wieder mit dem Refrain von “By The Monument” zu schließen. Das Ganze derart reduziert auf Stimme und seine Fender, dass man sich an die Sin-é Sessions von Jeff Buckley erinnert fühlte – bemerkenswerterweise sogar stimmlich. Gänsehaut war vorprogrammiert und der Applaus am Ende des Sets verdient laut. Der wäre vielleicht sogar noch größer ausgefallen, wenn nicht recht schnell Licht und Musik angegangen wären. Am Ende gingen alle mit der Erkenntnis, dass nicht nur ein Maxïmo Park Konzert ein einzigartiges Erlebnis ist, sondern das Paul Smith alleine ebenfalls eine ganz besondere Atmosphäre zaubern kann.
Fotos: Ariane WhiteTapes, mehr vom Abend hier
Two Door Cinema Club, Gebäude 9, Köln, 07. April 2010

So schnell können Karrieren gehen, 2007 gründeten drei Jungs aus Bangor in der britischen Provinz Ulster eine Band. Bereits zwei Jahre später stehen sie beim Französisch-Japanischen Elektro-Label Kitsuné unter Vertrag, veröffentlichen gefeierte Singles und finden sich in Bandjahr 3 sogar auf der BBC Liste Sounds of 2010 wieder. Damit einher gehen ein angemessener Hype in Indie-Kreisen und natürlich ausverkaufte Clubshows. Es läuft gut für Two Door Cinema Club. Das zeigt auch der Ansturm beim Konzert der Band in Köln. Es hat zwar gedauert, bis das Konzert ausverkauft war, aber am Ende war es das, das haben beispielsweise Los Campesinos! nicht geschafft, obwohl sie es natürlich nicht minder verdient hätten.
Wie sich das dann für eine Band mit angemessenem Hype gehört lag das Durchschnittsalter der Konzertgänger – wenn überhaupt – bei gerade einmal 20 Jahren. Alle waren gekommen, um eine der Newcomer-Bands des Jahres zu sehen, deren Debüt-Album “Tourist History” zwar keine überragenden Kritiken geerntet hat, dafür aber eine Hand voll Hitsingles aufweisen kann, die in diesem Jahr wohl noch die ein oder andere Festival-Meute beschallen dürften. Als das Trio dann verstärkt durch einen Schlagzeuger, um 21:50 Uhr die Bühne betrat war die alte Industrie-Halle bereits proppe voll und die Luft, angewärmt vom ersten richtigen Frühlingstag des Jahrs, unfassbar stickig. So mussten die Nord-Iren also eigentlich auch gar nicht viel tun, damit die Masse ins Schwitzen kommt. Aber auf die Raumtemperatur verlassen sich höchstens die Gallaghers, also heizten Two Door Cinema Club ab der ersten Sekunden mit dem auch vom Album bekannten, hohen Tempo ein.
Das Publikum war direkt noch besser gelaunt, als es ohnehin schon wegen der Ferien war, die Band war auch gut drauf, nur der Tonmann schien einen schlechten Tag erwischt zu haben. Instrumental war alles perfekt abgemischt, nur war der Gesang so leise, dass man nur in den ruhigeren Passagen mal etwas von Sänger Alex Trimble hören konnte. Der hat mit seinem hohen, etwas dünnen Stimmchen ohnehin nicht die brillanteste Singstimme und es deshalb schwer gegen die instrumentale Gewalt der schneidenden, zackigen E-Gitarre und der laut und hart geschlagenen Drums anzukommen. Das machten er und seine Bandkollegen auch nicht durch entsprechendes Charisma, oder dergleichen wett, denn so jung Two Door Cinema Club sind, so jung und beinahe unerfahren wirken sie auch auf der Bühne. Wenn etwa Alex mit hochrotem Kopf vor das Mikro tritt und auch zwischen den Songs nicht gerade mit größtem Selbstvertrauen mit dem Publikum spricht, machte das eher den Eindruck einer Schülerband und nicht den von potentiellen Nachfolgern von Phoenix. Aber das muss man den Nord-Iren natürlich auch lassen, sie sind deutlich jünger als Phoenix, die bei ihrem ersten Album bereits durchschnittlich 25 waren und in dieser Relation gesehen haben sie auf der Bühne doch einiges zu Stande gebracht.
Allerdings wurde mit diesem leisem Gesang auch schnell ein Manko von Two Door Cinema Club offensichtlich, nämlich die fehlende Abwechslung in ihren Stücken. So wirkte trotz großer Power und viel Spielfreude das Set eher, wie ein 45 Minuten langer Song mit kleinen Unterbrechungen, als wie ein Set aus insgesamt 14 unterschiedlichen Songs (davon 2 Zugaben). Für Party-Stimmung und schweißtreibendes Zappeln zu den Hits reichte das beim Publikum allemal und so sah man nach 45 Minuten im Publikum und auf der Bühne eigentlich nur glückliche Gesichter. Die 350 Besucher sahen an diesem Abend im Kölner Gebäude 9 eine Band, die an einer entscheidenden Stelle ihrer bisher schnellen Karriere steht, eine Stelle, an der sich nun klärt, ob es eine nachhaltige Karriere wird, oder doch nur alles ein schöner Hype war. Wir wünschen ihnen natürlich, dass es zu mehr reicht und nach dem schnellen Karrierestart auch einmal ein wenig Ruhe einkehrt, für eine gesunde Bandentwicklung.
Fotos: Myspace der Band
Los Campesinos! + Copy Haho, Gebäude 9, Köln, 13. März 2010

Das letzte Mal, als wir Los Campesinos! live sehen durften, spielten sie im November 2008 im Kölner Luxor. Damals unterstützt von Lovvers und den famosen Sky Larkin. Gerade Sky Larkin, dieses charmante Trio aus Leeds schaffte es da, eine Performance abzuliefern, die noch einen Funken mitreißender und erfrischender war, als die ohne Zweifel auch höchst unterhaltsame Show der Waliser. Mit ihrem dritten Album “Romance Is Boring” im Gepäck machten sich Los Campesinos! nun endlich nach dem November 2008 wieder auf Tour durch Deutschland. Dabei zeichnete sich nun bereits im Vorfeld ab, dass es dieses Mal wieder ähnlich verlaufen könnte, wie beim letzten Abstecher der Band nach Deutschland. Denn mit den Schotten von Copy Haho hatte die Band aus Wales wieder einen großartigen Support ins Boot geholt.
Die Klasse des schottischen Quartetts schien sich wohl leider noch nicht in der Indie-Jugend der Domstadt rum gesprochen zu haben und so warteten höchstens eine Hand voll Menschlein auf Einlass von Barbereich in die Halle, als um Punkt 19 Uhr die Türen des Gebäude 9 öffneten. Das spärliche Erscheinen der Fans kann aber auch gut an der sehr frühen Einlasszeit gelegen haben, aber in Köln spielt nun einmal das Disco-Nachtleben eine große Rolle und so musste der Konzertteil auch bis spätestens 22:30 Uhr abgeschlossen sein, um alles für die um 23 Uhr startende Indie-Disco-Nacht herzurichten.
Selbst die Bands schienen nicht auf einen so frühen Beginn eingestellt, weshalb pünktlich zum Einlass Los Campesinos! noch beim Soundcheck in der Halle zu hören waren. Es folgte im Anschluss noch der Soundcheck der Schotten von Copy Haho und dann 10 vor 8 auch der Einlass in die alte Industriehalle.
Um 20:15 Uhr und damit pünktlich zur Prime-Time, in der auch parallel Dieter Bohlen seinen nächsten Super Karaoke-Sänger suchte, traten dann vier unscheinbare junge Herren auf die Bühne. Mittlerweile hatte sich auch das Gebäude 9 auf beinahe 300 Besucher gefüllt und die Party konnte beginnen. Danach schien Copy Haho auch zu sein und ab dem ersten Takt spielten sie mit großer Freude auf. Der Soundmann schien zwar offensichtlich nur auf die anschließend aufspielenden Los Campesinos! eingestellt und mischte dem Quartett einen hübschen Brei, aus dem der Gesang kaum zu hören war, dennoch waren aber die Hitverdächtigen kleinen Indie-Melodien von ihrer EP “Bred For Skills & Magic” heraus zu hören. Ihre erfrischend vorgetragene Mischung aus 90er Jahre Indie-Rock in bester Pavement Tradition und einer Prise Surf-Rock, schien auch beim Publikum gut anzukommen und bescherte Copy Haho in den Songpausen immer ordentlich Applaus. Die Chemie zwischen Band und Publikum hätte besser nicht sein können und so wagte es Joe Harty auch nach ein paar Songs sich ein wenig mit den Anwesenden zu unterhalten, um sich nach Ausgeh-Möglichkeiten in Köln zu erkundigen. Das Schokoladen-Museum wurde ihm empfohlen, ob das nun der beste Ort für Samstag-Abend-Gestaltung ist, sei dahin gestellt, einen Besuch ist es auf jeden Fall wert.

Aber zurück zu Copy Haho, deren Freude übertrug sich wie gesagt auf das Publikum, was den jungen Schotten anscheinend so sehr gefiel, dass sie den Abend mit einem Foto des Publikums festhalten wollten. Dazu sollte jeder der Anwesenden mit seinen Armen einen Schwan machen. Mit einer extra von Gareth Campesinos herbei gebrachten Kamera gelang dieses Foto und einen Song später verabschiedeten sich Copy Haho dann leider auch schon nach knapp dreißig Minuten.
Als sich Copy Haho von der Bühne verabschiedeten war eigentlich auch bereits klar, dass es Los Campesinos! schwer haben würden dieses Set noch zu toppen. Das was sie dann boten war natürlich dennoch alles andere als langweilig, sondern die inzwischen live dank Sparky Deathcap auf acht Mitglieder angewachsene Band zeigte wieder, dass sie alle einen ordentlichen Knall haben. Aber natürlich in ganz gesundem Ausmaß. Eröffnet wurde erst einmal mit zwei Stücken von “Romance Is Boring”, nämlich “Heart Swells/100-1″ und “I just sighed. I just sighed, just so you know”. Von Beginn an hüpfte und verrenkte sich Gareth Campesinos an seinem Mikrofon, als würde ihm jede Sekunde, die er still stehend verbringt, vom Publikum übel genommen. Das sah dann aus, wie eine Mischung aus Breakdance, Aerobic und Rumpelstilzchen. Beim Publikum brachen die Tanzdämme dann mit “Death To Los Campesinos”, dem Opener des ersten Albums. Ein Mosh-Pit entwickelte sich zwar nicht, die ersten Reihen waren aber in offensichtliche Wallung geraten, ein Zustand, der dann genau so auch eine ganze Stunde anhalten sollte. Dafür spielten sich Los Campesinos! mit einem so rasanten Tempo und einer hohen Dosis Spaß durch ihr Set.
Ein besonderes Highlight dabei waren unter anderem kleine Choreographien, die Kim Campesinos und Gareth bei einigen Songs mit einem breiten Grinsen vorführten.
Zum kochen geriet die Stimmung allerdings durch einen Abstecher von Gareth ins Publikum. Irgendwann hielt es ihn nicht mehr in seinem Bewegungsraum vor den Menschen und er begab sich, ermutigt durch einige inzwischen geleerte Flaschen Bier mitsamt Mikrofon in die tanzende Meute. Kurz nachdem er die Bühne wieder betreten hatte, wagte auch Gitarrist Neil Campesinos einen Abstecher in die Menschenmassen. Nachdem sich die acht Los Campesinos! nach “Sweet dreams, sweet cheeks” kurz von der Bühne verabschiedet hatten, kehrten sie noch ein letztes Mal zurück, um “Broken heartbeats sound like breakbeats” zum Besten zu geben. Dafür begaben sich dann Gareth, Kim, Neil und Sparky Deathcap ins Publikum. Die Stimmung kochte noch ein letztes Mal so richtig und sichtlich zufrieden verabschiedeten sich alle achte Los Campesinos! danach in die Nacht. Bei Twitter schrieben sie im Anschluss noch AWESOME show in Cologne, best of tour so far. Das können wir zwar nicht nach prüfen, mitreißend und unterhaltsam war sie aber alle Mal.
Fotos: Ariane WhiteTapes
Maxïmo Park, Köln, Gebäude 9, 03. März 2009
Es gibt Traditionen, die möchte man auf keinen Fall missen. Eine davon ist die von Maxïmo Park vor wichtigen Warm-Up Shows zu spielen. Im letzten Jahr spielte sich die Band in Nijmegen für ihre Festival-Tour warm, dieses Jahr wurde sogar ein noch besserer Grund gefunden, der Release des Albums “Quicken The Heart” am 8. Mai nämlich, den die Band mit einigen kleinen Konzerten vorbereiten möchte, ein Genuss, in den nur das europäische Festland kommt, in der Heimat tourt das Quintett dann bereits durch Arenen. Bis dahin sollen die neuen Songs natürlich auch sitzen, so spielten wir auch gern Versuchskaninchen für die Band und ließen einige neue Songs an uns ausprobieren.
In klassicher Maxïmo Park Warm-Up Manier gab es dann auch keinen Support, sondern nur Paul Smith und seine Mannen, die ab 21:30 Uhr das Gebäude 9 zum beben brachten. In anderen Teilen der Stadt sollen Gebäude eingesetürzt sein und Brauereien gebrannt haben, in Mühlheim sollte das für die nächsten 75 Minuten niemanden kümmern. Hier zählten nur fünf junge Männer aus Newcastle, die ihr Set mit “The Kids Are Sick Again” eröffneten. Kein klassischer Opener, aber dennoch als solcher gewählt, da der Song wohl die erste Single von “Quicken The Heart” darstellen wird. Langsam schleicht sich der Song an das Publikum heran, um gegen Ende etwas das Tempo anzuziehen und die ersten Schweißtropfen auf der Stirn schimmern zu lassen. Die sollten sich noch vermehren, denn mit “Our Velocity” folgte ein Lied vom Vorgänger-Album “Our Earthly Pleasures”, das es vom Tempo und dem daraus resultierenden Bewegungsdrang des Publikums in sich hat. Mit diesem Wechsel ging es auch weiter. Auf einen neuen folgte fast immer ein alter Song, so dass auch das Publikum stets zwischen andächtig lauschend, um möglichst viel vom neuen Song aufzusaugen, und ausgelassen tanzend hin und herwechselte. Sänger Paul Smith interessierte das wenig, der sprang von Anfang an wild herum, wedelte mit den Armen, ließ sein Becken kreisen, stürmte von einer Ecke der Bühne in die andere und rollte wie besessen mit den Augen. Auch der Rest der Band zeigte eine ungemeine Spielfreude und lauerte besonders bei den neu(er)en Stücken auf die Reaktionen des Publikums.

Beim neuen Material stach besonders heraus, dass Maxïmo Park konsequent auf Weiterentwicklung gesetzt haben. Keines der neuen Stücke klang wie ein Abklatsch der Songs auf “A Certain Trigger”, oder “Our Earthly Pleasures”, sondern war deutlich als eben neuer Song zu erkennen. Natürlich klangen sie dennoch nach Maxïmo Park’s unverkennbarer Soundwelt, nur dass inzwischen sogar die Balladen als solche zu erkennen sind, so dass etwa der Song “I Haven’t Seen Her In Ages” zwar druckvoll aber auch herzzereißend schön daher kam. Den nun langsamer gewordenen “Balladen” (wenn man das bei Maxïmo Park überhaupt so nennen kan) standen unter den neuen Songs dann umso punkigere, schnellere Nummern entgegen. Bestes Beispiel dafür war “The Penultimate Clinch” mit einer Schrammelgitarre, die etwas an die Rakes erinnerte und einem etwas längeren Gesangspart von Keyboarder Lukas Wooller. Die Gesangsparts sind zudem noch ein weiteres Merkmal der neuen Songs, neben Lukas Wooller und Duncan Lloyd, der nun noch lauter mitsingen darf (was wohl auch am Mischer lag) übernahm sogar Bassist Archis Tiku bei “That Beating Heart” einen Teil der Backing-Vocals. Ein Song, der auf Anhieb in Beine und Ohren ging und sich da auch noch eine Weile nach dem Konzert festsetzte. Seltsamerweise findet er sich laut Aussage der Band nicht auf dem Album wieder und so wird er sich wohl zu den B-Seiten der Band gesellen müssen, unter denen sich mit “A19″ und “I Want You To Leave” schon seit Release des ersten Albums echte Hits befinden.
Nach 75 Minuten blieb die Gewissheit, sich keine Sorgen um die Qualität des dritten Maxïmo Park Machwerks machen zu müssen und jene, dass das Quintett aus dem Nordosten Englands nach wie vor eine der besten Live-Bands der Insel ist.
Foto 1: Pressfreigabe
Foto 2: Ariane WhiteTapes
Sky Larkin + Johnny Foreigner, Köln, Gebäude 9, 25. Februar 2009
Aschermittwoch in Köln, der Großteil der Jecken, Narren und wie sie alle heißen weilt zu Hause und kuriert den Kater aus, der von der fünften Jahreszeit als einziges Überbleibsel mit in die Fastenzeit genommen wurde. Einige tapfere, vielleicht auch nicht so karnevalsverrückte, Musikfans fanden dennoch den Weg in eine alte Fabrikhalle in der Nähe der Kölner Messe, um auf die Fastenzeit zu pfeifen und mit Sky Larkin, die gekommen waren, ihr erstes Konzert als Headliner in Köln zu spielen, weiter zu feiern. Zu ihrer ersten Tour als Headliner haben sich Sky Larkin dann nicht nur irgendeine Vorgruppe eingepackt, sondern ihre Freunde von Johnny Foreigner eingeladen, das gleiche Management macht’s möglich. Eine spannende Kombi also, die sich circa 70 Musikjünger natürlich nicht entgehen lassen wollten, wer es doch tat verpasste was, das war schnell klar.

Denn Johnny Foreigner brachten schon mit ihrer 30-minütigen Show die Bühne des Gebäude 9 zum explodieren, so energiegeladen trugen sie ihre Stücke vor. Johnny Foreigner, die eigentlich nur ein Trio sind, machten ab der ersten Minute Krach für 10 und Stimmung für 1.000. Bassistin Kelly trug einen Sweater, in den sie vermutlich noch zusammen mit dem Rest der Band gepasst hätte, hüpfte mit ihrem Bass von einer Ecke der Bühne in die andere und stand nur kurz für ihre Gesangsparts still am Mikro. Auch Sänger Alexei zeigte sich als ähnliches Energiebündel und schrie die Texte ähnlich inbrünstig, wie auf dem Debüt-Album. Die Frage, wie Johnny Foreigner die Stücke, die sich auch schon auf dem Album vor allem durch ihre immense Energie und wahnsinnige Geschwindigkeit auszeichnen, wohl live umsetzen können beantwortete die Band dann auch selbst, durch wahnsinniges Tempo und die bereits erwähnte unbändige Energie.

Die Befürchtung, dass die leicht chaotischen Stücke live in eine einzige Kakophonie ausufern könnten machte die Band durch perfekte Harmonie und Präzision wett. Gekoppelt mit der beinahe anarchischen guten Laune, die das Trio versprühte waren das 30 Minuten unfassbar unterhaltsame Minuten. Hinzu kamen noch seltsam bis schräge Ansagen und Aktionen der Band in den Songpausen, mehrere Male wurde nämlich versucht in Erfahrung zu bringen, wo man denn ein wenig Marihuana bekommen könnte und dass man auch bereit sei, das gegen Merchandise zu tauschen. Ein eindeutiges Indiz für den sympathischen Vogel, den die Band hat war neben dem eigenwilligen Kopfschmuck von Alexei auch eine Aktion von Drummer Junior, der mit großer Freude auf sein Becken einschlug, als gerade der Roadie der Band dort herum kroch, um das Drum-Kit in Ordnung zu bringen.
Auch die im Anschluss folgenden Sky Larkin haben wir bisher nur gut gelaunt erlebt, so dass es auch keine Überraschung war, dass Katie mit Betreten der Bühne breit grinste. Mit “Pica” spielten die Drei dann auch gut gelaunt los und 60 charmante Minuten Indie-Pop sollten folgen. Unfassbar dabei auch, wie Drummer Nestor auf sein Drum-Kit einprügelt, die Band ihren Sound dennoch so abgemischt bekommt, dass keine Trommelfelle (haha, Wortspiel) platzen und der Rest des Trios auch noch zu hören ist. Auch Sky Larkin hatten in einer der Songpausen eine Frage an das Publikum, dabei ging es nicht um Marihuana, sondern darum, wo man in Köln Drumsticks bekommen könnte, da Nestor seine im alten Van hat liegen lassen und er sich deshalb immer welche von Junior von Johnny Foreigner leihen müsse.

Dieser Ansage folgten im späteren Verlauf des Konzerts noch eine Unterhaltung mit einigen Iren im Publikum und nicht zuletzt Witze über die Cowboy-Stiefel, die Doug sich zugelegt hatte, weil die Band für die Tour durch Skandinavien auch festes Schuhwerk bräuchte. So machte das charmante Trio seinem Namen auch alle Ehre, “skylarking” ist im englischen umgangssprachlich für herumalbern. Aber auch musikalisch gab es natürlich allerfeinste Kost. Der Wechsel zwischen Gitarren- und Keyboardstücken gelang immer stimmungsvoll. Besonderes Highlight war der Song “Geography”, den die Band das erste Mal seit dem Release von “The Golden Spike” live performte. Das schaffte die Band natürlich, wie bei allen Stücken absolut gelungen, wie auch bei den Stücken “Molten” und “Beeline”, die das Set beschlossen. Natürlich aber nicht, ohne das die Band noch einmal für “Keep Sakes” und die Sonderzugabe “Handsome” zurückkehrte. Einmal mehr also ein charmantes Konzert von drei absolut sympathischen jungen Engländern.
Fotos: Ariane WhiteTapes
Intro Intim mit The Rakes + Filthy Dukes + James Yuill, Köln, Gebäude 9, 17. Januar 2009

Endlich, das Konzert-Jahr 2009 konnte nun auch für uns beginnen, neben großen Namen die noch folgen werden begann es im Rahmen eines Intro Intims auch direkt mit persönlichen Helden von uns, The Rakes aus London. Nach zwei Auftritten, die wir auf zwei Tourneen zu “Ten New Messages” bereits miterleben durften waren wir nun besonders gespannt, ob die vier Londoner nach einem beinahe lustlos wirkenden Auftritt im Herbst 2007 im mager gefüllten Ringlokschuppen in Bielefeld, wieder richtig zünden würden. Eine Erkenntnis, die zu gewinnen uns noch eine ganze Weile vorenthalten werden sollte, denn vor die Rakes hatten der Intro und Cooperative Music noch zwei andere Acts platziert. Erster dieser beiden Acts war ebenfalls ein Londoner, nämlich der Singer-Songwriter James Yuill. Yuill ist ein typischer englischer Nerd mit Brille und schlacksigem Auftreten. Einer derer, die den Folk derzeit um Laptop, jede Menge Samples und andere elektronische Einflüsse bereichern. Folktronica schimpft sich dieses noch junge Genre, das in England im Moment wahrscheinlich vor allem von Simon Bookish geprägt ist.

Im Zusammenhang mit Yuill, der mindestens genauso nerdy ist, wie Bookish, könnte man dieses Genre vielleicht auch als Handgazing bezeichnen, denn die meiste Zeit seines Sets verbrachte er damit, an den diversen vor ihm aufgebauten Samples, Reglern und Effekten zu drehen und zu tricksen. Die dabei entstandenen Kompositionen entfalteten sich live größtenteils sehr homogen, sie begannen mit einem eingespielten Beat, dazu wurden Effekte und andere Samples zu Soundwändchen aufgebaut und sobald diese Wände aufgebaut waren begann Yuill mit seinem Gesang. Was unspektakulär klingt war aber unerwartet spannend mit anzuhären und auch launig anzuschauen. Denn es barg schon eine gewisse Komik in sich, wie Yuill seine meist von Liebe handelnden Texte beinahe nebensächlich vortrug und dabei schüchtern bis gar nicht mit dem Publikum kommunizierte. Nach knapp fünf Songs war Yuill dann leider auch schon durch mit seinem Set, verabschiedete sich still und leise und machte Platz für die längsten dreißig Konzertminuten seit langem.

Die nächste halbe Stunde sollte nämlich den Filthy Dukes, ebenfalls aus London, gehören. Die machen auch elektronische Musik, nur keinen Folk, sondern am ehesten Rave. Dazu wurden jede Menge elektronischer Gerätschaften auf der Bühne versammelt, mit denen die vier Dukes dreißig Minuten lang ein wenig Krach machen wollten. Dieses Versprechen konnten sie auch umsetzen, ihr Sänger heizte die Masse in den Pausen immer wieder an und fragte in regelmäßiger Folge “Do you want to make some Party tonight? Party Time!!!”. Schon beim zweiten Mal war das ermüdend, aber nicht ganz so ermüdend, wie die Musik der Dukes, die eine bunte Mischung aus MGMT, Rave, Noisecore, Rap und 80ies Wave war. Die Stücke wirkten dazu noch recht gleichförmig und ohne große Tiefe, diese brauchten sie auch offensichtlich nicht, waren sie doch vor allem darauf angelegt, das Publikum zum ausgelassenen Tanzen zu bewegen (“Party Time”….). Was es auch tat und die Gewissheit brachte, dass die Filthy Dukes in diesem Jahr mit ihrer Musik ein ganz heißer Newcomer im Bereich Elektro und New-Rave sein werden.

Der Umbau nach den Filthy Dukes zog sich aufgrund der umfangreichen Gerätschaften, die die Band abzubauen hatte doch etwas, aber endlich standen um kurz nach elf dann die Rakes auf der Bühne. Gitarrist Matthew, Sänger Alan und Bassist Jamie sogar in aufeinander abgestimmten Jacken. Ohne große Worte zu verlieren machten die Rakes mit “1989″ der ersten Single von “Klang” gleich deutlich, was sie meinen, wenn sie sagen, sie hätten beim Songwriting nun besonders Wert auf einen punkigeren, direkteren Sound gelegt (in ein paar Tagen hier im Interview nachzulesen), denn “1989″ ist ganz deutlich kein Ohrwurm wie “We Danced Together”, sondern ein zackiges, kurzes und raues Indierock-Stück, das aber immer noch die Rakes-typische Dringlichkeit beinhaltet. Eine gewollte Wendung, auch weil sich die Rakes ihren Stil unter den englischen “Art-Rock” Bands am ehesten als Punk bezeichnen würden, auch wenn alle vier Rakes eher wie BWL-Studenten aussehen. Die frisch entdeckte Punk-Attitüde machten die Rakes auch durch ihre Kleidung deutlich. Nachdem Sänger Alan vor dem Auftritt der Band noch frisch gescheitelt und in leuchtend rotem Hemd herum lief, trug er nun einen viel zu engen grauen Pullover unter einer weißen Jacke und seine Hose steckte in klobigen Stiefeln.

Von den neuen Stücken blieb neben der neuen Single der Song “That’s The Reason” hängen, das wie die meisten der fünf neuen Stücke, in knapp drei Minuten die Rakes von ihrer bisher rockigsten Seite zeigte. Vielfach ging zwar leider der Gesang von Sänger Alan Donohoe im etwas zu breiig abgemischten Sound im Gebäude 9 unter, glücklicherweise war er aber immer noch deutlich genug, dass man sich ein ungefähres Bild vom Sound von “Klang” machen konnte. Eines wurde deutlich, die smarteste der englischen Post-Punk Bands wollte sich bei den neuen Stücken kurz fassen, das ist gelungen. Der größte Teil des Publikums feierte diese Songs auch angemessen ab, mehr Erkenntnisse zu “Klang” ließen sich darüber hinaus auch noch nicht gewinnen, dafür ist das einmalige Hören eindeutig noch nicht genug. Für die Rakes ging es zwar auch darum, ihr neues Album vorzustellen, aber bei den ersten Gigs des Jahres stand wohl vor allem im Vordergrund sich warm zu spielen und mit den Fans eine gute Zeit zu haben. Das hatten die Fans auch, besonders bei zwölf bekannten Hits der Band, die sich neben den fünf Neuen in der Setlist wiederfanden und vom Publikum besonders euphorisch aufgenommen wurden.

Darunter rockigere Stücke, wie “Retreat”, “Terror”, “22 Grand Job” und “Strasbourg”, bei dem wohl jeder Anwesende mitsang, auch wenn Teile des Publikums darauf bestanden in jeder der kurzen Text-Pausen wieder mit “1, 2, 3, 4″ einzuzählen, diese Teile des Publikums wurden dann aber von den textsicheren Rakes-Fans mit strafenden Blicken als Rakes-Banausen geächtet. Verschnaufpausen für Band und Publikum gab es bei den etwas poppigeren Stücken “We Danced Together” und “When Tom Cruise Cries”, Phasen, in denen Sänger Alan Donohoe dennoch wie wild tanzte und mit den Armen gestikulierte. Anders als noch in Bielefeld im Herbst 2007 schien er wieder voller Energie, die nun einfach raus musste. Auch Drummer Lasse schien vor Spielfreude nur so zu sprühen und konnte seine Wikingerwurzeln mit dem ein oder anderen Urschrei nicht mehr leugnen. Energie geladen und mit frischen Songs im Gepäck machten die Rakes also auch wieder richtig Spaß und so gelang es den vier Londonern mit 17 Songs in einer Stunde, die Vorfreude auf “Klang” noch einmal um ein vielfaches zu steigern. Einzig der Abgang der Band nach 60 Minuten Spielzeit gestaltete sich etwas traurig, die vier Rakes + Begleitmusiker verließen die Bühne, Roadie Joel stimmte derweil die Instrumente neu und bereitete die Bühne auf eine Rückkehr der Rakes vor. Leider winkten die Verantwortlichen im Gebäude 9 ab und so musste sich der Roadie darauf beschränken die Verstärker auszuschalten und mit dem Abbau zu beginnen, allerdings nicht ohne noch einmal einen leicht entnervten Blick Richtung Mischpult zu werfen.
Fotos: Ariane WhiteTapes
Hot Club De Paris + Frictane, Köln, Gebäude 9, 15. November 2008

Vor knapp einem Monat veröffentlichten Hot Club De Paris mit “Live At Dead Lake” ihren Nachfolger zum Debüt “Drop It Till It Pops” und zeigten den Foals, wo der Math-Rock Hammer hängt. Auf ihrer zugehörigen Deutschland-Tour machten sich die drei Liverpooler nun auf, nicht nur für heiße Clubs in Paris zu sorgen. So erreichten sie auch trotz einiger Schwierigkeiten auf dem Weg das völlig ausegkühlte Gebäude 9.
Blood Red Shoes + 1984, Köln, Gebäude 9, 04. November 2008

Die Blood Red Shoes lieben Deutschland und Deutschland liebt die Blood Red Shoes. Kein Wunder also, dass sich die Band nach Tour mit Maximo Park im Oktober 2007, kleiner Herbst-Tour kurz danach, einer weiteren Tour Anfang 2008 (wo sie auch im Gleis 22 halt machten), der Promo-Tour zum Album Box Of Secrets im April und diversen Festival-Auftritten (u.a. auf dem Highfield und dem Area 4), nun schon das sechste Mal innerhalb eines Jahres unsere schöne Heimat bereisten. … Continue Reading
Bon Iver, Köln, Gebäude 9, 30. September 2008
Magie ist ein Wort, das nicht gerade selten im Zusammenhang mit dem Debütalbum “For Emma, Forever Ago” von Justin Vernon’s Soloprojekt Bon Iver gebraucht wurde. Jetzt wo dieses Wort auch durch den Film “Krabat” durch die Gazetten schwirrt, fand sich Justin Vernon mit seiner Band im Kölner Gebäude 9 ein, um zu zeigen, was echte Magie von Kinomagie unterscheidet. Schon im Vorfeld war klar, dass das Kölner Gebäude 9 die ideale Kulisse für ein Bon Iver Konzert ist und so schaffte Justin es mit seinen Mannen den abgewrackten Club im Kölner Hinterhof in seine Waldhütte in Wisconsin zu verwandeln, in der die Aufnahmen zum Album statt fanden. … Continue Reading














