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Kevin Devine, AMP, Münster, 31. Juli 2010

Foto: Ariane WhiteTapes

Ob Kevin Devine eigentlich noch die Zahl seiner Konzerte zählt? Jedenfalls scheint der New Yorker pausenlos auf Tour zu sein und nur ab und zu kurz zu pausieren, um mal wieder ein neues Album einzuspielen. Neben seiner Heimat hat er sich auch in Deutschland so einen Ruf als unterhaltsamer Songwriter mit guter Laune und einer starken Bühnenpräsenz erarbeitet. Auch im AMP dankt man ihm das und man durfte am Samstag seinen mittlerweile vierten Besuch in der ehemaligen Bananenreiferei zählen. Da der 30jährige Brooklyn Boy somit kein Unbekannter im AMP war, wurde auch gleich der Einlass und der Konzertbeginn um eine Stunde vorverlegt. Denn wenn Kevin Devine einmal in Fahrt ist, dauert ein Konzert von ihm auch mal gern etwas länger. Ein kluger Entschluss, wie sich später zeigen sollte. Doch eins nach dem anderen. Denn zunächst sah es danach aus, als würde Kevin Devine seinen Bestimmungsort gar nicht erst erreichen. Einige Stunden vor seinem Konzert meinte er nämlich auf seinem Twitter: “Didn’t know there was ‘Munster’ and ‘Münster.’ Neither did the Deutschlanders looking at my itinerary. 3hrs/200km added to the trip? Sure!”. Nach einem kleinen Ausflug nach Niedersachsen kam Kevin Devine dann aber doch pünktlich im Münsterland an, um zu seinem Set anzutreten.

Mit im Gepäck hatte er nur seine Gitarre und sein aktuelles Album “Brother’s Blood”. Seine Band ist zu Hause geblieben. Aber auch ohne die schafft er es sein Publikum ab der ersten Minute zu fesseln. Auch an diesem Abend im AMP, an dem ca. 100 Fans der Singer-Songwriter Kunst den Weg zu Kevin Devine gefunden haben. Der war erwartet gut aufgelegt und gab seine Songs immer mit einem leicht verschmitzten Lächeln auf den Lippen zum Besten. Mit viel Gefühl in der Stimme und einem gelungenen Timing ließ er die Stimmung wachsen. Aufgelockert wurde der Abend durch kleine Geschichten, die Kevin Devine erzählte. Darunter auch die Anekdote seines kleinen Ausflugs nach Münster, zu der sich ein Mädchen im Publikum outete, dem genau das auch schon einmal passiert war. Auf seine Nachfrage, ob jemand irgend etwas habe, über das er reden möchte, wurde er nach der BP Ölkrise gefragt und gab auch hierauf ausführlich Auskunft, wenn auch das Thema vielleicht nicht so ins Set passte. Das verging wie im Fluge und bewegte sich stets auf hohem Niveau. Ein Elliott Smith Cover mit zugehöriger Drogenerfahrungsgeschichte stach dennoch heraus. Nach nicht ganz zwei Stunden und vielen neuen und alten Songs verabschiedete sich der Brooklyn Boy dann das erste Mal von der Bühne, um aber direkt zurück zu kehren und noch einmal eine Hand voll Zugaben zu spielen, um die zwei Stunden voll zu machen. Kevin Devine ist nicht zu unrecht ein willkommer Gast im AMP und wird nach diesem gelungenen Abend sicherlich wieder einmal einen Abstecher nach Münster wagen. Die an diesem Abend Anwesenden werden sicher auch wieder zugegen sein.

Fotos: Ariane WhiteTapes, mehr hier

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Kevin Devine – Brother’s Blood

Einer aus der Menge an New Yorker Songwritern, der immer mal wieder auf sich aufmerksam macht ist Kevin Devine. Auf seinem nun bereits fünften Album macht alles den Eindruck, dass er all die Jahre auf es hin gearbeitet wurde. Am 6. November wird „Brother’s Blood“ auch endlich in Deutschland veröffentlicht und mit diesem sollte das Ziel zu erreichen sein, endgültig aus dem Musikergewühl herauszustechen. Kevin Devine zeigt sich hier sehr ambitioniert und unverkennbar politisch. Insgesamt wirkt auf diesem Album alles etwas selbstbewusster. Der Klang ist voller und einnehmender geworden, die Stimme schreit auch mal und die Texte sind mutig im Umgang mit politischen oder religiösen Themen.

Gerade die letzte Aussage könnte einen den Kopf schütteln lassen, an den Gedanken an einen weiteren Musiker , der einem sagen will wie die Welt funktioniert. Allerdings nimmt Kevin Devine keine Prediger oder Revolutionärsgebärde ein, sondern beweist sein lyrischen Talent in kleinen Narrationen und mit viel Poesie. Die erste Hälfte des Albums ist wahrscheinlich die Stärkere. Gerade die ersten fünf Lieder tragen die Platte, und eigentlich müsste hier jeder dieser einzeln genannt werden um sie individuell zu würdigen, wobei der Titelsong “Brother’s Blood” in seiner Eindringlichkeit auf jeden Fall einer der Höhepunkte ist. Leider scheint anschließend die Kraft zunächst ein wenig verloren. Etwas ruhigere Lieder, wie “Fever Moon” oder “It’s Only Your Life” sind hübsch, aber im ganzen leider auch schnell zu vergessen. Doch gibt es auch in dieser Albumhälfte immer wieder Momente in denen man einfach hinhören muss. Sei es um Textzeilen wie: “your husband, he drinks like a writer, but he writes like a banker”, nicht zu verpassen, oder den Bonustrack “She Stayed As Steam” zu erleben. Dank dieses Albums sollte Kevin Devine es also spätestens geschafft haben, genug Profil zu gewinnen, um in den Köpfen zu bleiben.

★★★★★★★☆☆☆
Kevin Devine
Gratis-Downloads:
“I Could Be With Anyone” hier
Daytrotter Session

Tour-Daten:

11. Dezember, Köln, Stereo Wonderland
12. Dezember, Leipzig, Paris Syndrome (Black Box)
13. Dezember, Berlin, Privatclub
14. Dezember, Wien (A), B72
15. Dezember, Hamburg, Astra Stube
16. Dezember, Giessen, MuK


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