Etwas mehr als ein Jahr nach seinem selbstbetitelten Debüt und …
Ólafur Arnalds / Kiasmos, Gleis 22, Münster, 22. November 2010

Ganz überraschend kündigte das Gleis 22 am 15. November an, dass bereits eine Woche später der junge Isländer Ólafur Arnalds seinen freien Tourtag nutzen würde, um eine exklusive Solo-Show im Münsteraner Kultladen zu spielen. Was genau zu erwarten war, war zu diesem Zeitpunkt noch unklar. Normalerweise spielt Ólafur Arnalds nämlich nicht solo, sondern mit Streichquartett. So geisterte denn auch der Name seines Nebenprojekts Kiasmos mit durch die Ankündigungen, schließlich ist Janus Rasmussen, die 2te Hälfte von Kiasmos auch Mitglied von Ólafur’s Tourtruppe und dort unter anderem für elektronische Effekte verantwortlich.
So recht schien auch der Isländer nicht zu wissen, was er da so vor hatte und schrieb vor dem Konzert bei Facebook “trying to prepare some vague ideas for my first full improvised solo set in Munster tonight. Janus will join me for a bit of it to do some sounds as well”. Wobei, eigentlich beschrieb er damit dann doch ganz gut, was den Besucher erwarten sollte. Die füllten zwar das Gleis 22 dann nicht bis zum Anschlag, waren aber dennoch zahlreich erschienen, ließen aber so viel Platz, das man gemütlich am Boden Platz nehmen konnte. Etwa eine 3/4 Stunde nach Einlass ging dann auch schon der Vorhang auf, hinter dem zuvor bereits einige flackernde Lichter zu sehen waren. Ólafur Arnalds betrat die Bühne und begann erst einmal die gesamte, auf der Bühne versammelte Technik zu erklären. Neben seinem Piano hatte er dort jede Menge Effektgeräte, Loops und sein Notebook aufgebaut. Auf dem hatte er bereits einige Notizen und Sounds gespeichert, die in der Folge in die Show einfließen sollten.
Nach dieser kurzen Einführung begann er dann bereits mit einer ersten Improvisation, die sich als ein typisches Ólafur Arnalds Stück mit gefühlvollem Piano und geschickt gesponnenem Spannungsbogen entpuppen sollte. In den Songpausen überspielte der Isländer seine Unsicherheit immer wieder mit kleinen Witzchen und weiteren Erklärungen, dessen, was nun passiere und welche technischen Geräte er dafür einsetzen würde. Für einige Songs holte er dann auch schon Janus und eine seiner Geigerinnen auf die Bühne, die ihren freien Tag nun also auch mit Arbeit verbrachten. Gerade Janus gab den Stücken einen deutlich elektronischeren Touch und bereitete so das vor, was später noch folgen sollte. Nach knapp 60 Minuten, die sich eher wie 20 anfühlten, war Ólafur Arnalds nämlich auch schon mit seiner Show fertig und verabschiedete sich kurz von der Bühne. Nicht aber, ohne kurze Zeit später wieder aufzutauchen und zusammen mit Janus den Bühnenaufbau ein wenig zu ändern, um im Anschluss mit ihm gemeinsam einige Kiasmos Songs vorzustellen. Aus schwelgerischer Stimmung wurde nun Tanzlaune und die zuvor auf der Bühne aufgestellten Kerzen ausgeblasen und durch Stroboskop-Licht ersetzt.
Ein Abend also mit viel Abwechslung, der wohl einer der experimentellsten freien Tage von Ólafur Arnalds gewesen sein dürfte. Sollte er also auf seiner nächsten Deutschland-Tour wieder nicht nach Münster kommen, findet sich ja vielleicht ein freier Tag. Wir wären jedenfalls gern wieder dabei.
Foto: Myspace
Gregor McEwan, Bam Boomerang, Dortmund, Teilchen & Beschleuniger, Münster, 16. & 18. November 2010

Zwei Abende zu Gast bei Gregor McEwan. So fühlte es sich zumindest für mich an. Gemütlichkeit gepaart mit Witz und Charme. Eine kleine Konversation mit Gitarre am Dienstag im „Partykeller vom Nachbarn“ – dem Bam Boomerang in Dortmund – und zwei Tage später im „heimischen Wohnzimmer“ – im Teilchen und Beschleuniger in Münster.
In Dortmund begrüßte uns Hagen Siems alias Gregor McEwan zu Beginn ganz allein mit seiner Gitarre auf der kleinen Bühne des Bam Boomerang. Ganz gespannt wartete ich nun bereits seit Wochen auf die offizielle Live-Performance der Songs von seinem Debütalbum „Houses and Homes“, das er letzte Woche veröffentlichte und das meiner Meinung nach diesen Herbst in keinem gut sortierten Plattenregal fehlen sollte.
Offiziell, weil Gregor oder Hagen ja schon bereits seit geraumer Zeit mit einigen dieser Titel unterwegs ist. Und so wurde in mir doch die eine oder andere Erinnerung an vergangene Auftritte wieder zum Leben erweckt.
Um kurz nach Acht stand er dann vor uns… mit Gitarre, gefülltem Rotweinglas und einem sympathischen Loch in seinem T-Shirt. Eben fast so, als hätten wir ihn daheim überrascht und er uns aber freundlicherweise trotzdem Einlass gewährt. Insgesamt machte Gregor McEwan auf mich einen sehr viel sichereren, selbstbewussteren Eindruck auf der Bühne als 2009.
Vielleicht lag es auch daran, dass der Großteil der Gäste wegen ihm da war und nicht wegen einer anderen Band, wie es sonst bei meinen Gregor McEwan Konzerten der Fall war. Aber selbstverständlich macht es einen Musiker ja auch stolz sein Album der Öffentlichkeit zu präsentieren.
Die ersten beiden Songs, die Herr Siems dem Dortmunder Publikum an diesem Abend präsentierte, sind auf „Houses and Homes“ gar nicht vertreten, aber auf keinen Fall von minderer Qualität. Die Auswahl, welche Titel aufs Album kommen und welche nicht, dürfte ihm wohl nicht ganz einfach gefallen sein. Vielleicht war der zweite vorgetragene Song „I wish I was your knickers“ der Plattenfirma auch ein wenig zu schlüpfrig.
An dritter Stelle des Sets stand Jonas Künne samt seiner Mandoline Gregor McEwan bei „The Banks“ unterstützend zur Seite. Wer regelmäßig Radio hört sollte über diesen Song bereits gestolpert sein. Definitiv einer meiner Favoriten auf der CD und auch live an diesem Abend… was vielleicht auch daher kommen könnte, dass mich Songs mit Mandolinen-Soli à la „Bottom of the glass“ von Black Rust irgendwie magisch anziehen. Ich kann mir da einfach nicht helfen, aber ich will es auch nicht. Nach „The Banks“ füllte sich die kleine Bühne nach und nach mit immer mehr Musikern. Erst Cyprian Piskurek an den Keys, dann später Patrick Scheipers an der Cayon.
Im Bam Boomerang – beim Takt der Stadt – ist es üblich, dass es nicht wie sonst ein Konzert gibt und am Ende zwei oder drei Zugaben gespielt werden, sondern dass es passend zum Fußball zwei Halbzeiten gibt mit einer etwas länger dauernden Pause dazwischen. Den ersten Teil der Halbzeit schloss Gregor mit „Drinking Burgundy“. Um nach Aussage Gregors noch ein engeres Gemeinschaftsgefühl zu erzeugen und wahrscheinlich auch um einige leider ziemlich unhöflichen Menschen ruhigzustellen, die meinten, dass es doch schöner wäre sich die ganze Zeit lautstark unterhalten zu müssen, präsentierte er uns eine silberne Kiste und animierte uns dazu nochmal ein wenig an unsere musikalische Früherziehung anzuknüpfen. Triangel war leider aus, also musste ich mich einer rasselnden Orange annehmen, die auch ein paar Shows vorher in eine kleine lustige Geschichte verwickelt war, die uns Gregor natürlich nicht vorenthielt.
Nach der Halbzeit begleitete dann auch Markus Surmann an der E-Gitarre Gregor bei den darauffolgenden Songs. Von „Canola Fields“ über „A Part Of You“ führte uns McEwan zu „10 Seconds“ der mich gerade durch das leichte Mitspiel der E-Gitarre total mitriss. Favorit Nummer zwei an diesem Abend. Über Brunswick und München ging es weiter zum „Pigeon Breeders Club“, meinem dritten Highlight im Bam Boomerang. Das mit der Gerüchteküche und der Kleinstadt oder auch dem Dorf kenne ich doch irgendwie aus eigener Erfahrung und von daher liebe ich diesen Song seit ich ihn das erste Mal bei Balcony TV im Januar 2009 gehört habe.
Zum krönenden Abschluss erzählte uns Gregor noch eine Geschichte namens „Change is always happening when I’m almost gone“.
Eine Nachspielzeit gab‘s trotz lauter Forderungen des Publikums leider nicht mehr, aber das entscheidet beim Fußball ja auch nicht der Pöbel, sondern der Schiedsrichter.

Zu Recht freute ich mich schon auf Donnerstag, wo uns Gregor McEwan (diesmal allerdings solo, wenn man von der Cajon mal absieht) zwischen Sofas und Häkeldeckchen im Teilchen und Beschleuniger begrüßte. Das kleine Eventcafé platzte bereits fast eine Stunde vor dem offiziell angekündigten Beginn beinahe aus allen Nähten.
Als Support war mit Daniel Just Krekelberg und Martin Kuntze die Hälfte von Just us and Jonas geladen, die die Gäste ausnahmsweise und für viele sicherlich neu akustisch in die passende Stimmung versetzte. Die sonst ja eher lauten und ungestüm nach vorn preschenden Gitarren und Vocals wurden von den Beiden komplett neu interpretiert und was mir dort in die Ohren drang, klang wirklich erstaunlich gut. Seit dem letzten akustischen Auftritt von Just us and Jonas im März war für mich doch eine fühlbare Steigerung zu spüren. Die Neuinterpretation von Titeln wie Love or leave tonight oder etwa Lime Street passte einfach perfekt zur gemütlichen Wohnzimmer-Atmosphäre des Teilchen und Beschleuniger.
Während des Auftritts herrschte leider noch ausgelassene Plauderstimmung bei den Gästen, die allerdings kurz darauf mucksmäuschenstill wurden, als Gregor McEwan dann die nicht vorhandene Bühne bestieg. Bereits nach den ersten Klängen seiner Gitarre und seiner Stimme hatte er das Münsteraner Publikum tief in seinen Bann gezogen.
Er erzeugte direkt von Anfang an eine unglaublich dichte und intensive Stimmung, welche durch das warme, gelbe Licht und die vielen Menschen im Teilchen und Beschleuniger noch zusätzlich verstärkt wurde. Nach dem zweiten oder dritten Song entschieden sich viele der vorher noch stehenden Gäste dazu sich auf dem Boden niederzulassen.
War ich Dienstag ja schon total begeistert, steigerte sich dieses Gefühl am Donnerstag wohl noch um das mindestens zehnfache. Gregor schaffte es auch ganz ohne Unterstützung der anderen Musiker alle Gäste zu überzeugen.
Wie zu erwarten, fehlte mir ein ganz klein wenig die Mandoline bei „The Banks“… allerdings gar nicht so sehr, wie ich es eigentlich erwartet hätte.
Irgendwie scheint es leider wohl auch gerade zur Gewohnheit zu werden, dass bei fast allen Konzerten, die ich besuche, der Strom ausfällt. Bei einem Akustikgig in einer so kleinen Location ist das natürlich nicht so tragisch. Ganz im Gegenteil. Im Dunkeln bei Kerzenschein und dem Leuchten des 24-Stunden-Rewes auf der anderen Straßenseite spielte Gregor einfach weiter und bat sogar darum, dass der Strom dann aber bitte auch die nächsten 3:20 Minuten weg bleiben sollte. So ganz haute das zwar nicht hin, aber es ging dann ja auch mit der elektrischen Unterstützung in Form von etwas Licht und dem wieder funktionierenden Amp und Mikro gut weiter.
Auch Münster kam in den Genuss der fortgeführten musikalischen Früherziehung, was diesmal (genau wie das imitierte Meeresrauschen, das ich für Dortmund noch gar nicht erwähnt habe) wesentlich besser klappte. An der Orange hatte ich ja bereits ein wenig Erfahrung sammeln können, weshalb ich das kleine Ding wieder einforderte. Aber auch meine Mitstreiter an den anderen Percussions schlugen sich ohne Übung wirklich sehr gut, was dazu führte, dass wir sie diesmal auch länger als einen Song behalten durften.
In Münster wurde Gregor auch nicht vom Veranstalter davon abgehalten Zugaben zu spielen und so kamen wir nach dem Set noch in den Genuss von ein paar weiteren Songs, die ich gar nicht mehr namentlich benennen kann, da ich den ganzen Abend wie in einem Trancezustand verbrachte.
Es war toll. Was soll ich noch mehr dazu sagen?
Außer vielleicht, dass ich einfach am liebsten bei der restlichen Tour mitreisen würde, um jeden Abend so begeistert ins Bett fallen zu können. Welche CD momentan bei mir in Dauerschleife läuft, dürfte nun wohl jedem klar sein.
Fotos: Chiara WhiteTapes
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Ólafur Arnalds / Kiasmos – nächsten Montag im Gleis 22

Das ist mal eine schöne Überraschung. Da ärgert man sich erst, es nicht zu einem Konzert der kürzlich beendeten Deutschland-Tour des jungen Isländers Ólafur Arnalds geschafft zu haben, da kündigt das Münsteraner Gleis 22 ganz überraschend ein Konzert mit dem Neo-Klassiker an. Das findet am nächsten Montag, den 22. November 2010 zur gewohnten Gleis 22 Zeit statt. Vorverkauf wird es nicht geben, also pünktlich an der Abendkasse erscheinen, 10 Euro Eintritt bereithalten und sich auf einen herrlich schwelgerischen Abend freuen. Mehr zum Event bei Facebook, dort heißt es:
“LAST MINUTE!!! Der Isländer ÓLAFUR ARNALDS ist bekannt für seine neo-klassischen Kompositionen, die den Zuhörer in andere Atmosphären schicken. Heute präsentiert Ólafur Arnalds einige seiner Songs vom neuen Album solo. Ein einmaliges und einzigartiges Ereignis auf deutschen Bühnen! Danach geht es nahtlos weiter mit ihm und seinem Projektpartner Janus, die als KIASMOS das Elektro-Pferd satteln und im kühnen Galopp auf die Tanzflächen treiben. Spread the word!!!”
Young Rebel Set, Sputnik-Halle, Münster, 24. September 2010

Denkt man an die Highlights des diesjährigen Haldern Pop Festivals, werden viele für den Samstag sicherlich Young Rebel Set nennen. Es war schon erstaunlich, wie gut sich der Reitplatz während des Sets der Nord-Engländer füllte. Also zumindest untypisch für die Uhrzeit auf dem Haldern Pop. Der Grund dafür war natürlich klar, denn die Indie-Folk-Rocker spielten ein mitreißendes Set mit tollen Songs, die das Publikum früh anheizten.
Als Fans der Band freuten wir uns dabei umso mehr, dass Young Rebel Set also auch live eine Bank zu sein scheinen und freuten uns denn auch auf den Abstecher der Jungs nach Münster. Da waren wir nicht die einzigen und so warteten bereits vor Einlass nicht wenige Fans vor der Sputnik-Halle. Die erlebten einen verspäteten Einlass bei herbstlichen Temperaturen und im Anschluss langes Warten auf Young Rebel Set. Das wurde durch die Vorband nicht unbedingt verkürzt, war aber auch irgendwann vorüber. Young Rebel Set kamen gut gelaunt auf die Bühne und übertrugen das auch schnell auf das zahlreich erschienene Publikum.
Einzig die Ansagen der Band wollten nicht so recht zünden. Aber Frontmann Billy The Kid machte es den Anwesenden mit seinem genuschelten Northern Accent auch nicht wirklich leicht. Aber die Leute waren ja wegen der Musik gekommen und die war gut. Egal, ob es sich nun um Stücke vom selbstbetitelten Mini-Album handelte, oder um noch unbekanntes Material. Alle waren in Tanz- und Feierlaune. Trotz für die Sputnik-Halle eher untypischen Folk- und Country-Sounds. Auch untypisch die ruhigeren Töne, als Sänger Billy The Kid nach einer kurzen Pause ganz allein auf der Bühne stand. Dort sang er zunächst ganz allein mit seiner Gitarre und kurz darauf von einem Gitarristen begleitet einige ruhigere Nummern zum Besten.
Im Anschluss folgte der finale Part mit den Hits “Walk On” und natürlich auch “If I Was”. Hier kochte auch die Stimmung noch einmal ganz hoch. Young Rebel Set belegten an diesem Abend, dass es ihnen auch ohne die Sonne des Haldern Pop gelingt ein mitreißendes Set mit viel guter Laune zu spielen und sie immer für eine Party gut sind. Dazu passte auch die Einladung der Band, die verkündete nämlich, dass es Backstage so viel zu trinken gäbe, dass jeder der Lust hat, eingeladen sei mit der Band anzustoßen.
Fotos: Ariane WhiteTapes, mehr vom Abend hier
Pete & The Pirates, Gleis 22, Münster, 07. September 2010

Man muss ja sagen, es ist durchaus eine der guten Seiten der deutschen “Über Musik berichtenden Szene”, dass sie nicht jeden Hype aus dem NME aufnimmt und hier auch abfeiert. Hier wird gefeiert was gefällt und wenn sich das mit dem NME überschneidet, so what. Manchmal liegt aber auch der NME richtig und die deutsche Szene sollte da vertrauen und sich einen Hype einmal genauer ansehen. Zum Beispiel das Quintett Pete & The Pirates aus Reading. Das wurde schon früh vom NME abgefeiert. Große Aufmerksamkeit konnten sie in Deutschland jedoch nie erzeugen. Völlig zu unrecht, ist die junge Band doch eine der originelleren und vor allem unterhaltsameren Indie-Rock Bands. Aber wenn schon die Kritiker die Band nicht mitbekommen, dann baut man sich halt selbst eine Fanbase auf. Darin sind Pete & The Pirates verdammt gut. Bereits bei ihrem letzten Deutschland-Besuch vor knapp zwei Jahren im Kölner Studio 672 füllten sie den Club fast bis zum Anschlag. Und auch in Münster zeigte sich, dass die Band, die ihr Debüt-Album “Little Death” 2008 beinahe komplett unter Ausschluss der Öffentlichkeit veröffentlichte, es unter Musikfreunden zu einem ausgewachsenen Geheim-Tipp geschafft hat.
Der Münsteraner Kult-Club war zwar bei der Vorband noch spärlich gefüllt, das hatte aber auch seinen Grund. Der klang stark inspiriert von den Kilians und spielte eine halbe Stunde lang ein Lied. Es folgte eine lange Umbaupause, in der es im Gleis 22 dann auch langsam kuschelig wurde. Anfang des Jahres erschien “Little Death” auch hier, das hat zwar die oben erwähnte Szene nicht bemerkt, aber immerhein Musikfans im Münsterland und die feierten ab der ersten Minute euphorisch mit der Band aus Reading. Pete & The Pirates hatten die Zuschauer schnell um den Finger gewickelt und durften sich über fröhliches Mitzappeln im Publikum freuen. Die schnellen Songs mit den überraschenden Wechseln und der extremen Melodieverliebtheit, in der viele kleine Details das durch die versprühte gute Laune bereits große Grinsen, noch weiter wachsen ließen. Auch die vielen neuen Stücke wussten sofort zu überzeugen, genau genommen spürte man im Publikum nicht eine Spur von unterschiedlichen Reaktionen. Der Applaus war nach jedem Song riesig und die knapp 50 Minuten rauschten nur so im Gleis 22 vorbei.

Entsprechend groß waren dann die Forderungen nach einer Zugabe, für die Pete & The Pirates dann auch schnell zurück kehrten. “Jennifer” und “Come On Feet” standen auf dem Plan und das Publikum drehte noch einmal komplett frei. Thomas Sanders und seine Jungs auch. Besonders über Thomas ließ sich sagen, dass er an diesem Abend eine noch souveränere Figur als Sänger machte, als noch vor zwei Jahren in Köln, oder vor einem Jahr als wir seine Band in Brüssel sahen. Nun führte er die Band, war präsent und bildete eindeutig den Mittelpunkt der Bühnenperformance. Vielleicht hatte er sich einiges von Morrissey abgeschaut und vermutlich auch von Paul Smith, mit dem durfte er ja bereits das ein oder andere Konzert spielen. Das tat dem Auftritt der bereits stark aufspielenden Band in sofern gut, da es nun einen Fixpunkt mit Präsenz gab, an dem sich der Abend ausrichtete. Bisher war es bei Konzerten von Pete & The Pirates nämlich eher so, dass eine starke Band, ohne starken Frontmann auskommen musste und so vielleicht nicht jeden mitreißen konnte, da viele Leute auch eine Identifikationfigur brauchen. Das haben Pete & The Pirates nun jedenfalls geschafft und den Weg geebnet für ihren baldigen Durchbruch in Deutschland. Wenn sie dabei so auf dem Boden bleiben, wie an diesem Abend in Münster, dann steht der Band hier noch einiges bevor. Nach der Show reichte Bassist Peter Cattermaul dann auch noch jedem der Zuschauer am Ausgang die Hand zum Abschied und entließ so wohl auch den letzten mit einem guten Gefühl in die Nacht.
Fotos: Ariane WhiteTapes, noch mehr vom Abend hier
Kevin Devine, AMP, Münster, 31. Juli 2010

Ob Kevin Devine eigentlich noch die Zahl seiner Konzerte zählt? Jedenfalls scheint der New Yorker pausenlos auf Tour zu sein und nur ab und zu kurz zu pausieren, um mal wieder ein neues Album einzuspielen. Neben seiner Heimat hat er sich auch in Deutschland so einen Ruf als unterhaltsamer Songwriter mit guter Laune und einer starken Bühnenpräsenz erarbeitet. Auch im AMP dankt man ihm das und man durfte am Samstag seinen mittlerweile vierten Besuch in der ehemaligen Bananenreiferei zählen. Da der 30jährige Brooklyn Boy somit kein Unbekannter im AMP war, wurde auch gleich der Einlass und der Konzertbeginn um eine Stunde vorverlegt. Denn wenn Kevin Devine einmal in Fahrt ist, dauert ein Konzert von ihm auch mal gern etwas länger. Ein kluger Entschluss, wie sich später zeigen sollte. Doch eins nach dem anderen. Denn zunächst sah es danach aus, als würde Kevin Devine seinen Bestimmungsort gar nicht erst erreichen. Einige Stunden vor seinem Konzert meinte er nämlich auf seinem Twitter: “Didn’t know there was ‘Munster’ and ‘Münster.’ Neither did the Deutschlanders looking at my itinerary. 3hrs/200km added to the trip? Sure!”. Nach einem kleinen Ausflug nach Niedersachsen kam Kevin Devine dann aber doch pünktlich im Münsterland an, um zu seinem Set anzutreten.
Mit im Gepäck hatte er nur seine Gitarre und sein aktuelles Album “Brother’s Blood”. Seine Band ist zu Hause geblieben. Aber auch ohne die schafft er es sein Publikum ab der ersten Minute zu fesseln. Auch an diesem Abend im AMP, an dem ca. 100 Fans der Singer-Songwriter Kunst den Weg zu Kevin Devine gefunden haben. Der war erwartet gut aufgelegt und gab seine Songs immer mit einem leicht verschmitzten Lächeln auf den Lippen zum Besten. Mit viel Gefühl in der Stimme und einem gelungenen Timing ließ er die Stimmung wachsen. Aufgelockert wurde der Abend durch kleine Geschichten, die Kevin Devine erzählte. Darunter auch die Anekdote seines kleinen Ausflugs nach Münster, zu der sich ein Mädchen im Publikum outete, dem genau das auch schon einmal passiert war. Auf seine Nachfrage, ob jemand irgend etwas habe, über das er reden möchte, wurde er nach der BP Ölkrise gefragt und gab auch hierauf ausführlich Auskunft, wenn auch das Thema vielleicht nicht so ins Set passte. Das verging wie im Fluge und bewegte sich stets auf hohem Niveau. Ein Elliott Smith Cover mit zugehöriger Drogenerfahrungsgeschichte stach dennoch heraus. Nach nicht ganz zwei Stunden und vielen neuen und alten Songs verabschiedete sich der Brooklyn Boy dann das erste Mal von der Bühne, um aber direkt zurück zu kehren und noch einmal eine Hand voll Zugaben zu spielen, um die zwei Stunden voll zu machen. Kevin Devine ist nicht zu unrecht ein willkommer Gast im AMP und wird nach diesem gelungenen Abend sicherlich wieder einmal einen Abstecher nach Münster wagen. Die an diesem Abend Anwesenden werden sicher auch wieder zugegen sein.
Fotos: Ariane WhiteTapes, mehr hier
Heute im AMP: The Wave Pictures + Sonofold

Vor gerade einmal einem halben Jahr waren die Folk-Indie-Popper von The Wave Pictures das letzte Mal im AMP. Eigentlich bereits eine viel zu lange Zeit, dachte sich wohl auch das Trio und so kann man heute wieder den großartigen Songs von The Wave Pictures im AMP lauschen. Unterstützt werden sie von den Münchnern Sonofold, die ebenfalls hübsche Folk angehauchte Songs mitbringen.
Termin: Sa. 08.05. // Beginn: 21h30 // Einlass: 21h00 // Eintritt: 2eur, weitere Infos hier
The Tunics, AMP, Münster, 24. April 2010

Seit ein paar Monaten gibt es in Münsters schönem Club unter dem Fruchtmarkt, der vor vielen Jahren einmal “Bananenreiferei” hieß und nun einfach AMP heißt, eine schöne neue Form von Konzerten. Im Rahmen der Indie-Party am Mittwoch, Freitag, oder Samstag gibt es zu vorgerückter Stunde noch ein kurzes Set einer Band, mit einem tanzbaren Sound. Das wurde bisher immer gut angenommen, am vergangenen Samstag gab es aber nun eine Premiere, denn erstmals gab es Indie-Rock als Party-Act. Vorgetragen von The Tunics aus England, die dieser Tage als Support von Nada Surf in deutschen Landen unterwegs sind und ihre freien Tage sinnvoll nutzen wollten.
Und etwas sinnvolleres als einen Auftritt im AMP gibt es nun einmal nicht, also machten sie logischerweise genau das.
Als zum Einlass aber gerade einmal 10 Leute auftauchten schien es noch so, als würde Indie-Rock als Party-Act eher so begehrt sein, wie Deutschland Sucht den Superstar Gewinner Merzad Marashi im Line-Up von Rock am Ring. Aber da der Einlass bereits um 22:30 Uhr war und der Beginn für 0:00 Uhr angesetzt wurde, war noch viel Zeit für Münsters Party-Volk den Weg in Münsters gute Party-Stube zu finden. Das taten sie dann auch zahlreich und zum Beginn des Sets um dann erst 0:30 Uhr war das AMP proppevoll. Nicht wegen The Tunics, sondern wegen der Party, dass eine Band auf der Bühne stand wurde dennoch wohlwollend aufgenommen und The Tunics höflich begrüßt. Verhaltene Höflichkeit, die sich aber bereits im Laufe des ersten Songs in fröhliche Tanzlaune wandelte. Aber mit ihrem zackigen, typisch britischen Indie-Rocksound lieferten sie schließlich auch dankbare Sounds mit hübschen Hooks und eingängigen Refrains, die genau richtig für eine Meute jugendlicher in Partylaune sind. Einziger Wermutstropfen im hübschen 30 minütigen Set eigentlich nur der Drummer von The Tunics, der auf seine Felle eindrosch, als würde er für Metallica spielen. So waren die Drums etwas überpräsent, was dem Sound von The Tunics stellenweise nicht wirklich gut tat, aber vielleicht wollte der Drummer auch nur die Beats für die jungen Menschen in Tanzlaune bieten. Egal, mit The Tunics feierte Indie-Rock als Party-Act im AMP eine gelungene Premiere. Und The Tunics haben zudem alles andere als schlechte Werbung für sich gemacht.
Fotos: Ariane WhiteTapes
We Were Promised Jetpacks + Dupec, Gleis 22, Münster, 20. April 2010

Ihnen wurden Raketenrucksäcke versprochen. Als sie die dann hatten, flogen sie auf große Tour quer über die gesamte Weltkugel. Auf der amerikanischen Landmasse haben sie mittlerweile ihre großen Vorbilder von Frightened Rabbit überflügelt und auch in Europa reißen sich die Fans so sehr um sie, dass auch ihre dritte Deutschland-Tour innerhalb von etwas mehr als sechs Monaten ausverkauft war. Die Zeichen stehen also gut für We Were Promised Jetpacks. Die Gründe dafür haben wir hier auch bereits das ein oder andere Mal geschildert, deshalb war der zweite Besuch der Band im Gleis 22 natürlich auch wieder Pflicht für uns.
Vor allem, weil sie dieses Mal mit ihren Freunden von Dupec aus Edinburgh einen mehr als großartigen Support im Programm hatten. Schottische Invasion also in Münsters zweitbester Konzertlocation. Wie sich das im Gleis 22 gehört begann das Programm dann auch pünktlich um 21 Uhr. Ausverkauft bedeutete auch, dass es zum Beginn des Dupec Sets bereits reichlich gefüllt war und das Trio aus Edinburgh vor einer größeren Masse spielen, als sie es von zu Hause gewohnt sein dürften.
Mit ihrem rauen Rock-Sound spielten sie stark auf und gaben von Beginn an alles. Sänger James Yuill haute ordentlich in die Saiten und gab auch in Gesang und Bewegungsfreude alles. Das nahm auch das Publikum dankbar auf und ließ sich zu zumindest etwas Bewegung hin und vor allem mehr als höflichem Applaus hinreißen. Neben unterhaltsamem Rocksound hatten Dupec aber auch komische Momente im Set zu bieten. Wobei die Komik sicherlich nicht beabsichtigt war, denn die ergab sich nur daraus, dass die Besucher nicht mit James’ genuscheltem schottischen Akzent klar kamen und seine Ansagen meist nur mit einem “häh?”, oder “wir verstehen dich nicht” beantworteten. Von diesen kleinen Kommunikationsproblemen einmal abgesehen kamen Dupec besser an, als sie es sich vielleicht ausgemalt hätten und verließen mit fröhlichen Gesichtern die Bühne.
Auf der wurde dann auch in knapp 15 Minuten umgebaut, damit jene, denen Raketenrucksäcke versprochen wurden, Punkt 22 Uhr. Wie schon im September starteten sie mit dem Einspielen von “A Half Built House”, das sie direkt in “It’s Thunder And It’s Lightning” übergehen ließen. Die Stimmung war mit fortschreitendem Gitarren-Gewitter immer besser und bereits während des ersten Stücks Tanz- und Mosh-Laune in den vorderen Reihen. Beim folgenden “Quiet Little Voices” brachen dann alle Dämme und das Publikum bewegte sich wellenförmig nach vorn. Der wahre Held des Songs war allerdings eine Discokugel, die dem stetigen Kontakt mit in die Höhe gerissenen Armen nicht stand hielt und den Weg nach unten suchte. Auf dem Weg dahin richtete sie glücklicherweise keinen größeren Schaden an und konnte am Ende des Songs gen Mischpult außer Gefahr gebracht werden.

Das Set von We Were Promised Jetpacks gewann immer mehr an Fahrt und das Publikum nahm jede Note dankbar auf. Nur zeigte sich auch wieder eine der Schwächen der Band, die spielte auf der Bühne ganz in ihrer eigenen Welt versunken, ein wirklicher Kontakt zum Publikum wurde nicht hergestellt. Das feierte auch ohne Kontakt zur Band und genug Stoff dazu wurde ihnen von der Bühne geliefert. Und das was da geliefert wurde war wie schon im September absolut zuverlässig. Unterschiede zum vergangenen Auftritt im Gleis 22 suchte man deshalb auch mit der Lupe. Glücklicherweise gab es sie, denn sonst wäre der Auftritt von We Were Promised Jetpacks allzu langweilig geworden. Ein paar neue Songs sorgten nämlich für das Quäntchen Variation, das aus einem okayen Konzert ein tolles machten. Ob man bei ruhigeren Momenten der Band dennoch versuchen muss zu moshen, oder die arme Band ankreischen muss, als würde da Mick Jagger stehen, sei einmal dahin gestellt, einen schönen Abend mit zwei tollen schottischen Bands konnte es nicht trüben.
Fotos: Ariane WhiteTapes
Eight Legs + Sunday Chocolate Club, AMP, Münster, 17. April 2010

Unfassbar, ganze fünf Jahre ist es bereits her, dass wir den Sunday Chocolate Club das erste und das letzte Mal live gesehen haben. Damals noch als Quartett im Vorprogramm des wunderbaren Gus Black im ebenfalls wunderbaren Gleis 22. Aber so ist das wohl mit lokalen Bands, manchmal kreuzen sich die Wege doch ziemlich selten. Mittlerweile spielte die Band aus Münster und Bielefeld natürlich einige Konzerte in Münster und hat mit Klubgrün noch ein Nebenprojekt gegründet, dass wir ebenfalls mehr als empfehlen können. Fünf Jahre nachdem wir den sonntäglichen Schokoladenverein also das letzte Mal gesehen haben, hatten wir nun Gelegenheit, im Münsteraner AMP einmal zu sehen, wie sich die Band in der Zwischenzeit entwickelt hat. Natürlich sollten sie wieder den Support geben,
dieses Mal für die deutlich jüngeren Eight Legs.
Das sollte auch das Publikum deutlich jünger halten, so dass wohl die wenigsten, die an diesem Abend im AMP waren Sunday Chocolate Club kannten, von Gus Black ganz zu schweigen. Das führte zu verhaltener Begeisterung der Anwesenden zu Beginn des Sets, in dessen Verlauf aber immer mehr, der auf die Eight Legs wartenden Konzertbesucher sich vom zackigen Indie-Rock des Sunday Chocolate Club begeistern ließen. Bei einigen wurde aus zunächst zurück haltendem Mitwippen sogar ein ausgelassenes Tanzen. Die Laune der Band stieg in gleichem Maße, wie die Begeisterung der Besucher. Kein Wunder eigentlich, dürfte doch die Mischung aus Indie- und Brit-Rock, irgendwo zwischen den Kaiser Chiefs, The Futureheads, Pulp und The Smiths genau nach dem Geschmack der heutigen Indie-Szene sein. Da war es natürlich um so großartiger, dass das Trio nach knapp 30 Minuten Set vom Publikum noch einmal für eine Zugabe auf die Bühne zurück gefordert wurden, die sie natürlich auch wahr genommen haben.
Die anschließende Umbaupause dauerte länger als erwartet, der Eight Legs Tourmanager ließ sich Zeit, die Mikros auszurichten, die Gitarren aufzubauen, das Drum-Kit umzubauen, Bier bereit zu stellen und die Set-Lists auszulegen. In der Zwischenzeit wurde auch der seitliche Vorhang der Bühne geöffnet, damit auch alle Anwesenden etwas von der Bühne sehen konnten. Immer ein gutes Zeichen, denn das bedeutet natürlich gute Besucherzahlen, für die die Eight Legs bei ihren Besuchen im AMP eigentlich auch immer sorgen.

Irgendwann betraten die vier Eight Legs dann auch endlich die Bühne und sorgten beim Publikum, wie auch bei ihren bisherigen Besuchen im AMP wieder für ausgelassene Tanzstimmung. Dabei waren es vor allem wieder die Songs des Debüts “Searching For The Simple Life”, die für die größte Begeisterung sorgten. Die Eight Legs haben wir zwar schon deutlich ausgelassener und Bewegungsfreudiger erlebt, aber von einfach runter gespielt war das auch weit entfernt und für gute Samstagabend-Stimmung reichte das allemal. Mit noch ein bisschen mehr Jubel, als beim Sunday Chocolate Club wurden die Eight Legs dann nach ihrem Set in die AMP Party-Nacht entlassen, bei der sie sich dann auch wieder einmal am DJ-Pult verdingt haben. Auch das, ein Ritual, das sie bei keinem Besuch im AMP auslassen.
Fotos: Ariane WhiteTapes














