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Final Fantasy (Owen Pallett) + Gravenhurst + Marissa Nadler, Utrecht, Tivoli de Helling, 12. August 2009

Etwas mehr als zwei Monate sind nun schon seit dem Final Fantasy Konzert in Würzburg vergangen, die ersten Entzugserscheinungen machten sich also wieder so langsam breit, da kam das Konzert am 12. August in Utrecht, im Vorfeld des Haldern Pop Festivals, bei dem Owen Pallett übrigens auch auftritt, natürlich gerade recht. Man weiß schließlich auch nicht, wann er wieder kommt, also war der Termin gleich ganz fett im Kalender markiert, auch wenn wir dafür das Beirut Konzert in Köln im Rahmen des C/O-Pop sausen lassen mussten. Ein Vorprogramm bestehend aus der amerikanischen Songschreiberin Marissa Nadler und dem britischen Shoegazer Nick Talbot, der Songs seines (inzwischen Solo-)Projekts Gravenhurst (übrigens auch am Samstag in Haldern zu sehen) zum Besten gab. Nachdem wir im April bereits beim Maxïmo Park Konzert das Tivoli de Oudegracht erkunden durften, stand nun also ein Besuch im kleineren Tivoli de Helling an, ein relativ quadratischer Club mit großer Bühne, der von Aufbau und Größe etwas an die kleine Halle des Bielefelder Ringlokschuppens erinnerte. Im Gegensatz zu diesem stank er allerdings extrem nach frischer Farbe, dafür waren die Wände aber auch hübsch schwarz und lila gestrichen.

Die Eröffnung des Abends erfolgte pünktlich um 20:15 mit der amerikanischen Songwriterin Marissa Nadler. Die schritt in einem langen, weißen Kleid auf die Bühne, griff zu ihrer Gitarre und begann sogleich mit ihrem Set. Das bestand aus einer halben Stunde ruhiger, karg instrumentierter Stücke. Zu den sanft gezupften Gitarrenakkorden sang sie in einer stark atifizierten, sehr anstrengenden Stimmlage. Zwischen den Stücken murmelte Marissa ab und zu ein paar kaum hörbare Worte in Richtung Publikum. Die Stücke an sich wären bestimmt ganz in Ordnung gewesen, waren aber durch den gewollt artifizierten Gesang derart anstrengend, dass wir froh waren, als die 30 Minuten ihres Sets dann vorbei waren.

Nach einer kurzen Umbaupause, es mussten nur ein Mikro und ein paar Effektgeräte umgesteckt werden, betrat dann Nick Talbot / Gravenhurst die Bühne. Der trug ein schwarzes T-Shirt mit der Aufschrift “Shoegazer”, wohl, damit jeder weiß, was ihn nun erwartet, stellte sich dann im Gegensatz zu Marissa Nadler auch kurz vor und begann sodann mit seinem Set. Wer schon einmal das Vergnügen hatte, Nick Talbot bei der Arbeit zuzusehen, weiß, dass er in seinem Spiel auf der E-Gitarre voll aufgeht. Sanft zupfte er seine Akkorde und vertiefte sich voll in seinen beinahe gehauchten Gesang. Zwischen den Stücken stellte er die einzelnen Songs vor und erklärte auch von welchen Alben sie stammten. So erläuterte er vor dem letzten Stück “Black Holes In The Sun”, “if you were bored by my set, you will be getting even more bored now. But if you liked what I played you will love the next song. And if you want to buy it, you can only do it here, because the Album isn’t available anywhere else”. Eine notwendige Ansage, denn das bei Marissa Nadler noch begeisterte Publikum fiel beim Gravenhurst Set größtenteils durch Abwesenheit und Desinteresse auf, obwohl gerade auch das finale Stück mit seinem lauten Feedback und Störgeräuschen am Ende ein echtes Shoegaze-Schmankerl war.

Es folgte eine etwas längere Umbaupause, in der es ein paar Abstimmungsschwierigkeiten zwischen Soundtechniker und Owen Pallett gab, die Owen immer wieder mit leicht abfälligen Blicken Richtung Bühnenrand quittierte. Die Probleme waren auch irgendwann behoben und Punkt 22 Uhr war dann Final Fantasy Zeit. Das Set eröffnete Owen dann mit einem neuen Song. Früh fiel hier auch schon auf, dass insbesondere die Bässe laut eingestellt waren und bei jedem Zupfen an den Geigensaiten die Boxen vibrierten. Die Vermutung, dass es das lauteste Final Fantasy Konzert werden könnte auf dem wir bisher waren sollte sich dann auch bestätigten. Die Vibration der Boxen wurde zwar gestoppt, es wummerte aber dennoch weiter, als würden da auf der Bühne Holy Fuck! stehen. Das war aber auch einmal ein schöner Effekt für ein etwas anderes und keineswegs schlechtes Final Fantasy Erlebnis. Zum “anderen” Erlebnis trug auch bei, dass Overheadprojektor-Spielerin Stephanie Comilang zur Verstärkung von Owen diesmal nicht anwesend und so alle Aufmerksamkeit dem Mann mit der Geige galt. Im Gegensatz zum Konzert in Würzburg war Owen Pallett etwas angeschlagen und beklagte sich häufig über die Lichtshow, die dem in ihm aufkeimenden krankheitsbedingten Unwohlsein seiner Aussage nach nicht unbedingt zuträglich sei. Das störte die Lichttechniker aber nicht und so legten die immer noch eine Schippe drauf, wenn Owen wieder eine Bemerkung machte. So wurde “This Lamb Sells Condos” dann sogar mit Stroboskop-Licht begleitet.

Auffällig auch die große Dichte an alten Stücken, die nur ab und zu durch den ein oder anderen neuen Songs, wie “Midnight Directives”, “Lewis Takes Action” und “Lewis Takes Off His Shirt” unterbrochen wurde. Besonderes Highlight war natürlich, wie in fast jedem seiner Sets “This Is The Dream Of Win And Regine” von seinem Debüt-Album “Has A Good Home”, ein Song, den Owen Pallett für Win und Regine von Arcade Fire geschrieben hat, mit denen er auch gut befreundet ist. Nach knapp 45 Minuten verabschiedete sich Owen dann bereits von der Bühne, kam aber kurze Zeit später für ein paar Zugaben zurück. Vor der letzten entschuldigte er sich dann noch einmal für seinen Gesundheitszustand, nachdem er vorher im Set bereits erklärte “never take drinks from mysterious Austrians”. Abgesehen von ein paar kleinen Verspielern, die er durch charmantes Lachen überspielte merkte man ihm aber nichts von seiner Krankheit an und so war der Applaus nach einer knappen Stunde Final Fantasy gewohnt groß. Owen schilderte seine Eindrücke auf seinem Twitter im Anschluss noch wie folgt: “That was some psychedelic show I played. I don’t remember anything. Mad applause, though, so maybe I should try and stay sick?”. Dem haben wir nichts hinzuzufügen, abgesehen davon, dass wir uns nun noch mehr auf das Final Fantasy Konzert beim Haldern Pop freuen, das ganz bestimmt eines der Highlights des Festivals werden wird.

Fotos: Ariane WhiteTapes

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The Pains Of Being Pure At Heart + Hatcham Social, Utrecht, Ekko, 07. Juni 2009

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Maxïmo Park – Album 3, 3 Tage, 3 Städte, 3 Konzerte

Foto: Myspace der Band

Mitten in den Vorbereitungen zum Release ihres neuen Albums “Quicken The Heart” spielen Maxïmo Park derzeit einen Warm-Up Gig nach dem nächsten. Nach Konzerten in Deutschland, Italien und einigen Osteuropäischen Ländern waren nun auch die Benelux-Staaten an der Reihe. Als grenznahe Münsterländer für uns beinahe Heimspiel und ein guter Grund, einmal eine Art Betriebsausflug zu machen. Pünktlich am ersten April fanden wir uns dann auch in den Hallen eines Jugendclubs, Trix genannt, im beschaulichen Antwerpen wieder.

Anders als noch beim Konzert in Köln startete die Band nicht mit der neuen Single “The Kids Are Sick Again”, sondern eröffnete mit einem alten Hit. “Graffiti” sollte die Stimmung vom Start weg anheizen, das gelang natürlich und die 423 Anwesenden (es war ausverkauft und laut Feuerschutzbestimmungen, die groß an der Wand hingen waren genau 423 Besucher zugelassen – Anm. d. Red.) tanzten fröhlich mit. Besonders spannend zu beobachten war hierbei die völlig andere Mentalität belgischer Zuschauer. Während das deutsche Publikum sich selbst bei ruhigen Maxïmo Park Stücken, wie “Going Missing”, oder “Books From Boxes” wellen- und ruckartig von einer Seite zur anderen bewegt und die ersten Reihen der Atemnot nahe meist versuchen die Hand von Sänger Paul Smith zu berühren, war derlei Verhalten in Antwerpen überhaupt nicht zu bemerken. Hier wurde natürlich ausgelassen geklatscht und auch im Takt mitgetanzt, aber die Gefahr einer Atemnot in den vorderen Reihen bestand nie, was für ein Maxïmo Park zur Abwechslung einmal extrem angenehm war. Das Set bestand, wie bereits in Köln aus einer ausgewogenen Mischung aus alten und neuen Stücken. Unter den neueren stachen dabei in knapp 75 Minuten Set insbesondere die Songs “Questing, Not Coasting” und ”Let’s Get Clinical” hervor. Besonderes bejubelt wurden aber natürlich bekannte Stücke, wie “Our Velocity” und das überraschenderweise auf der Setlist befindliche “The Night I Lost My Head”. Sichtlich peinlich war dem Quintett, als es sich bei “A Fortnight’s Time” so verspielte, dass sie den Song abbrechen mussten. Einer Entschuldigung folgte dann aber eine weiterhin energiegeladene und für Maxïmo Park übliche professionelle Show, die mit der finalen Zugabe “Apply Some Pressure” ihr Ende fand und gewohnt viele zufriedene Gesichter hinterließ.

Foto: Ariane WhiteTapes

Die Fortsetzung unserer kleinen Maxïmo Park Reise folgte dann nur zwei Tage später im flachen Nachbarland. Per Zufall hatten wir erfahren, dass die Jungs um Paul Smith vor ihrem abendlichen Konzert in Utrecht noch ein kleines Radiokonzert beim Lokalsender BNN geben werden. Da fackelten wir natürlich nicht lange und machten uns auch dahin auf nach Hilversum, einem Städtchen etwas nördlich von Utrecht. Nach einigem Warten im extrem warmen Foyer des Gebäudes führte man uns dann über mehrere Treppen in ein großes klimatisiertes Studio, in dem Radiosendung und Performance aufgenommen werden sollten.

Foto: Ariane WhiteTapes

Nach einer kurzen Anmoderation und einem Hallo von der Band, verschwanden diese wieder aus dem Studio, um nach ca. 20 Minuten wieder zum Einsatz zu kommen. Einer Fragerunde mit Sänger Paul un Drummer Tom folgte dann mit “I Haven’t Seen Her in Ages” auch das erste Lied. Die Besonderheit an der Performance war natürlich die Band auch einmal semi-akustisch zu sehen. Die Reduzierung auf Akustikgitarre, statt elektrischer und einer Rassel, statt eines Drum-Kits ließen den Song einmal ganz neu erblühen und gewährten einen neuen Einblick in die Live-Qualitäten der Band, die auch auf diese Weise überzeugen konnte. Was auf den Song folgte waren wieder unendlich viele An- und Abmoderationen, die aufgezeichnet wurden und wieder ein Kurz-Interview mit der Band, die kurz danach dann wieder mit zwei Stücken brillierte. Das erste “Questing, Not Coasting” war dann in der semi-akustischen Version noch eine Spur schöner, als die Live-Version und zeigte, dass dieser Song auch einer der Hits auf “Quicken The Heart werden dürfte. Mit “Books From Boxes” sollte dann der vorletzte Song folgen. Es folgte wieder eine Fragerunde mit der Band, dieses Mal standen ein kurzes Quiz und Publikumsfragen auf dem Programm, bevor Maxïmo Park ihren Auftritt mit der neuen Single “The Kids Are Sick Again” beschlossen. Die ganze Show kann man sich übrigens noch bis Samstag hier anhören.

Foto: Ariane WhiteTapes

Nach diesem wirklich sehr schönen Zeitvertreib am Freitagmittag ging es dann für uns und die Band weiter nach Utrecht, wo wir an den Grachten mitten in der historischen Altstadt nach einigem Suchen das Tivoli fanden. Die Band war schneller, die waren aber auch offensichtlich an diesem Tag schon einmal dagewesen. Zur Abwechslung begann die abendliche Show im Tivoli dann mit einer Vorband. Leider müssen wir an dieser Stelle sagen, denn die 45 Minuten, welche die niederländische Band HSSLHFF auf der Bühne spielten zeigten unsäglichen Männerschwanzverlängerungsrock. Das Set wurde zu allem Überfluss auch noch mit einer wahrlich unsäglichen Version von “Love Buzz” beschlossen. Besonders traurig, da genau heute vor 15 Jahren der König der “Love Buzz” Cover Kurt Cobain tot aufgefunden wurde. Aber lassen wir das einmal beiseite und widmen uns den schönen Dingen, in diesem Fall Maxïmo Park Konzert Nummer 3 in 3 Tagen.

Foto: Ariane WhiteTapes

Das wurde wie bereits in Antwerpen mit “Graffiti” eröffnet, zeigte dann aber einmal mehr eine komplett umgestellte Setlist. So fand sich nun wieder das bereits in Köln sehr tolle “The Penultimate Clinch” in der Show wieder. Darauf folgte das auch sehr toll “In Another World”. Mit “Under A Cloud Of Mistery” sollte auch wieder der Track im Set sein, den Paul Smith bereits in Antwerpen als “First Offiicial Maximo Park Disco Song” bezeichnete. Das Publikum an diesem Abend erinnerte wieder an deutsche Verhältnisse und schwankte von links nach rechts und immer nach vorne. Bei den alten, aber auch bei den neueren Stücken. Die schienen so langsam gelernt und vor allem akzeptiert zu sein. Auch “A Fortnight’s Time” klappte an diesem Abend einwandfrei, so dass insbesondere Keyboarder Lukas Wooller am Ende zufrieden lächelte. Das taten nach knapp 75 Minuten und der einmal mehr finalen Zugabe “Apply Some Pressure” aber auch alle Anwesenden. So wuchs die Vorfreude auf “Quicken The Heart” ein wenig mehr und zeigte auch, dass Maxïmo Park live auch bei drei Shows an drei Tagen einfach nicht langweilig werden.

Fotos: 1 Pressefreigabe, Rest Ariane WhiteTapes