Etwas mehr als ein Jahr nach seinem selbstbetitelten Debüt und …
Sunday Chocolate Club – Tour-Tagebuch pt. 2

Tag Nummer zwei unserer kleinen Rundreise. Heute steht Osnabrück und das Glanz & Gloria auf dem Tourplan. Die Reisegruppe – äh, die Band – findet sich pünktlich zum beladen des Band-Bullis ein und saust alsbald Richtung A33. Wegen Stauwarnung versucht es Jan mit einer Umleitung. Aber wir haben Pech und finden uns schnell auf irgendwelchen Feldwegen wieder, die mitten in der Wildnis zu enden scheinen. So kommen wir leider viel zu spät in Osnabrück an und müssen dort auch noch nach dem Club fragen. Puh.
In größter Eile laden wir aus und schließen das Equipment an – das ganze Equipment? Nein, ein Verstärker streikt und wir müssen, aus Mangel an einer Gesangsanlage, nun Gesang und Gitarre über einen Verstärker laufen lassen. Super Sound! Derweil wird die Schlange vor dem Glanz & Gloria immer größer und die ersten Leute werden schon eingelassen, als wir endlich soundchecken.
Dann warten. Punkt 22 Uhr betreten wir endlich die Bühne des mittlerweile vollen Clubs. Die Stimmung ist gut und schon nach den ersten Takten wird ausgelassen getanzt. Da es sich um eine Semester Start-Party handelt haben wir eigentlich nur 40 Minuten Spielzeit, aber am Ende haben wir fast eine Stunde gespielt und die Leute sind begeistert und applaudieren lautstark. Mehr geht nicht.
Mit den Instrumenten auf dem Rücken wühlen wir uns nach dem Gig durch die tanzende Menschenmasse – die Bühne wird für die Party gebraucht. Nach einer gefühlten Stunde haben wir´s geschafft, der Bulli ist beladen und es geht wieder zurück auf die Autobahn. Fazit: Osnabrück rockt!
Sunday Chocolate Club auf Tour:
21. Oktober, Hamburg, Pooca
30. Oktober, Herzebrock-Clarholz, MUK
Foto: Ariane WhiteTapes, mehr aus Warendorf hier
Beat!Beat!Beat! + Miyagi, Kleine Freiheit, Osnabrück, 15. April 2010

Seit geraumer Zeit begleiten uns die Viersener von Beat!Beat!Beat! nun schon immer mal wieder thematisch. Nur zu einer livehaftigen Begegnung kam es bisher nicht. Vor allem lag das natürlich daran, dass es die Band, obwohl Viersen jetzt nicht so weit entfernt ist, bisher nicht für einen Abstecher in die Nähe des Münsterlands gebucht wurde. Das Popsalon Festival, das dieses Jahr erstmals in Osnabrück ausgerichtet wurde, sollte diesen Umstand nun ändern. Eine halbe Stunde Autofahrt ist für eine der – dem Hype nach – nächsten großen deutschen Indie-Bands ja schließlich machbar. Zumal die Macher des Festivals ein goldenes Händchen am ersten Festival-Tag bewiesen und ins Vorprogramm die Münsteraner von Miyagi gesteckt haben. Ein hochkarätiger Abend also, für den ein Münsteraner sich sogar freiwillig nach Osnabrück macht.
Der Abend wurde eröffnet durch einen verspäteten Start in einer sehr gut gefüllten Kleinen Freiheit in Osnabrück. Ein Club, der ein recht eigenes Flair hat. Man wird durch einen ausrangierten Bus geleitet, der als Eingang dient und darf dann durch eine kleine Strandlandschaft in das Gebäude eintreten. Das hat mit seinem Fliesenboden, der Fensterfront zur rechten des Raumes und der Bühne, die nur ca. zwei Stufen hoch ist, den Charme eines evangelischen Gemeindezentrums, in das sich jede Menge Astra Reklamen, ein paar Sofas und eine Theke verirrt haben. Aber Musik ist ja schließlich auch so eine Art Religion, also lässt sich auch in einem solchen Ambiente gut feiern.
Etwa eine halbe bis dreiviertel Stunde später als geplant eröffneten dann Miyagi die Popsalon Messe, ähem, das Popsalon Festival. Der Platz im Line-Up war schon etwas komisch, da Miyagi gerade an ihrem zweiten Album arbeiten und Beat!Beat!Beat! gerade einmal ihre “Stars” EP veröffentlicht haben. Dennoch sollte sich gerade diese Entscheidung der Macher als gute Idee erweisen, denn so war der Club bereits sehr früh gut gefüllt. So konnten Miyagi dann auch gleich vor voller Hütte ihre Live-Qualitäten unter Beweis stellen. Die haben wir hier ja auch schon das ein oder andere Mal geschildert und auf die Münsteraner war auch dieses Mal Verlass. Die gesamte Band war von Beginn an voll da und lieferte ein schweißtreibendes Set aus alten Bekannten, aber auch einer Reihe neuer Songs.
Dabei ließen sie nichts anbrennen und hauten schon sehr früh mit “Whatever 2.0″ ihren größten Hit raus. Die Stimmung kochte dadurch schnell hoch und sorgte bei einigen für ausgelassene Tanzstimmung, die Sänger Stefan und Bassist Axel durch den ein oder anderen Besuch im Publikum immer wieder entfachten. Besonders erwies sich bei Miyagi auch in diesem Set wieder der Wechsel zwischen beinahe post-rockigen Instrumental-Passagen mit zwei Schlagzeugen und schnell gespielten Indie-Rock-Passagen mit gehetztem Gesang als wahrer Glücksgriff und sorgte für ein zugleich spannendes und unterhaltsames Set. Kein Wunder also, dass die Jungs nach ihrem knapp 45minütigen Auftritt mit viel Jubel und Zugabe-Rufen auf die Bühne zurück gerufen wurden. Recht zügig kamen sie dann auch zurück, um ein längeres Intro zu spielen, dass direkt in die obligatorische Zugabe “Ice Cream” überging.

Miyagi hatten das Publikum ordentlich angeheizt für die jungen Newcomer aus Viersen, die sich anschließend mit ihrem Aufbau beeilten, damit die Besucher der Kleinen Freiheit auch warm bleiben. Vom Sound her etwas ruhiger und unaufgeregter starteten die dann zügig in ihr Set und hatten auch keine Schwierigkeiten das Publikum für sich zu gewinnen. Live zeigten Beat!Beat!Beat! auch direkt, dass der ewige Foals Vergleich wohl aus der gemeinsamen Liebe der Bands für Gitarren-Pickings rührt. Im Sound schlägt sich das bei den vier Viersenern allerdings völlig anders nieder, als bei den Londoner Fohlen. Hier geht die Reise deutlicher in Richtung Brit-Rock mit einer großen Note Indie, von Math-Rock ist bei Beat!Beat!Beat! kaum eine Spur.
Durch den etwas ruhigeren Anstrich ihrer Songs sorgten die Jungs zwar nicht für eine derart ausgelassene Tanzstimmung, wie ihre Label-Mates von Miyagi, konnten aber dennoch beinahe auf der ganzen Linie überzeugen. Zwar merkte man ihnen die Aufregung stellenweise deutlich an, aber das legt sich auch noch und fällt kaum ins Gewicht, wenn man Hits, wie “Fireworks”, “We Are Waves” und insbesondere das grandiose “Stars” im Gepäck hat. Nach nur knapp 30 Minuten war dann zwar schon Schluss mit dem regulären Set, aber mehr kann man nach einer EP auch nicht erwarten. Der Applaus sprach für sich und lässt die Erkenntnis reifen, von Beat!Beat!Beat! werden wir in den nächsten Monaten noch hören, wenn sie beweisen, dass sie mehr als ein kleiner Indie-Hype vom Niederrhein sind.
Fotos: Chiara Jana
The Cinematics + Johann van der Smut, Glanz & Gloria, Osnabrück, 24. Februar 2010

“Moving To Berlin” heißt ein Stück auf dem zweiten The Cinematics Album “Love And Terror”. Nicht nur ein einfacher Songtitel, sondern auch ein konkreter Plan, wie Sänger Scott Rinning im Interview mit uns andeutete. Tatsächlich haben sie diesen Plan nun im Januar umgesetzt und nennen die deutsche Hauptstadt nun seit einem Monat ihre Heimat. Da man auch besonders natürlich immer die Heimat mit ausgedehnten Tourneen bedienen muss, machte sich das Quartett nach einer Tour im September und der nächsten Tour im November nun Ende Februar wieder auf, Clubs in ganz Deutschland zu besuchen. Ein Abstecher ins Kölner Gebäude 9 war im November zwar eigentlich bereits gut erreichbar, wir verzichteten dennoch drauf, als wir sahen, dass The Cinematics bereits im Februar im Osnabrücker Glanz & Gloria vorbei schauen würden.
Die Wetterlage unterschied sich im Vergleich zum November auch nicht groß und zeigte sich diesigem Regenwetter wieder von seiner schottischten Seite. Das wollten die lokalen Veranstalter in Osnabrück dann auch anscheinend gleich feiern und ließen die bereits zahlreich erschienenen Besucher noch eine halbe Stunde länger als geplant vor der Studentenkneipe warten. Bei Regen ist das eben besonders schön. Pünktlich zum geplanten Beginn um 21:30 Uhr durfte dann doch eingetreten werden. Als dann die Vorgruppe Johann van der Smut, die extra aus dem schönen Sauerland angereist waren, die Bühne betraten war die kleine Kellerkneipe auch bereits gut gefüllt. Etwas mehr als 100 Besucher hatten den Weg durch den Regen am Mittwochabend gefunden. Der Name The Cinematics hat in den letzten Monaten offensichtlich an Zugkraft gewonnen, das freute natürlich für die Jungs. Anwesend waren dann auch alle Altersklassen von den gerade in die Oberstufe gekommenen Indie-Kids bis hin zu den Altersgruppen, die Anfang der 80er noch vor Clubs auf The Smiths, oder vorher noch auf Joy Division gewartet hatten.
Die 80er sind dann auch ein gutes Stichwort, die sind nämlich nicht nur im Sound von The Cinematics allgegenwärtig, sondern prägten auch den des Openers Johann van der Smut mit. Ein noch größerer Einfluss schienen allerdings die Foals zu sein. Mit dieser Mischung aus Math-Rock, 80ies Pop und einer Prise Neue Deutsche Welle der Marke DAF sorgte das Trio für eine durchaus kurzweilige halbe Stunde. Die deutschen Texte der Band waren zwar kaum zu verstehen, das machte aber nichts, denn mit gelungenen Brüchen, tollen Tempowechseln und unterhaltsamer Dynamik boten die Sauerländer ein unterhaltsames Set.
Der anschließende Applaus war dementsprechend groß und die Fans ordentlich angeheizt für die Berliner Schotten.
Die brauchten nur etwa 15 Minuten für den gemeinsamen Umbau mit Johann van der Smut und betraten dann ohne viele Worte die kleine Bühne, um mit “All These Things” zu öffnen. Das taten sie auch bereits im September in Münster und entfalteten in ihrem Set auch wieder eine ähnliche Dynamik, wie bereits vor knapp einem halben Jahr. Die Gitarren waren wieder hübsch hoch, Scott’s Gesang dringlich und immer ein wenig gehetzt. Die auf der Bühne dargebotene Dynamik übertrug sich auch direkt auf das Publikum und sorgte für ausgelassene Tanz-Stimmung in den ersten Reihen. Die Setlist von The Cinematics war wieder stimmungsvoll aus beiden Alben der Band zusammen gestellt und sorgte für knapp eine Stunde unterhaltsamen New Wave. In der Publikums-Akzeptanz waren dabei auch keines der Alben als Favorit zu erkennen, denn zu den Hits von beiden Alben wurde ähnlich mit gefeiert. Egal, ob es sich um “New Mexico” von “Love & Terror” handelte, oder um “A Strange Education”, dem Titel-Track des Debüts, zu dem selbst Max, Sänger von Johann van der Smut in den vorderen Reihen lauthals mit sang. 60 Minuten mit drei Zugaben und zwei neuen Stücken ließen das Glanz & Gloria glücklich zurück und so müssen sich The Cinematics wohl auch keine Sorgen um den Erfolg ihrer anstehenden Termine im März machen.
Fotos: Ariane WhiteTapes
1984 + Hey Kids Try This, Osnabrück, Kleine Freiheit, 30. April 2009

Glaubt man der Berichterstattung zum 1984 Debüt “Open Jail”, dann stellt das Trio um Frontmann Etienne Nicolini so etwas wie den legitimen Nachfolger von Joy Division dar. Ein Vergleich, der nicht zuletzt durch das Label geschürt wird und von der Band meist leicht irritiert aufgenommen wird, haben sie vor dem Release und den damit verbundenen Interviews zu “Open Jail” und dem kurz zuvor erschienen Joy Division Film “Control” doch noch nie auch nur einen Song der legendären Band um Ian Curtis gehört. Ein Vergleich aber auch, den sich die Band gefallen lassen muss, dass zeigen zum einen die düster kühlen Stücke auf dem Debüt und auch die Live-Performance der Band. Schon als Support der Blood Red Shoes im November ließen sie ihren kühlen Franko-Rock auf das gespannte Publikum los und übertrafen sogar die Blood Red Shoes.
Auf ihrer ersten Headlining-Tour durch Deutschland konnten 1984 nun nicht mehr darauf bauen, dass die Blood Red Shoes die Indie-Kids in Scharen herbei lockten, das mussten sie nun ganz allein. Angetan vom tollen Debüt und vielleicht auch den starken Konzerten im Vorprogramm der Brightoner, kamen aber dennoch mehrere Dutzend frankophile Indie-Jünger zum einzigen Konzert der Band in (der Nähe) von Nordrhein-Westfalen. Genau genommen in der Kleinen Freiheit in Osnabrück. Einem alten Bahnhofs-Betriebsgelände, auf dem sich nun allerlei Clubs angesiedelt haben, um das brach liegende Gelände in eine Vergnügungsmeile zu verwandeln.
Von innen wirkte das Gebäude wie eine Mischung aus evangelischem Gemeindezentrum und Bürogebäude, mit extrem niedriger Bühne und riesiger Fensterfront, an der gemütliche alte Couch-Garnituren aufgereiht waren. Diese verstanden wir prompt als Einladung sich zu setzen und schauten dem Support Hey Kids Try This bei der Arbeit zu. Unseren Eindruck, die Band käme frische aus dem Probe-Raum, bestätigten die Münsteraner, als sie sich erstmals vorstellten. In circa 30 Minuten spielten sie ein Best Of von Indie-Melodien, verarbeitet in eigenen Kompositionen. So spielten sie dann auch ein alles andere als originelles, aber immerhin kurzweiliges Set.

Die folgende Umbaupause sollte dann auch nicht lang dauern und schon standen 1984 um 22:15 Uhr auf der Bühne, um den Tanz in den Mai zu starten. Das hatte allerdings zur Folge, dass der größte Teil der Fans noch vor der Tür stand und einer Raucherpause fröhnte, als Etienne, Bruno und Thomas bereits ihr Set mit “The Missing Voice”, einem der stärksten Stücke des Albums, begannen. Im Gegensatz zum Konzert im November war der Sound nun deutlich klarer abgemischt und Etienne’s dunkle Stimme deutlich im Vordergrund. Untermalt wurden die düsteren Rocksongs wieder von unterschiedlichen Filmchen und Animationen, die auf eine Leinwand hinter Drummer Thomas geworfen wurden. Zunächst beschränkte sich das noch auf das Animationen und Verzerrungen von Band-Zebra und 1984-Logo. Ihrem Ruf verpflichtet war die Band auch ganz in schwarz gekleidet. Einziger Farbtuper am Outfit die symbolischen goldenen Streifen an der Schulter von Etienne, an der Knopfleiste von Bruno’s Hemd und am Hemdkragen von Thomas, die für die drei Mächte stehen sollen, welche die Welt regieren, nämlich Militär, Politik und Religion. Wie bei der großen Referenz Joy Division, versteckt sich bei 1984 also auch noch einiges hinter der Fassade. Was sie vordergründig auf die Bühne brachten, war aber auch nicht ohne.
Auf “The Missing Voice” folgte der neue Song “Tiptoe”, der sich ähnlich düster zeigte, wie die Songs auf “Open Jail”. Mit “L’Homme Aux Os” und “Baikal Amour Magistral” folgten wieder zwei Stücke vom Album und auf der Leinwand wurde erstmals ein kleiner Videotrick angewandt. Neben dem Beamer war nämlich eine kleine Webcam angebracht, welche die Band live filmt und verzerrt auf die Leinwand warft. In Verbindung mit dem kühlen Rock-Sound war das verdammt stimmig und ließ die Stücke noch dichter erscheinen. Trotz dem ein oder anderen Spielfehler nahm das Publikum jeden Ton begeistert entgegen und tanzte ausgelassen. Auch zu den drei neuen Stücken “Uppercut”, “Leaving The Pack” und “Ulm”, die sich perfekt in die bekannten Stücke einfügten. Auf das anschließende “Desert Dancers” folgte die Hit-Single “Cache Cache”, bei der das offizielle Video zur Single an die Band geworfen wurde. Die Stimmung war auf ihrem Höhepunkt und kochte erst nach dem neuen Song “Territory” und dem anschließenden Rocker “The Wait” wieder ein wenig runter, als sich die Band kurz verabschiedete, um nach wenigen Sekunden für die Zugaben “By Dint” und “Squares” (neu) zurück zu kehren. In knapp 75 Minuten konnten 1984 ihre volle Live-Stärke ausspielen und machen Lust auf mehr von diesem Trio aus Frankreich mit dem fantastischen französischen Akzent.
Fotos: Ariane WhiteTapes
James Yuill, Osnabrück, Glanz & Gloria, 17. April 2009

Vor genau drei Monaten, am 17. Januar stellten die Rakes im Rahmen eines Intro Intims ihr neues Album “Klang” vor. Die interessanteste Entdeckung waren an diesem Abend allerdings nicht die neuen Songs der Band, sondern vielmehr der Londoner James Yuill, der sich auf der Tour mit den Rakes das erste Mal auf deutschen Bühnen präsentierte. Auch er hatte ein Album im Gepäck, sein Debüt “Turning Down Water For Air”, aus dem er eine tolle Auswahl präsentierte. Kurz nach dem Konzert wurde das Album also sogleich begutachtet, mit der klaren Feststellung, live transportiert Yuill die Songs um einiges gekonnter, rauer und härter. Was auf dem Album häufig einfach nur dahin plätschert entwickelt sich live zu einem Dancefloor-Füller. Klar also, dass wir dabei sind, wenn James Yuill wieder deutsche Bühnen, dieses mal auf seiner ersten Headlining-Tour, betritt.
Das tat er dann auch ganz ohne Support um Punkt 22 Uhr. Für einen Freitag-Abend war das schmucke Glanz & Gloria in unmittelbarer Uni-Nähe, sogar gut, wenn auch etwas luftig, gefüllt. Für Yuill scheinbar Grund genug erst einmal ganz verlegen auf die Bühne zu trotten und ohne ein Wort zu sagen an seinen Reglern rum zu drehen und die ersten Beats aus den Boxen ertönen zu lassen, um ganz in die Musik versunken mit seinem Set zu starten. Das Publikum war hoch gespannt auf die Performance und lauschte andächtig den Beats, die sich mit einsetzender Akustikgitarre und spät einsetzendem sanften Gesang Yuill’s zum Opener “You Always Do” entwickeln. Im Gegensatz zur Album-Version wird der Song mit langem Intro und lautem Beat-Intermezzo als Bridge auf knapp 4 Minuten gezogen. Erst nach dem zweiten Stück zeigt sich Yuill dann auch mutig genug dem Publikum Hallo zu sagen und für das Erscheinen zu danken. Um sich weiter seinen Reglern zu widmen. In die ist er so vertieft, dass er kaum während der Songs in das Publikum schaut, wir prophezeiten ja auch bereits im Januar, dass James Yuill vermutlich den ein führendes Mitglieds des Trends des Handgazing sein wird. Wenn er während des Gitarrespielens doch einmal seinen Kopf nach vorn richtete waren seine Augen meist geschlossen. Das machte aber nichts, denn so vertieft in die Stücke, wie Yuill selbst war, so versunken war auch das Publikum in die Sounds, die sich ins Glanz & Gloria ergossen.

Das einzig störende an diesem Abend war nichts, was sich auf der Bühne abspielte, sondern einige Anwesende im Publikum, die sich lieber darüber unterhielten, dass die kleine Schwester am nächsten Tag arbeiten müsse. Eine Info, auf die vermutlich niemand wirklichen Wert legte, die aber wohl dennoch wichtig genug schien, um mit derlei Gesprächsthemen Songs wie “This Sweet Love” und das zu einem Beat-Feuerwerk mutierte “No Pins Allowed” übertönen zu wollen. Das war schwer zu ignorieren, ließ sich aber soweit ausblenden, dass man das abschließende “No Surprises” in aller Ruhe genießen konnte. Natürlich nicht, ohne dass Yuill vorher noch erwähnte “Thanks for coming, I didn’t expect anyone to be here tonight, so thanks very much”. Mit ähnlichen Worten verabschiedete er sich dann nach ca. 50 Minuten und bewegte sich direkt zu seinem Merchandise-Stand an dem er T-Shirts verkaufte. CD’s hatte er vergessen einzupacken, obwohl er sicherlich einige losgeworden wäre nach seiner tollen Performance.
Fotos: Ariane WhiteTapes














