Etwas mehr als ein Jahr nach seinem selbstbetitelten Debüt und …
Interpol – Interpol (s/t)
Dieses vierte Album ist das letzte mit Bassist und Keyboarder Carlos Dengler. Das typische Interpol-Merkmal – die Melancholie, war noch nie so stark wie auf dieser Veröffentlichung. Kam die Selbstbetitelung gar durch den Verlust des Musikers, eines Mitglieds, das stark identitätsbildend war?
Die Reihenfolge der Songs haben die Musiker schon vor den Aufnahmen zusammengestellt. Ein ganz bewusst gewählter Dramaturgiebogen bestimmt die Architektur des Albums- konzeptartig und doch von spontanen Gefühlen geprägt. Dabei besticht „Interpol“ durch feinfühlige, vielschichtige Instrumentierung, die den Songs ihre Schwere nimmt. Beim Opener „Success“ zeigt sich diese Instrumentierung in der wachsenden Percussionarbeit, die zum Ende des Songs an Dynamik und „Verästelungen“ gewinnt. Die Schwermut wird von „Memory Serves“ übertroffen. Schleppende Gitarren, ein Gesang, der fast etwas Heulendes besitzt. Da ist es fast schon beruhigend, wenn der Nachfolger „Summer Well“ mit einer kindlich-leichten Melodie anfängt – die den ganzen Song durchzieht. Die Singles „Lights“ und „Barricade“ fallen im Gegensatz zu den bisherigen Songs durch mehr Dynamik, Lautstärkenwechsel und Breaks auf.
Paul Banks hat auch auf „Interpol“ seinen charakteristisch – unterkühlten Gesang nicht aufgegeben, doch mit dem interessanten „Try It On“ wird er feinfühliger. Ein Song, der um einen dramatisch-verspielten Piano-Loop aufgebaut ist und experimentelle Merkmale aufweist. Elektronische Klangelemente beenden den Titel und bilden so einen fließenden Übergang zu „All Of The Ways“ – ein in Schwermut getränktes Bekenntnis, aus einer Beziehung als Verlierer hervorgegangen zu sein. Produzent Alan Moulders Signatur ist klar zu hören. Banks, der ein Fan seiner Arbeit mit My Bloody Valentine ist, gab ihm die alleinige Verantwortung beim Abmischen – normalerweise assistiert der Sänger immer. So sind die einzelnen Instrumente viel differenzierter herauszuhören und die Stimme Banks steht klarer im Vordergrund. Gerade bei schweren Songs kommt es gut, wenn, wie auf diesem Album, die Transparenz stimmt. Trotzdem ist ein typisches Interpol-Album entstanden, das nur durch finsterere Schönheit besticht.










Interpol
Julian Plenti – Video zu “Games For Days”
Letzte Woche veröffentlichte Interpol Frontmann Paul Banks als Julian Plenti getarnt sein Soloalbum “…Is Skyscraper”. Mit einer Woche Verspätung gibt es nun auch das Video zur Single “Games For Days”, in dem trifft er in einem Hotel auf Metric Frontfrau Emily Haines. Den Song kann man auch hier downloaden:
Julian Plenti – “…is Skyscraper” im Stream
Gestern veröffentlichte Interpol Frontmann Paul Banks als Julian Plenti sein Solo-Debüt “…Is Skyscraper” und damit auch eines der besten Alben des vergangenen Monats. Damit ihr euch davon auch selbst überzeugen könnt gibt es neben den Gratis-Downloads (unten) auch schon den beinahe obligatorischen Stream zum Album. Dafür einfach dem Link zu 3voor12 folgen und in Paul Banks Solowerk rein horchen.
Julian Plenti – …is Skyscraper
Bereits Mitte bis Ende der 1990er Jahre tingelte Julian Plenti durch kleine Clubs und Bars und trug seine düsteren, unter die Haut gehenden Songs dem Publikum vor und wurde somit zu einem kleinen, netten Insidertipp in und um Manhattan. Doch erst 2009 veröffentlicht Plenti sein erstes Album, dass auf den Titel “…is Skyscraper” hört. Ein ganz so großes Monstrum ist dieses Album vielleicht nicht, aber dennoch eins, das ansehen verdient. Vorweg. Julian Plenti heißt eigentlich Paul Banks und ist Frontmann von Interpol. Drei mal umkurvte er die Welt mit Interpol und ließ sein Alter-Ego ein wenig bei Seite ohne es je wirklich von der Bildfläche verschwinden zu lassen. In 2006 wurde Julian Plenti aus dem Winterschlaf erweckt und seitdem schrieb er Songs, die stilistisch nicht zu Interpol passten. Nun ist es soweit und die elf Songs erblicken Ende Juli das Licht der Welt, wenn “…is Skyscraper” erhältlich sein wird.
Es ist ja so. Soloausritte eines Künstler können bei den Fans immer einige Bedenken hervorrufen. Fallbeispiel Nummer Eins: Der Sound erinnert zu sehr an die eigentliche Hauptband. Man hätte was anderes erwartet und die Enttäuschung ist groß. Fallbeispiel: Nummer Zwei. Der Soloausflug betritt ein komplett neues Genre. Die Enttäuschung der Fans ist auch hier vorhanden, da es sich stilistisch zu sehr abwendet und man ist erschrocken. Ideal wäre also, einen Mittelweg zu finden. Den hat Julian Plenti erwischt. Es ist ein Album, dass diesen Mittelweg betritt. Man muss nicht auf Interpol Momente verzichten, entdeckt hier aber auch neue Ufer. Ein großer Unterschied zum eigentlichen Schaffen von Paul Banks ist das Songwriting, das hier doch ein wenig in den Hintergrund rückt. Die Melodien haben einen größeren Stellenwert und eingebaute Beats am Computer komplettieren das Ganze. Dazu sorgt der wohl tiefgehendste Bariton seit Joy Divisions Ian Curtis für so manchen Gänsehaut-Moment. Eine klare Empfehlung also an jeden, sich bis zum nächsten Interpol Album, für das die Band gerade im Studio ist, die Zeit mit Julian Plenti zu versüßen.










Julian Plenti














