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Marybell Katastrophy – The More

Nach der Dänin Tone widmen wir uns direkt der nächsten Elektro-Hoffnung aus dem Landzipfel zwischen Nord- und Ostsee. Die hört auf den Namen Marybell Katastrophy. Dahinter verbirgt Marie Holjund, die sich bereits als Sängerin von Tiger Tunes einen Namen machen konnte und unlängst mit ihrem Album “The More” ihre Heimat verzückte. Das gelang ihr zusamen mit ihren beiden Begleitmusikern im Vorprogramm von Bat For Lashes im Mai noch nicht so recht, dennoch wollen wir dem Album natürlich eine Chance geben. Das ist nun schon gut zwei Monate in Deutschland zu haben und so konnte in der Zwischenzeit auch die Meinung über das Album ein wenig reifen.

Musikalisch ordnet sich Marie zusammen mit ihrem Songwriting-Partner Emil Thomsen irgendwo zwischen Björk und Kate Bush ein. In 12 Songs wollen sie den Hörer in verschrobene, experimentell verspielte und abgedrehte Songwelten entführen. Das klingt im Opener “Knight Song” dann mit Nintendo-Spielgeräuschen und Elektrofrickeleien noch ganz gut und hübsch. Bei Song 2 kommen mit E-Gitarre und lasziv hingehauchtem Gesang dann ganz deutliche Björk-Parallelen zu Tage. Etwas zu deutlich, so dass der Song eher abgekupfert, als wirklich originell wirkt. Doch “The More” hat natürlich mehr als eine bloße Björk-Hommage. Da gibt es auch Momente mit ausgefallenen Arrangements, die richtig Laune auf das Duo machen. Wenn sich etwa in “Hip” Piano, Bass, Schlagzeug und E-Gitarre gut gelaunt auslassen bringt das schon mehr als nur den Fuß dazu im Takt mit zu wippen. Auch der Song “Lost Ship” ist einer dieser lichteren Momente mit energischem Gesang und düster grummelnder Instrumentierung. Zu häufig geht allerdings die Spielwut mit den Musikern durch und so strapazieren sie ihren Output an aneinandergereihten Beats und Wechseln von laut zu leise etwas sehr über, so dass aus einem Hörgenuss schnell eher genervtes Weiterskippen wird.

★★★★★½☆☆☆☆
Marybell Katastrophy
Gratis-Download “Whiteboard” auf der Label-Homepage


Hip

Marybell Katastrophy | MySpace Video

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Bat For Lashes + Marybell Katastrophy, Köln, Kulturkirche, 18. Mai 2009

Die Kölner Kulturkirche ist eigentlich ein wundervoller Ort für Konzerte, sieht toll aus, bietet einen schönen Sound und eine Bühne mit angenehmer Höhe. Das Programm ist eigentlich auch immer gut, denken wir nur an Jakob Dylan, Franz Ferdinand, die Editors und bald auch Scott Matthew. Da wäre doch eigentlich auch große Freude beim Personal angebracht. Leider Fehlanzeige, denn das Ordnungspersonal – sogenannte Securities – schaffen es immer wieder ein Konzerterlebnis in der schmucken Kölner Kirche zu trüben. Das beginnt mit unfreundlichen Kommentaren in Richtung wartender Menge vor der Kirche, setzt sich in der Kirche mit unglaublicher Wichtigtuerei und übertrieben rohem Vorgehen gegenüber den Konzertgängern fort. Nein wir übertreiben nicht, oder habt ihr es schon einmal erlebt, dass jemandem die Kamera beinahe aus der Hand gehauen wird? Dass man dann als Nebenstehender, der die Security drauf anspricht noch blöd angemacht und weggedrückt wird wundert dann auch gar nicht mehr. Dazu sei noch gesagt, wer uns persönlich kennt, weiß, dass wir nicht gerade streitsüchtig, oder besonders impertinet störende Menschen sind, die Auseinandersetzungen anziehen.

Aber nehmen wir mal allen Groll beiseite, der wohl einfach zur Location dazu gehört. Der Abend in der Kulturkirche gehörte Natasha Khan, besser bekannt als Bat For Lashes. Die veröffentlichte vor einigen Wochen ihr zweites Album “Two Suns”, mit dem sie nun durch Deutschland tourte. Von den ursprünglich vier geplanten Terminen fanden dann leider nur zwei statt, einer in Köln. Trotz weiter gewachsenem Hype gab es am Abend noch letzte Karten, eines unter anderem am Zaun der Kulturkirche, so dass es voll aber nicht überfüllt werden sollte. Die Eröffnung bestritten dann nach extrem langer Wartezeit mit komischer Hintergrundbeschallung Marybell Katastrophy. Das waren zwei Knaben, einer in komischer Skelett-Kostümierung, an Keyboards / Effektgeräten und eine junge Dame an der Gitarre in einem hübschem Kleid, das mit großen Knöpfen besetzt war. Das Trio spielte eine ganz eigene Mischung aus Elektro-Rock mit polternden Beats, schreiender Gitarre, einem Spielzeugauto und quietschender Sängerin. In der Kulturkirche kam das wohl nicht so gut an, unsere Ohren verdauen es derzeit noch.

Nach ca. 30 Minuten Marybell Katastrophy und anschließender sehr langer Umbaupause, bei der Lichterketten auf der Bühne von A nach B getragen, Kerzen angezündet und Engel eingeschaltet, ein paar Instrumente gestimmt wurden, aber die meiste Zeit nichts geschah, betrat dann Bat For Lashes nebst dreiköpfiger Band die Bühne der Kulturkirche. In maßgeschneidertem schwarz-weiß gestreiftem Overall bewegte sie sich grazil auf’s Mikro zu und intonierte sanft die ersten Zeilen von “Glass”, dem Opener von “Two Suns”. Ab dem ersten Ton war das zuvor leicht unruhige Publikum gebannt und lauschte wie verzaubert der vollen und tiefen Stimme von Natasha. Im Zusammenspiel mit den imposanten Drums des Stücks und den Gesangsparts von Natasha war das Stück gleich der erste Gänsehautmoment des Abends, der gleichzeitig so schön war, dass er auch für das ein oder andere Tränchen gesorgt haben dürfte. So ähnlich ging es dann auch weiter, wobei die Dramatik des Abends nicht immer perfekt gestrickt war. Das war auch deutlich an den Reaktionen des Publikums zu erkennen. Bei Stücken, wie “Glass”, “Siren Song” und “Horse And I”, die auch mal etwas lauter, oder schneller werden war das Publikum förmlich verzaubert. Es gab allerdings auch einige Längen, in denen das ein oder andere ruhige Stück zuviel aneinander gereiht wurde. Da diese nicht immer die größte Unterscheidbarkeit besitzen wurde es dann schon etwas langatmig Natasha Khan beim dritten Lied in Folge versteckt hinter ihrem Klavier zu zu schauen. Das sollte aber natürlich nicht die Gewissheit trüben, ein über die größten Strecken wunderschönes und Gänsehaut erzeugendes Set aus esoterischen bis bombastischen Stücken gesehen zu haben, die vor allem durch die Einzigartigkeit der stimmlichen Kraft von Natasha Khan überzeugten.

Fotos: Ariane WhiteTapes