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The Cinematics + Johann van der Smut, Glanz & Gloria, Osnabrück, 24. Februar 2010

“Moving To Berlin” heißt ein Stück auf dem zweiten The Cinematics Album “Love And Terror”. Nicht nur ein einfacher Songtitel, sondern auch ein konkreter Plan, wie Sänger Scott Rinning im Interview mit uns andeutete. Tatsächlich haben sie diesen Plan nun im Januar umgesetzt und nennen die deutsche Hauptstadt nun seit einem Monat ihre Heimat. Da man auch besonders natürlich immer die Heimat mit ausgedehnten Tourneen bedienen muss, machte sich das Quartett nach einer Tour im September und der nächsten Tour im November nun Ende Februar wieder auf, Clubs in ganz Deutschland zu besuchen. Ein Abstecher ins Kölner Gebäude 9 war im November zwar eigentlich bereits gut erreichbar, wir verzichteten dennoch drauf, als wir sahen, dass The Cinematics bereits im Februar im Osnabrücker Glanz & Gloria vorbei schauen würden.

Die Wetterlage unterschied sich im Vergleich zum November auch nicht groß und zeigte sich diesigem Regenwetter wieder von seiner schottischten Seite. Das wollten die lokalen Veranstalter in Osnabrück dann auch anscheinend gleich feiern und ließen die bereits zahlreich erschienenen Besucher noch eine halbe Stunde länger als geplant vor der Studentenkneipe warten. Bei Regen ist das eben besonders schön. Pünktlich zum geplanten Beginn um 21:30 Uhr durfte dann doch eingetreten werden. Als dann die Vorgruppe Johann van der Smut, die extra aus dem schönen Sauerland angereist waren, die Bühne betraten war die kleine Kellerkneipe auch bereits gut gefüllt. Etwas mehr als 100 Besucher hatten den Weg durch den Regen am Mittwochabend gefunden. Der Name The Cinematics hat in den letzten Monaten offensichtlich an Zugkraft gewonnen, das freute natürlich für die Jungs. Anwesend waren dann auch alle Altersklassen von den gerade in die Oberstufe gekommenen Indie-Kids bis hin zu den Altersgruppen, die Anfang der 80er noch vor Clubs auf The Smiths, oder vorher noch auf Joy Division gewartet hatten.

Die 80er sind dann auch ein gutes Stichwort, die sind nämlich nicht nur im Sound von The Cinematics allgegenwärtig, sondern prägten auch den des Openers Johann van der Smut mit. Ein noch größerer Einfluss schienen allerdings die Foals zu sein. Mit dieser Mischung aus Math-Rock, 80ies Pop und einer Prise Neue Deutsche Welle der Marke DAF sorgte das Trio für eine durchaus kurzweilige halbe Stunde. Die deutschen Texte der Band waren zwar kaum zu verstehen, das machte aber nichts, denn mit gelungenen Brüchen, tollen Tempowechseln und unterhaltsamer Dynamik boten die Sauerländer ein unterhaltsames Set. Der anschließende Applaus war dementsprechend groß und die Fans ordentlich angeheizt für die Berliner Schotten.

Die brauchten nur etwa 15 Minuten für den gemeinsamen Umbau mit Johann van der Smut und betraten dann ohne viele Worte die kleine Bühne, um mit “All These Things” zu öffnen. Das taten sie auch bereits im September in Münster und entfalteten in ihrem Set auch wieder eine ähnliche Dynamik, wie bereits vor knapp einem halben Jahr. Die Gitarren waren wieder hübsch hoch, Scott’s Gesang dringlich und immer ein wenig gehetzt. Die auf der Bühne dargebotene Dynamik übertrug sich auch direkt auf das Publikum und sorgte für ausgelassene Tanz-Stimmung in den ersten Reihen. Die Setlist von The Cinematics war wieder stimmungsvoll aus beiden Alben der Band zusammen gestellt und sorgte für knapp eine Stunde unterhaltsamen New Wave. In der Publikums-Akzeptanz waren dabei auch keines der Alben als Favorit zu erkennen, denn zu den Hits von beiden Alben wurde ähnlich mit gefeiert. Egal, ob es sich um “New Mexico” von “Love & Terror” handelte, oder um “A Strange Education”, dem Titel-Track des Debüts, zu dem selbst Max, Sänger von Johann van der Smut in den vorderen Reihen lauthals mit sang. 60 Minuten mit drei Zugaben und zwei neuen Stücken ließen das Glanz & Gloria glücklich zurück und so müssen sich The Cinematics wohl auch keine Sorgen um den Erfolg ihrer anstehenden Termine im März machen.

Fotos: Ariane WhiteTapes

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James Yuill, Osnabrück, Glanz & Gloria, 17. April 2009

Foto: Ariane WhiteTapes

Vor genau drei Monaten, am 17. Januar stellten die Rakes im Rahmen eines Intro Intims ihr neues Album “Klang” vor. Die interessanteste Entdeckung waren an diesem Abend allerdings nicht die neuen Songs der Band, sondern vielmehr der Londoner James Yuill, der sich auf der Tour mit den Rakes das erste Mal auf deutschen Bühnen präsentierte. Auch er hatte ein Album im Gepäck, sein Debüt “Turning Down Water For Air”, aus dem er eine tolle Auswahl präsentierte. Kurz nach dem Konzert wurde das Album also sogleich begutachtet, mit der klaren Feststellung, live transportiert Yuill die Songs um einiges gekonnter, rauer und härter. Was auf dem Album häufig einfach nur dahin plätschert entwickelt sich live zu einem Dancefloor-Füller. Klar also, dass wir dabei sind, wenn James Yuill wieder deutsche Bühnen, dieses mal auf seiner ersten Headlining-Tour, betritt.

Das tat er dann auch ganz ohne Support um Punkt 22 Uhr. Für einen Freitag-Abend war das schmucke Glanz & Gloria in unmittelbarer Uni-Nähe, sogar gut, wenn auch etwas luftig, gefüllt. Für Yuill scheinbar Grund genug erst einmal ganz verlegen auf die Bühne zu trotten und ohne ein Wort zu sagen an seinen Reglern rum zu drehen und die ersten Beats aus den Boxen ertönen zu lassen, um ganz in die Musik versunken mit seinem Set zu starten. Das Publikum war hoch gespannt auf die Performance und lauschte andächtig den Beats, die sich mit einsetzender Akustikgitarre und spät einsetzendem sanften Gesang Yuill’s zum Opener “You Always Do” entwickeln. Im Gegensatz zur Album-Version wird der Song mit langem Intro und lautem Beat-Intermezzo als Bridge auf knapp 4 Minuten gezogen. Erst nach dem zweiten Stück zeigt sich Yuill dann auch mutig genug dem Publikum Hallo zu sagen und für das Erscheinen zu danken. Um sich weiter seinen Reglern zu widmen. In die ist er so vertieft, dass er kaum während der Songs in das Publikum schaut, wir prophezeiten ja auch bereits im Januar, dass James Yuill vermutlich den ein führendes Mitglieds des Trends des Handgazing sein wird. Wenn er während des Gitarrespielens doch einmal seinen Kopf nach vorn richtete waren seine Augen meist geschlossen. Das machte aber nichts, denn so vertieft in die Stücke, wie Yuill selbst war, so versunken war auch das Publikum in die Sounds, die sich ins Glanz & Gloria ergossen.

Foto: Ariane WhiteTapes

Das einzig störende an diesem Abend war nichts, was sich auf der Bühne abspielte, sondern einige Anwesende im Publikum, die sich lieber darüber unterhielten, dass die kleine Schwester am nächsten Tag arbeiten müsse. Eine Info, auf die vermutlich niemand wirklichen Wert legte, die aber wohl dennoch wichtig genug schien, um mit derlei Gesprächsthemen Songs wie “This Sweet Love” und das zu einem Beat-Feuerwerk mutierte “No Pins Allowed” übertönen zu wollen. Das war schwer zu ignorieren, ließ sich aber soweit ausblenden, dass man das abschließende “No Surprises” in aller Ruhe genießen konnte. Natürlich nicht, ohne dass Yuill vorher noch erwähnte “Thanks for coming, I didn’t expect anyone to be here tonight, so thanks very much”. Mit ähnlichen Worten verabschiedete er sich dann nach ca. 50 Minuten und bewegte sich direkt zu seinem Merchandise-Stand an dem er T-Shirts verkaufte. CD’s hatte er vergessen einzupacken, obwohl er sicherlich einige losgeworden wäre nach seiner tollen Performance.

Fotos: Ariane WhiteTapes