Etwas mehr als ein Jahr nach seinem selbstbetitelten Debüt und …
Port O’Brien – Daytrotter Session

Das Jahr ist nun knapp vier Wochen alt und heute folgt dann auch einmal wieder ein Beleg für die stetige Qualität der Daytrotter Sessions. Die erleben nämlich nach der Session von Why? Frontmann Yoni Wolf mit der neuen Session von Port O’Brien ihr zweites Jahres-Highlight. Runter laden kann man die gesamte Session hier bei Daytrotter, inklusive einer tollen Version von “My Will Is Good”, einem der stärksten Songs auf dem aktuellen Album “Threadbare”
Port O’Brien – Video zu “My Will Is Good”

Der Release ihres zweiten Albums nähert sich mit großen Schritten, damit häufen sich auch die Meldungen rund um Port O’Brien. Nachdem wir diese Woche bereits Tour-Daten der Band aus Alaska und Kalifornien verkünden konnten, gibt es nun mit dem Video zu “My Will Is Good” auch das erste begleitende Videomaterial zu “Threadbare”. Wir finden’s toll und wünschen auch euch viel Spaß damit.
30. November, Hamburg, Molotov
01. Dezember, Köln, Gebäude 9
02. Dezember, München, Feierwerk
03. Dezember, Schorndorf, Manufaktur
04. Dezember, Berlin, Lido
Haldern Pop, Freitag 14. August 2009

Mit seiner überschaubaren Besucherzahl, der idyllischen Lage und einem traumhaften Line-Up ist das Haldern Pop eindeutig unser Lieblings-Festival. Toll auch die kurze Anreisezeit, durch die wir als nicht gerade Campingaffine Menschen nicht zu seinem Besuch des Zeltplatzes gezwungen sind. Hätten wir geahnt, dass dieser Umstand dazu führen sollte, dass wir nur am Freitag und nicht wie geplant auch am Samstag zugegen sein konnten hätten wir doch noch einmal das Thema Camping in Erwägung gezogen.
Nachdem wir also den Eröffnungstag des Festivals für das Patrick Wolf Konzert in Köln, das viele Eindrücke liefern sollte, sausen ließen, machten wir uns am Freitag pünktlich auf zum Festivalgelände. Das war kurz vor Einlass bereits gut gefüllt und wurde Punkt 15 Uhr geöffnet. Die Umstände für einen gelungenen Auftakt auf der Hauptbühne waren dann auch perfekt, die Sonne lachte, das Gelände des Reitplatzes war hübsch hergerichtet und die Mitarbeiter zeigten sich gut gelaunt und zuversichtlich. Ein paar Neuerungen gab es auch zu bestaunen, am auffälligsten darunter war wohl die große Leinwand vor dem Spiegelzelt, auf der man das Geschehen im Zelt verfolgen konnte. Auch toll war, dass nun vor der Bühne die Kamera in der Mitte durch ein nicht so klobiges Modell ersetzt wurde, was den Blick auf die Bühne sehr erleichterte. Um 15:30 Uhr begann dann bereits das Programm mit der israelischen Band Asaf Avidan & the Mojos. Hier stach vor allem die Stimme von Frontmann Asaf Avidan heraus, die klang wie eine Mischung aus Janis Joplin, Robert Plant und Jack White. Ähnlich war dann auch der Sound der Band, die einen kurzweiligen Querschnitt der Rockgeschichte präsentierte.
Der war als Einstieg sehr gut, kam an und bescherte Asaf Rufe aus dem Publikum wie “We love you guys”, was Asaf beinahe peinlich zu sein schien. Nach knapp 40 Minuten beendeten Asaf Avidan & the Mojos ihre Show unter lautem Applaus.
Einem tollen Einstand auf der Hauptbühne folgte schnell das erste Highlight. Port O’Brien bauten fix ihr Equipment auf und begannen dann auch nach ein paar Problemen mit der Einstellung des Banjos pünktlich ihr Set. Neben Songs ihres ersten Albums “All We Could Do Was Sing” hatte die Band neue Stücke aus dem Ende September erscheinenden Albums “Threadbare” und einen neuen Gitarristen dabei. Mit ein paar neuen Songs wurde dann auch eröffnet, die zeigten die Band sichtlich aufgeräumter und schwermütiger, als noch auf dem Debüt, was bekanntermaßen einem schweren Schicksalsschlag der Band geschuldet ist. Ein erstes Songhighlight des Festivals sollte dann zunächst das Stück “Fisherman’s Son” vom Debüt darstellen. Auch das Stück “Don’t Take My Advise” sorgte für reichlich Applaus. Neue Songs, wie “Oslo Campfire” und “Tree Bones” fügten sich auch harmonisch ins Set ein. Besonders heraus stachen unter den neuen Songs neben dem erwähnten “Tree Bones”, das ein wenig an die Unplugged Version von Nirvana’s “Lake Of Fire” erinnerte auch das Stück “My Will Is Good” und der Song “Sour Milk / Salt Water”, der live um einiges beschwingter wirkte. Einen schönen (wenn man das so sagen kann) Gänsehautmoment hatten Port O’Brien dann mit dem Song “High Without The Hope 3″ im Gepäck, dass Cambria ganz allein und mit zittriger Stimme zum Besten gab. Es schien ihr sichtlich schwer das Stück vorzutragen und so wischte sie sich auch am Ende eine Träne aus dem Gesicht und verließ die Bühne, was aber wohl auch daran lag, dass sie in den letzten beiden Songs keine Parts spielte. Mit “I Woke Up Today” beendeten Port O’Brien dann ein gelungenes Konzert und sorgten für den lautesten Mitgröhlmoment des Tages, als knapp 3.000 Besucher “Noooooooooooo” sangen.

Während des Tages hieß es auch banges Warten auf Nachricht von Owen Pallett, alias Final Fantasy. Der war von seiner beim Konzert in Utrecht bereits beginnenden Krankheit nämlich so sehr mitgenommen, dass er sein Konzert in Paris am Donnerstag absagen musste. Kurz vor seinem Set meldete er dann über sein Twitter “Still a little grog-faced but Haldern is a GO”, was wir als Bestätigung für seinen Auftritt nahmen. Diesen Eindruck bestätigte auch seine Sichtung im Backstage-Bereich. Ganz fit schien er dennoch noch nicht, denn die Farbe seiner Haut glich doch sehr der seines weißen T-Shirts. Laut niederländischem Ansager und Haldern Pop Urgestein Hein war Owen Pallett seiner Erinnerung nach der einzige Künstler, der jemals ganz allein auf der Hauptbühne des Haldern Pop stand. Dennoch wirkte er da auf der großen Bühne alles andere als verloren und präsentierte wie bereits zwei Tage zuvor eine tolle Auswahl an Songs. Die anfänglichen Problemen mit den Bässen, die eine unschöne Vibration des Bühnendachs hervor riefen, war auch schnell behoben und so stand dem Songgenuss nichts mehr im Wege. Das sorgte auch dafür, dass sich der Platz auch beim drittenAct des Tages noch weiter füllte und Owen Pallett nach jedem Song euphorischen Applaus erntete. Highlights waren die Stücke “The Butcher”, “This Is The Dream Of Win And Regine”, “This Lamb Sells Condos” und “The CN Tower Belongs To The Dead”, bei dem sogar rhythmisch mitgeklatscht wurde, was wir bisher bei einem Final Fantasy Konzert noch nicht erlebt hatten. Nach knapp 40 Minuten war Owen Pallett dann bereits durch mit seinem Set, fühlte sich aber so wohl, dass er die Techniker noch nach einer Zugabe fragte, die er dann natürlich auch spielen durfte. Nach insgesamt 45 Minuten verließ er dann unter euphorischen Jubelpfiffen die Bühne, nach einem Auftritt, den er auf seinem Twitter wie folgt zusammen fasste: “Danke Haldern! You guys are heisse scheisse”.
Auch um 18 Uhr knallte die Sonne zu diesem Zeitpunkt noch gnadenlos auf den Reitplatz, was die vormals normale Hautfarbe vieler Besucher in ein modisches Rot verwandelte. Dennoch schien niemand Zuflucht im Schatten suchen zu wollen, vielmehr füllte sich der Platz bis zum Auftritt von Noah and the Whale bis auf bestimmt 4.000 Besucher. Die legten dann um kurz vor halb sieben gewaltig und wuchtig los mit dem Song “Give a little love”, einem Stück vom Debüt, dass in seiner Wuchtigkeit und Melancholie beinahe schon an The National erinnerte, die im Vorjahr an gleicher Stelle ein mitreißendes Konzert gegeben haben. Es folgten “Blue Skies” vom neuen Album “First Days Of Spring” und das alte Stück “Jocasta”. Der Rest des Sets bestand dann nur noch aus neuem Material, dass größtenteils ruhiger und zurückhaltender daherkam als noch die Stücke des Debüts. Noah and the Whale schafften es eine dichte Atmosphäre zu erzeugen und die Vorfreude auf ihr zweites Album noch weiter zu steigern, auch wenn ein paar weitere alte Songs auch gut ins Set gepasst hätten und aus einem guten einen tollen Auftritt gemacht hätten.
Nach vielen Glanzpunkten folgte ein erster Schwachpunkt als unsere Kamera den Dienst quittierte. Das anschließende Set von Anna Ternheim rauschte nach vorhergehenden euphorischen Konzerten relativ unspektakulär an uns vorbei. Die Stücke waren natürlich alles andere als schlecht und von Anna und ihrer Band auch voller Inbrunst zum Besten gegeben, die Songs sind allerdings in ihrem poppigem Folksound so austauschbar, dass sie bei uns keinen Funken überspringen lassen wollten. Das sollte sich für uns dann aber im Anschluss beim Set von Patrick Watson ändern. Neben seiner Stamm-Band hatte der Kanadier auch noch ein Streichquartett dabei, das am rechten Bühnenrand etwas versteckt wirkte. Aber woanders hätten sie auch keinen Platz gefunden, denn das ganze Equipment von Patrick und seiner Band nahm bereits viel Platz ein. Eröffnet wurde sein Set durch einen Song, mit allerlei Effekten auf der Stimme von Patrick, die einen gewaltigen Effekt und eine tolle Atmosphäre erzeugten. Die Spannung während des gesamten Konzerts war quasi greifbar und der gesamte Reitplatz schien durch eine mitreißende Performance, die nicht von dieser Welt schien, verzaubert. Ältere Stücke wie “Beijing” wurden mit neuen Song vom Album “Wooden Arms” vermischt, zusammen mit dem Streichquartett sorgten Patrick Watson und Band für den ein oder anderen Gänsehautmoment. Beim vorletzten Stück schnallte sich Patrick Watson dann einen abenteuerlichen Megaphon-Rucksack an. Ein Konstrukt mit sechs kleinen Megaphonen mit Lichtern und Mikros dran, die das Gesungene an die Boxen übertrugen. Daran wurde noch eine Gitarre gestöpselt und so schritt Patrick Watson dann zusammen mit seinem Gitarristen durch die Menge. Sein Set beschloss Patrick Watson dann mit dem wunderschönen “Luscious Life”, das wohl eines der schönsten Stücke des Tages war.

Im Anschluss betrat mit Loney, Dear nach Anna Ternheim der nächste Skandinavier die Bühne. Der hatte eine ganze Reihe Gastmusiker mitgebracht und präsentierte eine Reihe hübscher folkig angehauchter Popnummern, die zu fortschreitender Stunde den Reitplatz zum seeligen Mitschunkeln anregten. Nach 60 Minuten und 10 Songs verabschiedeten sich Loney, Dear dann auch bereits und überließen die Bühne den Londonern von Athlete, die kurzfristig für Paolo Nutini eingesprungen waren. Ihr Set begannen Athlete dann zu später Stunde mit einem Song vom neuen Album “Black Swan”, das Ende des Monats erscheint. Das zeigte sich als stimmiges, typisches Athlete Stück mit leicht verspielter Melodie. Bei “You Got The Style” taute das Publikum dann schnell auf und tanzte fröhlich zum Hit vom Debüt-Album “Vehicles & Animals” mit. Es folgte Gänsehaut mit dem herrlich dichten und intensiven “Half Light” vom zweiten Album “Tourist”, dass auch in seiner Live-Fassung einfach nur schön ist. Irgendwann zu Beginn des Sets entschuldigte sich Sänger Joel Pott dann noch, dass Athlete noch nie so spät gespielt hätten und sich deshalb erst eingewöhnen müssten. Aber auch zu später Stunde kam der Radiopop von Athlete sehr gut an. Die Lichtshow wurde perfekt mit den infektiösen Popmelodien der Band abgestimmt und so zeigte sich das Publikum auch begeistert von knapp 80 Minuten Athlete und einer Hand voll neuer Stücke. Besonderes Highlight und ein weiterer Gänsehautmoment war das Herz zereißende “Wires”, den Joel Potts über die schwere Erkrankung seines neugeborenem Sohnes geschrieben hatte. Danach folgte noch eine Zugabe, der Song “El Salvador” vom Debüt, der erneut zum Tanzen anregte und jedem auf dem vollen Reitplatz ein breites Lächeln auf das Gesicht gezaubert haben dürfte.
Beseelt machten wir uns danach auf den Heimweg, der jäh von einem links abbiegenden niederländischen Fahrzeug unterbrochen wurde, das es so eilig hatte, dass es uns die Vorfahrt nahm und sich trotz Kollision aus dem Staub machte. Leider ließ es der Zustand unseres fahrbaren Untersatzes dann auch nicht zu den letzten Tag des Haldern Pop zu besuchen und so tippen wir bereits unseren Bericht, während knapp 6.000 Besucher vermutlich von Bon Iver, Dear Reader, I Like Trains, Grizzly Bear, Mumford & Sons uvm. verzaubert werden und mit Health den Abschluss der diesjährigen 26ten Auflage des Haldern Pop begehen. Wir werden im nächsten Jahr auf jeden Fall wieder dabei sein, dann hoffentlich auch an allen drei Tagen.
Fotos: 1 und 5 Pressefreigabe, Rest Ariane WhiteTapes
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Port O’Brien – Interview
Seit einem Jahr ist das Quintett von Port O’Brien, um das Gründerpärchen Cambria Goodwin und Van Pierszalowski nun schon beinahe ununterbrochen auf Tour. Bei ihrem Abstecher in Bochum, im Rahmen der Christmas in Adventure Parks Tour mit Get Well Soon stand uns Cambria ein wenig Rede und Antwort zu “All We Could Do Was Sing” und ihren weiteren Vorhaben in 2009.
“All We Could Do Was Sing” wurde diesen Sommer veröffentlicht. Kannst du uns die Dinge nennen, die euch am Meisten beim Schreiben beeinflusst haben?
Ja, das Album ist größtenteils von den Jobs beeinflusst, denen ich und Van in Alaska für 3 bis 4 Monate während der Lachssaison nachgehen. Verdammt harte, schwierige Jobs, bei denen du dann aber genug verdienst, um dich den Rest des Jahres über Wasser zu halten.
Wir hatten überlegt, euch für diese Frage die Prämisse zu geben, diese Frage ohne die Worte Alaska, Fischerboot und Lachs zu beantworten, das aber als gemein empfunden.
Get Well Soon + Herman Düne + Port O’Brien, Bochum, Zeche, 08. Dezember 2008

“Last Christmas I Gave You My Heart, But The Very Next Day…”, so dudelt es derzeit in hunderten Einkaufsmeilen, auf allen Weihnachtsmärkten und auf Weihnachtsfeiern in der gesamten Bundesrepublik. Das Berliner Label City Slang hatte glücklicherweise ein Einsehen und unter dem Titel “Christmas In Adventure Parks” eine Weihnachtsfeier der ganz besonderen Art organisiert. Die Akteure, drei der heißesten Bands des Labels, namentlich Hauptdarsteller Konstantin Gropper mit seinem Projekt Get Well Soon, das französisch-schwedische Duo Herman Düne und die Indie-Folker von Port O’Brien aus Kalifornien / Alaska.

Die zweite Kerze auf dem Adventskranz war gerade entzündet, da fand sich diese illustre Runde in der Bochumer Zeche ein. Sonst eher eine Location, die wie Bochum etwas abgerockt und industriell, eben nach Ruhrgebiet, aussieht, war die Zeche extra für diesen Anlass weihnachtlich mit großen Ballons in Form von Christbaumkugeln geschmückt. Über der Bühne hingen zudem links und rechts zwei große Rahmen, die während des Sets von Get Well Soon für ein wenig visuelle Unterstützung sorgten.

Eröffnet wurde die Weihnachtsfeier bereits sehr früh um 19:20 Uhr, mit den Alaskaliforniern von Port O’Brien. Die sind zwar nicht für ihre besinnliche Musik bekannt, aber davon sollten Get Well Soon später noch genügend im Gepäck haben. Bei ihrem Popkomm-Auftritt hatten die fünf bereits bewiesen, wie ausgelassen sie, im Fall von Bassist Ryan Stively sogar mit gebrochenem Bein, feiern können. Wir waren also gespannt, wie viel mehr Energie in ihnen steckt, wenn alle fit sind. Beinahe doppelt soviel, denn Ryan stampfte so leidenschaftlich mit, als wolle er nun nachholen, was ihm vor ein paar Wochen noch vergönnt war. Mit ihren Liedern über das Leben auf See stießen Port O’Brien auf offene Ohren und zauberten ein entzücktes Lächeln auf die Gesichter der, zu diesem Zeitpunkt leider noch nicht so zahlreich erschienen, Anwesenden. Erstaunlich war auch, wie die Band es schaffte, trotz etwas einem Jahr auf Tour rund um die Welt, so viel Spielfreude auf die Bühne zu zaubern. Schon vom ersten Takt an tänzelte Gitarrist Zebede Zaits von einem Bein aufs andere und von links nach rechts auf der Bühne, wobei er seine Bandkollegen mit seinem Instrument immer nur um gefühlte Zentimeter verfehlte.

Spätestens mit dem zweiten Stück war das gesamte Publikum von Zebede’s Tanzwut angesteckt und die ersten Reihen schunkelten fröhlich mit, richtig zu tanzen schien sich noch niemand so recht zu trauen. Vor einem Stück, das nur mit Cambria am Banjo und Van an der Gitarre beginnt, bat Van alle im Takt mit zu stampfen und bei Einsetzen des Schlagzeugs nach vorn zur Bühne zu gehen. Das Stampfen klappte natürlich perfekt un Van grinste breit, als das Publikum sich mit dem Schlagzeugeinsatz erst nur zögernd, dann aber doch mutig nach vorne bewegte. Das Highlight des Sets sollte allerdings ganz am Ende mit dem Band-Hit “I Woke Up Today” folgen. Zunächst instruierte Van wieder das Publikum, bitte mit zu singen, da der Chor etwas kompliziert sei, nach einer kurzen Probe gesellten sich dann zu Port O’Brien auch noch der größte Teil von Get Well Soon und Herman Düne, um die Bühne erstmals an diesem Abend richtig zum Beben zu bringen.

Sichtlich erschöpft machten die Fünf im Anschluss unter langem Applaus Platz für eine kurze Umbaupause und Herman Düne, die an diesem Abend nicht als Duo, sondern gleich als achtköpfige Band erschienen waren. Der größte Teil des Sets fiel dann für uns allerdings anderen Verpflichtungen zum Opfer (in den nächsten Tagen hier). Die letzten zwanzig Minuten des Auftritts vermittelten dennoch den Eindruck einer fröhlich aufspielenden Band mit kurzweiligen, hippiesken Folksongs. Besonders Sänger David-Ivar Herman Düne zeigte sich trotz seines leicht eigenwilligen Auftretens als ulkiger, aber vor allem sympathischer Zeitgenosse. Die Stücke der Band wirkten durch die Hintergrundmusiker viel voller, als noch im Vorprogramm von The Arcade Fire im vergangenen Jahr, so waren auch die meisten der Anwesenden durchaus begeistert. Herman Düne waren damit zwar bestimmt nicht das Highlight des Abends, aber eben sehr kurzweilig.

Nach einer kurzen Umbaupause wurde es dann weihnachtlich, das Licht in der Zeche wurde gedämmt und nur noch die Christbaumkugeln spendeten Licht, während Get Well Soon zu “Against The Glaciation”, dem Opener der Weihnachts-EP “Songs Against The Glaciation” nacheinander die Bühne betraten. Danach ging die Reise ins Weihnachts-Wunderland von Konstantin Gropper und seinen Mitstreitern mit “Heading Home To The Pole”, einem der rockigeren Stücke der EP, schnellen Schrittes los. Mit “You’re Using All Your Senses Just For Being Sad” folgte das nächste Stück von der Weihnachts-EP und es wurde das erste Mal richtig besinnlich.

Die Christbaumkugeln vollzogen Farbwechsel im Takt des Glockenspiels und Verena Gropper (Gesang, Geige, Glockenspiel, uvm.) dürfte mit ihrem Gesang für die ein oder andere Gänsehaut gesorgt haben, während sich die Band in eine beinahe shoegazig / postrockige Trance spielte. Mit den Stücken “You/Aurora/You/Seaside” und “Christmas In Adventure Parks” folgten dann auch Stücke vom Album. Der Get Well Soon’sche Weihnachtsschlitten nahm weiter Fahrt auf und die Band spielte die Stücke trotz Monaten auf Tour, noch druckvoller und leidenschaftlicher, als beispielsweise im April, wo sie gerade ihre erste große Deutschland-Tour starteten.
Insbesondere die passend zu den Stücken auf die Leinwände projizierten Filmschnipsel und andere -spielereien verdichteten die Atmosphäre der Stücke in enormem Maße. So rauschte bei “Listen! Those Lost At Sea Sing A Song On Christmas Day” etwa das aus dem Video bekannte U-Boot über die Leinwand und die gesamte Zeche fuhr mit. Bei “Busy Hope”, dem besten Stück des Abends, wusste die Band neben einer astreinen Live-Umsetzung zusätzlich durch dramatische Bergsteiger-Szenen im Schneesturm zu glänzen. Mit “Green Island Never Turns White” und einem weihnachtlich dekorierten Fenster wurde der besinnlichste Punkt des Abends erreicht, wer da keine Weihnachtsstimung bekam, dem ist wohl auch nicht mehr zu helfen.
Erinnerten die Christbaum-Kugeln und einige der gezeigten Filmschnipsel noch an die Flaming Lips, gab es ebenfalls Arcade Fire Momente, wenn nämlich auf den Leinwänden die Musiker in Close-Ups in Aktion schwarz-weiß, hinter einem Rauschen vage zu sehen, gezeigt wurden. So hatte sich die Band zwar den Arcade Fire Vergleich an diesem Abend selbst zuzuschreiben, was aber zu verzeihen war, da diese Projektionen den Stücken eine zusätzliche noch druckvollere Note verliehen. Nach circa einer Stunde, vielen Gänsehaut erzeugenden und auch einfach nur musikalisch wunderschönen Momenten, verließ die Band, nachdem bei “Dear Tempest-Tossed! Dear Weakened!” Schnee von der Decke auf Konstantin fiel, das erste Mal die Bühne.
Danach wurde es zunächst noch einmal familiär und intim, als Konstantin ganz allein, nur von Keyboard und Gitarre getragen, “Ticktack! Goes My Automatic Heart” vortrug, um gegen Ende an den Bühnenrand zu treten und das Publikum zum Mitsingen zu animieren. Das klappte vor dem halbvollen Saal zwar nicht wirklich gut, war aber dennoch einer der schönsten Momente des Abends. Ihren Höhepunkt erreichte die Weihnachtsfeier anschließend beim Flaming Lips (da haben wir sie wieder) Cover “Race For The Price”, bei dem alle Herman Dünes und drei fünftel von Port O’Brien die Bühne und die Zeche zum Beben brachten. Der Abend schien danach eigentlich vorbei, nach längerem Applaus erschien dann aber doch noch einmal Konstantin Gropper auf der Bühne, um von Keyboarder Daniel Roos unterstützt das Tom Waits Cover “Take It With Me” vorzutragen und jedem Besucher noch eine letzte wohlige Gänsehaut mit auf den Nachhauseweg zu geben.
Fotos: Ariane WhiteTapes
City Slang and Wichita Play Popkomm, Berlin, Fritzclub, 08. Oktober 2008
Mit Familientreffen ist es meist so eine Sache. Da trifft man sich generell einmal im Jahr und nimmt es eher als lästige Pflicht, denn als freudiges Ereignis wahr. Da diese Familientreffen an einem zentralen Ort stattfinden, ist man hoffnungslos auch den Familienmitgliedern ausgeliefert, denen man unter normalen Umständen sowieso schon diverse Krankheiten an den Hals wünscht.
Um nach außen jedoch den schönen Schein des Familienfriedens zu wahren, macht man gute Miene zum bösen Spiel und hofft, dass der Spuk schnell wieder vorbei ist. Also toleriert man auch die nervige, kleine Cousine, den seltsamen, leicht schizophrenen Onkel und die anderen Charaktere, da man ja weiß, dass der Spuk bald wieder vorbei ist. … Continue Reading

















