Etwas mehr als ein Jahr nach seinem selbstbetitelten Debüt und …
Jarvis Cocker – Further Complications
Dass Jarvis Cocker immer genau das macht, worauf er Lust hat, ist eigentlich nichts Neues. Wohl auch einer der Gründe, warum Pulp gerade von ihm und seiner Ausstrahlung lebten, oder fällt jemandem auf Anhieb noch ein weiteres Pulp-Mitglied ein? Nicht googlen! Als Jarvis also keine Lust mehr auf Pulp hatte, war eine der wichtigsten Brit-Pop Bands der 90er Jahre auch Geschichte. Seinem Umzug nach Paris folgten ein Soloprojekt als Relaxed Muscle, ein Auftritt in einem Harry Potter Film und 2006 sein Soloalbum “Jarvis”, das vor allem eine Rückbesinnung auf den Brit-Pop präsentierte und Cocker’s Karriere neuen Schub verlieh.
Einen Schub, der ihn zwei Jahre später dazu bewegte, nach langer Tour mit Steve Albini (Pixies, Nirvana) ins Studio zu gehen und ein neues Album aufzunehmen. Wann die Entscheidung für seinen Bart kam ist nicht bekannt, wachsen ließ er ihn laut eigener Aussage, um sein Gesicht in der Arktis warm zu halten. So hängt Jarvis Cocker nun also wie ein Schluck Wasser in der Kurve auf seinem neuen Album-Cover und sieht aus wie Harald Schmidt. Aber Äußerlichkeiten einmal beiseite, blicken wir lieber auf die Zusammenarbeit mit Steve Albini. Hat der sich etwa dem Sound von Jarvis Cocker angenommen und ihn in einen Rocker vor dem Herrn verwandelt? Die Vorabsingle “Angela” stimmte schon einmal ein, der neue Jarvis Cocker ist nicht ganz einfach, zeigte sich der Song doch als verschrobene Indie-Rock-Hymne auf eine Angela, mit verzerrten Gitarren und repetetivem Text. Bei weitem nicht der stärkste Jarvis Cocker aller Zeiten, aber immerhin ein ganz nettes Stück. Der Opener “Further Complications” zeigt da schon bessere Tendenzen. Eine zackige Gitarrenmelodie, ein clever vorgetragener Text und stampfende Drums münden in einen geradeaus marschierenden Indie-Rocker, der allerdings auch knapp and er Eingängigkeit vorbei schlittert. Die stärksten Songs sind auf “Further Complications” eindeutig die, bei denen Jarvis Cocker den Rock wieder zurückfährt und sich dem Brit-Pop widmet, wie beim schönen “Leftovers”, das gekonnt an alte Pulp-Großtaten erinnert. So lebt es vor allem von Cocker’s mit all seiner Coolness vorgetragenem Gesang und einer stimmigen unaufdringlichen Pop-Instrumentierung. Der größte Moment kommt direkt im Anschluss mit “I Never Said I Was Deep”, eine lakonisch vorgetragene Mid-Tempo Nummer mit tollem Bläsersatz und dem schmachtendsten Cocker seit langem. Beim anschließden “Homewrecker” hat Cocker dann plötzlich den Blues-Rock gepachtet. Den zelebriert er dann auch mit jeder Menge Energie, nur wirkt es fast mehr so, als hätten er und Band einfach mal ein wenig die Sau raus lassen wollen, als sich ernsthaftem Songwriting zu widmen. So wirkt der Song dann auch etwas überladen und lädt zum fröhlichen Weiterskippen. “Hold Still” zeigt Cocker dann wieder karg instrumentiert und mit jeder Menge Soul in der Stimme, bevor er sich bei “Fuckingsong”, nun mit jeder Meneg Aggressionspotential, austobt. Ein ironigegeladener Rocker mit stampfenden Gitarren, der durchaus auch Spaß macht und nach dem das folgende “Caucasian Blues” er einem Plätschern gleichkommt. Am Ende von “Further Complications” präsentiert sich Cocker dann allerdings noch einmal mit den beiden gefühlvollen Brit-Pop-Nummern “Slush” und dem 8-minütigen “You’re In My Eyes (Discosong)” von seiner besonders melodieverliebten Seite. So hinterlässt das Album dann zwar einen zwiespältigen, aber dank der beiden letzten Stücke einen doch versöhnlichen Eindruck.










Jarvis Cocker
Video zu Angela
httpv://www.youtube.com/watch?v=bbNh4CS9Cns
Hörprobe:
Discover Jarvis Cocker!
Black Kids – Partie Traumatic
Reggie Youngblood, was für ein Name. Das klingt doch gleich nach Hipness, guter Laune und fröhlichen Melodien. So etwa, wie der coole klischeehafte dunkelhäutige Basketballspieler aus dem unsäglichen High-School-Musical. Typisch amerikanisch dann auch, dass Reggie in der Sunday-School Drummer Kevin Snow und Bassist Owen Holmes traf und mit ihnen eine Band gründete. MIt seiner Schwester Ali und Keyboardspielerin Dawn Watley machte er dann seine Vorstellung einer Indiedrockkapelle komplett. Klingt jetzt natürlich nach einer schrecklichen Christenrockkonstellation aus braven Südstaatenteens.
Dieses Klischee wollen Black Kids dann aber doch nicht erfüllen. Die kreieren lieber einen gut gelaunten, fröhlichen, fast naiven Indierocksound mit smarten Lyrics. Eine Kombi, mit der die Black Kids im letzten Jahr die Ohren der Myspace-Jünger eroberten und sich so einen Plattenvertrag mit einem Major-Label erspielten. Auch nichts Neues in Zeiten des Web 2.0, wo der User die A&R Manager ersetzt. Der Sound der Black Kids wird dann sogar dem Hype gerecht. Reggie und Co. sind nicht eine weitere “Sesamstraßenindierockband”, wie die Arctic Monkeys oder The Rascals, sondern spielen erfrischenden Indierock, der nicht weniger will, als jeden Muskel im Körper in Tanzlaune zu versetzen. Damit dass mit dem Tanzen auch funktioniert, haben die Black Kids eine große Portion Beat gefrühstückt und mischen den Humor eines Jarvis Cocker mit dem Synthie-Sound von The Cure und machen aus Beach Boys-Sounds stampfende Discorocker. Das alles jedoch nie ohne eigene Elemente und so schleicht sich statt langweiliger wiedergekäuter Retrosounds eine erfrischend jugendliche Mischung in die Ohren und Hirnwindungen, um sich dort über Tage parasitär als Ohrwurm festzusetzen. So sind die Black Kids eher so etwas wie die Muppets unter den Sesamstraßenindierockbands. Ob sie das Potential für mehr als einen Sommer haben, müssen sie nun selbst beweisen, aber für diesen Sommer dürfen sie sich feiern lassen.
Video zu “Look At Me When I Rock Wichoo”
httpv://www.youtube.com/watch?v=rrcx2q_Ru8Y&feature=channel_page














