Mit bis zu elf Köpfen handelt es sich bei Emanuel …
Spex Live, Tocotronic + Owen Pallett, Übel & Gefährlich, Hamburg, 22. Januar 2010
Am Freitag war so etwas wie der erste große Releasetag des Jahres. Neben den neuen Alben von Get Well Soon, Spoon und Eels feierten auch die neuen Werke von Tocotronic und Owen Pallett ihren ersten Tag in den Plattenläden der Republik. Ein Tag also, der eine große Gefahr für die Geldbörsen von Musikfans darstellte. Die gute alte Spex tat ihr übriges dazu. Denn zur Feier ihres 30ten Geburtstags hat sie eine kleine Konzertreihe mit dem offensichtlichen Titel Spex Live ins Leben gerufen. Der Auftakt dazu sollte gleich mit der Release-Show zum neuen Tocotronic Album “Schall & Wahn” verbunden werden. Die Karten für diesen Abend, an dem auch noch die deutsche Elektro-Hoffnung Pantha du Prince ein Set als Party-Act geben sollte, waren wie man sich denken kann schnell weg.

Der Tag selbst hätte dann schöner auch nicht sein können. Im schönen Münster war es mit 5° und Sonnenschein beinahe frühlingshaft und so stand der Aufbruch Richtung Norden mit guter Laune statt. Kaum in Niedersachsen zeigte sich, dass in Deutschland doch noch Winter ist. Der Himmel war diesig und auch in Hamburg lag noch der Schnee der letzten Wochen. So richtig gelang die Gewönung an die knapp 10° Temperaturunterschied dann auch nicht und so war das Gefühl aus den Zehen verschwunden, als ich das Gebäude an der Feldstraße 66 erreichte. Der Einlass verzögerte sich dann leider noch etwas, weil der Support des Abends, Owen Pallett, seinen Soundcheck wegen Probleme der Organisatoren erst eine viertel Stunde vor Einlass beginnen konnte. Irgendwann begann dann doch der Einlass und die Besucher wurden mit Aufzügen ins vierte Stockwerk gefahren, wo Owen Pallett zusammen mit seinem neuen Mitstreiter Thomas Gill gerade seinen Soundcheck beendete. Im vierten Stock waren es gefühlte 30°, was nach der Kälte zunächst noch recht angenehm war.
Die Pause bis zum Beginn des Konzerts war wegen des verzögerten Einlasses schön kurz und wurde durch ein DJ-Set von Spex Chefredakteur Max Dax noch verkürzt. Relativ pünktlich um 21 Uhr betrat Owen Pallett wieder die Bühne. Zunächst allein stimmte er, ohne irgend ein Wort zu verlieren, den ersten Song “This Is The Dream Of Win And Regine” an. Eine Konzerteröffnung, die ganz offensichtlich dem für ihn nicht gerade typischen Publikum geschuldet war, denn ohne eine Wertung einfließen zu lassen, Owen Pallett’s Musik ist selbst für einen Tocotronic Fan schon sehr anspruchsvoll. Das wusste offensichtlich auch Owen und wählte eben einen leichter zugänglichen Song als Eröffnung. Das sollte sich auch im gesamten Set so wiederspiegeln, so fanden sich etwa auch noch Stücke, wie das Cover “Independence Is No Solution”, “Many Lives -> 49mp” und “The C N Tower Belongs To The Dead” auf der Setlist wieder. Das Zusammenspiel mit Thomas Gill verlieh den Stücken dabei live eine noch größere Dichte. Etwa im Fall von “Keep The Dog Quiet”, wo eine verzerrte Gitarre noch für zusätzlichen Druck sorgte. Das Publikum würdigte das knapp einstündige Set zwar größtenteils mit relativer Gleichgültigkeit, ein Teil der Anwesenden spendete dennoch nach jedem Stück großen Applaus und Jubel. So recht warm schienen Musiker und Publikum dennoch nicht miteinander zu werden und so beschränkte sich die Kommunikation von Owen auf ein kurzes “Oh, jetzt wäre es vielleicht an der Zeit mit dem Publikum zu sprechen” und “Ich hoffe, ihr habt alle euren Spaß?”. Auch wenn er sich sichtlich unwohl fühlte spielte Pallett sein Set souverän und unterhaltsam und ließ sich seinen Unmut in keiner Minute wirklich anmerken. Mit “Lewis Takes Off His Shirt” verabschiedete er sich dann nach nicht ganz einer Stunde von der Bühne und hinterließ die handvoll Leute, die für ihn da waren, glücklich.
Wenig glücklich war der Umstand, dass es mit steigender Menschenzahl im Übel & Gefährlich noch wärmer wurde und einem irgendwann gefährlich übel zu werden drohte. So suchte man dann lieber wieder die Kälte auf und verzichtete auf Tocotronic, aber wegen denen war ich ja auch nicht gekommen. Die wichtigste Release-Show des Abends war bereits vorbei, auch wenn “Heartland” selber, wie auch die Besonderheit des Releases an diesem Tage im Zuge des wohl noch wichtigeren Tocotronic Albums mit keiner Silbe erwähnt wurde. Der Spex auf diesem Wege natürlich auch noch alles Gute zum 30ten und auf nochmal so viele Jahre.
Foto: Pressefreigabe
Maxïmo Park + The Maccabees, Hamburg, Stadtpark, 06. August 2009

Der Release des dritten Maxïmo Park Albums “Quicken The Heart” liegt jetzt fast genau drei Monate zurück. So war das Konzert im Hamburger Stadtpark im Rahmen des “Open R”, nach der Warm-Up Show im März in Köln, den Konzerten in Belgien und den Niederlanden und dem Radio-Konzert in Münster, für uns das erste, bei dem die Eindrücke vom neuen Album bei den Fans im Vorfeld richtig sacken konnten. Inzwischen folgte auf die Vorab-Single “The Kids Are Sick Again” die zweite Auskopplung “Questing Not Coasting” und natürlich die Erkenntnis, dass Maxïmo Park auch mit Album 3 das hohe Niveau der Vorgänger voll halten konnten. Die Rahmenbedingungen hätten dann auch nicht besser sein können das Quintett aus Newcastle das letzte Mal vor der Tour im Herbst als Headliner zu sehen, das auch noch bei einem Open Air und Traumwetter. Hinzu kam dann mit The Maccabees, die vor ein paar Wochen mit “Wall Of Arms” ein tolles zweites Album veröffentlichten, auch noch eine tolle Support-Band. Die kamen dann aber erst einmal, vermutlich aufgrund der Verkehrssituation in und um die Hansestadt zu spät zu ihrem Soundcheck, dessen Beginn sich dann mit dem Einlass überschnitt. Der Veranstalter hatte schließlich einen Zeitplan einzuhalten, da kann man nicht auf den Soundcheck des Supports Rücksicht nehmen.
Das schien zumindest der Gedanke dahinter und so wurde der Einlass begleitet von “Love You Better” vom aktuellen Album, das The Maccabees etwas irritiert ob der reinströmenden Menge dann noch zu Ende spielten, um sich unter leicht aufkommendem Applaus dann bis zum offiziellen Beginn von der Bühne zu verabschieden.
Zwischen Einlass und frühem Beginn des Konzerts um 19 Uhr folgte die Sonne konsequent ihrem Lauf entlang des Horizonts und strahlte gnadenlos zwischen zwei Bäumen auf das Veranstaltungsgelände, so dass der Abend bereits vor seinem Beginn zu einer Schweiß treibenden Angelegenheit wurde. Als The Maccabees dann die Bühne betraten hatte sich die Sonne glücklicherweise wieder so weit bewegt, dass ein paar Bäume wieder Schatten spendeten, davon hatte die Band allerdings wenig, die Sonne lachte ihnen beinahe frontal entgegen und erleichterte das Spiel wohl nicht gerade. Dennoch legten die beiden Gitarristen Hugo und Felix White beherzt los und zeigten sich von ihrer spielfreudigen Seite. Insbesondere Felix ging immer wieder Richtung Rasen und feuerte das Publikum an. Sänger Orlando Weeks hingegen bewegte sich maximal in einem Radius von einem Meter um sein Mikro und zeigte sich auch sonst mehr als zurückhaltend. So hatte er im Vergleich zu seinen Bandkollegen die Ausstrahlung einer Weinbergschnecke, was natürlich nichts am tadellosen Vortrag seiner Sangeskünste änderte. So zeigten sich The Maccabees während ihres knapp 30minütigen Sets durchaus sympathisch und auch kurzweilig, auch wenn der letzte Funke nie wirklich überspringen wollte.

Pünktlich um 20:30 Uhr und bei inzwischen milderer Sonneneinstrahlung auch auf der Bühne betraten Maxïmo Park die Bühne, Sänger Paul Smith trug seinen obligatorischen Borsalino und ein hellblaues Sakko über einem weißen Hemd. Eröffnet wurde das Set mit “Graffiti” vom Debüt “A Certain Trigger”, das unmittelbar vom “Quicken The Heart” Opener “Wraithlike” gefolgt wurde. Von Beginn an rannte Sänger Paul Smith wie von einer der vielen rumfliegenden Wespen gestochen von links nach rechts über die Bühne und über die vor der Bühne befindliche Treppe Richtung Publikum. Der Rest der Band stand dem in nichts nach, so drosch Lukas Wooller, übrigens mit neuem Kurzhaarschnitt, gewohnt spielfreudig auf sein Keyboard ein und bewegte sich in jeder seiner Spielpausen Richtung Bühnenfront. Auch Gitarrist Duncan Lloyd zeigte sich ausgelassen, erklomm mal das Schlagzeug-Podest, spielte seine Gitarre über Kopf und lieferte sich einen Battle mit Bassist Archis Tiku. Wieder dabei auch das Megaphon, das Paul bei der ein oder anderen Gelegenheit zückte und Richtung Mikro hielt. Auf der aktuellen Tour zu “Quicken The Heart” scheint das Quintett auch die älteren B-Seiten wiederentdeckt zu haben und so präsentierten sie das erste Mal seit langem endlich wieder den Song “A19″, ein Song der auch zu einem der Highlights des Sets werden sollte. Ungewohnt auch, dass sich “Apply Some Pressure” sehr früh im Set wiederfand,
nachdem das Stück schon zu so etwas wie dem obligatorischen Rausschmeißer geworden war.
Ein besonderes Highlight stellte dann wieder ein Song aus der Anfangszeit der Band dar, “Once, A Glimpse” fand nämlich mitsamt aus Paul’s rotem Notebook vorgetragenen Lyrics wieder den Weg ins Set. Interessant anzusehen war im Anschluss bei “Let’s Get Clinical” die neue Gitarre, die Duncan präsentierte. Ein gewöhnungsbedürftiges Modell mit dünnem Hals und kleinem Korpus, das ein wenig an eine alte Gitarre von Prince erinnerte. Hier kam dann auch erstmals richtig Bewegung in die Menge, die sich sonst auf’s auf der Stelle tanzen und vor allem lautes Mitsingen beschränkte. Auf “Let’s Get Clinical” folgte mit “Books From Boxes” der Song, der die Band in Deutschland dank massivem Radio-Airplay bekannter gemacht hat. Das Stück war auch genau an der richtigen Stelle platziert, denn so langsam ging die Sonne unter und verlieh der Zeile “Night Falls” noch mehr Ausdruckskraft. Mit “Going Missing” folgte noch eine Perle von “A Certain Trigger”. Dann hieß es kurz Pause, bevor Maxïmo Park für drei weitere Zugaben auf die Bühne zurück kehrten. Die erste davon sollte die aktuelle Single “Questing, Not Coasting” sein, die dann vom gefühlvollen “Acrobat” gefolgt wurde, das die Band das letzte Mal in Deutschland auf ihrer Tour 2007 gespielt hat. Ein Song, der live mit den aus dem roten Notizbuch vorgetragenen Spoken Words noch gewaltiger rüber kommt als auf CD und für einen herrlichen Gänsehautmoment gesorgt hat. “In Another World”, das die Band beim Souncheck, den Sänger Paul Smith wegen der starken Sonneneinstrahlung noch oben ohne bestritt, geprobt hatte fand leider nicht den Weg ins Set. Dafür wurde der Abend nach knapp 75 Minuten mit dem druckvollen “Our Velocity” beschlossen. Jetzt heißt es nur noch warten auf die Herbst-Tournee und vielleicht noch weitere Überraschungen in Form alter B-seiten.
Setlist:
Graffiti
Wraithlike
The Penultimate Clinch
Girls Who Play Guitars
The Kids Are Sick Again
I Want You To Stay
Overland, West Of Suez
A Cloud Of Mistery
A19
By The Monument
Apply Some Pressure
Nosebleed
Limassol
Roller Disco Dreams
Once, A Glimpse
Let’s Get Clinical
Books From Boxes
Going Missing
Questing Not Coasting
Acrobat
Our Velocity
Fotos: Ariane WhiteTapes
Snow Patrol – Hamburg Konzert heut live im Netz

Gary Lighbody und seine Jungs von Snow Patrol konnten zwar mit ihrem neuen Album “A Hundred Million Suns” nicht ganz an den Erfolg des Vorgängers “Eyes Open” mit dem Über-Hit “Chasing Cars” anknüpfen, dafür läuft es derzeit für die Band live besser denn je. Nach ausverkaufte Europa-Tournee im Frühjahr stehen nun eine Reihe von Konzerten im Vorprogramm von U2 an. Damit sind sie auch die einzige Band, die nach ihrem letzten Engagement auf der letzten Welttournee der Iren auch dieses Mal wieder dabei sind. Als kleines Warm-Up spielten Snow Patrol nun schon gestern einen T-Mobile Streetgig auf einer Kart-Bahn (ihr wisst schon, “Chasing Cars” und so) und heute ein Open Air im Hamburger Stadtpark. Das könnt ihr auch heute abend ab 20 Uhr im Stream bei Livedome sehen und euch von den Live-Qualitäten von Snow Patrol überzeugen.
6 Richtige – mit Langstreckenläufer

Vor kurzem führten wir unsere neue Interview-Kategorie “6 Richtige” ein, die sich nach den bisherigen Zugriffszahlen scheinbar großer Beliebtheit efreut und einen interessanten ersten Einblick zu den teilnehmenden Musikern gewährt. Bestens geeignet also für noch nicht so bekannte Bands denkt ihr? Wir auch, deshalb stellen wir euch heute im Zuge von “6 Richtige” einmal die Hamburger Band Langstreckenläufer vor, die im Mai ihr mittlerweile drittes Album “Metamere Memory” veröffentlicht und von denen wir in Kürze noch häufiger berichten werden.
1. Wenn du dir eine legendäre Bands aussuchen könntest, in welcher hättest du gern gespielt?
Michael: Bei den Flaming Lips, ich hätte auch gern nur die Gitarren gestimmt!
Hagen: John Coltrane Quartet.
Lennart: The Beach Boys.
Philip: Bei Jimi Hendrix.
2. Welches Album war der Soundtrack deiner Teenager-Zeit, bzw. welche CD kommt dir zuerst in den Sinn, wenn du an diese Zeit zurück denkst?
Michael: Die Jimi Hendrix Experience, vor allem „Bold as Love“.
Hagen: Felt – Poem of the River. Sicher nicht die beste von Ihnen, aber für mich die erste und genau zur richtigen Zeit. Ziemlich introvertiert, dabei ganz klar, konzentriert und nah. Die
schönste Entrückung!
Lennart: Ich hörte unwahrscheinlich viel Beatles, und dabei sämtliche regulären Veröffentlichungen. Belle & Sebastian und Radiohead boten mir später dann den angemessenen Rahmen für emotionale Wirren.
Philip: O.D.B.E.P. (Ol’ Dirty Bastard, Anm. d. Red.)
3. Die letzte Platte / CD, die du gekauft hast?
Michael: Eine schöne Meat Puppets Kassette namens “Monsters”.
Hagen: Animal Collective – Merriweather Post Pavillon
Lennart: Papercuts: You can have what you want.
Philip: Jeru The Damaja – The Sun Rises In The East

4. Die beste Stadt, in der du je gespielt hast?
Michael: Berlin! Immer wieder anders, immer Entwicklung.
Hagen: -
Lennart: Hamburg. Da kann ich immer nach Hause laufen.
Philip: Hamburg.
5. Was packst du als erstes in deine Tasche, wenn du dich auf eine Tour vorbereitest?
Michael: Natürlich die Sonnenbrille für die gemeine Vormittagssonne.
Hagen: Selbstgebackenes Brot.
Lennart: Lektüre, Schreibzeug und Musik.
Philip: -
6. Dein liebstes Beatles-Lied?
Michael: Across the Universe, Dear Prudence, Because, Julia – Ich hör mal lieber auf…
Hagen: Zur Zeit “A Day in the Life”.
Lennart: Vielleicht “Rain”, aber mit Bestimmtheit kann ich das nicht sagen. Wahrscheinlich auch “Only a Northern Song” oder “It’s all too much”, auch toll ist “Baby’s in black”, “I don’t want to spoil the Party”, “I’m only sleeping”, “I’m a Loser”, “Dear Prudence”, “Doctor Robert”, “Tomorrow never knows”… Nun ja, frag mal Till von der wunderbaren Band Faraday, der wird sagen, man könne eine solche Auswahl meinerseits eh nicht ernst nehmen, da ich jeden Beatles-Song in den höchsten Tönen loben würde, sobald ich ihn höre. Erwähnte ich schon “I’m so tiried”? Oder “I’ll follow the sun”? Sehr gelungen auch “No reply”, “The Word”, “Do you want to know a secret”, “I should have known better”, “Eight days a week”, “If I needed someone”… [...].
Philip: Let it be.
Zusatzzahl: Warum sollten die Leute zu euren Konzerten kommen und euer Album kaufen?
Michael: Weil in unserer Musik so viel Liebe und Arbeit steckt, dass man immer etwas Neues entdecken kann.
Hagen: Weil wir davor immer so gute Musik laufen lassen und unsere neue Platte dabei haben.
Lennart: Weil sie unsere Musik mögen, dass wäre ein guter Grund. Ernstgemeintes Interesse wäre auch akzeptabel.
Philip: Weil die Musik mit Liebe und Sorgfalt gemacht ist.














