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Final Fantasy (Owen Pallett) + Gravenhurst + Marissa Nadler, Utrecht, Tivoli de Helling, 12. August 2009

Etwas mehr als zwei Monate sind nun schon seit dem Final Fantasy Konzert in Würzburg vergangen, die ersten Entzugserscheinungen machten sich also wieder so langsam breit, da kam das Konzert am 12. August in Utrecht, im Vorfeld des Haldern Pop Festivals, bei dem Owen Pallett übrigens auch auftritt, natürlich gerade recht. Man weiß schließlich auch nicht, wann er wieder kommt, also war der Termin gleich ganz fett im Kalender markiert, auch wenn wir dafür das Beirut Konzert in Köln im Rahmen des C/O-Pop sausen lassen mussten. Ein Vorprogramm bestehend aus der amerikanischen Songschreiberin Marissa Nadler und dem britischen Shoegazer Nick Talbot, der Songs seines (inzwischen Solo-)Projekts Gravenhurst (übrigens auch am Samstag in Haldern zu sehen) zum Besten gab. Nachdem wir im April bereits beim Maxïmo Park Konzert das Tivoli de Oudegracht erkunden durften, stand nun also ein Besuch im kleineren Tivoli de Helling an, ein relativ quadratischer Club mit großer Bühne, der von Aufbau und Größe etwas an die kleine Halle des Bielefelder Ringlokschuppens erinnerte. Im Gegensatz zu diesem stank er allerdings extrem nach frischer Farbe, dafür waren die Wände aber auch hübsch schwarz und lila gestrichen.

Die Eröffnung des Abends erfolgte pünktlich um 20:15 mit der amerikanischen Songwriterin Marissa Nadler. Die schritt in einem langen, weißen Kleid auf die Bühne, griff zu ihrer Gitarre und begann sogleich mit ihrem Set. Das bestand aus einer halben Stunde ruhiger, karg instrumentierter Stücke. Zu den sanft gezupften Gitarrenakkorden sang sie in einer stark atifizierten, sehr anstrengenden Stimmlage. Zwischen den Stücken murmelte Marissa ab und zu ein paar kaum hörbare Worte in Richtung Publikum. Die Stücke an sich wären bestimmt ganz in Ordnung gewesen, waren aber durch den gewollt artifizierten Gesang derart anstrengend, dass wir froh waren, als die 30 Minuten ihres Sets dann vorbei waren.

Nach einer kurzen Umbaupause, es mussten nur ein Mikro und ein paar Effektgeräte umgesteckt werden, betrat dann Nick Talbot / Gravenhurst die Bühne. Der trug ein schwarzes T-Shirt mit der Aufschrift “Shoegazer”, wohl, damit jeder weiß, was ihn nun erwartet, stellte sich dann im Gegensatz zu Marissa Nadler auch kurz vor und begann sodann mit seinem Set. Wer schon einmal das Vergnügen hatte, Nick Talbot bei der Arbeit zuzusehen, weiß, dass er in seinem Spiel auf der E-Gitarre voll aufgeht. Sanft zupfte er seine Akkorde und vertiefte sich voll in seinen beinahe gehauchten Gesang. Zwischen den Stücken stellte er die einzelnen Songs vor und erklärte auch von welchen Alben sie stammten. So erläuterte er vor dem letzten Stück “Black Holes In The Sun”, “if you were bored by my set, you will be getting even more bored now. But if you liked what I played you will love the next song. And if you want to buy it, you can only do it here, because the Album isn’t available anywhere else”. Eine notwendige Ansage, denn das bei Marissa Nadler noch begeisterte Publikum fiel beim Gravenhurst Set größtenteils durch Abwesenheit und Desinteresse auf, obwohl gerade auch das finale Stück mit seinem lauten Feedback und Störgeräuschen am Ende ein echtes Shoegaze-Schmankerl war.

Es folgte eine etwas längere Umbaupause, in der es ein paar Abstimmungsschwierigkeiten zwischen Soundtechniker und Owen Pallett gab, die Owen immer wieder mit leicht abfälligen Blicken Richtung Bühnenrand quittierte. Die Probleme waren auch irgendwann behoben und Punkt 22 Uhr war dann Final Fantasy Zeit. Das Set eröffnete Owen dann mit einem neuen Song. Früh fiel hier auch schon auf, dass insbesondere die Bässe laut eingestellt waren und bei jedem Zupfen an den Geigensaiten die Boxen vibrierten. Die Vermutung, dass es das lauteste Final Fantasy Konzert werden könnte auf dem wir bisher waren sollte sich dann auch bestätigten. Die Vibration der Boxen wurde zwar gestoppt, es wummerte aber dennoch weiter, als würden da auf der Bühne Holy Fuck! stehen. Das war aber auch einmal ein schöner Effekt für ein etwas anderes und keineswegs schlechtes Final Fantasy Erlebnis. Zum “anderen” Erlebnis trug auch bei, dass Overheadprojektor-Spielerin Stephanie Comilang zur Verstärkung von Owen diesmal nicht anwesend und so alle Aufmerksamkeit dem Mann mit der Geige galt. Im Gegensatz zum Konzert in Würzburg war Owen Pallett etwas angeschlagen und beklagte sich häufig über die Lichtshow, die dem in ihm aufkeimenden krankheitsbedingten Unwohlsein seiner Aussage nach nicht unbedingt zuträglich sei. Das störte die Lichttechniker aber nicht und so legten die immer noch eine Schippe drauf, wenn Owen wieder eine Bemerkung machte. So wurde “This Lamb Sells Condos” dann sogar mit Stroboskop-Licht begleitet.

Auffällig auch die große Dichte an alten Stücken, die nur ab und zu durch den ein oder anderen neuen Songs, wie “Midnight Directives”, “Lewis Takes Action” und “Lewis Takes Off His Shirt” unterbrochen wurde. Besonderes Highlight war natürlich, wie in fast jedem seiner Sets “This Is The Dream Of Win And Regine” von seinem Debüt-Album “Has A Good Home”, ein Song, den Owen Pallett für Win und Regine von Arcade Fire geschrieben hat, mit denen er auch gut befreundet ist. Nach knapp 45 Minuten verabschiedete sich Owen dann bereits von der Bühne, kam aber kurze Zeit später für ein paar Zugaben zurück. Vor der letzten entschuldigte er sich dann noch einmal für seinen Gesundheitszustand, nachdem er vorher im Set bereits erklärte “never take drinks from mysterious Austrians”. Abgesehen von ein paar kleinen Verspielern, die er durch charmantes Lachen überspielte merkte man ihm aber nichts von seiner Krankheit an und so war der Applaus nach einer knappen Stunde Final Fantasy gewohnt groß. Owen schilderte seine Eindrücke auf seinem Twitter im Anschluss noch wie folgt: “That was some psychedelic show I played. I don’t remember anything. Mad applause, though, so maybe I should try and stay sick?”. Dem haben wir nichts hinzuzufügen, abgesehen davon, dass wir uns nun noch mehr auf das Final Fantasy Konzert beim Haldern Pop freuen, das ganz bestimmt eines der Highlights des Festivals werden wird.

Fotos: Ariane WhiteTapes

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The Rakes + I Heart Hiroshima, Düsseldorf, Zakk, 03. Mai 2009

In Zeiten der Wirtschaftskrise, der Schweinegrippe und schlechtem Mai-Wetter sind es gerade die Konstanten, die einem Sicherheit, oder auch nur etwas Wärme geben. The Rakes sind eine solche Konstante, nämlich konstant dafür bekannt tolle Konzerte zu spielen. Um so schöner natürlich, dass sie den Start ihrer Deutschland-Tour im Düsseldorfer Zakk feiern. Extra zur Europa-Tour, der ersten ausgedehnten, seit dem Release des neuen Albums “Klang” haben sich die Mannen aus London eine der heißesten Bands Australiens einfliegen lassen. I Heart Hiroshima um genau zu sein. Die besteht aus Matthew und Cameron an den Gitarren und Susie am Schlagzeug. Das Trio veröffentlichte bereits Ende 2007 sein Debüt-Album “Tuff Teef” und sollte nun auch auf europäischen Bühnen sein Können zum Besten geben. Das tat vor allem Schlagzeugerin Susie ab dem ersten Takt.

Mit schier unbändiger Energie schlug sie auf die Felle ein und gab stiehl den Jungs zu ihrer rechten und linken damit die Show. Als sie dann auch noch anfing ohne die geringsten Atemschwierigkeiten zu singen erinnerte die Band ein wenig an die Blood Red Shoes. Bedingt natürlich auch durch die Kombination Gitarre(n) und Schlagzeug. Insgesamt aber melodieverliebter und nicht ganz so rau. Auch die Männer an der Gitarre übernahmen einige Gesangsparts, am stärksten waren die lauten und rauen Indie-Rock-Stücke allerdings, wenn Susie den Hauptpart übernahm. Etwa bei der Hitsingle “Punks”, den die Bruce Springsteen Fans (Susie trug ein “Born In The USA” Shirt) mit den Worten “If you have heard of us, it might most possibly be because of this song. But I don’t think you have, but feel free to clap!” ankündigte. Hier wurde ganz klar, warum wir keines der Stücke, die wir bei Myspace vorab hörten wieder erkannten. Während bei den Aufnahmen das Schlagzeug sehr weit in den Hintergrund gemischt ist, beherrscht es live, wie bei den Blood Red Shoes den Sound. Das macht die Stücke, die auf CD netter Indie-Rock sind auf der Bühne zu richtigen Rock-Stampfern, was bedeutet, I Heart Hiroshima sind eine Band, die einen live umhauen kann, obwohl sie auf CD beinahe beliebig klingen. Nach knapp 30 Minuten verabschiedete das inzwischen halbvolle Zakk das Trio. Zwar nicht überschwänglich, aber durchaus wohlwollend.

Es folgte natürlich die obligatorische Umbaupause, die aber schnell verstrich, da auf der großen Bühne bereits alles vorbereitet war. Im Gegensatz zum Intro Intim im Januar waren die neuen Songs der Rakes nun bekannt und so waren wir gespannt, diese auch endlich wieder im Live-Gewand zu hören. Noch etwas hatte sich geändert, Chris Ketley, der die Band bisher eher aus dem Hintergrund am Keyboard begleitete, schnallte sich nun auch eine Gitarre um. So waren die Songs der Band von Anfang an viel druckvoller, als man die Band bisher erleben konnte. Auch Lead-Gitarrist Matthew war dadurch sichtlich entlastet. Neu auch eine fesche blonde Strähne, die nun den Schopf von Sänger Alan Donohoe schmückte. Abgesehen von den Äußerlichkeiten und der Umbesetzung hatte sich aber nichts geändert. Von Beginn an setzte die Band ihre zügellose Energie auf der Bühne um. Energie, die sich wie gewohnt in Wellenbewegungen im Publikum immer wieder nach vorn entlud, was bei der unvorteilhaften Bühnenhöhe im Zakk und den spitzen Kanten am Rand der Bühne durchaus auch schmerzhaft sein kann.

Ihr Set starteten die Rakes mit “You’re In It” das sie zackig und gut gelaunt zum Besten gaben. Alan sprang wild in der Bühnenmitte herum und zeigte ganz ohne Mikrofonständer seine eher eigenwilligen Dance-Moves, irgendwo zwischen Roboter und Schlumpf. Schön war dabei auch zu hören, dass seine Stimme nun schön nach vorn gemischt, so dass der Gesang viel klarer zu hören war, als auf früheren Rakes Konzerten. Mit “Retreat”, “We Danced Together” und “Terror” folgten drei ältere Songs und die Stimmung kochte das erste Mal so richtig hoch. Das anschließende “The Lights From Your Mac” diente im Anschluss als kurze Verschnaufpause, bevor bei “Open Book” wieder das gesamte Zakk mitschrie. Was scheinbar auch die Rakes schwer beeindruckte, die nach jedem Song vor Freude über das ganze Gesicht strahlten und sich häufig bedankten. “That’s The Reason” von “Klang” wurde dann auch bereits gefeiert, als würde die Band es bereits seit Jahren live spielen. Ein klares Indiz wohl dafür, dass die neuen Songs auch beim Publikum perfekt sitzen und akzeptiert sind. Das reguläre Set wurde nach knapp 60 Minuten und 16 Songs mit “The World Was A Mess But His Hair Was Perfect”, der inoffiziellen Hymne zur Wirtschaftskrise, beendet. Im Anschluss ließen sich die Londoner natürlich nicht lang bitten und kehrten für eine letzte Zugabe auf die Bühne zurück. Für “Strasbourg” nämlich, zu dem Publikum und Band noch einmal alles raus ließen, sogar Gitarrist Matthew ließ sich dazu hinreißen ein wenig zu albern und die Arme in die Luft zu reißen. Einziger Wermutstropfen am Set der Band, dass sich “When Tom Cruise Cries” nicht auf der Setlist wieder fand, aber bei der riesigen Hit-Dichte der Rakes kann man nun einmal nicht alles haben.

Fotos: Ariane WhiteTapes

Setlist:
You’re In It
Retreat
We Danced Together
Terror
The Lights From Your Mac
Open Book
Woes Of Working Woman
22 Grand Job
That’s The Reason
Shackleton
Violent
Binary Love
We Are All Animals
1989
The Outdoor Smoker
The World Was A Mess But His Hair Was Perfect

Strasbourg

Interview vom Januar

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1984 + Hey Kids Try This, Osnabrück, Kleine Freiheit, 30. April 2009

Glaubt man der Berichterstattung zum 1984 Debüt “Open Jail”, dann stellt das Trio um Frontmann Etienne Nicolini so etwas wie den legitimen Nachfolger von Joy Division dar. Ein Vergleich, der nicht zuletzt durch das Label geschürt wird und von der Band meist leicht irritiert aufgenommen wird, haben sie vor dem Release und den damit verbundenen Interviews zu “Open Jail” und dem kurz zuvor erschienen Joy Division Film “Control” doch noch nie auch nur einen Song der legendären Band um Ian Curtis gehört. Ein Vergleich aber auch, den sich die Band gefallen lassen muss, dass zeigen zum einen die düster kühlen Stücke auf dem Debüt und auch die Live-Performance der Band. Schon als Support der Blood Red Shoes im November ließen sie ihren kühlen Franko-Rock auf das gespannte Publikum los und übertrafen sogar die Blood Red Shoes.

Auf ihrer ersten Headlining-Tour durch Deutschland konnten 1984 nun nicht mehr darauf bauen, dass die Blood Red Shoes die Indie-Kids in Scharen herbei lockten, das mussten sie nun ganz allein. Angetan vom tollen Debüt und vielleicht auch den starken Konzerten im Vorprogramm der Brightoner, kamen aber dennoch mehrere Dutzend frankophile Indie-Jünger zum einzigen Konzert der Band in (der Nähe) von Nordrhein-Westfalen. Genau genommen in der Kleinen Freiheit in Osnabrück. Einem alten Bahnhofs-Betriebsgelände, auf dem sich nun allerlei Clubs angesiedelt haben, um das brach liegende Gelände in eine Vergnügungsmeile zu verwandeln. Von innen wirkte das Gebäude wie eine Mischung aus evangelischem Gemeindezentrum und Bürogebäude, mit extrem niedriger Bühne und riesiger Fensterfront, an der gemütliche alte Couch-Garnituren aufgereiht waren. Diese verstanden wir prompt als Einladung sich zu setzen und schauten dem Support Hey Kids Try This bei der Arbeit zu. Unseren Eindruck, die Band käme frische aus dem Probe-Raum, bestätigten die Münsteraner, als sie sich erstmals vorstellten. In circa 30 Minuten spielten sie ein Best Of von Indie-Melodien, verarbeitet in eigenen Kompositionen. So spielten sie dann auch ein alles andere als originelles, aber immerhin kurzweiliges Set.

Die folgende Umbaupause sollte dann auch nicht lang dauern und schon standen 1984 um 22:15 Uhr auf der Bühne, um den Tanz in den Mai zu starten. Das hatte allerdings zur Folge, dass der größte Teil der Fans noch vor der Tür stand und einer Raucherpause fröhnte, als Etienne, Bruno und Thomas bereits ihr Set mit “The Missing Voice”, einem der stärksten Stücke des Albums, begannen. Im Gegensatz zum Konzert im November war der Sound nun deutlich klarer abgemischt und Etienne’s dunkle Stimme deutlich im Vordergrund. Untermalt wurden die düsteren Rocksongs wieder von unterschiedlichen Filmchen und Animationen, die auf eine Leinwand hinter Drummer Thomas geworfen wurden. Zunächst beschränkte sich das noch auf das Animationen und Verzerrungen von Band-Zebra und 1984-Logo. Ihrem Ruf verpflichtet war die Band auch ganz in schwarz gekleidet. Einziger Farbtuper am Outfit die symbolischen goldenen Streifen an der Schulter von Etienne, an der Knopfleiste von Bruno’s Hemd und am Hemdkragen von Thomas, die für die drei Mächte stehen sollen, welche die Welt regieren, nämlich Militär, Politik und Religion. Wie bei der großen Referenz Joy Division, versteckt sich bei 1984 also auch noch einiges hinter der Fassade. Was sie vordergründig auf die Bühne brachten, war aber auch nicht ohne.

Auf “The Missing Voice” folgte der neue Song “Tiptoe”, der sich ähnlich düster zeigte, wie die Songs auf “Open Jail”. Mit “L’Homme Aux Os” und “Baikal Amour Magistral” folgten wieder zwei Stücke vom Album und auf der Leinwand wurde erstmals ein kleiner Videotrick angewandt. Neben dem Beamer war nämlich eine kleine Webcam angebracht, welche die Band live filmt und verzerrt auf die Leinwand warft. In Verbindung mit dem kühlen Rock-Sound war das verdammt stimmig und ließ die Stücke noch dichter erscheinen. Trotz dem ein oder anderen Spielfehler nahm das Publikum jeden Ton begeistert entgegen und tanzte ausgelassen. Auch zu den drei neuen Stücken “Uppercut”, “Leaving The Pack” und “Ulm”, die sich perfekt in die bekannten Stücke einfügten. Auf das anschließende “Desert Dancers” folgte die Hit-Single “Cache Cache”, bei der das offizielle Video zur Single an die Band geworfen wurde. Die Stimmung war auf ihrem Höhepunkt und kochte erst nach dem neuen Song “Territory” und dem anschließenden Rocker “The Wait” wieder ein wenig runter, als sich die Band kurz verabschiedete, um nach wenigen Sekunden für die Zugaben “By Dint” und “Squares” (neu) zurück zu kehren. In knapp 75 Minuten konnten 1984 ihre volle Live-Stärke ausspielen und machen Lust auf mehr von diesem Trio aus Frankreich mit dem fantastischen französischen Akzent.

Fotos: Ariane WhiteTapes

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Dartz, Lüdenscheid, Alte Druckerei, 16. April 2009

Foto: Ariane WhiteTapes

Es scheint zu so einer Art Ritual der Dartz zu werden, immer um die Ostertage herum durch Europa zu touren. Uns soll’s recht sein, so bekommt man eine gewisse Konstanz geboten, an der man ausrichten kann, wann man endlich wieder ein Konzert der Jungs besuchen kann. Nach dem Konzert am Ostersonntag im Vorjahr im Münsteraner AMP nun also Dartz am Donnerstag nach Ostern in der schmucken Alten Druckerei in Lüdenscheid. Anders als beim Konzert in Münster hatten Dartz nun ein zweites Album und sogar gleich zwei Vorgruppen im Gepäck. Die hatten bestimmt auch einen Namen, lieferten aber jede für sich eher egalen bis unsäglichen Krach ab, der sich allerdings im verwinkelten Club gut ignorieren ließ, so dass die Sinne weiterhin geschärft auf das Highlight des Abends, Dartz blieben, die pünktlich um 23 Uhr die Bühne der Alten Druckerei enterten.

Das taten sie gut gelaunt und mit der bekannten Spielfreude und einem neuen Gesicht. Das Trio war nun nämlich verstärkt um den Zweitgitarristen Nico, der die Band bisher als Roadie begleitete. Aus dem Hintergrund also auf die Bühne, auf der er sich dann jedoch immer noch meist im Hintergrund bewegte. Mit einem Bühnenmitglied mehr präsentieren sich Dartz dann von ihrer besten Seite und liefern erstklassige Unterhaltung. Besonders Stücke des ersten Albums, wie der Opener “Cold Holidays” und der Hit “Once, Twice, Again” kommen dabei gut an und bewegen die gut 25 Anwesenden zum ausgelassen mittanzen und auch -singen.

Foto: Ariane WhiteTapes

Die Band transportierte also ihre gute Laune gekonnt auf das Publikum und ist in den Songpausen immer wieder für einen kleinen Witz gut. Drummer Philipp etwa erkundigte sich, ob es draußen aufgehört habe zu regnen, da er Löcher in den Schuhen habe, aber keine Lust auf nasse Füße. Er präsentierte dann auch stolz seine Schuhe, die er notdürftig mit Tape verklebt hatte und fügte noch hinzu “I’m a poor man”. Nach knapp 45 Minuten und einer spontanen Zugabe war das Konzert dann leider auch schon beendet und die Vorfreude auf das nächste Osterfest sogleich wieder da.

Fotos: Ariane WhiteTapes

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Eagles Of Death Metal + The Black Box Revelation, Bochum, Matrix, 03. März 2009

Weinende Mädchen, mit Bier um sich schmeißende Kerle, Blut und schlechte Liebesbekundungen auf Deutsch. Hört sich nach einem wundervollen Abend in der Matrix zu Bochum an, in der die Eagles of Death Metal spielen. Ist es auch gewesen. Letzten Dienstag begann die Bande um Jesse Hughes ihre Deutschland Tour in der fast ausverkauften Bochumer Matrix.

Bevor es zu herzerweichenden Szenen kam, spielten erstmal The Black Box Revelation vor. Das Duo aus Belgien, mit einer Mischung aus Garage und Bluesrock, heizten schon einmal ordentlich ein und ernteten lauten Applaus vom noch zurückhaltenden Publikum, das heute buntgemischt war. Der Punker mit seinem Irokesen stand neben den etwas älteren Herren, kreischenden Frauen und Bier trinkenden Rock’n'Rollern. Nach etwas mehr als einer halben Stunde bedankten sich die Beiden artig und verließen die Bühne.

Und dann kam er auf die Bühne. Jesse Hughes. Der Mann, den die Männer beneiden und die Frauen anhimmeln. Er kann einfach nichts falsch machen, er wird gemocht, der Junge, mit seinem wundervollen Oberlippenbart, den langen Haaren und der Pornosonnenbrille. Noch kein Wort gesagt, noch kein Takt gespielt, aber die Halle tobt! Es ist eng in der Matrix, es ist laut in der Matrix, der Schweiß tropft die Wände runter und es ist eine pure Rock’n'Roll Show ab der ersten Sekunde. “I only want you” eröffnet schon den Track und still stehen kann niemand mehr. Es wird getanzt, gemosht, gepogt und geschrien. “Don’t Speak”, vom zweiten Album “Death by Sexy” und so manch einem bekannt aus der Werbung eines Sportartikelherstellers wird direkt hinterher geschossen. Ein wilder Mob bildet sich vorne und man darf berechtigt Angst haben, dass die Matrix heute in ihre Bestandteile zerlegt wird. So schlimm war es dann aber doch nicht. 3. Album – eine Setlist. Für manche Bands ein schweres Unterfangen eine gute Mischung zu finden, die Eagles haben es jedoch bravurös unter Beweis gestellt, dass es geht.

Jesse und die Frauen, auch ein Kapitel was hier zu erwähnen ist. Ein junges Mädchen hat in vorderster Front einen Abkommen und verliert die eine oder andere Träne, von den Securities Backstage gebracht um sich zu beruhigen, unterbricht Jesse erst einmal die Show um sich nach dem Mädchen zu erkundigen. Erst als er weiß, dass es ihr besser geht, geht es weiter. Mit “Boy’s Bad News” verabschieden sich die 4 nach knapp einer Stunde zum ersten und einzigen Break. Frontmann Jesse Hughes kommt nun alleine auf die Bühne. Steht er sonst schon einzig und allein im Mittelpunkt dieser Band, so ist jetzt auch wirklich auch das letzte Auge auf ihn gerichtet. Nur er und seine Gitarre spielen Songs wie “Cherry Cola” oder “Midnight Creeper”. Er zieht sie alle in seinen Bann, selbst mit seinen Liebesbekundungen auf Deutsch. Er kann einfach alles der gute Mann. Zum Abschluss kommen noch einmal alle Bandmitglieder auf die Bühne und spielen die Single “Wannabe in L.A.” vom aktuellen Album “Heart On”, bevor nach “Kiss the Devil” endgültig Schluss ist. 1Stunde und 30min und man will keine einzige eines großartigen Abends Sekunde missen.

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Oasis + Everlaunch, Düsseldorf, Philipshalle, 04. Februar 2009

Heute, mit kleiner Verspätung und als Vorbereitung auf den letzten Deutschland-Termin von Oasis, blicken wir einmal auf das Konzert vor drei Wochen, also am 04.02.09 in der Düsseldorfer Philipshalle zurück,wo der Ersatztermin für das aus Krankheitsgründen verschobene Oasis-Konzert vom 19.Januar stattfand. Das Oasis ein Konzert verschieben, gehört ja nun fast schon zum guten Ton, in diesem Fall war jedoch keine etwaige Ungereimtheit, sondern ein Ödem an Liam’s Stimmbändern schuld.

Die Ersatz-Vorband Everlaunch , die pünktlich die Bühne betrat, bot dann grundsoliden, leichten Poprock mit Britpopanklängen aus norddeutschen Landen. Als geneigter Zuhörer darf man durchaus Anwandlungen von Nada Surf und wesentlich offensichtlicher noch Placebo wahrnehmen. Zweifelsohne setzt die Band auf die stimmliche Ähnlichkeit des Sängers mit Brian Molko, denn der Höhepunkt des halbstündigen Sets war tatsächlich auch ein Placebo Coversong. Soweit so gut. Eine Vorband sollt ja auch keinesfalls das Licht des Hauptact unter den Scheffel stellen. Davon konnte in diesem Fall auch keineswegs die Rede sein, denn Oasis lieferten pünktlichst mit einem standesgemäß dahin geschmetterten “Fucking in The Bushes” den Opener zu einem grandiosen “Rock´n Roll Star”. Das generationsübergreifende Publikum in der randvollen Philipshalle honorierte dies mit dem üblichen Bierbechergeklapper und einigen “beer-supernovas”.

Mit “Lyla”, sowie einem gnädigen “sorry, better now than never” von Liam, als Entschuldigung für seine krankheitsbedingte Konzertverschiebung, bekam der Oasis-Fan gleich zu Beginn mehr als zu erwarten war. Der ersten Singleauskopplung des nunmehr 7. Studioalbums “The Shock of the Lightning”, folgte “Cigarettes & Alcohol”, “The meaning of Soul” (absoluter live favourite) und mit “To be where there´s life” und “Waiting for the rapture” zwei weitere Songs von Dig out your Soul.

Liam legte, wie üblich, während des gesamten Konzerts peinlichst Wert darauf, bei keinem Noelsong auf der Bühne anwesend zu sein. Die brüderlichen Hierarchiekämpfe scheinen demnach weiterhin aktuell zu sein. Man darf gespannt bleiben. Leider performten die Herrn aus Manchester nur einen Song vom 2002er Heathen Chemistry Album, und zwar den mit Abstand gefälligsten – “Songbird”. Persönliches Highlight und Überraschungsmoment war eindeutig “Slide Away”, so noch nie im Liveset gehört. Es folgten ein fast schon nostalgisches “Morning Glory”, in gelungenem, auch stilistischem Kontrast zum brandneuen “Ain’t Got Nothin”. Im letzten Drittel wurden einmal mehr die Beatlesanleihen der Gallaghers hörbar. Zunächst “The importance of being idle”, meiner Meinung nach der vertonte Bauplan schlechthin für einen Britpopsong, vom oft unterschätzten Don’t believe the Truth-Album. Fortgeführt wird diese Honoration mit der 2. Single von Dig Out Your Soul “I´m Outta Time”. Die Lennon Interview Tonspur, mit welcher dieser Song ,von Liam selbst als “John Lennon Tribute Song” bezeichnet, in der Studioversion unterlegt ist, wurde live nicht eingespielt. Dennoch eines der Highlights, aus Liams Feder und mit größter Mühe von selben gesungen. Mühe, leider weil Liams Stimme,wohl noch immer leicht angeschlagen, nicht zur Bestform finden konnte.

Foto: Myspace der Band

Auch die im Übrigen weniger textsicheren unter den Besuchern kamen beim obligatorischen “Wonderwall” voll und ganz auf ihre Kosten. “Wonderwall”, hier gestern mal wieder ganz klassisch – (leider) nicht in der Ryan Adams Version von 2002, die in den vergangenen UK-Sets von Oasis auch selbst performed wurde. Den Abschluss bildete ein unvergleichliches “Supersonic”. Nach einem schlichten “You’re welcome” von Noel gab’s zu dem auch ansonsten eher wortkargen, von Understatement beherrschtem Konzert noch vier dicke Zugaben. Vom Feinsten. Mit “Don´t look back in anger” sang sich Noel zu musikalischer Höchstform und toppte einmal mehr Liam. Jeder Skeptiker Noels gesanglicher Künste wurde an dieser Stelle eines besseren belehrt. Es folgten “Falling Down”, “Champagne Supernova” und als abschließender Leckerbissen, das Beatlescover vom Masterplanalbum “I am the Walrus”!

Fazit: Oasis haben die ohnehin schon hochgesteckten Erwartungen solide erfüllt. Liam wird einmal mehr Recht behalten: “We will surely see us again!”

Fotos: Myspace der Band, viele tolle Bilder vom Konzert bei Eins Live

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The Bronx + Middle Class Rut, Köln, Underground, 16. Februar 2009

…und es hat Boom gemacht! Wohl der falsche Weg, einen Konzertbericht zu beginnen, mit dem Zitat eines fürchterlichen Schlagers aus der schlimmsten Epoche der deutschen Musikgeschichte. Und dann auch noch falsch zitiert. Und was hat das mit The Bronx zu tun? Rein gar nichts! Die haben gestern den Underground im formschönen Köln einfach mal in seine Einzelteile zerlegt und ein Feuerwerk aufblitzen lassen. Zuvor haben es als Support Middle Class Rut ihnen gleich getan.

Das Underground in Köln – Klein, schnuckelig, ranzig, die ideale Location für wilden, dreckigen Punkrock mit Hardcore Einflüssen. Dementsprechend gut besucht war es auch. Seit kurzem ist Album Nummer Drei von The Bronx in Deutschland erhältlich, sehr anders als seine Vorgänger klingt es nicht, eine Tatsache, die durchaus zu beruhigen weiß, denn genauso liebt man sie auch. Wild, ungestüm, laut und vor allem schnell.

Vor The Bronx gibt sich ein amerikanisches Duo die Ehre, Middle Class Rut heißen sie, und sind gute Freunde von The Bronx. Und auch als Support wird gerotzt auf hohem Niveau, lediglich mit Schlagzeug und Gitarre bewaffnet, doch mit großen Geschick wird gezeigt, dass hier auch eine Menge Abwechslung herrschen kann. Und dann betritt das Highlight des heutigen Abends die Bühne. The Bronx, und der Tanz beginnt! Sänger Matt Caughthran braucht keine Bühne, er wirft sich ins Publikum, will eins sein mit den knapp 250 Besuchern an diesem Abend werden. Probleme und Sorgen werden für ein paar Stunden vor der Tür stehen gelassen, hier zählt einzig und allein das Zusammensein, wie eine große Familie, in der er es auch rauher und ausgelassener zugehen kann. Moshpit, Pogo und wilder Tanz, dem Gesuch eines Einzelnen nach Dope wird entgegengesetzt, dass heute das einzige Mittel zum Berauschen die Musik bleibt. The Bronx sind die Erben von Black Flag, die meisten Bandmitglieder tragen das Logo auf ihrer Haut. Es mag für manche eine unüberwindbare Bürde sein, mit Black Flag in einem Atemzug genannt zu werden, für The Bronx ist es eine Ehre und sie beweisen allemal, dass sie es wert sind.

Die Setlist ist lang, 16 Lieder, aber bei dem Tempo, dass sie vorlegen ist der ganze Spaß schon nach einer Stunde und einer einzigen Zugabe gegessen. Aber ganz ehrlich, bei diesem Tempo ist mehr auch nicht drin. Hyperaktiv würden die einen es bezeichnen, wild und viel Rock’n'Roll, die Antwort der Anderen. Auch wenn der Soundmann heute nicht seinen besten Tag erwischt hat, der Gesang ist kratzig, beschweren wird sich keiner. Dass die Setlist lang ist, wissen wir, dass sie auch schön bestückt ist, erfahren wir nun. Highlight aller drei Alben waren zu hören, inklusive dem Überhit “Shitty Future”. Bei “Young Bloods”, der aktuellen Single aus dem dritten Bronx Machwerk, wird kräftig und laut mitgesungen. Matt ist sichtlich glücklich über das was in Köln los ist. Die Show reißt mit und selbst in der letzten Reihe wird geschwitzt, es ist kein Entkommen möglich, aber das will auch keiner, in dieser Stunde, wo die Probleme weiterhin draußen im Regen warten.

Noch sind The Bronx in Deutschland auf Tour. An folgenden Termin habt ihr die Möglichkeit sie zu sehen:

20. Februar, Berlin – Kato
22. Februar, Frankfurt – Batschkapp

Myspace The Bronx // Myspace Middle Class Rut

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Kingsize, Drucklufthaus, Oberhausen, 09. Februar 2009

Oberhausen, eine Stadt im Westen des Ruhrgebiets, die von der Einwohnerzahl ungefähr 34 mal in die englische Hauptstadt London hinein passen würde, für waschechte Londoner wie Kingsize stellt ein Tripp in diese Stadt also ein Besuch in eine Kleinstadt dar. In bester Klassenfahrtstimmung stattete das Quartett dann auch erst noch einem dieser speziellen Läden im nahe gelegenen holländischen Venlo einen Besuch ab, bevor es als einzige Gäste in der bahnhofsnahen Jugendherberge eincheckten, wie sie uns berichteten. Anders allerdings als englische Internatsschüler auf Klassenfahrt, waren Kingsize nicht für Sightseeing gekommen, sondern um dem Ruhrgebiet eine Lektion in Sachen Brit-Rock zu erteilen. Anders als ihr Äußeres vermuten ließ standen die Vier während die Vorgruppe spielte nur eine Flasche Wasser trinkend im Publikum und nickten mit, um hundertprozentig plichtbewusst Punkt 22 auf der Bühne mit dem eigenen Set und dem exzessiveren Alkoholgenuss beginnen zu können.

Foto: Myspace der Band

22 war dann auch so in etwa die Zahl, der im Publikum Anwesenden. Für Kingsize kein Problem, die begannen ihr Set mit einer Energie, als würden sie gerade vor dem ausverkauften Wembley-Stadion spielen. Dabei servierten sie knackige Indie-Rock-Songs, in die sie viel vom Sound der Libertines und der Strokes mit ein wenig von Kings Of Leon zu ihren eingängigen Songperlen verdichteten. Wie schon am Vorabend in Krefeld hatte Sänger Mike McCartney immer wieder einen Spruch zwischen den Songs parat und sein Bier zur Hand. Besonders Gitarrist Zanny schien in Feierlaune (kein Wunder, hatte er doch Geburtstag) und stieß immer wieder mit Bandmama / Roadie Tom an. Das tat aber seinem Gitarrenspiel keinen Abbruch, das war tadellos und höchst konzentriert. In den knappen 60 Minuten ihres Sets brannten die vier Kingsizes ein regelrechtes Feuerwerk von Rocksongs ab, dass durch DEN Band-Song “Rock’n'Roll Dreams” gekrönt wurde, an dessen Ende Mike und Zanny dann auch noch ganz Rock’n'Roll ihre Mikros von der Bühne stießen. Ein Konzert mit einer Band also, die es eigentlich verdient hätte, in einem Club für mindestens 220 Menschen und nicht vor 22 Menschen zu spielen. Die 22 Anwesenden erlebten dennoch eine tolle Rockshow von einer von London’s bester Indie-Rock-Bands. Und wenn die Band weiter solche Konzerte spielt, wird sich ihr Name so schnell rumsprechen, dass Kingsize bei ihrer nächsten Tour in Deutschland gar vor 2.200 Menschen spielen werden. Wünschen würden wir es ihnen, auch wenn es mit 22 natürlich viel intimer ist.

Fotos: Myspace der Band

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Slut + Lily Electric, Münster, Sputnikhalle, 06. Februar 2009

Foto: Myspace der Band

Ingolstadt ist vor allem ein Begriff als Heimat des wohl besten deutschen Autofabrikanten, nicht aber als Indiehochburg Deutschlands. Ist es wohl auch nicht, aber zumindest eine der größten deutschen Indiebands kommt aus der bayerischen Autostadt. “StillNo1″, so der Name des immer noch aktuellen Machwerks von Slut, die nun seit geraumer Zeit dieses betouren. Endlich auch mal wieder in Deutschlands schönster Stadt. Münster steht auf dem Tourplan, im Gepäck der dänische 4er von Lily Electric.

Lange hat es gebraucht, bis das deutsche Paradebeispiel für gute Indiemusik, Slut, wieder in Münster vorbeischauen. Seit nun inzwischen 1995 ziehen sie ihre Kreise durch Deutschland und können dabei immer wieder respektable Erfolge verbuchen. Die Sputnikhalle ist gut besucht, zwar nicht so schön sein, wie das Gleis22, finden hier zumindest mehr Leute Platz. Gut gefüllt ist die Halle allemal. Als erstes stehen dann Lily Electric auf der Bühne, ein wenig psychedelisch, ein wenig freakig. Ein wenig zurück haltend nimmt das Publikum sie wahr, applaudiert artig, die lange Spielzeit ist für einen Support eher unüblich, aber so wirklich böse scheint niemand darüber zu sein. Groß genug ist das Gelände ja allemal um sich in eine ruhige Ecke zu verkriechen.

Nach üblicher Umbaupause nun aber endlich. Bayerns Indie-Export Nr. 1 in der Stadt, die wohl wie keine wie keine Andere für die Anerkennung guter Indiemusik steht. Slut in Münster, Glühbirnen an Mirkofonständern und Stativen, Heizkörper als Instrumente und ein gut gelaunter Christian Neuburger. “Odds and Ends” vom aktuellen Album “StillNo1″ ist der Opener für das Konzert / den Marathon. An diesem Abend gibt es eine stark ansteigende Formkurve zwischen Band und Publikum, beide am Anfang recht verhalten und ruhig, braucht das Konzert einige Zeit um ins Rollen zu kommen. Doch je länger Slut auf der Bühne stehen, desto besser wird auf beiden Seiten die Laune. Sänger Christian erinnert mit seiner Interpretation von moshen ein wenig an einen Wackeldackel, den man sich im Gegensatz zu den Originalen jedoch gerne auf die Hutablage stellen würde. Freundlich, immer zuvorkommend, so sind sie die Bayern, man kennt es ja von den Sporties schon so. Das Musikalisch da eine Menge drin steckt, zeigt die Tatsache, das neben den üblichen Gitarre – Schlagzeug – Bass auch verschiedene Instrumente zum Einsatz kommen, die man nicht so erwartet. So findet selbst ein Heizkörper seinen Auftritt als Instrument. 90 Minuten dauert der erste Teil des Konzertes, in dem Songs wie “If I had a Heart” und “Homesick” die Setlist schmücken. Eine Zeit, zu der so manche Band die Bühne längst wieder Richtung After-Show Party verlassen hat, markiert für Slut den Zeitpunkt, so richtig Dampf zu geben. Auf einmal tanzt die ganze Halle, die Stimmung steigt, Pogo bei einem Indiekonzert und eine Band, die jetzt erst so richtig warm wird. “Easy to Love”, sowas wie der Slut Hit No1., zeichnet das Ende des Konzertes ab. Denkste! Denn Slut lassen sich nicht lumpen und spielen weitere Zugaben und denken erst nach 110 Minuten an ein Ende. Slut scheinen sichtlich dankbar für alles zu sein, Münster freut sich über einen schönen Konzertabend. Und jeder hofft, dass sich Slut diesmal nicht wieder soviel Zeit lassen, bis sie wieder in der Indiehochburg Münster auftreten, eine mehr als gelungene Wiedergutmachung also für ein Anfang 2008 leider ausgefallenes Radiokonzert.

Fotos: Myspace der Band

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Travis + The Alexandria Quartet, Köln, Live Music Hall, 04. Februar 2009

Foto: Myspace der Band

Nach mehr als 13 Jahren Bandgeschichte sollte man meinen, dass der Name Travis, sagen wir einmal zumindest in Pressekreisen und vielleicht auch im Bewusstsein der Öffentlichkeit ein Begriff ist, vielleicht nicht so bekannt wie Coldplay, die es laut Chris Martin ohne Travis nicht einmal gäbe, aber immerhin so bekannt, dass den Leuten bewusst ist, dass es sich um eine Band und nicht um einen Solokünstler handelt. Denkste! So fanden sich auch an der Live Music Hall beim ersten Konzert der Deutschland-Tour der vier Schotten von Travis, neben vielen früh erschienenen Hardcore-Fans, auch ein paar “Musikinteressierte” ein, die meinten, sie kennen “nur ein paar Lieder von dem”, aber wenn sogar das Hamburger Abendblatt titelt “Travis stellt sein Album “Ode To J. Smith” live [...] vor, wieso sollte es der Musikinteressierte schaffen? Das ist wahrscheinlich das Dilemma einer Band, die auf dem Weg in den Popolymp eine Kehrtwende unternahm und nun lieber vor 1.500 in der Live Music Hall, statt vor 15.000 in der Phillipshalle Menschen spielt. Uns war es nur Recht und so fanden auch wir uns pünktlich an der LMH ein, um auch möglichst alles mitzubekommen. Die Geschehnisse sollten sich nämlich mehr als unterhaltsam gestalten. Kurz vor Einlass reichte die Schlange vor der LMH schon bis zur nächsten Kreuzung und machte klar, es würde gemütlich in der Halle. Wurde es tatsächlich, mit einem bunt gemischten Publikum, in dem alterstechnisch alles von 13 bis 63 vertreten war.

Foto: Myspace der Band

Bevor es um 20 Uhr mit der Vorgruppe The Alexandria Quartet losgehen sollte, dröhnte noch das neue Oasis-Album aus den Boxen, eine Anspielung darauf, dass die ein Stück den Rhein runter in der Phillipshalle spielten? Das weiß wohl nur der Tonmann – ob vor Oasis auch das neue Travis Album lief, dazu in Kürze mehr. Nach Oasis, die also akustisch auch in der LMH anwesend waren, betraten vier junge Männer aus Norwegen / England die Bühne und stimmten ohne große Worte zu verlieren ihre kraftvollen Brit-Pop Songs an. The Alexandria Quartet nannten sich die vier und stellten so etwas wie das Musterstück einer Vorgruppe für Travis dar. Sie spielten unterhaltsame Pop-Songs, die getragen waren von eingängigen Gitarren-Melodien und dem gelungenen Wechsel zwischen schnellen und langsamen Passagen. Dabei erinnerte Sänger Martin Skålnes stimmlich an eine Mischung aus Starsailor Frontmann James Walsh und Stereophonics Sänger Kelly Jones, beides Einflüsse, die sich neben anderen Brit-Pop Größen, wie Doves und eben Travis auch im Sound der Band wiederspiegelten. Soundtechnisch lieferten die vier also eigentlich nichts Neues, aber spielten ihr Set so leidenschaftlich und mischten diese Einflüsse dermaßen unterhaltsam, dass sich alles andere als Langeweile im Publikum breit machte. Insbesondere die Single “Into The Light” sorgte für mehr als überschwänglichen Applaus von den 1.500. Leuten, der auch nach dem 30minütigen Set des Quartetts noch eine ganze Weile anhalten sollte.

Foto: Ariane WhiteTapes, Rockpalast Festival

Beste Voraussetzungen also unter denen die vier im Frühling ihr Debüt-Album hierzulande veröffentlichen werden. Es folgte eine kurze Umbaupause, die ersten Reihen versorgten sich ein letztes Mal mit Getränken und um knapp 21 Uhr betraten Francis Healy und seine Kollegen die Bühne des LMH, schmissen die elektrischen Gitarren an und legten anders als bei den bisherigen Konzerten der Tour nicht mit “Chinese Blues”, sondern mit dem Hidden Track von “The Man Who…”, “Blue Flashing Lights” los. Die Zeichen standen also gut und der erste Eindruck sollte nicht trügen, mit den nächsten vier Songs ging es nämlich ähnlich temporeich und gut gelaunt weiter. Der Geist von “Ode To J. Smith”, mit dem Travis zu einem raueren Sound zurück gefunden haben, setzte sich nun auch live komplett durch. Einzig Problem an diesem Abend, der Sound in der LMH. Zu Beginn war die Technik noch dermaßen leise eingestellt, dass das Publikum die Band übertönte und die Gitarren von Fran und Andy zu einem ziemlichen Brei verschwammen. Das legte sich dann glücklicherweise bei “Love Will Come Through”, der ersten Ballade, die vom Timing nicht besser hätte platziert werden können, legte die Band doch ein Tempo vor, bei dem sogar Oasis-Fans überfordert gewesen wären.

Der Chor bei “Closer” sorgte im Anschluss für einen der größten Gänsehaut-Momente des Abends. Nach zwei ruhigen Songs hieß es dann wieder Tempo und so gab es eine leicht rockigere Version von “Side” und mit der B-Seite “Ballad Of J. Smith” sogar eine echte Rarität. Nachdem bereits “Side” in ein raueres Soundkleid gehüllt wurde, war auch schnell klar, Travis machen auch vor Klassikern nicht halt und gaben in der Folge auch ein schnelleres “Driftwood” zum Besten. Der Geist von “Ode To J. Smith” schien die Band dermaßen zu beflügeln, dass sie so rockig aufspielten, wie sie es in ihrer Karriere wohl selten zuvor bei einem Tourstart taten. So unvergesslich schön ihre von Akustik-Gitarre geprägten Konzerte in der Vergangenheit waren, so erfrischend war es dennoch zu sehen, wie sich Travis einmal von einer neuen Seite zeigten. Neben dieser Änderung gab es dennoch eine Konstante, egal ob Ballade oder Up-Tempo Song, das Publikum sang jede Zeile leidenschaftlich mit und feierte mit der Band jeden Ton. Sänger Fran stachelte das Publikum zu Höchstleistungen an, ob rhythmisches Winken, oder der obligatorische Pogo bei “Why Does It Always Rain On Me”, er hatte das Publikum unter Kontrolle und genoss augenscheinlich jede Sekunde. Das kam natürlich auch in den Ansagen durch, in denen er, wie auf Travis-Konzerten üblich wieder einige Brocken Deutsch ausprobierte und gelobte, dass er bei seiner Rückkehr nach Köln mindestens drei neue Sätze auf Deutsch beherrsche. Die allerschönsten Momente des Abends kamen dann wie gewohnt gegen Ende: “Turn” als Abschluss des regulären Sets ließ wohlige Schauer über den Rücken laufen. Noch beeindruckender allerdings dann die Live-Version von “Song To Self”, die von der schönen Ballade zum Gänsehaut erzeugenden, beinahe epischen Rockwerk wurde und eine so dichte Atmopshäre in die Live Music Hall zauberte, die diese vier Minuten zu den unvergesslichsten des Abends machten. “Selfish Jean” und “Why Does It Always Rain On Me” waren dann die perfekten Songs für den Abschluss einer knapp 80 minütigen Party mit vier Schotten.

Setlist:

Blue Flashing Light
Beautiful Occupation
J. Smith
Re-Offender
Something Anything
Long Way Down
Love Will Come Through
Closer
Side
Ballad Of J. Smith
Driftwood
Falling Down
Sing
Writing To Reach You
All I Want To Do Is Rock
Before You Were Young
Turn
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Song To Self
Selfish Jean
Why Does It Always Rain On Me

 

“Travis Live-Foto vom Rockpalast-Festival von Ariane WhiteTapes, mehr hier, restliche Bilder von den Myspace der Band