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The Grand Opening – In The Midst Of Your Drama

Es dürfte kein Geheimnis sein, dass schwedische Musiker ein gewisses Faible für amerikanische Sounds haben. Erfolgreiche Beispiel ist wohl Kristian Matsson, besser bekannt als The Tallest Man On Earth. Oder auch die Americana-Truppe von Holmes, die mit ihrem neuen Album “Have I Told You Lately That I Loathe You” mal so nebenbei die Band Of Horses ziemlich blass aussehen ließen, die mit “Infinite Arms” ein leider eher enttäuschendes Werk veröffentlichten. Der Schwede John Roger Olssons ist jedenfalls auch einer dieser schwedischen Musiker, die ihre amerikanischen Einflüsse nicht leugnen können. Das demonstrierte er seit 2006 mit wechselnden Begleitmusikern bereits auf zwei Alben als The Grand Opening.

Für sein drittes Album “In The Midst Of Your Drama” lud er sich nun Jens Pettersson und seine Live-Band ins Studio, um wieder das auf Platte zu bannen, was Fans und Kritiker also Slow Motion Americana bezeichnen. Der Titel lässt zwar leichte Bedenken aufkommen, ob hier nun die Pathos-Keule geschwungen wird, der markante Sound von The Grand Opening mit zurückgenommener Instrumentierung und gefühlvollem Gesangsvortrag von John Roger Olsson nimmt diese aber wieder schnell. Im Gegensatz zu den ersten beiden Alben gibt es nun statt akustischer Songskizzen ein richtiges Bandgefühl. Das wird ganz deutlich bei “Be Steady”, das man am ehesten als Savoy Grand mit Country-Einschlag beschreiben kann. Die Trompeten im Song lassen dann auch die sonst so dichten Wolken bei The Grand Opening ein wenig aufreißen und den blauen Himmel erscheinen. Eine Qualität, die “In The Midst of Your Drama” eine ganz besondere Note verleiht und das Album zu einem gelungenen, wenn nicht sogar dem bisher besten The Grand Opening Album macht.

★★★★★★★☆☆☆
The Grand Opening

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Aerobatics, Happy Happy Ding Dong, Dortmund, 28. Oktober 2010

Foto: Chiara WhiteTapes

Als ich las, wo am Donnerstagabend letzter Woche die Aerobatics spielen würden, musste ich schon ein wenig schmunzeln. Was ist das auch für ein merkwürdiger Name? Happy Happy Ding Dong? Ich habe hier in Dortmund ja schon die eine oder andere Kneipe von innen gesehen und war deshalb äußerst gespannt, was mich erwarten würde. Als ich die Lokalität betrat, war ich wirklich positiv überrascht. Okay, ich liebe rot und die Wände im Happy Happy Ding Dong sind es und hinter der Bar stapelt sich bis unter die Decke das Hochprozentige. Wer würde sich dort nicht wohlfühlen?

Einlass war um 20 Uhr. Die Aerobatics kamen um kurz nach 21 Uhr auf die Bühne. Das Happy Happy Ding Dong war für einen Donnerstag doch recht voll, soweit ich das beurteilen kann. Nur irgendwie traute sich mal wieder niemand der Bühne zu nah zu kommen, wie das bei kleinen Konzerten meistens der Fall ist.

Neben den bereits bekannten Songs von ihrer Fidelity EP gab es natürlich auch einige neue Titel. Unter anderem ein Song namens „Promises and Presents“, der mir schon bei meinem letzten Konzert der Aerobatics im FZW sehr positiv aufgefallen war. Ich bin also gespannt auf eine neue EP oder ein Album – warten wir einfach mal ab, was uns die Fünf in Kürze präsentieren werden.

Als sich die Aerobatics dann nach ihrem Set von der Bühne verabschiedeten, schienen die Zuschauer es wohl für selbstverständlich zu halten, dass sie nochmal für eine Zugabe zurückkehren und deshalb stand der Großteil einfach nur rum, guckte auf die Bühne, sagte aber nichts. Na, so wird eine Band wohl nicht wieder kommen wollen. Vielleicht lag es daran, dass Donnerstag war. Da sind die Menschen vielleicht noch nicht ganz so ausgelassen. Aber da gab es ja noch Steve, der der Dortmunder Truppe wohlgesonnen war und einfach auf die Bühne sprang und die Leute dazu bewegte doch endlich mal „Zugabe“ zu rufen.

Foto: Chiara WhiteTapes

Was da beim Publikum los war, weiß ich auch nicht. Da wäre sicherlich mehr drin gewesen. Fair finde ich so ein Verhalten nicht, selbst wenn es nur mittelmäßig gewesen wäre, was es allerdings nicht war.

Dank Steve, traute sich die Band dann doch nochmal auf die Bühne und spielte noch ein paar Zugaben. Und wie gut, dass sie das taten.

Sänger und Gitarrist Jonas Künne dürfte ja dem ein oder anderen auch von Black Rust bekannt sein. Durch die Zugabe der Aerobatics bekam das Publikum im Happy Happy Ding Dong nämlich ganz unerwartet einen kleinen Einblick in das dritte Album von Black Rust, das im März 2011 erscheinen wird. Wie es dazu kam, darf ich allerdings nicht verraten.

Warten wir einfach bis das neue Black Rust Album da ist und dann wird Jonas das Geheimnis um den Song vielleicht enthüllen.

Insgesamt war es ein wirklich toller Abend. Meine Highlights waren definitiv „Closer“, „Promises and Presents“ und der Titel, der eigentlich Black Rust gehört. Der Sound war für einen so kleinen Laden wirklich gut. Da habe ich schon weitaus schlimmeres erlebt. Zusätzlich habe ich mit dem Happy Happy Ding Dong eine erstklassige Dortmunder Szene-Kneipe entdeckt, in der ich nun wohl häufiger anzutreffen sein werde.

Fotos: Chiara WhiteTapes

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Röyksopp – Senior

Wenn man jung ist, hat man noch Träume. Oder man macht zumindest Dinge, an die man ein paar Jahre später lieber nicht erinnern werden möchte. Und gerade wegen dieser Erfahrungen, beginnt man sich zu entwickeln. Manche nennen es dann „reifen“. Ob die Norweger von Röyksopp es tatsächlich noch nötig haben zu reifen, darf zumindest angezweifelt werden. Zu erfolgreich waren ihre letzten elektronischen Kompositionen – bei Kritikern wie Hörern gleichermaßen. Dabei beherrschen Sie gleich mehrere Spielarten der elektronischen Musik, die sowohl daheim im Wohnzimmer als auch im Club, aber vor allem live bei ihren großartigen Konzerten zum Tragen kommen.

In bester Erinnerung ist jedenfalls noch das fantastische „What else is there“ oder ihr Auftritt beim MELT 2009, als Sie auf der Main Stage tausende Menschen in Begeisterung und Erstaunen versetzt haben. Selten gelingt es Musikern die Hörer mit der gleichen Musik zum Feiern und gleichzeitig zum Träumen anzuregen. Röyksopp schaffen es dank großartiger Melodien, den passenden Gastsängern und somit einer skandinavischen Mischung, die weltweit Anerkennung findet.

Eine weitere Entwicklungsstufe haben Sie nun mit ihrem Album Senior erklommen. Nachdem der jüngere Bruder „Junior“ noch wild und feierwütig daherkam, ist sein älterer Konterpart deutlich gesetzter. Zum einen wird komplett auf Vocals verzichtet, was die Musik somit schon an sich deutlich minimalistischer daherkommen lässt. Während „Tricky Two“ durchaus Club-kompatibel erscheint wird es mit Ausnahme des Minimal-Krachers „The Drug“ deutlich entspannter. Perfekt, um während einer Zugfahrt in eine andere Welt einzutauchen und die Landschaften an einem vorbeiziehen zu lassen. Manch einer mag das Album langweilig finden. Das kommt hin, wenn man die „Junior“ als Maßstab nimmt. Lässt man sich jedoch auf die Ambient- und Chill-Out Musik ein, findet man schnell Gefallen und entdeckt einen Begleiter für gemütliche Sonntagnachmittage oder Abende mit einer guten Flasche Rotwein. Anscheinend sehen sich die Norweger angekommen – das lässt zumindest das harmonische „Coming Home“ vermuten. Doch Röyksopp wären nicht Röyksopp und sehen ihre Entwicklung längst noch nicht abgeschlossen. „A long long way“ lautet der letzte Titel des Albums.

★★★★★★★★★☆
Röyksopp

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Antony & The Johnsons – Swanlights

Es gibt sie – die Musik, die schwer verdaulich ist. Jedoch nicht aufgrund von Einfallslosigkeit oder Plastikpopsymptomen, wie sie Landauf, Landab in den Charts zu finden ist. Nein, vielmehr schwer verdaulich, weil der Zugang zu ihr sehr viel Einfühlungsvermögen und Kompromissbereitschaft beim Hörer voraussetzt. Kritiker überschlagen sich dann zumeist vor Lob – gilt diese Art von Musik doch meist als intellektuell und verweist auf einen bestimmten Anspruch, der vermittelt werden möchte. Doch was passiert, wenn man keinen Zugang zur Musik findet? Ist man dann nicht intellektuell genug?

Dies war die Frage, die ich mir stelle, nachdem ich Antony & The Jonsons mehrmals hintereinander anhörte. Ich hörte „Swanlight“ mehrmals hintereinander, doch so recht kamen wir nie auf einen Nenner. Keine Frage, es ist großartig arrangiert. Das wunderschöne Pianospiel und der Einsatz von Streicher – es passt. Jedoch erzeugt Sänger Antony Hegarty eine solche verzweifelte, ja zerbrechliche Stimmung, dass es einem irgendwann zuviel wird. Das Leben ist ja durchaus schön und nicht nur traurig, schlimm und grausam. Vielleicht sollte jemand es ihm nur einfach mal mitteilen. Selbstverständlich gibt es jede Menge Leute, die seine Musik – wahrscheinlich auch zu Recht – in Begeisterungsstürme versetzte. Für meinen Geschmack ist es eine Spur zu depressiv, was jedoch auch an der sehr gewöhnungsbedürftigen Stimme von Hegarty liegen könnte.

Merke: Das Empfinden von Musik ist sehr subjektiv – und das ist auch gut so.

★★★★☆☆☆☆☆☆
Antony & The Johnsons

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I Like Trains – He Who Saw The Deep

In den letzten sechs Jahren seit ihrer Gründung haben iLiKETRAiNS aus Leeds einiges erlebt. Als Quintett gestartet veröffentlicht die Band mit der komischen Schreibweise ihres Namens 2006 ihre erste EP “Progress Reform”. Die mit ihrem schweren Rock, düsteren Shoegaze-Sounds und bombastischer Songlänge schon eher ein Album ist. Markenzeichen ist die tiefe Stimme von David Martin mit der er Elegien über tragische Geschichten der Historie vorträgt. Mittelpunkt ist immer das Scheitern der Menschen und wie es ihnen einfach nicht gelingt aus ihren Fehlern zu lernen. So erzählen sie in ihrem vielleicht beeindruckendsten Stück “Terra Nova” die Geschichte der missglückten Südpol-Expedition von Robert Falcon Scott. Auf ihrem Debüt “Elegies to Lessons Learnt” setzen sie dieses Erfolgskonzept fort und erzählen von der Hexenjagd, der Ermordung von Spencer Perceval und vielem mehr.

Zurecht feiert die Band mit ihrem bedrückenden und düsterem Werk europaweit große Erfolge. Dennoch trennt sich ihr Label Beggar’s Banquet nach einer Reihe von Tourneen von ihnen. Kurz darauf steigt auch Horn-Spieler und Videoprojektions-Künstler Ashley Dean aus, die Band ändert ihre Schreibweise in I Like Trains, was vielen Fans und Musikschreibenden sicherlich sehr entgegenkommt und veröffentlicht Ende 2008 ihren vorerst letzten Streich, “The Christmas Tree Ship”, eine Instrumental-EP über die traurige Geschichte von Kapitän Herman Schuenemann und seiner Crew. Danach folgt eine Weile nichts und dann die Nachricht, dass sie versuchen den Release ihres fertig produzierten neuen Albums über Pledge zu finanzieren. Es dauerte relativ genau zwei Tage, dann hatte die Band schon ihr Ziel erreicht. So erschien “He Who Saw The Deep” nun also mit Unterstützung der Fans, was heutzutage aber nun nicht mehr so ungewöhnlich ist. Ungewöhnlich aber das Etikett, dass I Like Trains anhaftet. “History-Rock” heißt das und begründet sich in der Wahl der Themen für ihre Songs. Das scheinen sie aber mittlerweile ändern zu wollen und präsentieren mit “He Who Saw The Deep” erstmals ein Album, in dem sich die Band nicht historischer Tragödien bedient. Die Themenwahl bleibt allerdings nicht die einzige Veränderung. Auch der elegische Post-Rock-Sound ist nun etwas aufgehellt. So durchziehen nun häufiger auch schnelle hohe Gitarrensounds die Songs und der Bariton von David Martin wird nicht immer von einer großen drückenden Wand aus Gitarren untermalt. I Like Trains müssen es sich dadurch nun zwar gefallen lassen, dass sie von Kritikern nun durchaus mal in die Nähe der Editors verortet werden. Aber dafür kann man ihnen attestieren, dass sie ihre Sache durchaus überzeugender gestalten, als die Band um Tom Smith. Das liegt auch an der gekonnten Dosierung des Bombast, der einigen Songs, wie etwa “Sea Of Regrets” beigemischt ist. Und letztlich gibt es genügend Punkte, an denen sich doch wieder deutliche Referenzen an ihren gewohnten Sound heraus hören lassen. I Like Trains ist es mit “He Who Saw The Deep” also gelungen ihrem Sound eine neue Note zu verleihen, mit der sie bald vielleicht auch ähnliche Erfolge feiern könnten, wie etwa Editors.

★★★★★★★★½☆
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Sufjan Stevens – The Age Of Adz

Foto: Pressefreigabe

Ganze fünf Jahre mussten Fans mittlerweile seit dem letzten “richtigen” Sufjan Stevens Album “Come on Feel the Illinoise!” warten. Zwischendurch gab es eine umfangreiche Sammlung von Weihnachts-Songs, Outtakes von “Illinoise” mit Namen “The Avalanche”, Outtakes von “Enjoy Your Rabbit” mit Namen “Run Rabbit Run” und ein Instrumental-Album mit Namen “The BQE”, das er dem Brookly Express Way widmete. Dass er das Projekt wirklich ein Album für jeden Bundesstaat der USA zu schreiben umsetzen würde schien immer unwahrscheinlicher. Mittlerweile hat er das in Interviews auch als Scherz abgetan, der er im Zuge von “Michigan” und “Illinoise” gern gemacht habe. “The Age Of Adz” ist also das erste Album seit 2005 und recht ungewöhnlich für den 35jährigen Amerikaner. Er geht dieses Mal nämlich ganz ohne Konzept ans Werk. Er wolle den Songs kein Korsett anlegen, in dem einige der alten Songs nur funktionieren können.

Die Stücke sollen auch aus dem Zusammenhang gerissen noch wirken. Natürlich ist “The Age Of Adz” keine lose Songsammlung, dafür hängt Sufjan Stevens zu sehr am Konzept Album. Der Einstieg “Futile Devices” wiegt langjährige im Gegensatz zum Songtitel dann mit ruhigen Gitarrenklängen und sanftem Gesang noch in Sicherheit und man wähnt Stevens auf gewohnten Pfaden durch ein meditatives Album wandern zu hören. Aber schon das knapp 7 Minuten lange “Too Much” holt Fans der Staaten-Alben aus ihrer Sicherheit und konfrontiert sie mit elektronischen Klängen und einer komplexen Melodie. In der verstecken sich dann aber jede Menge Spielereien, die es zu entdecken gilt. Etwa die liebgewonnen Flöten und laute Bläser, die sich bis zur Ekstase zu steigern scheinen. Die Songs gegen Ende immer mehr anschwellen zu lassen, bis sie vor übereinandergelegten Song- und Melodieschnipseln zu kollabieren scheinen war ja schon immer ein Markenzeichen von Sufjan Stevens. Und bleibt es hier natürlich auch. Dank elektronischer Einspielungen hat es der Hörer nun sogar noch ein wenig schwerer. Da ist es auch schon hart dem Titelsong “The Age Of Adz” wirklich konzentriert zu lauschen, da sich hier kaum ein Element merklich in den Vordergrund drängt und man häufig nur mit einem schwer fassbaren Kuddel-Muddel konfrontiert ist. Wenn er den Song dann wie etwa bei “Now That I’m Older” auf einige klare Elemente reduziert, dann spürt man die alte Stärke von Sufjan Stevens und die Begründung für den Wind, der um den Amerikaner gemacht wird. Zu häufig ist “The Age Of Adz” aber ein unentschlossenes Sound-Wirr-Warr, das Hardcore-Fans wohl nur mit jeder Menge Geduld durchzustehen vermögen.

★★★★★☆☆☆☆☆
Sufjan Stevens


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Fyfe Dangerfield – Fly Yellow Moon

Bereits seit mehr als zehn Jahren treibt sich der mittlerweile 30jährige Brite Fyfe Dangerfield in der britischen Musikszene herum. Bekanntehit erlangte er spätestens mit seiner 2004 gegründeten Band gUiLLeMoTs und den beiden Alben “Through the Windowpane” und “Red”. Nach dem 2jahres-Takt, in dem er mit ihnen die beiden Alben veröffentlicht hat, wäre in diesem Jahr eigentlich das dritte Album dran gewesen. Eigentlich, denn seine Bandmitglieder sahen das anders und zogen es vor, die Pause noch ein wenig länger zu gestalten, um sich ihrer Familie zu widmen. Da Fyfe schon knapp zwei Dutzend Songs für die gUiLLeMoTs fertig hatte, nahm er kurzerhand ein Soloalbum auf, unter anderem auch mit Stücken, die er mit seiner Band vielleicht nicht aufgenommen hätte.

Das gilt aber wohl wirklich nur für ein paar Songs. “When You Walk In The Room”, der Opener von “Fly Yellow Moon” klingt wie die konsequente Fortsetzung des zweiten gUiLLeMoTs “Red”. Das Piano klimpert fröhlich, die Gitarre quietscht und Fyfe im Refrain gleich mit. Ein Song, bei dem wirklich niemand schüchtern bleibt, sondern breit grinsen und ausgelassen tanzen dürfte. Aber, als wolle er gleich zeigen, dass er nicht nur Songs für die gUiLLeMoTs schreiben kann, zeigt er mit “So Brand New” dann gleich seine Qualitäten als klassischer Singer-Songwriter. Beinahe nur mit Gitarre, Schlagzeug und seiner Stimme leitet er durch einen beschwingten Titel. Bei “Barricades” beschränkt er sich dann beinahe komplett auf Streicher, Piano und seinen Gesang und erschafft wahrlich berührende Momente. Im wahrsten Sinne des Wortes, singt er doch seiner Angebeteten “I Wanna Be Near You All The Time”. Mit diesen leichten Momenten in spärlicher Instrumentierung und rockigeren, schnelleren Songs, die auch den gUiLLeMoTs gut zu Gesicht stünden schafft Dangerfield eine unterhaltsame und abwechslungsreiche Mischung auf seinem Solo-Debüt. Mit dem mitreißenden Mit-Tempo Rocker “Faster Then The Setting Sun” ist dann auch noch ein richtiger Hit dabei, mehr kann man also eigentlich gar nicht erwarten. Ein Lichtblick also in der Masse der Solo-Alben dieses Jahres und ein schöner Stimmungsmacher für ein hoffentlich bald erscheinendes drittes gUiLLeMoTs Album.

★★★★★★★½☆☆
Fyfe Dangerfield

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Broken Records – Let Me Come Home

Auf ihrem Debüt-Album “Until The Earth begins To Part” ließen die Schotten von Broken Records noch in großen Gesten die die Welt untergehen und ergingen sich manches mal in etwas zu viel Dramatik. Größtenteils bot das Werk aber natürlich starke und mitreißende Songs, die wieder einmal mehr das volle Potential der schottischen Musikszene offenbarten. Eine Szene, in der man sich kennt und schätzt und in die man nach einer langen Tournee wohl auch gern wieder zurück kehrt. Damit wären wir auch beim Titel des zweiten Albums angekommen. Nun geht es nicht mehr um das Ende der Welt, sondern nur noch ums nach Hause kommen. “Let Me Come Home” flehen die Jungs aus Edinburgh im Titel und auch im Opener “A Leaving Song” ist dieses Flehen direkt vernehmbar.

“Please Don’t Break My Heart” singt Frontmann und Sänger Jamie Sutherland hier ganz am Ende, nach einer pompösen, wie Gänsehauterzeugenden Nummer über das Ende einer Beziehung. Die Band aus Edinburgh spielt hier ihre ganzen Stärken aus, lässt die Drums schön stampfen, eine dichte Melodiewand aus Streichern und Bläsern erwachsen und drängt bombastisch darauf erhört zu werden. Jamie Sutherland singt dabei druckvoll mit leichtem Vibrato und gibt den Stücken dabei noch einmal eine ganz besonders mitreißende Note. Glücklicherweise setzt das Sextett aber nicht in jedem Stück auf Opernfüllenden Bombast, sondern besinnt sich auch einmal ein wenig. Etwa im schönen Duett “Dia dos Namorados!”, das im Zusammenspiel von Band und den zwei Gesangsstimmen so auch von The Swell Season stammen könnte. Eine weitere neue Facette bei Broken Records hört man in “A Darkness Rises Up” mit hohen Gitarren und einem sich im Refrain nach oben steigerndem Jamie Sutehrland. Hier scheint die Band einmal ihren Schwermut fallen zu lassen und ihr Sounduniversum um positive Noten anzureichern. Noch besser gelingt ihnen das im temporeich voranschreitenden “You Know You’re not Dead”. Am Ende heißt es dann mit sanfter Gitarrenmelodie und gefühlvollem Vortrag vom Jamie Sutherland “Home”. Broken Records sind angekommen und haben mit ihrem zweiten Album ein dichtes und schlüssiges Werk geschaffen, das einmal mehr einen Beleg dafür liefert, dass Schottland eine der fruchtbarsten und talentiertesten Musikszenen beheimatet.

★★★★★★★★☆☆
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Beat!Beat!Beat! – Lightmares

Was gibt es Schöneres als sich bei diesem nassen, trüben Herbstwetter einfach mal zurückzuziehen, um sich voll und ganz der Musik hinzugeben. Dafür geben uns die Viersener von Beat!Beat!Beat! mit ihrem Debütalbum einen wirklich guten Grund. Mit ihrem Erstlingswerk versprechen uns die Jungs keine Nightmares, sondern Lightmares. Welch ein wundervoller Gedanke. Ein Wort, das unbedingt in den englischen Sprachschatz aufgenommen werden sollte.

Bekannt geworden sind mir Beat!Beat!Beat! mit „Fireworks“, der in meinem Lieblingsclub rauf und runter lief… Irgendwann damals, als noch kaum jemand oder beinahe niemand den Namen Beat!Beat!Beat! überhaupt kannte. Ein Song zum ausgiebigen Tanzen, der richtig gute Laune verbreitet.

So war ich doch beim ersten Hören des Albums etwas enttäuscht, was aus den Titeln „Fireworks“ und „You’re Designer“ geworden ist. Ein „Beat!“ des dreifachen Ausrufes können wir seit der Veröffentlichung ihrer Stars EP vor einem Jahr also gedanklich streichen. Aber… das ist gar nicht so schlimm wie ich dachte.

Bereits mit den ersten Klängen von „Hard to cherish“ entführen uns die Jungs in eine Welt mit einer leicht trüben Grundstimmung aber mit dennoch aufmunternden Klängen, die perfekt zur Stimmung des aktuellen Herbstwetters passen. Die Stimme von Sänger Joshua schmiegt sich klar um die Klänge der Synthies und Gitarren. Ein Album für alle, die den Sommer noch nicht ganz aufgegeben haben.

An zweiter Stelle folgt „We are waves“, der vielleicht dem ein oder anderen schon bei einem sogenannten Musiksender mit einem schon recht Boygroupmäßigem Video mit nassen Hemden aufgefallen sein dürfte. Aber da ist ja noch die Farbe, die das Ganze schon wieder sympathisch für bereits über 20-jährige macht. Die Frohnatur der Viersener zieht sich weiter über den Song „Graveyard“ hinweg.

Und dann tauchen wir ein – in die Trübe von „Lightmares“. Als nächstes erwartet uns „You’re Designer“, den ich inzwischen in der Albumversion sehr ins Herz geschlossen habe. Hier dominieren Synthies, verzerrte Gitarren und die etwas verzweifelt klingenden Ausrufe von Sänger Joshua. In dieser Version passt sich der in der Demoversion doch noch etwas ruppige Song perfekt in das Konzept des Albums ein.

Raus aus dem dunklen, beklemmenden Designerraum, ab an die Luft, unter den freien Himmel, denn hier finden wir „Stars“, eine schöne, ausgereifte Indie-Rock-Nummer. Leichte, verspielte Gitarrenklänge leiten uns weiter zum Song „Too short to bide“, der vermutlich jedem Hörer an dieser Stelle ein zufriedenes Lächeln aufs Gesicht zaubern dürfte. Eine kleine Hymne an das Leben.

Leider folgt nun mit „Bravery“ ein etwas unvorteilhafter Song, der mehr Potential hätte, wenn dem Refrain nicht irgendwie das gewisse Etwas fehlen würde. Die Strophen machen nämlich Lust auf mehr. Da ist also noch durchaus Etwas ausbaufähig. Im Moment ist dieser Titel für mich ein Beweggrund, die Forward-Taste meiner Fernbedienung zu betätigen.

Bei „Fireworks“ werden dann schnell wieder die Tanzschühchen geschnürt. Obwohl der Song in der Albumversion an Tempo und Energie verloren hat, verursacht er trotzdem ein deutlich spürbares Zucken in den Füßen und animiert selbstverständlich dennoch zum Mitsingen. Für mich immer noch, nach all der Zeit, ein perfekter Song für die Tanzfläche.

Etwas ruhiger geht es weiter mit „I see glisten“, denn so langsam aber sicher nähert sich unser Lightmare dem Ende. Den Abschluss findet der Lichtertraum mit „Lightheavy Rapture“, der die ruhige Atmosphäre des Albums aufgreift. Und… es gibt ja noch einen Hidden Track, der Beat!Beat!Beat! mal von einer ganz anderen Seite zeigt. Hier schmeicheln sanfter Gesang und eine Akustikgitarre den Ohren. Von „Beat!“ ist da eigentlich gar nichts mehr zu spüren. So was können sie also auch, die vier. Mir gefällt’s.

Insgesamt ein wirklich sehr gelungenes Album, das die Songs der bereits bekannten Stars EP in neuem Licht erstrahlen lässt und jeden neuen Hörer verzaubern dürfte. Der Vergleich mit den Foals, der immer wieder von allen möglichen Menschen angestellt wird, entzieht sich ehrlich gesagt meines Verständnisses. Ja, es gibt ähnliche Elemente, aber wo die Foals doch mit einer etwas leidenden Stimme und druckvollerem Sound voranpreschen, schaffen es Beat!Beat!Beat! einen eigenständigen, fröhlichen Indiesound mit glockenklarer Stimme zu vermitteln, der auch den kleinen Altersunterschied und den unterschiedlich großen Erfahrungsschatz der beiden Bands unterstreicht.

Für mich ist „Lightmares“ ein sehr gelungenes Debütalbum, mit dem ich ehrlich gesagt nicht gerechnet hätte.

★★★★★★★☆☆☆
Beat!Beat!Beat!
Beat!Beat!Beat! auf Tour

18. Oktober, Jena, Rosenkeller
20. Oktober, Erlangen, E-Werk
21. Oktober, A – Wien, Flex (supporting: The Cinematics)
22. Oktober, München, Atomic Café (supporting: The Cinematics)
23. Oktober, CH-Aarau, Kiff
24. Oktober, Gießen, MuK
29. Oktober, Dortmund, FZW – VISIONS Westend Indoor
10. Dezember, Berlin, C-Halle – Fest van Cleef
11. Dezember, Mainz, Phönixhalle – Fest van Cleef
12. Dezember, Bielefeld, Ringlokschuppen – Fest van Cleef

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Blonde Redhead – Penny Sparkle

Nach ihrem 2007er Glanzstück “23″ gehen Blonde Redhead noch einen Schritt weiter in Richtung sphärischen TripHop und kreieren ein Hörerlebnis, das in etwa mit einem langsamen Dahintreiben in den Tiefen des Meeres vergleichbar wäre – mit vorbeischwebenden, buntem Meeresgetier, während die Sonne diffus durch die Wasseroberfläche scheint. Manchmal droht man jedoch zu ertrinken. Da verliert der Hörer sich in den wabenden Soundwänden und dem verträumten Seufzen von Sängerin Kazu Makino.

Der Opener „Here Sometimes“ stellt bereits einen Höhepunkt des Albums dar. Ein elektronischer Soundteppich wird durch Makinos charakteristische Stimme durchbrochen. Besonders der Refrain ist einprägsam. „Not Getting There“ ist eine weitere Attraktion, der von einer dramatisch-dunklen Gitarrenmelodie durchzogen wird. Gutenachtlied-Charakter hat dagegen „Love Or Poison“ zu bieten. Der Gesang ist verträumter denn je, fast flüsternd. Die musikalische Untermalung wirkt sehr einheitlich und die Übergänge sind sehr sanft. Der Folgetrack „Oslo“ und das Titelstück steigern dieses Prinzip sogar und könnten klar dem Ambient zugeordnet werden. Das Album hinterlässt insgesamt einen sehr homogenen Eindruck. Die Songs unterscheiden sich von zwei, drei Beispielen abgesehen kaum in ihrer Dynamik oder Machart. Der meist gleichbleibende Gesang kann auf Dauer nerven, zumal es sich hier um einen zwar schönen, aber doch sehr eigensinnigen handelt.

★★★★★★☆☆☆☆
Blonde Redhead

Blonde Redhead – Here Sometimes (4AD Session) from noknife on Vimeo.

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